Christian Osthold, Gastautor / 20.03.2023 / 10:00 / Foto: Imago / 76 / Seite ausdrucken

Führt die russische Armee oder Wagner den Krieg?

In Bachmut geraten die ukrainischen Truppen weiter unter Druck. Unter unerhörten Verlusten versucht Moskau, ihre Stellungen zu überrennen. Die Hauptlast der Angriffe tragen die Söldner der Gruppe Wagner. Warum aber sind sie dennoch so erfolgreich gewesen? Ein Blick ins Innenleben von Russlands Schattenarmee.

Was sich aktuell in der Ostukraine abspielt, erinnert an die blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkrieges. In Bachmut trifft die Frustration der russischen Angreifer auf die Entschlossenheit der ukrainischen Verteidiger. Kaum etwas ist von der Kleinstadt übriggeblieben, seit die Kämpfe vor sechs Monaten in ihren Vororten begannen. Einen strategischen Wert hat Bachmut nicht. Im Ergebnis steht das größte Schlachthaus des Krieges. 

Bis zu 1.500 russische Kämpfer sterben in Bachmut pro Tag. Das sind verheerende Verluste, deren Ausmaß man nur anhand historischer Vergleiche ermessen kann. In Stalingrad etwa verzeichnete die Rote Armee zwischen dem 23. August 1942 und dem 2. Februar 1943 etwa 3.400 Gefallene im Tagesdurchschnitt. Dass sie am Ende trotzdem den Sieg davontrug, basierte auf reiner Mathematik. Im Gegensatz zur Wehrmacht und ihren Bundesgenossen hatten die Sowjets 1.7 Millionen Mann zur Verteidigung der Wolgametropole aufgeboten. Nicht so die Ukraine. Mit wenigen Tausend Mann hält sie in Bachmut die Stellung. Und fügt den Russen gigantische Verluste zu. 

Nichtsdestoweniger haben Jewgenij Prigoschins (Im Foto oben) Söldner ihre Angriffe unentwegt fortgesetzt. Am Wochenende kontrollierten sie bereits die Hälfte des Stadtgebiets. Es ist gut möglich, dass sie die verbleibenden Bezirke schon bald vollständig eingekreist haben könnten. Trotz der zunehmend aussichtslosen Lage hat die ukrainische Führung beschlossen, die Verteidigung der Stadt fortzusetzen. Hierzu hat sie weitere Reserven in die Region verlegt, darunter auch Elitetruppen. Ob diese tatsächlich die Wende bringen oder den aktuellen Zustand doch nur verlängern können, bleibt abzuwarten.

Söldner der Gruppe Wagner tragen die Hauptlast der Angriffe

Die ukrainische Führung indes zeigt sich zuversichtlich. War die Stimmung in Kiew vor zwei Wochen noch verhalten pessimistisch geprägt, hat sich nun Entschlossenheit eingestellt. Präsident Selenskij will Bachmut unbedingt halten. Das dürfte allerdings nicht nur am Symbolcharakter der Stadt liegen. Längst ist klar, dass die russischen Streitkräfte in Bachmut ausbluten. Je länger die Kämpfe unter diesen Bedingungen andauern, desto verheerender ist es für Moskau. Nicht zufällig hat US-Verteidigungsminister Lloyd Austin unlängst die Tapferkeit der ukrainischen Verteidiger gelobt. In Bachmut hätten sie Wundersames bewirkt.

Was Austin damit meint, ist offenkundig. Trotz immenser Anstrengungen scheitern die Russen seit nunmehr einem halben Jahr daran, entscheidende Durchbrüche zu erzielen. Dieses Versagen wiegt umso schwerer, als sie mittlerweile an mehreren Fronten gleichzeitig angreifen. Seit Wochen tragen die Söldner der Gruppe Wagner die Hauptlast der Angriffe. Trotz kontinuierlicher Erfolge erleiden sie dabei verheerende Verluste. Was aber macht die Freischärler zu den effektivsten Kräften auf russischer Seite? Und was kann die ukrainische Armee ihnen entgegensetzen?

