Bis zur letzten Woche kannte ich die Seite anonymousnews.org nicht. Obwohl manch ein Leser selbiger Seite vielleicht denkt, ich hätte für diese Publikation geschrieben. Da bin ich offensichtlich kein Einzelfall, denn ohne die Nachfrage von Achgut-Autor Christian J. Zeller bei der Redaktion, was es damit auf sich hätte, dass ein Achgut-Beitrag von ihm bei diesen Anonymen wortgleich und unter seinem Namen erschienen ist, wüsste ich nichts davon, dass sich die Macher dieser Seite einfach Texte und Autorennamen aneignen.
Die Praxis der umstandslosen Übernahme von Beiträgen aus anderen Publikationen, ohne Rechteklärung oder das Einverständnis der Urheber, war ja in den letzten Monaten häufiger ein Medienthema, weil bekannt wurde, dass einst auch bei The European, einer Publikation aus dem Hause des heutigen Kulturstaatsministers Wolfram Weimer, so gearbeitet wurde. Vera Lengsfeld hatte als betroffene Autorin darüber beispielsweise hier auf Achgut geschrieben.
Aber mit Wolfram Weimer haben diese Zeilen über die anonymen Seitenbetreiber mit ausgeprägter Selbstbedienungsmentalität nichts zu tun. Nur dass der (Stand Montagnachmittag) letzte Artikel, in dem der Kulturstaatsminister auf anonymousnews.org Erwähnung findet – Überschrift: „Förderte Weimer die Anleitung zum Kälte-Terror? – auch die Übernahme eines Beitrags der Jungen Freiheit ist, ohne dass darauf hingewiesen wird. Und hier stimmt auch der Autorenname nicht mit der Originalpublikation überein. In letzterer wird keiner genannt, da steht nur ein Autorenkürzel.
Nun ist es für Autoren und auch Redaktionen selbstverständlich ein Ärgernis, wenn sich die Betreiber einer Seite einfach an den eigenen Texten bedienen. Aber ist es nötig, das vor den Lesern auszubreiten? In einem Gewerk mit hoher Eitelkeitsdichte gerät man da schnell unter den Verdacht der Selbstbespiegelung. Doch hier geht es nicht um eitle Befindlichkeiten und auch nicht so sehr ums Urheberrecht. Aber in diesen Zeiten werden Autoren auch dafür quasi haftbar gemacht, wo sie publizieren. Und da möchte man seine Publikationsorte schon kennen und sich selbst dafür entscheiden, statt vereinnahmt zu werden.
Keine Möglichkeit, die Aneignung zu verhindern
Wer verbirgt sich denn hinter anonymousnews? Die Anonymen haben – bei dem Namen kaum überraschend – kein Impressum. Es gibt keine Namen von Redakteuren, nur einen Link zur Kontaktaufnahme. Folgt man dem, dann landet man auf einer Seite von Rucenter, auf der man eine Botschaft an den Administrator von anonymousnews.org senden kann. Rucenter gilt als „der erste und größte Domain-Name-Registrar und einer der führenden Webhosting-Anbieter in Russland.“
Es ist also offenbar eine russische Seite, die hier Artikel für ihre Propagandazwecke verwertet. Das Layout erinnert an die seinerzeit ebenfalls in Russland registrierte Seite anonymousnews.ru, die vor einigen Jahren von einem Deutschen betrieben worden sein soll. Ob es da personelle Kontinuitäten gibt oder sich wer anders in Russland entschieden hat, unter diesem Label zu produzieren, lässt sich von außen nicht sagen.
Eines ist für diejenigen, deren Texte dort verwurstet werden, bei dieser Konstellation recht klar: Es gibt derzeit keine realistische Möglichkeit, sich gegen diese Aneignung und Verwertung der eigenen Arbeit zu wehren. Also warum dann jetzt diese Zeilen? Wenn man eh nichts tun kann, warum sollte man das nicht besser – ganz liberal – gelassen und gepflegt ignorieren?
Ja, dafür spricht vieles. Doch die stille Duldung dieser Vereinnahmung kann sich gegen einen richten. Wie schnell wird die stille Duldung zur Kooperation erklärt? Wie schnell ist man „gesichert“ ein Autor einer russischen Propaganda-Seite? Wie leicht wird einem vorgehalten, welch billige Ausrede es doch wäre, zu sagen, man hätte von Artikel-Übernahmen zuerst gar nichts gewusst und die dann stillschweigend geduldet?
