An der NRW-Kommunalwahl wollten viele Beobachter auch die deutsche Wählerstimmung ablesen. Das gelang natürlich nur bedingt. Aber einige Reaktionen zeigen, was manche sogenannte Volksvertreter von den Wählern halten.
Was waren das für Wahlen? Die CDU schafft es gerade so, ihr Ergebnis (33,3 Prozent/ -1,0) zu halten, die SPD sinkt auf ein neues Rekordtief seit Kriegsende (22,1 Prozent/ -2,2), die Grünen verlieren stark (13,5 Prozent/ -6,5), die AfD verdreifacht ihr Ergebnis beinahe (14,5 Prozent/ +9,4) und die SED-Erben (5,6 Prozent/ +1,8) gewinnen leicht. Und die Reaktionen? Die CDU feiert einen Sieg, SPD und Grüne wollen wieder den Wählern endlich richtig erklären, wie falsch es ist, sie nicht zu wählen, und alle bekennen sich zur Brandmauer gegen die AfD. Würde man sich da an einer Hochrechnung über den prozentualen Vernunftanteil versuchen, wäre das Ergebnis wohl deprimierend. Immerhin konnten sich alle Beteiligten über eine Zunahme der Wahlbeteiligung auf 56,8 Prozent freuen.
Eigentlich waren es ja „nur“ Kommunalwahlen, die in normalen Zeiten außerhalb des Wahlgebiets kaum große Medien-Beachtung erfahren hätten. Aber in Zeiten, in denen die bundesweiten Umfragen erahnen lassen, dass sich die Zustimmungswerte der Parteien dramatisch verschieben können, möchten alle Interessierten jede tatsächliche Wahl gern als Stimmungsbarometer nehmen. Und Nordrhein-Westfalen ist auch nicht irgendein Bundesland, sondern immerhin das bevölkerungsreichste und in sich recht vielfältig.
Zwar lassen sich sicher auch an Kommunalwahlen Stimmungen ablesen, aber dennoch steht für Wähler vor Ort natürlich meist im Mittelpunkt, welche konkreten Personen in Rathäusern und Landratsämtern die Verantwortung übernehmen sollen. Kommunalwahlen sind deshalb bekanntlich weniger als andere Wahlen Abstimmungen nach Parteizugehörigkeit, sondern eher nach konkreten Personen, weshalb Beobachter von außen ohne Regional- und Lokalkenntnis mit ihren Prognosen oft falsch liegen.
Viele, die aus ihren Partei-Büros und Redaktionen in Berlin auf das Wahlgeschehen tief im Westen blickten, taten dies oft in der Erwartung, die im Bund vor sich hin stümpernden Koalitionsparteien CDU und SPD würden jetzt einmal deutlich abgestraft. Gemessen an diesen Erwartungen hat sich vergleichsweise wenig getan und – je nach politischer Ausrichtung – war man erleichtert oder enttäuscht vom Ausbleiben des großen Dramas.
Alles unspektakulär?
Allerdings haben sich vielleicht auch die Maßstäbe verschoben, denn eine Verdreifachung des AfD-Stimmenanteils, ein Einbruch der Grünen, ein neues Rekordtief bei der SPD – das hätte früher für ein kleines Polit-Beben gereicht. Heute sind die in Bund und Land Regierenden froh darüber, dass es nicht schlimmer gekommen ist. So gesehen ist es verständlich, dass der NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst das Ergebnis trotz leichter Verluste zunächst wie einen Wahlsieg seiner CDU gefeiert hat, bevor er kleinlaut einräumte, wie sehr ihm auch das vergleichsweise starke AfD-Ergebnis zu denken gibt.
Man mag die 14,5 Prozent, verglichen mit den aktuellen AfD-Umfragewerten (oder manchen Kommunalwahl-Ergebnissen im Osten), für unspektakulär halten, aber das sind sie nicht. Die AfD ist eine vergleichsweise neue Partei und in den Kommunen deutlich weniger verwurzelt als die ältere Konkurrenz. Hinzu kommt im Westen, dass die vielen Negativ-Berichte über die AfD in den Medien stärker verfangen als im Osten, so dass die Partei dort auch stärker als anrüchig gilt. Es ist daher für die AfD auch viel schwerer, präsentable Bürger zu finden, die unter ihrem Label in die großteils ehrenamtliche Kommunalpolitik gehen wollen. Zumal das bei Mitarbeitern im Öffentlichen Dienst oder Beamten inzwischen sogar mehr als ein Karrierehemmnis ist. Da ist es kein Wunder, wenn einem einige NRW-Landeskinder die dortige kommunale Personaldecke der AfD als dünn beschreiben und mancherorts die konkreten AfD-Kandidaten auch nicht gerade als überzeugend wahrnehmen.