Es ist allseits bekannt, dass die von Jewgenij Prigoschin kontrollierte Gruppe Wagner zunächst nicht an der Invasion der Ukraine beteiligt gewesen war. Erst im April 2022 tauchten ihre Einheiten an verschiedenen Frontabschnitten auf. Zunächst ließ Prigoschin Einheiten nach Popasna in der Region Luhansk verlegen. Popasna befand sich seit 2015 an der sogenannten „Kontaktlinie“ zwischen den ukrainischen Streitkräften und den Separatisten der Volksrepublik Luhansk. Eine Eskalation der Kämpfe hatte man hier am ehesten antizipiert. 

Im Frühjahr 2022, nachdem Moskau bei Kiew, Charkiw und Mykolajiw empfindliche Niederlagen erlitten hatte, begann der russische Generalstab eine großangelegte Offensive im Donbass. Auch diese Operation verlief weitgehend im Sand und konnte die gesetzten Ziele nicht erreichen. Allerdings gelang es den eingesetzten Wagner-Söldnern, die Ukrainer aus Popasna zu vertreiben. Damit zeichnete sich erstmals jener Grundsatz ab, der bis heute gilt: Die Kampfkraft der Gruppe Wagner übertrifft die des regulären russischen Militärs. Die entscheidenden Erfolge der letzten Monate gehen auf ihr Konto.

Stoff für die dringend benötigen Erfolgsmeldungen

Ab August 2022 konnte Wagner seine Ressourcen stark erweitern, indem es mehrere Zehntausend Gefangene sowie zusätzliche Söldner rekrutierte, die bislang in anderen Formationen und Weltregionen aktiv gewesen waren. Dazu zählten insbesondere ehemalige Vertragskämpfer sowie aus dem aktiven Dienst ausgeschiedene Soldaten. 

Während die russischen Streitkräfte nun also aus dem nördlichen Donbass abzogen, setzte Wagner seinen Vorstoß in dessen Zentrum fort. Am 1. August 2022 eroberten seine Söldner das Kraftwerk Wuhlehirsk und begannen sodann von Süden aus in Richtung Bachmut vorzurücken. Im weiteren Verlauf konnten die Freischärler immer wieder einzelne Erfolge erzielen und den ukrainischen Verteidigern dabei stark zusetzen. Die russische Propaganda erhielt so den nötigen Stoff für die dringend benötigen Erfolgsmeldungen an der Heimatfront.

Bis Oktober 2022 hatte sich der Personalbestand von Wagner so sehr verstärkt, dass ihr der russische Generalstab gleich einen breiten Frontabschnitt übertrug: und zwar das Gebiet im Norden Horliwkas bis Soledar. Bis November, als die ukrainischen Streitkräfte Cherson einnahmen und versuchten, auf Swatowe in der nördlichen Oblast Luhansk vorzurücken, war das zuvor Undenkbare eingetreten: Nicht der russische Generalstab, sondern die Gruppe Wagner bereitete eine Operation zur Eroberung von Soledar und Bachmut vor – ein Armutszeugnis für das Verteidigungsministerium. 

Zu diesem Zeitpunkt begannen die ukrainischen Streitkräfte, zusätzliche Kräfte in die Region Bachmut zu verlegen. Dabei griffen sie auch auf jene Truppen zurück, die nach der Befreiung des rechten Dnjeprufers freigesetzt worden waren. Zusätzlich ließ Kiew einen Teil seiner Kräfte aus Swatowe abziehen, um die Verteidigung im Zentrum des Donbass zu verstärken. Trotzdem sind diese Reserven bislang nicht in der Lage gewesen, den Vorstoß der Wagner Gruppe zum Stehen zu bringen. Das ist insofern bemerkenswert, als sämtliche übrigen Vorstöße, die Moskau im Winter begonnen hatte, keine substanziellen Ergebnisse gebracht haben.

