Quentin Quencher / 14.11.2018 / 13:00 / 25 / Seite ausdrucken

Friedrich Merz mit Kurs auf Schwarzgrün

Die zwei innerhalb nur weniger Tage abgegebenen Statements von Friedrich Merz, zuerst zu den Grünen, dann zur AfD, sind nicht nur eine Richtungserklärung, wo es denn mit der CDU unter seinem Vorsitz hingeht, sie zeigen eine strategische Entscheidung an. Schon kurz nach der Hessenwahl meinte Ministerpräsident Bouffier, die CDU hätte deutlich in zwei Richtungen verloren, zur AfD und zu den Grünen, was eine Reaktion darauf ziemlich schwer machen würde. Wendet sich die Union der einen abtrünnigen Gruppe zu, verstößt sie die andere endgültig.

Genau das ist nun geschehen, als Merz erklärte, dass er sich eine Zusammenarbeit mit den Grünen vorstellen könnte – die AfD hingegen beschimpfte er als „offen nationalsozialistisch“. Die anderen beiden aussichtsreichen Kandidaten um dem Parteivorsitz, Jens Spahn und Annegret Kramp-Karrenbauer, distanzierten sich davon nicht, was darauf schließen lässt, dass sie die gleiche Strategie fahren. Und die heißt: die Abwanderung zu den Grünen stoppen und ihnen gleichzeitig die Tür zur Macht offenhalten.

Diejenigen Wähler, die zur AfD abgewandert sind, gibt er damit verloren. Strategisch ist diese Entscheidung die einzige Möglichkeit, auch nach möglichen baldigen Neuwahlen im Bund eine Machtoption zu haben. Möglicherweise kann sich die CDU damit sogar noch den einen oder anderen zu den Grünen abgewanderten Wähler zurückholen.

Diejenigen die nun bei der AfD ihr Kreuzchen machen, die holt er nicht mehr zurück. Die machen das nämlich nicht mehr hauptsächlich aus Protest, sondern aus Überzeugung. Ihre Diffamierung ist daher lediglich der Aufbau einer Grenze für die eigenen Wähler: Wenn ihr diese überschreitet, dann wollen wir nicht nur nichts mehr mit euch zu tun haben, wir verachten euch dann. Es ist eine Warnung: Wenn ihr die wählt, habt ihr den Rubikon überschritten.

Demobilisierung der Grünen durch Umarmung

Der Aufbau dieser Grenze mag strategisch, kurz- bis mittelfristig, erfolgreich sein. Genau genommen hatte Friedrich Merz gar keine andere Wahl, als so zu handeln. Freilich hätte er den Söder machen können, heftig in die eine Richtung blinken, aber ungeniert geradeaus weiterfahren. Nur ist dies keine Strategie, nur Taktik, eigentlich eine taktische Täuschung. Die aber, wenn sie – wie bei der CSU – aufgeflogen ist, sich gegen den Täuscher wendet. Das Mittel ist also verbraucht.

Die Strategie der CDU scheint also recht klar zu sein, Merz unterscheidet sich inzwischen kaum mehr von den anderen Kandidaten in der CDU, lediglich die Werte-Union macht gelegentlich einige verhaltene dissidente Äußerungen. Zwar bekommt sie momentan etwas Aufmerksamkeit, insbesondere wegen ihrer Ablehnung des UN-Migrationspaktes, und möglicherweise werden sie damit sogar eingebunden, gewissermaßen als taktisches konservatives Feigenblatt, doch am großen Ziel werden sie nichts ändern: Und das heißt: Demobilisierung der Grünen durch Umarmung, bei gleichzeitiger Sicherung der Machtoption.

Dies verlangt zwangsläufig eine schärfere Abgrenzung zur AfD. Die Zeiten, als sie sagten: „Wir verstehen doch euren Protest“, sind vorbei, die Aussage von Friedrich Merz bedeutet genau das Gegenteil, nämlich: „Nein wir wollen euch nicht verstehen, ihr seid Nazis und damit diskursunwürdig“.

Die aufstrebenden politischen Farben Grün und Blau zwingen zur Positionierung, oder wie Carl Schmitt sagen würde, zur Assoziation und Dissoziation. Friedrich Merz hat genau das mit seinen Äußerungen getan und damit offenbart: Mit ihm, wie mit den anderen Kandidaten um den Parteivorsitz und die Kanzlerkanditatur, geht es weiter wie unter Merkel. 

Eine eigene Richtung kann die CDU nicht mehr entwickeln, sie wird zum Trittbrettfahrer, denn im grünen Kosmos, zu dem sie sich nun offen bekennt, wird sie nie die Meinungsführerschaft entwickeln können.

Zuletzt von Quentin Quencher als Buch erschienen: „Im Spannungsfeld 1, Betrachtungen 2011-2017“. Hier oder hier erhältich.

