Freihandel ist eine gute Idee. Die ursprüngliche EU war eine der ambitioniertesten Freihandelszonen der Welt. In einer Zeit, in der sich immer mehr Regionen der Welt durch Zölle und andere Handelsschranken abschotten, sollte man jedes neue Freihandelsabkommen grundsätzlich begrüßen. So sieht es auch die Ökonomin Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW). Im Interview mit dem Handelsblatt hat sie das Mercosur-Abkommen deutlich begrüßt, an dem seit 1999 verhandelt wurde. Die EU-Kommission verspricht sich von der Vereinbarung eine Steigerung der Exporte aus der EU in die südamerikanischen Länder von bis zu 39 Prozent.
Die Europäer werden wohl vorwiegend Autos und chemische Produkte über den Atlantik schicken. Dagegen liefern die Mercosur-Länder hauptsächlich landwirtschaftliche Produkte und Rohstoffe in die Länder der EU. Insbesondere für die deutsche Industrie fallen künftig wichtige Zölle nach und nach weg, das betont die auch die Ökonomin vom IW. Im Gegenzug zeigt sie auch Verständnis, dass die Landwirte in der EU mit großen Sorgen auf den Vertrag schauen. Ein wenig kann sie beruhigen, wenn sie darauf hinweist, dass der europäische Markt nicht mit billigen Agrarprodukten aus Lateinamerika geflutet werde, da es hier sehr restriktive Quotenregelungen für die sensiblen Agrarbereiche gebe. Unter Bezug auf die französische Landwirtschaft sagt Sultan, diese habe teilweise Wettbewerbsprobleme, die sich allerdings nicht durch Abschottung lösen ließen. Was die Lösung wäre, ließ die Wissenschaftlerin im Interview offen.
Die Bauern ächzen
Ähnliches kann man über die ganze europäische Agrarlandschaft sagen. Durch Mercosur stehen europäische Bauern und ihre Kollegen aus Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay in direkter Konkurrenz. Während in Europa die Bauern unter einer Last aus Vorschriften ächzen, Auflagen für das Tierwohl und die Umwelt, zahlreiche Dokumentationspflichten und reichlich Hygienevorschriften, findet sich das am anderen Ende der Welt so nicht. Am Ende führt dies dazu, dass in Europa die Kosten für die Produktion von Fleisch schon mal doppelt so hoch sein können, wie in den Mercosur-Staaten. Allen Schutzklauseln zum Trotz lässt sich das nicht wegrechnen. Ungleiche Regeln bei Zusammensetzung des Futters, der Gabe von Medikamenten und der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln verschärfen die Situation eher.
In der anderen Richtung fürchten die Industriebetriebe in den Mercosur-Staaten die deutlich stärkere, weil produktivere europäische Konkurrenz. Hier betont Samina Sultan allerdings – äquivalent zu den Sorgen europäischer Bauern, dass die Zölle erst nach und nach sinken oder fallen werden. „Das trägt aber auch den Sorgen auf beiden Seiten Rechnung, jetzt vermeintlich mit Importen überschwemmt zu werden“, so Sultan wörtlich. Bei E-Autos werde es allerdings sofort eine Absenkung der Zölle geben, was den europäischen Autoherstellern einen Vorteil gegenüber der chinesischen Konkurrenz biete.
Die Ökonomin sieht den Freihandel nicht als tot an und betont, die EU könne solche Abkommen noch erreichen, auch wenn es manchmal 25 Jahre dauere. Sie verweist darauf, dass es aktuell Verhandlungen mit Indonesien und Indien gebe. Ferner regte sie an, „die Verbindungen etwa mit Großbritannien weiter zu vertiefen“. Nach dem Scheitern der Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP), schien der Freihandel global tot zu sein. 2016 wurden die Verhandlungen eingestellt. Sowohl in der ersten wie auch in der zweiten Amtszeit verfolgt US-Präsident Trump eine eher restriktive Handelspolitik und setzt auf Zölle zum Schutz der US-Wirtschaft. Am Ende geht es immer um den Wettstreit zwischen Wirtschaftsliberalisierung, die im Interesse starker Volkswirtschaften liegt und den öffentlichen Schutzinteressen, für die die europäischen Landwirte das beste Beispiel sind. Je weniger ein Staat oder eine überstaatliche Organisation wie die EU in die Belange der wirtschaftlich Handelnden eingreift, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Wirtschaftszweig stark entwickelt. Bürokratische Eingriffe wie Auflagen, Verbote und Berichtspflichten schwächen eine Wirtschaft. Unter Berücksichtigung regionaler Unterschiede bedeutet mehr Freihandel grundsätzlich mehr Wohlstand, wenn man dem regionalen Markt und regionalen produzierenden Gewerbe möglichst große Freiheiten einräumt.
