Die zwei innerhalb nur weniger Tage abgegebenen Statements von Friedrich Merz, zuerst zu den Grünen, dann zur AfD, sind nicht nur eine Richtungserklärung, wo es denn mit der CDU unter seinem Vorsitz hingeht, sie zeigen eine strategische Entscheidung an. Schon kurz nach der Hessenwahl meinte Ministerpräsident Bouffier, die CDU hätte deutlich in zwei Richtungen verloren, zur AfD und zu den Grünen, was eine Reaktion darauf ziemlich schwer machen würde. Wendet sich die Union der einen abtrünnigen Gruppe zu, verstößt sie die andere endgültig.
Genau das ist nun geschehen, als Merz erklärte, dass er sich eine Zusammenarbeit mit den Grünen vorstellen könnte – die AfD hingegen beschimpfte er als „offen nationalsozialistisch“. Die anderen beiden aussichtsreichen Kandidaten um dem Parteivorsitz, Jens Spahn und Annegret Kramp-Karrenbauer, distanzierten sich davon nicht, was darauf schließen lässt, dass sie die gleiche Strategie fahren. Und die heißt: die Abwanderung zu den Grünen stoppen und ihnen gleichzeitig die Tür zur Macht offenhalten.
Diejenigen Wähler, die zur AfD abgewandert sind, gibt er damit verloren. Strategisch ist diese Entscheidung die einzige Möglichkeit, auch nach möglichen baldigen Neuwahlen im Bund eine Machtoption zu haben. Möglicherweise kann sich die CDU damit sogar noch den einen oder anderen zu den Grünen abgewanderten Wähler zurückholen.
Diejenigen die nun bei der AfD ihr Kreuzchen machen, die holt er nicht mehr zurück. Die machen das nämlich nicht mehr hauptsächlich aus Protest, sondern aus Überzeugung. Ihre Diffamierung ist daher lediglich der Aufbau einer Grenze für die eigenen Wähler: Wenn ihr diese überschreitet, dann wollen wir nicht nur nichts mehr mit euch zu tun haben, wir verachten euch dann. Es ist eine Warnung: Wenn ihr die wählt, habt ihr den Rubikon überschritten.
Demobilisierung der Grünen durch Umarmung
Der Aufbau dieser Grenze mag strategisch, kurz- bis mittelfristig, erfolgreich sein. Genau genommen hatte Friedrich Merz gar keine andere Wahl, als so zu handeln. Freilich hätte er den Söder machen können, heftig in die eine Richtung blinken, aber ungeniert geradeaus weiterfahren. Nur ist dies keine Strategie, nur Taktik, eigentlich eine taktische Täuschung. Die aber, wenn sie – wie bei der CSU – aufgeflogen ist, sich gegen den Täuscher wendet. Das Mittel ist also verbraucht.
Die Strategie der CDU scheint also recht klar zu sein, Merz unterscheidet sich inzwischen kaum mehr von den anderen Kandidaten in der CDU, lediglich die Werte-Union macht gelegentlich einige verhaltene dissidente Äußerungen. Zwar bekommt sie momentan etwas Aufmerksamkeit, insbesondere wegen ihrer Ablehnung des UN-Migrationspaktes, und möglicherweise werden sie damit sogar eingebunden, gewissermaßen als taktisches konservatives Feigenblatt, doch am großen Ziel werden sie nichts ändern: Und das heißt: Demobilisierung der Grünen durch Umarmung, bei gleichzeitiger Sicherung der Machtoption.
Dies verlangt zwangsläufig eine schärfere Abgrenzung zur AfD. Die Zeiten, als sie sagten: „Wir verstehen doch euren Protest“, sind vorbei, die Aussage von Friedrich Merz bedeutet genau das Gegenteil, nämlich: „Nein wir wollen euch nicht verstehen, ihr seid Nazis und damit diskursunwürdig“.
Die aufstrebenden politischen Farben Grün und Blau zwingen zur Positionierung, oder wie Carl Schmitt sagen würde, zur Assoziation und Dissoziation. Friedrich Merz hat genau das mit seinen Äußerungen getan und damit offenbart: Mit ihm, wie mit den anderen Kandidaten um den Parteivorsitz und die Kanzlerkanditatur, geht es weiter wie unter Merkel.
Eine eigene Richtung kann die CDU nicht mehr entwickeln, sie wird zum Trittbrettfahrer, denn im grünen Kosmos, zu dem sie sich nun offen bekennt, wird sie nie die Meinungsführerschaft entwickeln können.
Zuletzt von Quentin Quencher als Buch erschienen: „Im Spannungsfeld 1, Betrachtungen 2011-2017“. Hier oder hier erhältich.

Da kann man nur hoffen, dass sich Merz was seine Aussage die Grünen betreffend an Adenauer orientiert, und sich demnächst fragt, was ihn sein Geschwätz von gestern kümmere, sowie meint, nichts hindere ihn, weiser zu werden.
Das war es dann wohl mit der CDU und die Neuwahl eines oder einer Vorsitzenden völlig umsonst. In den Untergang hätten die auch gleich mit Mutti gehen können. Mit dem neuen kommunistischen Manifest des Robert Habeck und seiner Grundsicherungsfantasien wünsche ich der CDU viel Spaß.
Den ehemaligen Erfolgsparteien fehlt ein Aufbruch, ein Aufbrechen der traditionellen Selbstgefälligkeit, eine intellektuelle Verjüngung. Besserwisserei und Klatschhasentum hingegen indizieren einen Mangel an geistiger Frische. – Democrazia Cristiana und Parti Socialiste waren ähnliche Dinosaurier: zu dumpf, zu träge. Aber auch jüngere Parteien, die den Wähler offen verachten, bestraft über kurz oder lang das Leben. Pressekartelle und Thinktanks können diesen Prozess nur verzögern.
Die Hype um Merz als Messias der CDU hat nicht einmal 2 Wochen gedauert, selbst Schulz konnte das über ein paar Monate hinaus zögern. Merz hat kein Herz, weder eines für die Partei und schon gar keines für die Deutschen, die Ängste der Deutschen und ganz Deutschland. Dieses wurde ihm, ähnlich wie Schulz, durch jahrelange internationale Gehirnwäsche ausgetrieben. Ja, Merz hat seine Chance gehabt, aber diese ohne jeglichen Patriotismus und Sachverstand, dafür mit einer vermeintlich klugen, ich sage komplett schwachsinnigen, Strategie in den Orkus gespült. Denn Merz wird weder viele von den Grünen ins CDU Boot holen und ab gestern keinen einzigen mehr von der AfD.Alles ehem. CDU Wähler, welche Merkel noch in den Sattel hievten. Gauland wirds freuen, denn bessere Wahlhelfer als Merkel und Merz könnte er gar nicht haben. Und die bekam er, ohne auch nur einen Cent dafür zu bezahlen.....
@U.Unger, dem kann ich mich völlig anschliessen. b.schaller
Es ist nur noch traurig, was aus diesem Land geworden ist. Welchen immensen Schaden eine einzige Person angerichtet hat. Aber ohne ihre Helfer hätte das nicht klappen können.
Die Grünen versus die Blauen, und zuoberst inmitten von servilen Höflingen und Nichtmehrmännern ein gottgleicher Kaiser ohne Realitätsbezug... irgendwoher kennen wir das doch... ja richtig, das alte Byzanz. Dass man dort, wo ich lebe, öfters Autos sieht, die mit einer arabischen Kalligrafie und der Ziffer "1453" geschmückt sind, passt ganz gut ins Bild.