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Wolf Martin / 14.11.2018

Die Hype um Merz als Messias der CDU hat nicht einmal 2 Wochen gedauert, selbst Schulz konnte das über ein paar Monate hinaus zögern. Merz hat kein Herz, weder eines für die Partei und schon gar keines für die Deutschen, die Ängste der Deutschen und ganz Deutschland. Dieses wurde ihm, ähnlich wie Schulz, durch jahrelange internationale Gehirnwäsche ausgetrieben. Ja, Merz hat seine Chance gehabt, aber diese ohne jeglichen Patriotismus und Sachverstand, dafür mit einer vermeintlich klugen, ich sage komplett schwachsinnigen, Strategie in den Orkus gespült. Denn Merz wird weder viele von den Grünen ins CDU Boot holen und ab gestern keinen einzigen mehr von der AfD.Alles ehem. CDU Wähler, welche Merkel noch in den Sattel hievten. Gauland wirds freuen, denn bessere Wahlhelfer als Merkel und Merz könnte er gar nicht haben. Und die bekam er, ohne auch nur einen Cent dafür zu bezahlen…..  

beat schaller / 14.11.2018

@U.Unger, dem kann ich mich völlig anschliessen. b.schaller

Karl Biehler / 14.11.2018

Es ist nur noch traurig, was aus diesem Land geworden ist. Welchen immensen Schaden eine einzige Person angerichtet hat. Aber ohne ihre Helfer hätte das nicht klappen können.

Franz Altmann / 14.11.2018

Die Grünen versus die Blauen, und zuoberst inmitten von servilen Höflingen und Nichtmehrmännern ein gottgleicher Kaiser ohne Realitätsbezug… irgendwoher kennen wir das doch… ja richtig, das alte Byzanz. Dass man dort, wo ich lebe, öfters Autos sieht, die mit einer arabischen Kalligrafie und der Ziffer “1453” geschmückt sind, passt ganz gut ins Bild.

Marion Sönnichsen / 14.11.2018

Die CDU befindet sich schon auf dem italienischen Weg. Friedrich Merz beschleunigt diesen Prozess. Die CDU wird zur Democrazia Christiana und versinkt bald in die Bedeutungslosigkeit. Die AfD wir es ihm ewig danken.

Frank Pressler / 14.11.2018

Merz handelt somit erwartungsgemäß und konsequent im Interesse des globalisierten Kapitalismus.

U. Unger / 14.11.2018

Nun ist es egal, wer die CDU als Parteivorsitzender anführt. Die Richtung stimmt, alle CDU Mitglieder und Wähler, die auf Korrekturen gehofft haben, werden jetzt zur grünen oder blauen Seite abwandern können, da von der CDU nichts eigenständiges mehr kommt. Aber auch die FDP kann ohne etwas zu tun aus Tradition 3 % Wählerstimmen zusätzlich einplanen. Ich fürchte, dass mit dem “offen nationalsozialistisch” war zum jetzigen Zeitpinkt weit genug daneben. Schließlich gibt es ja auch in unseren europäischen Nachbarländern Parteien, wie die AFD und einige regieren dort. Sobald von einer dieser Regierungen eine solche Einschätzung kommt, bin ich bereit hellhörig zu werden. Europa wird sich einzeln oder gemeinsam dem wachsenden Migrationsdruck stellen müssen. Ich gehe davon aus, dass die EU Länder, die den Migrationspakt nicht unterschreiben, eher nach dem Vorbild GB schielen. Zumal zu erwarten ist, das GB nach dem Brexit zunehmend besser da steht, als zuvor. Sollte England ganz rigoros den Zuzug von Migranten stoppen und dadurch riesige wirtschaftliche Vorteile erzielen, dann geht der Dominoeffekt los. Deutschland hat aufgegeben sich an den Besten zu orientieren, und wird sich deshalb gewaltig schnell verschlechtern. Nur solange Deutschland gut ist werden andere EU Länder uns zur Orientierung nutzen. Die selbstherrliche Merkel und Ihr Gruselkabinett begehen jetzt schon den Fehler anderen Vorschlägen jegliche Vernunft abzusprechen. Welches Menschenbild dahintersteht? Idiot, Untermensch, oder hat die CDU da eine besondere Sprachregelung, die nur versteckt Nazi ist? Offen gesagt empfinde ich nicht, dass die CDU sich noch auf Augenhöhe mit Kritikern bewegen will, die Aussage von Merz nehme ich als Beweis.

H. Schmidt / 14.11.2018

Herr Merz vergisst, das es ohne AFD und ihr Wirken keine Nachfolge Debatte um Merkel geben würde. Nun aber auf die Grünen zu setzen kann auch bedeuten: Merz: Nein Danke. Das Merz’sche Machtstreben kann ihm bald auf die Füße fallen wenn er auf das falsche Pferd setzt.