Noch ist das Abkommen nicht in trockenen Tüchern
Während sich Italien aufgrund der Schutzzusagen von einem Nein zu einem Ja durchringen konnte, bleiben in Frankreich Regierung und Landwirte beim Nein. Die französische Landwirtschaftsministerin Annie kündigte an, sich für eine Ablehnung des Abkommens im EU-Parlament einzusetzen. Auch wenn Kommissionpräsidentin Ursula von der Leyen die Erlaubnis hat, das Abkommen zu unterzeichnen, muss es vom EU-Parlament ratifiziert werden. Dort dürfte die Abstimmung knapp ausfallen. Ablehnung zeigen weiterhin europäische Umweltverbände. Greenpeace schreibt auf seiner deutschen Webseite: „Einmal abgeschlossen, würde das Abkommen den Handel mit umwelt- und klimaschädlichen Produkten wie Rindfleisch, Futtersoja, Pestiziden, Einwegplastik und Verbrenner-Autos begünstigen – eine Katastrophe für die Natur, die Menschen in Südamerika und das Weltklima.“
Während auf der einen Seite die Protestwelle noch rollt und die Ratifizierung des Abkommens nicht in trockenen Tüchern ist, gibt die Industrie- Handelskammer (IHK) in Bayern schon praktische Tipps für Unternehmen. Wichtiger noch sind die von der Kammer vorgelegten Zahlen, die zeigen, was wird von wo nach wo geliefert. In der Tat, so die IHK München liefern bayrische Firmen vor allem Maschinen, Fahrzeuge, Chemie- und Elektrotechnikprodukte in die Mercosur-Staaten. Umgekehrt kommen von dort vorwiegend Agrarprodukte, Rohstoffe, Grundchemikalien und Industrieerzeugnisse. Noch ist das Abkommen nicht in trockenen Tüchern. Man kann schon jetzt erkennen, dass insbesondere im landwirtschaftlichen Sektor in Europa Handlungsbedarf besteht, um die Landwirte global wettbewerbsfähig zu machen.
Beitragsbild: niki_emmert/pixabay
„Auflagen für das Tierwohl und die Umwelt“, „Hygienevorschriften“ —
Weg mit dem woken Sche*ß!
@sybille eden, „Nach dem Verbot der Produktion von Verbrennern“ —
Es gibt kein Produktionsverbot. Neuzulassungen innerhalb der EU sollen verboten werden.
@ Ingo Schöler – „Und Böden die man aufgibt sind erst mal verloren.“ – Da ist doch nix verloren – da wachsen dann Kolonnen von Windrädern und bescheren dem Eigner der Flächen wundersames Staatsgeld. Und mit dem Abrieb der Flügel ist der Boden sehr schnell so kontaminiert, daß man von dem sodann nichts mehr verspeisen möchte, weder als Bodenfrucht, noch von irgendeinem dort grasenden Vieh. Dann ist die Fläche alledings für nichts anderes als Wind- oder Photovoltaikpark zu gebrauchen. Vielleicht sollte man einem der dafür verantwortlichen Politdarsteller mal erklären, was das Wort
„Lebensmittel“ bedeutet und welchen Wert es für die hier noch Wohnenden hat, selbige vor der eigenen Haustür anbauen und anbieten zu könne, statt sie mit dem Flieger oder Schweröl angetriebenen „Schiffchen“ erst herankarren zu müssen. Welche Risiken das für die Vesorgung der „Untertanen“ mit sich bringt, hat der Bruch der Lieferketten zu „Corona-Zeiten“ oder dem gestrandeten Container-Frachter im Suezkanal gezeigt, auch wenn es offenbar die Strippenzieher nicht kapieren können. Dabei ist es doch gar nicht so schwer, wenn der IQ nicht ganz unterirdisch ist.