Wagner hat sogar einige Kampfflugzeuge im Bestand

In der westlichen Wahrnehmung figurieren die Wagner-Söldner überwiegend als skrupellose Freischärler, die mit großer Brutalität vorgehen. Dieses Bild ist unzutreffend. Tatsächlich sind sie sehr wohl mit den Formationen der regulären russischen Streitkräfte vergleichbar. Die Gruppe Wagner verfügt über eigene Artillerieeinheiten und hat sogar einige Kampfflugzeuge in ihrem Bestand. Man darf annehmen, dass sich ihre Ausrüstung in den kommenden Monaten weiter verbessern und immer mehr an das Niveau des Heeres heranreichen wird.

Auf operativer Ebene unterscheidet sich das Vorgehen von Wagner auf verschiedene Weise von dem der russischen Armee. Dazu zählen eine hohe taktische Flexibilität sowie eine insgesamt stärkere Loyalität gegenüber den eigenen Kommandeuren. Beides ist für die regulären russischen Streitkräfte untypisch. Vielfach haben sich ihre Angehörigen über den desolaten Zustand in der Armee beklagt, die Einberufung verweigert und sind desertiert. 

Die Gruppe Wagner ist anders. Sie ist die Speerspitze der russischen Bodentruppen. Sie ist unberechenbar und intelligent. Während der Schlacht um Bachmut änderte sie mehrmals die Richtung ihrer Hauptangriffe. Hatte es im November 2022 noch den Anschein gehabt, ihre Söldner würden die Stadt von Süden her stürmen, änderte Prigoschin diesen Plan Anfang Dezember. Stattdessen verlagerten sich seine Truppen jetzt auf die Einnahme bedeutender Vororte, darunter Jakowliwka und Bachmutskoje. Die Ukrainer hatten das nicht erwartet.

Auch wenn es kaum möglich ist, intime Einblicke in das Innenleben von Wagner zu erhaschen, lässt sich sagen, dass seine Methoden extrem viele Ressourcen verschwenden. Nicht nur leidet die Söldnertruppe an extrem hohen personellen Verlusten, sondern verbraucht zudem auch viel Munition. Prigoschin hat den Bedarf kürzlich mit 10.000 Tonnen pro Monat beziffert. Zwar bleibt unklar, welchen Typ er damit konkret meint, doch sind die mit seiner Forderung verbundenen Kosten sehr hoch. Militärexperten schätzen, dass die Gruppe Wagner mehr als 6.500 Granaten pro Tag verschießt. Sollte das zutreffen, wäre das doppelt so viel wie der Verbrauch ukrainischer Truppen.

Kein Stein soll auf dem anderen bleiben

Wie aber lässt sich der im Wortsinn durchschlagende Erfolg von Wagner erklären? Seine Taktik basiert weitgehend auf dem Einsatz einzelner Stoßtrupps, die wiederum aus Sturmgruppen bestehen. Ukrainische Militärs und Journalisten berichten, dass einer Gruppe sieben bis fünfzig Personen angehören können. Diese Formationen versuchen, unbemerkt an ukrainische Positionen heranzukommen. Praktisch jede von ihnen verfügt über eine Aufklärungsdrohne, die die Position des Feindes detailliert aufklärt. 

Auf der Grundlage dieser Daten erstellt der Gruppenkommandeur einen Angriffsplan. Auf einer elektronischen Karte sind die Routen für jeden Söldner angegeben. Im Anschluss daran werden die erforderlichen Mittel für den Kampf berechnet. Das betrifft die Anzahl der eingesetzten Kämpfer, die immer eine numerische Überlegenheit ermöglichen, ebenso wie den zu erwartenden Munitionsverbrauch.

Bei ihrem Vordringen werden die meisten Stoßtrupps von massivem Artilleriefeuer unterstützt. Der damit verbundene Unterdrückungsbeschuss soll den Söldnern dabei helfen, sich den feindlichen Stellungen so stark wie möglich zu nähern. Im Anschluss daran beginnt beginnen die Söldner mit dem gezielten Beschuss aus Mörsern und automatischen Granatwerfern. Dabei werden jene Punkte attackiert, die man als die schwächsten identifiziert hat. Kein Stein soll auf dem anderen bleiben.