Insofern sind 14,5 Prozent eine beeindruckende Zahl. Zudem schafften es AfD-Kandidaten in Gelsenkirchen, Duisburg und Hagen in die Stichwahl zum Oberbürgermeisteramt, auch wenn mit äußerst unterschiedlichen Ergebnissen. In Duisburg war der amtierende SPD-Oberbürgermeister Sören Link mit 46 Prozent nicht weit davon entfernt, den Amtserhalt im ersten Wahlgang zu schaffen. Der Zweitplatzierte, AfD-Kandidat Carsten Groß, kam auf 19,7 Prozent. In Gelsenkirchen ist der Abstand etwas geringer: SPD-Kandidatin Andrea Henze geht mit 37 Prozent gegen den AfD-Kandidaten Norbert Emmerich mit 29,8 Prozent ins Rennen. In Hagen ist der Unterschied zwischen den Stichwahlkandidaten gering: Der CDU-Kandidat Dennis Rehbein bekam 25,1 Prozent, gefolgt vom AfD-Kandidaten Michael Eiche mit 21,2 Prozent.
Jetzt hat es die SPD verstanden?
Die Stichwahlteilnahme wird für die AfD zunächst nur ein Achtungserfolg bleiben, denn im zweiten Wahlgang werden es ihre Kandidaten kaum schaffen. Die SPD-NRW-Landesvorsitzende Sarah Philipp und der CDU-Ministerpräsident Hendrik Wüst erklärten noch am Wahlabend, in den Stichwahlen den Gegenkandidaten der jeweils anderen Partei gegen den jeweiligen AfD-Bewerber zu unterstützen. Etliche CDU- und SPD-Politiker riefen die Stadt- und Gemeinderäte auf, auch in der Kommunalpolitik unbedingt an der Brandmauer festzuhalten. Wohin wird das führen? Ein Blick über die einstige Zonengrenze könnte die Politiker im tiefen Westen lehren, wie gut die AfD gedeiht, wenn sie durch die Brandmauer vor dem rauhen Wind der Verantwortung geschützt bleibt.
Aber offenbar möchten die vom Wähler wieder und wieder abgestraften Parteien solche Lektionen nicht lernen, obwohl sie es wie am Murmeltiertag jedes Mal schwören. Ist es nun Ausdruck von Irrsinn, Ignoranz, schlechtem Gedächtnis oder sehr speziellem Humor, wenn sich der SPD-Landesvorsitzende Achim Post in der Welt so zitieren lässt:
„‚Die NRW SPD hat verstanden‘, meinte Post. ‚Wir werden dafür sorgen, dass es so jedenfalls nicht mehr weitergeht.‘ Politik müsse so stattfinden, dass die Menschen sie verstünden: ‚Dass wir diskutieren, entscheiden und umsetzen, dass wir nicht uns verzetteln in irgendwelchen Nebendebatten.‘“
Das könnte man auch nun lakonisch mit einem „Tausendmal gehört, tausendmal ist nichts passiert“ kommentieren. Es ist anzunehmen, dass es wohl auch jetzt wieder so sein wird. Da erfahren die politischen Verantwortungsträger unverdientermaßen noch einmal die Gnade des ausgebliebenen Erdrutschs und verstehen es nicht als letzte Chance, sondern als Einladung zum Weiterwursteln.
Peter Grimm ist Journalist, Autor von Texten, TV-Dokumentationen und Dokumentarfilmen und Redakteur bei Achgut.com.
Beitragsbild: Library of Congress

Einige , darunter auch Seriöse Journalisten kommentieren die NRW Wahl so als würde Hendrik Wüst in NRW schon als Reservekanzler für ganz Deutschland feststehen.