Deshalb: Auch wenn sich Autoren oder betroffene Medien kaum erfolgversprechend gegen diese Vereinnahmung wehren können, sollten sie sie wenigstens nicht stillschweigend übergehen. Die Leser sollten schon wissen, wo sie geklaute Texte lesen, die zum Garnieren von Propaganda missbraucht werden und wo die Autoren eigentlich publizieren.
Wer sich nur inhaltlich auseinandersetzen will, kann gern – auch ausführlich – zitieren. Doch hier wird ein Eindruck der Übereinstimmung erweckt. Wer im Volltext nachpublizieren will, muss einfach zuvor mit dem Autor bzw. Rechteinhaber reden. Natürlich geht es den Machern mit den Übernahmen auch darum, anonymous.org so aussehen zu lassen, als gehöre es in den Reigen heimischer regierungskritischer Online-Medien, ohne fremde Propaganda-Absicht. Auch da ist eine gelegentliche Klarstellung dringend geboten.

Leider bleibt die Realität beim Schubladendenken auf der Strecke. Jeder Leser sollte einmal in der Woche seine Lieblingstherese in Frage stellen.
Vielleicht übersehen:
Spendenadresse: AN Média a Platební Služby s.r.o. (Prag)
@Peter Grimm, „Keine Möglichkeit, die Aneignung zu verhindern. Wer verbirgt sich denn hinter anonymousnews? […] kein Impressum […] Link zur Kontaktaufnahme. Folgt man dem, dann landet man auf einer Seite von Rucenter […] Russland.“ —
Der Link zur Kontaktaufnahme ist eine Finte. Rucenter hat nur den Domänennamen (anonymousnews org) registriert. Die Website wird von Cloudflare, Inc. ausgeliefert (Grüße an Ostrovsky), hilft also auch nicht weiter.
Vielversprechender ist der Link „Spenden“. Die Spende geht an „AN Média a Platební Služby s.r.o.“, ein vielseitiges Unternehmen (wir machen alles: Großhandel, Einzelhandel, IT-Dienstleistungen, Grundstücks- und Immobilienvermittlung, Unternehmensberatung) mit Sitz in Prag, Tschechien, also in der _EU_. Direktor und einziger Gesellschafter ist Ivelin Borisov, gemeldet in Levski, Bulgarien (auch _EU_).
Dass die Zielgruppe der Website verschwörungserzählungsaffine Deutsche sind, liegt nahe (Website in deutsch gehalten). Dass der Betreiber der Selbe ist, wie anno dazumal bei anonymousnews ru, kann man im Internet Archive leicht nachvollziehen („Weiterleitung“).
Aber halt, die Werbung! Hmm… Vielleicht mal beim K*pp-Verlag anklopfen?
PS: Dass die Website die Guy Fawkes-Maske im Logo missbraucht, ist ein echtes Ärgernis.
Im Internet ist man eben nicht alleine. Das ist Bruch und Kompanie, und würde der Bauarbeiter seinem Chef einen solchen Schrotthaufen anbieten, könnte er das Jobcenter von innen sehen.
Das hätte, wenn, dann ganz anders aufgebaut werden müssen. Aber das soll alles sein. Selbst in Waffensystem wie Granatwerfer kann sich der geübte Nutzer reinhacken.
So ist das ein rechtloses Freigehege.
Die Gesetze schieben auch nur alles auf die Nutzer. Weil, irgendjemand muß ja zahlen. Das ist dann der, der den Schaden hat.
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-- Das waren die Tagesmeldungen von „heise online“. Ab da habe ich die Suchfunktion benutzt und fand 1081 Vorfälle digitaler Art. Ich begnüge mich mit dem ersten Ergebnis, auch um Langeweile vorzubeugen.
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Have I been Pwned listet einen Data Breach für Wired, der sensible Daten von 2,3 Millionen Nutzern umfasst. Mutmaßlich könnten weitere Millionen folgen.
Worum ging es noch mal? Russische Internetpartisanen haben Content requiriert? Auweia. Die Welt ist verrückt geworden. Und nun? Liegt der Bademantel schon bereit? Kontaktschuld kann gefährlich werden.
Nennen wir die Gefahr doch direkt:
Niemand möchte das Schicksal z.B. von Thomas Röper, Alina Lipp, Nathalie Yamb oder Jacques Baud erleiden!