Nach Abschluss dieser Maßnahmen beginnt der eigentliche Sturmangriff auf die ukrainischen Stellungen, bei denen es sich in der Regel um Schützengräben oder Gebäude handelt. In den einschlägigen Telegramkanälen ist eine Vielzahl von Filmen zu finden, die solche Angriffe aus der Sicht der Soldaten zeigen. Fast immer wird der Feind aus kürzester Distanz attackiert. Die Härte der Kämpfe ist immens. Das Setting der einzelnen Situationen lässt sich am ehesten als „Mann gegen Mann“ beschreiben. Es ist schwer vorstellbar, dass die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr gegenwärtig dazu fähig wären, solch unmittelbar geführten Kämpfe auszuhalten. 

Das russische Heer in vielen Aspekten deklassiert

Ein großer Vorteil der Sturmtruppen besteht in ihrer Ausdauer. Ist ein Angriff abgeschlagen worden, gruppieren sie sich innerhalb von kurzer Zeit um und gehen erneut gegen die feindlichen Linien vor. Gepanzerte Fahrzeuge werden dabei nur äußerst selten eingesetzt. Gleichwohl hat die Gruppe Wagner in den letzten Wochen immer häufiger Luftunterstützung angefordert, um an bestimmten Frontabschnitten weiterzukommen. 

Auffallend ist auch die überaus kluge Verteilung der vorhandenen Artillerie. Im Gegensatz zum Beginn des Krieges steht diese jetzt nicht mehr kompakt, sondern wird weit positioniert. Dadurch ist es möglich, größere Verluste bei Gegenangriffen zu vermeiden. Die Voraussetzung dafür ist eine gute taktische Führung durch die Kommandeure sowie eine reibungslose Kommunikation – Fähigkeiten, die der regulären russischen Armee vielfach abgehen. 

Überspitzt kann man sagen, dass die Wagner Gruppe das Heer in vielen Aspekten deklassiert hat. Kein Wunder also, dass zwischen Prigoschin und Verteidigungsminister Schoigu ein erbitterter Konkurrenzkampf entflammt ist.

Trotz der offenkundigen operativen Erfolge leidet die Taktik der Gruppe Wagner unter einem gewaltigen Mangel – den unerhörten personellen Verlusten. Nach aktuellen Einschätzungen des britischen Militärgeheimdienstes weisen Wagner-Söldner die mit Abstand höchste Sterberate auf. Diese Verluste ließen sich nur durch anhaltenden Zulauf kompensieren. Tatsächlich hat die Gruppe Wagner unlängst 58 neue Rekrutierungsstellen in Russland eröffnet. Bis zu 7.000 Dollar pro Monat winkt den Neuzugängen. 

Kiew bleibt nicht mehr viel Zeit 

Die ukrainischen Streitkräfte haben große Probleme, der Wagner-Taktik standzuhalten. Das ist kein Zufall. Vielfach verschanzen sich ihre Einheiten in Gräben oder Gebäuden. In Ermangelung einer ausreichenden Anzahl von Aufklärungsmitteln sind sie oftmals nicht in der Lage, das schnelle Vordringen der Wagner-Söldner rechtzeitig zu bemerken. Im Ergebnis stehen die oben skizzierten Szenen: Blitzartig dringen die Angreifer in ukrainische Stellungen ein. Die überrumpelten Verteidiger haben keine Chance und werden meist sofort getötet. 

Die neuralgische Situation der Ukrainer wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass die russischen Angreifer mittlerweile vielfach eine numerische Überlegenheit besitzen. Dies hat Kiew dazu gezwungen, fortwährend Verstärkungen nach Bachmut zu schicken. Das Fehlen der dabei zusammengezogen Reserven entblößt andere Frontabschnitte. Aus all dem folgt eindeutig, dass Kiew nicht mehr viel Zeit bleibt, um eine strategische Entscheidung zu treffen. 