Ich bin der Meinung das Hendrik Wüst in NRW als Reservekanzler zu unrecht intern gehandelt wird, wie einige es mitteilen. Grund, weil ihre Wahlanalyse für mich nicht stimmig ist. In NRW haben viele Gemeinden/ Wahlkreise überhaupt keinen AfD Kandidaten aufstellen können. Wenn die AfD in jedem Wahlkreis Kandidaten aufstellen hätte können, wäre das Ergebnis für die CDU/ SPD um einige Prozentpunkte logischerweise schlechter ausgefallen. Ich schätze die CDU unter 30% / SPD unter 20% Damit hätte sich die Mär von einem Reservekanzler wahrscheinlich in Luft aufgelöst.
M.f.G.
Ich sag’s doch: wir können wählen, was/wen wir wollen… der Sumpf ist einfach zu tief.
Die Gesellschaft ist gespalten und umgebaut, die Wirtschaft zerstört und jetzt rasseln auch noch die Säbel.
Ich bin froh mit 71 die wohl beste Zeit miterlebt zu haben!
So hegen und pflegen sie das kümmerliche Pflänzchen AfD, ein Haufen, der nicht viel taugt und das auch nicht offenbaren muss, der aber ein Gutes hat: Er will den Islam hier nicht sehen. Und das, obwohl gesichert rechtsextrem, trotz der Begeisterung der Nazis für Islam – wie ist das möglich? Irre, oder? Fa und Anti-Fa, wer soll das noch begreifen? Und die Grauen Wölfe heulen den Mann im Mond an, während das Baby schläft.
Herr Grimm hat mal wieder völlig recht, das große Drama, der offene Zerfall von Union und SPD blieb im wohl „diversesten“ (d.h. kaputtesten) Bundesland diesmal noch aus. Es war nur ein „kleines“ Drama, jedenfalls für die FDP, die Grünen und das BSW. Und ebenso kaum beachtet, die AfD verdreifachte sich, obwohl sie nicht mal flächendeckend überall antrat, weil die Personaldecke nicht ausreicht. Oder, wie es in Wahrheit ist, man seinen Job verliert und gesellschaftlich geächtet wird, wenn man AfD-Mitglied ist und sich sogar politisch engagiert. Verstanden hingegen, hat man in Düsseldorf und Berlin, trotz gegenteiliger Behauptungen rein gar nichts. Einen AfD-Bürgermeister in Hagen, Gelsenkirchen, oder Duisburg, wird die „Einheitspartei“, in wenigen Wochen, noch einmal zu verhindern wissen. Dann geht es dort weiter, wie gehabt, bis es zu englischen, oder französischen Zuständen kommt. Hinzu kommt, bis 2030, dann noch der wirtschaftliche Niedergang. Das große Drama wird kommen, es ist auf dem Weg, es hat bis 2030 nur noch einmal Luft geholt.
Eigentlich (eigentlich!) kommt es bei Kommunalwahlen nicht auf Parteizugehörigkeit an, sondern, ob er/sie „echt“ ist und das Zeug hat, sich für seine/ihre Kommune und Mitmenschen ins Zeug zu legen. Also sollten die Wahlentscheidungen auf dieser Ebene weniger abstrakt sein. Aber da die Ergebnisse der Landtags- und Bundestagswahlen ähnlich sind, darf man annehmen, dass hier nicht der mündige Bürger am Werke war – sondern der hoffnungslos linientreue verdoofte Mitläufer und Beklatscher dieses linksgrünwoken Wahnsinns. Sie sitzen in den zu Slums und Kloaken gewordenen Städten und Gemeinden, und fühlen sich super dabei…
Es ist wirklich ein Phänomen, dass ausgerechnet in den zivilisatorischen Müllhalden, Slums und Großklosetts wie Berlin, Hamburg, Frankfurt und Köln (samt dem Rest von NRW) die Massen am begeistertsten von Linksgrünwoke sind. Oder schlimmer: Sie sind nicht in der Lage, ihre eigenen Wahlentscheidungen in Zusammenhang mit dem katastrophalen Niedergang, dem Dreck, der Kriminalität und der Massenarmut zu bringen. Oder ganz schlimm: Sie finden das vollkommen normal.
Wenn man unbedingt pessimistisch sein will: angesichts des unübersehbaren Verfalls des Bundeslandes NRW unfassbar, dass trotzdem immer noch derart viele Wähler CDU und SPD ihre Stimmen schenken. Von Nichtwählern ganz zu schweigen. Unverbesserliche? Unbelehrbare? Profiteure der Misere?