Die Financial Times legt den Finger auf den wunden Punkt: Die Bundesregierung sei selbst schuld am Scheitern des G8 Klimagipfels, weil sie ernsthaft geglaubt habe, “dem Rest der Welt dieselben Klimaschutzziele vorgeben könne wie zuvor der EU. Zu spät erkannte Merkel ihr tatsächliches weltpolitisches Gewicht.”
Anstatt den internationalen Druck auf Präsident Bush in den Verhandlungen für sich zu nutzen, hat sich die Bundeskanzlerin aufs Glatteis und damit in die Defensive manövrieren lassen.
Angela Merkel bleibe wohl nur noch die Hoffnung, das populäre Resentiment gegen “den bösen Weltenlenker” George W Bush werde ihr vermutlich aus der Bredouille helfen. “Dieses Kalkül dürfte aufgehen”, kommentiert die FTD. Antiamerikanismus als Schadensbegrenzung mag kurzfristig funktionieren. Etwas Positives wird er freilich nicht bringen.
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Financial Times Deutschland: Ohnehin trägt die Bundesregierung selbst Schuld daran, dass sie schon vor dem Gipfel damit gescheitert ist, die G8 auf ehrgeizige Klimaschutzziele festzulegen. Weil die US-Regierung und mehrere andere Länder mauern, werden sich die Weltmächtigen nicht die Beschränkung der Erderwärmung auf zwei Grad Celsius bis 2050 zum Ziel setzen; auch die Verringerung des CO2-Ausstoßes um 50 Prozent bis zur Mitte des Jahrhunderts wird in der Abschlusserklärung wohl nicht vorkommen. Indem Merkel vorab Positionen abräumt, vermeidet sie wenigstens einen Eklat.
Selbst schuld an ihrer Niederlage ist sie, weil sie zu lang den Eindruck erweckt hat, sie sei als G8-Vorsitzende so stark, dass sie dem Rest der Welt dieselben Klimaschutzziele vorgeben könne wie zuvor der EU. Zu spät erkannte Merkel ihr tatsächliches weltpolitisches Gewicht und dämpfte erst vergangene Woche die Erwartungen an die Klimabeschlüsse - um sie gleich wieder zu steigern, indem sie ein Vieraugengespräch mit Bush unmittelbar vor dem Gipfel ansetzte.
Es entbehrt nicht der Ironie, dass Merkel jetzt auf einen Effekt hoffen muss, auf den schon ihr Amtsvorgänger spekuliert hat und wofür sie ihn damals attackierte: dass die öffentliche Meinung in Deutschland Bush als den bösen Weltenlenker wahrnimmt, der sich gegen das (von der Bundesregierung vertretene) Gute stellt. Hier gegen den Klimaschutz. Dieses Kalkül dürfte aufgehen, denn die große US-Klimainitiative, die Bush am Donnerstag angekündigt hat, wird in Europa nicht viel Glaubwürdigkeit genießen. Dennoch werden sich die Deutschen jetzt erst recht fragen, wozu der enorme Aufwand rund um das G8-Treffen gut sein soll, wenn ihre Kanzlerin dort düpiert wird. Der Flop in Heiligendamm kann durchaus innenpolitische Spuren hinterlassen.
http://www.ftd.de/meinung/kommentare/:Leitartikel%20G8%20Gipfel%20Niederlage%20Ansage/207216.html