Wenn es an der Verteidigung der Stadt festhält, werden die dort stationierten Truppen mit hoher Wahrscheinlichkeit eingekesselt und vernichtet werden. Bis es soweit ist, werden die Wagner-Söldner weiterhin große Verluste erleiden. Um diesen Aderlass zu verlängern, kann Kiew sukzessive Verstärkungen in die Stadt führen. Idealerweise hielte es immer so viele Truppen vor Ort, dass die Russen keine entscheidenden Durchbrüche erzielen könnten. Wie realistisch das ist, vermag niemand zu sagen. Fest steht lediglich, dass die Fortsetzung der Kämpfe unter diesen Bedingungen einen „Bad Trade“ für Russland darstellt. 

Auf der anderen Seite könnte Kiew den Rückzug seiner Truppen aus Bachmut befehlen und sie die gut ausgebauten rückwärtigen Stellungen weiter westlich beziehen lassen. Bislang hat der ukrainische Generalstab keine klare Entscheidung getroffen, wie er sich künftig in Bachmut verhalten will. Viel Zeit bleibt ihm nicht. Ein zu langes Zuwarten könnte katastrophale Folgen haben. Immer schon ist die Einkesselung von Truppen eine symbolträchtige Demütigung für die Verteidiger gewesen. Kiew will das mit allen Mitteln vermeiden. 

Für Sergej Schoigu eine existenzielle Bedrohung

Aus russischer Sicht ist der Erfolg der Gruppe Wagner ein zweischneidiges Schwert. Je durchschlagender er ist, desto stärker gerät das Verteidigungsministerium unter Druck. Dass ein privates Söldnerunternehmen die regulären Streitkräfte Moskaus in nahezu jedem Aspekt deklassiert, ist kein Ruhmesblatt für Wladimir Putin. Für Sergej Schoigu hingegen ist es eine existenzielle Bedrohung.

Dies gilt umso mehr, als Prigoschin einen offenen Konflikt mit dem russischen Verteidigungsministerium angezettelt hat. Seit Februar 2023 wirft er ihm vor, seiner Truppe nicht die benötigte Munition zu liefern. Bei seinen verbalen Angriffen gegen Schoigu geht Prigoschin sogar noch weiter: Dass Bachmut bislang nicht gefallen sei, habe mit einem Boykott durch das Verteidigungsministerium zu tun. 

An der „Frunsenkaja Nabereschnaja“ bezeichnet man Prigoschins Vorwürfe als haltlos und verweist darauf, dass die betreffenden Anfragen im Jahr 2022 mehr als erfüllt worden seien. Prigoschin wiederum beklagt, dass er keine Gefangenen mehr rekrutieren könne, weshalb sich seine Truppe in Zukunft kleiner werde aufstellen müssen. 

Wie auch immer die Zukunft der Gruppe Wagner aussehen mag, steht doch fest: Sollte es ihr gelingen, die für eine Fortsetzung der Kämpfe nötigen Ressourcen an Mensch und Material zu erhalten, wird sie dem russischen Heer immer mehr den Rang ablaufen. Im Gegensatz zu den regulären russischen Soldaten, die vielfach Verwandte in der Ukraine sowie eine sehr schwache Moral haben, werden die Wagner-Söldner nach russischen Maßstäben fürstlich bezahlt. 

Darauf angewiesen, dass russischen Bürger an den Schicksalskampf glauben

Für Moskau ist diese Entwicklung in verschiedener Hinsicht gefährlich. Sollte in der Heimat der Eindruck entstehen, nicht die Armee, sondern Wagner führte einen Krieg in der Ukraine, ließe sich die Erzählung von der Landesverteidigung nicht mehr aufrechterhalten. Mehr noch als zuvor ist das Regime darauf angewiesen, dass die eigenen Bürger an den Russland aufgezwungen Schicksalskampf glauben – ein Kampf, den nach Aussagen der Regierung selbstverständlich nur die regulären Streitkräfte führen können. 