Wir erkämpften über ein halbes Jahrhundert mühsam in Deutschland und Europa Standards für Tierschutz und Landschaftsschutz, man sorgt dafür, dass die Böden nicht ausgelaugt werden, man erhält dadurch Arten. Verbraucher haben eine weitgehend verlässliche Lebensmittelqualität, die Basis ihrer Gesundheit. Es gibt keinen und zwar gar keinen Grund, das wegzuwerfen, damit die europäische Industrie günstiger exportieren kann. Warum sollten wir schlechtere Lebensmittelqualität in Kauf nehmen? Welchen Sinn sollte es ergeben, Lebensmittel um die halbe Welt zu transportieren? Nichts ist nur im Ansatz logisch oder durchdacht daran. Stattdessen könnte man endlich die würgenden Ketten der europäischen Industrie lockern, die da u.a. sind, die künstliche Verteuerung des Strompreises, die Belastung der Unternehmen durch sinnlose Vorschriften auf EU-Ebene und auf nationaler Ebene. Weiterhin das stumpfsinnige Projekt Verbrennerverbot, das der europäische Autoindustrie den heimischen Markt ruiniert. Man könnte auch dafür sorgen, dass einheimische Bürger etwas mehr Geld in der Tasche haben durch niedrigere Steuern und Abgaben, man könnte sich um die Inflation kümmern durch eine restriktivere Geldpolitik. Es gäbe so viele sinnvolle Maßnahmen, stattdessen agiert man wieder einfach nur destruktiv. Deshalb muss diese EU weg und durch ein demokratisch legitimiertes Konstrukt ersetzt werden, das dem Wohle der Menschen in Europa dient. Diese EU. Sie muss weg.
Das ist jetzt die Schönschreiberei aus dem Elfenbeinturm. Die Realität sieht anders aus. Info eines Landwirtes hier im Westen: das große deutsche Zuckerunternehmen bietet ihm für den NICHT-Anbau von Zuckerrüben 700,-/ha an. Das Unternehmen bekommt auf dem (nicht umweltmäßig) überregulierten Weltmarkt die Rohstoffe um vieles günstiger, dass es dem dt. Landwirt fürs Nichtstun noch Geld zahlen kann. D.h. die Anbauverträge werden wohl nicht verlängert. – Die Abschaffung der dt. Landwirtschaft ist unter den Rahmenbedingungen beschlossene Sache. Das ist sehr schlecht für Deutschland.
„ Die Europäer werden wohl Autos und chemische Produkte über den Atlantik schicken.“
Nach dem Verbot der Produktion von Verbrennern ? Schicken die dann 2 Tonnen schwere super teure E- Autos nach Südamerika ? Und die chemischen Produkte kommen von wo her ? Aus LEUNA sicher nicht mehr. Und nach dem gesetzlich (!) festgelegten Termin der Klimaneutralität, wird es wohl kaum noch eine nennenswerte chemische Industrie im Lande geben. Also mit was für Gütern will man da handeln ? Mit grünen, klimaneutral gewachsenen Gurken ?
Die Landwirtschaft, zumindest die in Deutschland, arbeitet schon sehr effizient, soweit es unsinnige Vorschriften und Dokumentationspflichten zulassen. Haben wir denn gar keine nationalen Interessen mehr.? Müssen wir die Landwirtschaft auch noch vor die Wand fahren, damit wir im Ernstfall hungern, wenn was außergewöhnliches passiert. Der 1. Weltkrieg sollte uns eine Lehre sein.
Und Böden die man aufgibt sind erst mal verloren.