Von Konrad Adam.
Was über die Raubzüge der ehemaligen RBB-Intendantin und ihrer Entourage bekannt wird, beschäftigt wie sonst nichts die Phantasie des Publikums; zu Recht. Hat aber auch die Aufmerksamkeit von anderen Personen und anderen Missständen abgezogen, und das zu Unrecht. Denn in dem Netz, das sich da langsam füllt, dürften ebenso viele faule Fische an Land gezogen werden wie jetzt aus der Oder. Tom Buhrows krampfhaftes Bemühen, den Schaden einzuhegen, beweist das zur Genüge. Jetzt ist die Vorsitzende des Rundfunkrates, die Theologin Friederike von Kirchbach, von ihrem Amt zurückgetreten – nein, nicht zurückgetreten: sie hat ihr Amt zur Verfügung gestellt, um einem Neuanfang nicht mehr im Weg zu stehen.
Der Unterschied ist keineswegs belanglos. Verbo solo, nur durch das Wort, das war der Wahlspruch Martin Luthers. Einer Theologin wie Frau von Kirchbach wird er geläufig sein, sie nutzt ihn jedenfalls auf ihr Art und Weise. Rücktritt, das klingt nach Scheitern, Misserfolg und Handtuchwerfen, und davon mag sie nichts hören. Sie macht es wie Franziska Giffey, die sich groß damit tat, auf einen erschwindelten Titel Verzicht zu leisten. Oder wie Olaf Scholz, der sich nicht daran erinnern kann, was er als Hamburger Bürgermeister einer Hamburger Bank zugesagt, zugesteckt oder zugeschoben hatte. Frau von Kirchbach ruft nach einem Neuanfang und möchte dazu einen Beitrag leisten; was diesen Neuanfang so dringlich macht und was sie dazu beigetragen haben könnte, dass er nötig ist, darüber sagt sie nichts.
Für die Angehörige einer Organisation, der das Schuldbewusstsein – hält man sich an die Ein- und Auslassungen ihrer führenden Leute – in den Knochen sitzt, mag das überraschend klingen. Ist es aber nicht, da man sich ja von jeder Schuld freizeichnen kann, indem man sie anderen anhängt, dem Gottseibeiuns, den Faschos, der AfD oder sonst einem Tunichtgut. Dann ist man gerechtfertigt, also schuldlos, wenn schon nicht vor Gott, so doch vor den Menschen, und darf guten Gewissens zugreifen. Frau von Kirchbach hat das immer wieder und mit beträchtlichem Erfolg getan, der Sprung an die Spitze des Rundfunkrates war nur die Krönung ihrer eindrucksvollen Karriere.
Sie brachte es zur Pröpstin in einer Landeskirche, die erfolgreicher als alle anderen die Gläubigen aus ihren Reihen vertrieben hat, zur Generalsekretärin des Evangelischen Kirchentages, am Ende dann zum Vorsitz im Rundfunkrat des RBB. Zehn Jahre lang hatte sie ihn inne und war damit verantwortlich, zumindest mitverantwortlich für das, was man inzwischen kurz und bündig den Schlesinger-Skandal nennt. Zu kurz und zu bündig, weil Frau von Kirchbach aus ihrer machtvollen Position heraus auch anderen zu einer Karriere verholfen hat, die ihnen selbst bei großzügiger Auslegung des Leistungsbegriffs nicht zustand.
Daran will sie jedoch nicht mehr erinnert werden. Nachdem die Folgen ihrer Klientelpolitik ruchbar geworden sind, rühmt sie sich, mit der fristlosen Kündigung – sie spricht von Abberufung – der von ihr berufenen Intendantin den Weg für neue Personen und Strukturen freigemacht zu haben. Für alles, was von nun an kommt oder noch kommen wird, seien neue Verantwortliche in die Pflicht zu nehmen, hat sie verkündet. Dass Pflicht und Verantwortung Wörter sind, die nur rückschauend ihren Sinn entfalten – ob pflichtgemäß und verantwortungsvoll gehandelt worden ist, lässt sich doch, wenn überhaupt, nur nachträglich erkennen – davon weiß Frau von Kirchbach nichts, will sie wohl auch nichts wissen. Denn dann käme irgendwann ja auch sie an die Reihe, und das wäre peinlich.
Der Wunsch nach der Ehrenerklärung
Wie alle Welt ist sie sich keiner Schuld bewusst. Ihre Verantwortung, erklärt sie kleinlaut, erschöpfe sich darin, Verantwortung abgegeben zu haben. Das hätte sie getan, und damit sei die Zeit gekommen, einen Schlussstrich, wörtlich so, zu ziehen: Die aufsichtsführende Person will sich selbst entlasten. Weil das nicht klappt, versucht sie nachzulegen. Sie wünscht sich eine Ehrenerklärung, die aber schwer zu haben ist, und deshalb stellt sie sich unter Rückgriff auf ihre theologische Kompetenz selbst eine aus. Ihre berufliche Integrität als Pfarrerin und Seelsorgerin infrage zu stellen, das werde sie, versichert sie trotzig, nicht hinnehmen – als ob es darauf ankäme, was sie selbst hinnimmt, nicht darauf, was das geprellte und enttäuschte Publikum hinzunehmen noch bereit ist. Viel wird das nicht sein, denn den charakter indelebilis, der den Gottgeweihten auch dann schützt, wenn er Dinge tut, die einen Anderen Kopf und Kragen kosten würden, den gibt es in der Evangelischen Kirche nicht; glücklicherweise nicht. Protestanten sind es gewohnt, die Lehrsätze und Lebensregeln, die ihnen in der Kirche verkündigt werden, auf die Verkünder selbst anzuwenden. Und sich von ihnen abzuwenden, wenn sie feststellen, dass da eine allzu große Lücke klafft.