Deren zum Teil desolates Scheitern wirft auch ein schlechtes Licht auf die Fähigkeit der politischen Eliten Russlands. Jahrelang hatten sie der Bevölkerung vorgegaukelt, Russland verfüge über eine hochmoderne und auf alle Szenarien vorbereitete Armee. Längst jedoch ist der Begriff „die zweitstärkste Armee der Welt“ zu einem Running Gag geworden. Kritiker verwenden ihn, um auf das Scheitern Moskaus in der Ukraine hinzuweisen. Von einem nahenden Sieg der russischen Waffen wird im Kreml längst nur noch vor laufenden Kameras gesprochen. Dass die Invasion des Nachbarlandes nicht nach Plan läuft, weiß hier jeder. 

Schließlich ist die Deklassierung des Heeres durch die Gruppe Wagner auch mit einer Erstarkung von Prigoschins Einfluss verbunden. Obwohl er seit langem an der Seite Wladimir Putins steht, gehört Prigoschin nicht zum politischen Establishment des Landes, wo er einige Feinde hat. Viele seiner etablierten Vertreter haben Prigoschins Aufstieg von Anfang an mit Argwohn verfolgt und sind der Meinung, der Emporkömmling sollte endlich in die Schranken verwiesen werden. 

Was am Ende dieser Entwicklung steht, wird man sehen müssen. Fest steht lediglich, dass die Schlacht um Bachmut einen wichtigen Ausschlag in den genannten Aspekten geben könnte. 

Foto: Imago

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Leserpost

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Helmut Bühler / 20.03.2023

Na, da fühle ich mich von Herrn Osthold mal wieder umfassend informiert. Die Russen bluten also aus, wenn es so weiter geht, die Ukrainer anscheinend aber nicht. Die müssen ja dumm sein, diese Russen, sollten mal Herrn Osthold fragen. Sollten sie aber weiterhin erfolgreich sein, dann wäre das schädlich oder gar gefährlich für Putin und seinen Verteidigungsminister, weil dann ein gewisser Prigoschin, dem vernehmen nach ein ungeliebter Emporkömmling, die Lorbeeren einheimst. Wäre ich selbst nicht drauf gekommen - gut, dass uns Herr Osthold die Welt erklärt.

Gerhard Schmidt / 20.03.2023

Danke, liebe Friedensfreunde, ich werde eure Ratschläge beherzigen! Wenn mich Einmann demnächst mit Messer-Nachdruck um Handy und Bares bittet, werde ich auf Diplomatie setzen statt auf Verteidigung. Vergewaltigungen liegen übrigens immer an der mangelnden Verhandlungsbereitschaft der unten Liegenden. Außerdem ist immer einer von Biden schuld. Mein Trost bei all der Kremlkriecherei: Siegen die Russen mit der bisherigen Verlustrate - die Knastinhalte dürften auch mittlerweile ziemlich komplett in ukrainische Erde umgelagert sein - weiter, steht Putin bei der Siegesparade auf dem Roten Platz sehr einsam da, falls er dann nicht schon irgendwo anders liegt…

Sam Lowry / 20.03.2023

Nachtrag: Im damaligen Jugoslawien-Krieg gab es 12.000 Söldner-Dollar pro Monat von den Saudies…