Klaus Reichert / 14.11.2018

Das wird den Untergang der CDU langfristig nicht aufhalten. Die SPD hat Grüne und Linke umarmt, die CDU hat die SPD umarmt und wird jetzt die Grünen umarmen. In Bayern geben die freien Wähler schon die Dialekt - Grünen. Alles bis zum bitteren Ende der ehemaligen Volksparteien. AfD und Grüne werden als die beiden unversöhnlichen Pole übrig bleiben. Jamaika wird eine Demokratur errichten, den Druck auf die AfD maximal erhöhen. Die Spaltung der Gesellschaft wird nicht mehr aufzuhalten sein. Die historische Hauptverantwortung wird bei der CDU liegen. Der Moment, als sie beschloss, nicht mehr Partei fürs ganze Volk sein zu wollen.

Martin Stumpp / 14.11.2018

Die CDU wurde immer schon als Kanzlerwahlverein verspottet. Aber die CDU hatte durchaus ein als konservativ erkennbares Profil. Das hat sie unter Merkel zur Gänze verloren. Und Merz tritt nicht an, dies wieder zu ändern. Unerklärlich bleibt, warum sich Merz für die Islamisierung stark macht, denn nichts anderes bedeutet die seit über drei Jahren von der Politik akzeptierte unbegrenzte Zuwanderung, die jetzt auch noch ausgeweitet werden soll und der elementare Menschenrechte geopfert werden. Wäre es nicht so tragisch könnte man darüber lachen. Merkel und Maas fordern Meinungsfreiheit in China und schränken sie in Deutschland ein. Sie beklagen, dass China die Uigurische Kultur durch gezielte Zuwanderung zerstören würde, und versuchen genau das selbe in Deutschland, wie von den Grünen gefordert, mit der deutschen Kultur.  Die Lücke die zwischenzeitlich im Parteienspektrums rechts der CDU entanden ist, ist so groß, dass neben der früheren CDU auch die alte FDP und große Teile der SPD problemlos hineinpassen. Die AfD füllt diese Lücke m.E. nur rudimentär und ohne 5% Sperrklausel würden sich bereits weiter zwei Parteien mit über 10% in dieser Lücke tummeln, in der es für eine rechtsextreme Partei gar keinen Platz gäbe. Gefährlich ist aus meiner Sicht derzeit nicht die AfD, selbst dann nicht, wenn alle Vorwürfe zutreffend wären. Gefährlich ist, dass pauschal alle AfD Mitglieder und Wähler von Merz (nicht nur von ihm) als Nazis beschimpft werden und gleichzeitig dem konservativen Wähler keine anderer Alternative zur Verfügung steht. Es droht die self fulfilling prophecy.

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Quentin Quencher / 02.08.2019 / 16:00 / 34

Wann würdest du kämpfen, Papa?

„Wann würdest du kämpfen, Papa?“, fragte gestern eine meiner Töchter. Die Kinder hatten untereinander darüber gesprochen, was sie tun würden, wenn jemand sie töten möchte.…/ mehr

Quentin Quencher / 04.04.2019 / 16:00 / 11

Wo bleibt der Frühling?

Meine Generation hat in ihrer Jugend an der Freiheit geleckt, sie gefühlt und genossen, im Osten zwar nur imaginär, aber dennoch. Sie schmeckte wie das…/ mehr

Quentin Quencher / 01.04.2019 / 17:00 / 15

Der Feind ist böse? Nö, er hat einfach nur andere Interessen!

Wir erleben eine Wiederkehr der Gut-Böse-Unterscheidung. Das Urteil des „Jüngsten Gerichts“ wird vorweg genommen. Vom Reich des Bösen wird gesprochen, mindestens gedacht. Dem Gegner wird Hinterhältigkeit…/ mehr

Quentin Quencher / 09.02.2019 / 15:30 / 27

Heimlich Verfassung lesen!

In einem netten Örtchen am Rande des Erzgebirges hängte ein mutiger evangelischer Pfarrer zwei Plakate in die Fenster des örtlichen Pfarrhauses. Auf einem stand: „Lest die…/ mehr

Quentin Quencher / 05.02.2019 / 06:20 / 50

Papa, gib Gas!

Wer Kinder hat, die heute in Deutschland, in Baden-Württemberg sowieso, zur Schule gehen, der weiß, wie diese im Sinne des Ökologismus oder ganz allgemein mit…/ mehr

Quentin Quencher / 12.01.2019 / 10:00 / 12

Ich träume vom unverstellten Blick

Im Dreieck zwischen Sielmingen, Wolfschlugen und Harthausen, einem überschaubaren Gebiet auf der Filderebene, also südlich von Stuttgart gelegen, gibt es eine kleine Anhöhe, von der…/ mehr

Quentin Quencher / 11.01.2019 / 10:00 / 21

Die Panik hinter den Nebensätzen

In seinem Statement nach dem Anschlag auf den AfD-Bundestagsabgeordneten Frank Magnitz betont Alexander Gauland auffallend oft, dass die Diffamierung der AfD und ihre Ausgrenzung eine wesentliche Ursache für…/ mehr

Quentin Quencher / 10.10.2018 / 11:00 / 16

Vorsicht, wenn der Staat neue Begriffe kreiert

Wenn es um Abgaben geht, oder Steuern und Gebühren, so waren diejenigen, die kassieren wollen, in der Regel der Staat – aber auch Zwangsversicherungen –…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com