Um mit einer persönlichen Bemerkung zu schließen: Ich wage mir nicht vorzustellen, was aus einer Gesellschaft werden soll, in der die Maßstäbe für Gut und Böse, Recht und Unrecht, Anstand und Moral von der Kirche, wenn schon nicht garantiert, so doch vorgelebt und einigermaßen glaubwürdig vertreten werden. Eine Kirche, die sich der Staatsmacht andient, kann oder will das aber nicht. Sie stellt nichts Eigenes mehr vor, nicht einmal ein Ärgernis, sie macht sich überflüssig.
Man glaubt es nicht, und es ist wirklich zu schön. Der Vater der Dame war ebenfalls Pfarrer und ging Anfang der 50er Jahre vom Westen in die DDR. Warum kommt mir das nur so bekannt vor? Definitiv eine 150prozentige!
Seltsam oder? wenn Frauen agieren kommt entweder genauso viel oder noch mehr Korruption ans Tageslicht als/wie bei Männern. Seltsam! Dabei höre ich dauernd nur, Frauen können und machen alles besser.
Da lobe ich mir doch die echten Politikerinnen, deren Schamlosigkeit, Macht- und Geldgier für jeden schnell zu erkennen ist, der sich sein Hirn noch nicht hat eliminieren lassen – wodurch auch immer. – Aber diese – ich bemühe mich nun um eine gepflegte Wortwahl – verlogenen, unchristlichen, macht- und geldgierigen Pfaffen, die wohl zu feige waren, ihr wahres Gesicht als Politiker zu zeigen, die sich zur Tarnung ihres miesen Charakters noch die schwarze Kutte übergestülpt haben – die verachte ich NOCH mehr als die korrupten, unsere Grundrechte missachtenden dauerlügenden Politiker. – Es erschließt sich mir nicht, warum – bis auf ein paar alte Menschen, die nicht mehr mitbekommen, was sich „Kirche“ an unchristlichem Verhalten erlaubt – nicht längst alle anderen denkenden und fühlenden Menschen aus diesem rotgrünen linken Verein ausgetreten sind. Spätestens, als während der herbeigedichteten Corona- Epidemie Oster- und Weihnachtsgottesdienste abgesagt wurden, Trauernde nur in begrenzter Anzahl am Grab von geliebten Menschen Abschied nehmen durften und auch bis in jüngste Vergangenheit sich Menschen die nutzlose Maske vor das Gesicht binden mussten, wenn sie einen Gottesdienst besuchen wollten, müsste doch jedem Denkenden klar gewesen sein, dass „die Kirche“ (und viele ihrer Repräsentanten) alles Mögliche ist – nur keine christliche Einrichtung (mehr). – PS. Friederike von Kirchbach – was für ein in diesem Zusammenhang göttlicher Name! :-))
Offenbar gefährdet es die charakterliche Integrität, Angestellter (und erst recht Funktionär) einer Staatskirche zu sein, oder solche Positionen ziehen a priori fragwürdige Persönlichkeiten an. Manchmal bedaure ich, dass Gott tot ist; es wäre doch eine rechte Gaudi, wenn er ein paar heftige Blitze in die Amtsstuben der scheinheiligen Pfaffen (und -innen) schleudern würde.
Laut „Jesus-Report“ dürfte die Verquickung von Kirche und Staat schon seit der frommen Lüge der donatio Constantini evident sein; mit der Reformation wurde nach Errettung Luthers durch Friedrich den Weisen von Sachsen die Verbindung bei den Protestanten noch enger. Luther „bedankte“ sich ja u.a. durch seine Verurteilung des Bauernkrieges und mit der Hetze gegen Juden. Vom Missbrauch der Kirche durch andere Regime wurde hier schon wiederholt geschrieben. Warum sollte Frau v. Kirchbach da eine Ausnahme sein? Gerade beim rbb scheint die Entwicklung von der Gleichberechtigung über die „Gleichstellung“ zur Quotokratie augenfällig. Zur Überlebtheit des GEZwangsbeitrags folgendes Gedankenenexperiment: Man stelle sich vor, ein wie auch immer zustande gekommener Staatsvertrag würde jeden Haushalt einkommensunabhängig verpflichten, die taz oder die Preußische Allgemeine kostenpflichtig zu abonnieren oder kostenpflichtig einen Internetanschluss installieren zu lassen, um mindestens einmal täglich eine „Nachrichten“-Sendung des Staatsfunks anzusehen. Während meiner NVA-Zeit war täglicher Gemeinschaftsempfang der Aktuellen Kamera und wöchentliches Ansehen des Schwarzen Kanals vom Karl-Eduard von Schnitz… Pflicht.
@Sara Stern:
Mir fällt auch auf, dass trotz mehr Frauen in Machtpositionen die Welt nicht wirklich besser geworden ist ;-)…
Mancher Sorgen von Kommentatoren möchte ich haben, sie sind getauft, wollen aus der Kirche austreten, weil ein Pfaffe sich daneben benimmt. Ich werfe jetzt meinen Führerschein weg, weil jemand gerast ist. Ich esse nicht mehr, jemand hat sich Übergewicht angefressen. ich will nicht mehr denken, jemand hat kriminelle Energie …, Sind das schon Spätfolgen oder noch Frühstadien …