H.Reichmuth / 20.03.2023

@ S.Thomas: Sorry, Sie scheinen dreissig Jahre im Bunker verbracht zu haben oder sind Jahrgang 1999 und haben die ganze Entwicklung des Westens nicht selber erlebt. Der Westen hat sich selbst kaputtgemacht. Wir haben 1989 die Kommunisten besiegt und haben uns dann entspannt zurückgelehnt. Unsere Politiker hatten ein offenes Ohr für die Ausbeuterklasse und haben das Unternehmen “Globalisierung” gestartet. Dabei haben sie die ganze Realwirtschaft in 3.-Welt-Staaten verschifft, weils dort keine Gewerkschaften und Umweltvorschriften gibt. Die Gewinne sind massiv gestiegen! Die national verankerten Dienstleister - die man nicht wegglobalisieren kann - brachte man mit unendlich vielen Migranten unter Druck und konnte so auch dort die Löhne bis zum Existenzminimum senken. Hat prima geklappt. Dazu fährt man die ganze teure Infrastruktur runter, denn wofür braucht man Schulen oder Autobahnen? Der Mann von Welt hat einen Learjet und seine Söhne und Töchter einen sicheren Platz in Harvard, Yale, Oxford oder in der LSE. Mit gefälschten Bilanzen macht man den Leuten klar, dass der “Westen” immer noch die Spitze der Zivilisation sei, während er in Wahrheit ausser Bilanzfälschungen, “Qualitätsmanagement” und Yoga rein gar nichts produziert, was normale Menschen brauchen.Ich bin total gespannt auf den Konflikt mit China. Wenn die Chinesen beschliessen, keine Vorläuferchemikalien für die Pharmaindustrie oder gleich die Medikamente selbst an den Westen zu liefern, sind 50 Mio. Westler tot, ohne dass ein Schuss gefallen ist. Geile Sache, der Kapitalismus, nicht wahr? Wir haben 30 Jahre die Basis unseres Erfolgs zerstört. Das schafft man nur, wenn man ausser Geld keine Werte mehr hat. Wir haben es aber redlich verdient.

Sam Lowry / 20.03.2023

Wenn man, wie damals in Stalingrad, nur 20 Geschosse hat, muss man schon ziemlich sicher sein, etwas zu treffen. Die Ukrainer verballern jedoch mehr, als europaweit hergestellt wird. Warum? Weil ihnen alles kostenlos in den @rsch geschoben wird. Heute wieder was von 1 Mio. weiterer Granaten gelesen. Plus 100 Mio. Handgeld für Elendskyj. Wie das enden wird? Kann man an einem Finger abzählen… “es werde Licht!” Nö, ich habe keine Angst davor, da ich keine Angehörigen habe. Und die Menschen, die ich kenne, haben das gewählt und verdient!

Marc Munich / 20.03.2023

@T. Schmidt-Eichhorn   Da haben Sie schon recht. Nur, da die Spatzen die pikanten Ukraine-Verwicklungen von Vater Biden und Sohn HUNTER längst von den Dächern gepfiffen haben, finde ich es - der guten Ordnung halber - seither angebraucht - die beiden künftig nur noch in einem Atemzug zu nennen.

Bernhard Piosczyk / 20.03.2023

Die Ukraine ist ein schönes Land. Die Erde ist dort fett und schwarz (YT: “Hej Sokoły”). Black Rock raus aus der Ukraine !

Karl-Heinz Ruda / 20.03.2023

Michael Klonovsky, der sich in “acta diurna” wiederholt für Waffenlieferungen an die Ukraine aussprach, veröffentlichte neulich die Antwort einer Leserin, einer Slawistin, die sowohl mit russischen wie ukrainischen Freunden korrespondiert und seit langem einschlägige Internet-Beiträge in den Originalsprachen liest. Dieser Leserbrief unterscheidet sich nicht nur inhaltlich, sondern auch in seiner nachndenklich-sachlichen Form wohltuend von Herrn Ostholds montäglichen Auslassungen. Sie verweist darauf, dass viele Ukrainer, und zwar nicht nur ethnische Russen, Ungarn und Rumänen, die herrschende Russophobie nicht teilen. Sie ist entsetzt über die Tatsache, dass in der Ukraine inzwischen Männer zwischen 16 und 60 Jahren auf offener Straße zusammengefangen, in den Militärdienst gepresst und an der Front verheizt werden. Selenskyj selbst stehe unter der Knute der Kommandeure ehemaliger ultranationalistischer Verbände (“Banderisten”) , die inzwischen ganz in die ukrainische Armee integriert seien. Sie drohen mit seiner Ermordung, sollte er Friedensverhandlungen aufnehmen. Er würde “sein eigenes Todesurteil unterschreiben”, wenn er mit Putin spräche.  Wieder einmal stellt sich mir die Frage, welche und wessen Interessen die Verantwortlichen der ACHSE leiten, dass sie beharrlich die extrem einseitigen, spekula-tiven und evidenzarmen Tiraden des Herrn Osthold ins Netz stellt.

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