Gerald Hensel, der vor sechs Jahren einen Werbeboykott gegen Achgut.com initiierte, sagte später zur Rechtfertigung: „Recht auf Meinungsfreiheit gibt es, Recht auf Werbe-Budgets gibt es nicht“. Hat er recht? Gilt das jetzt auch?
Gestern standen an dieser Stelle Artikel, die sich mit einer Art Werbeboykott gegen Achgut.com beschäftigten. Wie beschrieben, bedarf es als Auslöser inzwischen offenbar nur anonymer Denunzianten. Wenn die einem Unternehmen über die sogenannten Sozialen Medien mitteilen, eine Seite, auf der ihre Werbung stünde, wäre politisch anrüchig, können sie eine kleine Lawine auslösen, an deren Ende eine Werbeagentur die Werbung aller ihrer Kunden von dieser Seite nimmt.
Wie Sie hier lesen konnten, hatte dies Achgut.com nach sechs Jahren wieder ereilt. Seinerzeit bedurfte es mit Gerald Hensel aber noch eines namentlich bekannten Anklägers, der sich auch noch die Mühe machen musste, auf eigens eingerichteten Webseiten liberale Publikationen wie Achgut.com oder auch Tichys Einblick als „rechts“ zu etikettieren, um damit die Richtigkeit der eigenen Denunziation zu belegen. Heute reicht offenbar eine anonyme Denunziation völlig aus, um einen Werbeboykott in Gang zu setzen. Dabei wird gerade auf eine Redaktion gezielt, die einen skeptischen und kritischen Blick auf Mächtige und Regierende auch dann für eine professionelle Selbstverständlichkeit hält, wenn deren Politik von etlichen Kollegen gern mit viel hochmoralischem Weihrauch für beinahe sakrosankt erklärt wird. Das ist – so hieß es hier auch gestern – ein Angriff auf Meinungs- und Pressefreiheit.
An dieser Stelle ist selbstverständlich die skeptische Frage angebracht, ob ich hier nicht einen Vorgang mit zu viel Pathos überhöhe, schließlich kann sich doch jeder Werbekunde selbst aussuchen, wo und wie er wirbt. Gerald Hensel erklärte seinerzeit: „Recht auf Meinungsfreiheit gibt es, Recht auf Werbe-Budgets gibt es nicht“. Das ist richtig, aber es gibt in einem freien Land ein Recht auf einen fairen Wettbewerb um diese Werbe-Budgets.
Süßes in Uniform
Als Taboola Werbepartner von Achgut.com wurde, lag der Werbe-Einbruch nach der Hensel Denunziation schon etwas zurück. Wer sich auf Achgut.com einließ, wusste um das Konfliktpotenzial. Die Seite hat sich in ihrer inhaltlichen Positionierung nicht verändert, außer dass Themen hinzugekommen sind, die seinerzeit noch unvorstellbar waren, wie die Corona-Ausnahmezustände oder der Ukraine-Krieg. Was also sollte eine Agentur plötzlich hindern, weiter mit Achgut zu arbeiten? Die verschiedenen möglichen Antworten auf diese Frage haben eines gemeinsam: Es geht nicht um das Erreichen der für die jeweils beworbenen Produkte relevanten Zielgruppen und das entsprechende Werbeumfeld – es geht nur um das politische Umfeld. Es geht nicht nur um Produktwerbung, sondern immer vordergründiger auch um die Demonstration der richtigen und guten Gesinnung des Unternehmens.
Im Jahr 2000 fiel mir in Peking eine große Werbetafel ins Auge. Beworben wurde ein Produkt eines renommierten Süßwarenherstellers. Wenig überraschend wurden die Süßigkeiten mit Bildern lachender Kinder beworben. Doch diese Kinder waren uniformiert, sie strahlten werbend in den weißen Hemden und roten Halstüchern der Jungen Pioniere, also der Kinder-Organisation der Kommunistischen Partei. Das Unternehmen warb nicht nur für sein Produkt, sondern auch für das Regime, und es demonstrierte die eigene Loyalität zu selbigem.
Die in dieser Werbung sichtbare Form der gelungenen politischen Einbindung grundsätzlich kapitalistisch arbeitender Firmen in das Machtsystem der Kommunistischen Partei Chinas war nicht überraschend. Wer es wissen wollte, wusste, dass es eine Illusion war und ist, zu glauben, eine Diktatur würde sich durch das Gestatten eines freieren Wirtschaftens und eines freieren Marktes automatisch auch politisch liberalisieren. China zeigte im Gegenteil, dass sich ein System von Abhängigkeiten, Gefälligkeiten und Zwang im Zusammenspiel von wirtschaftlicher und politischer Macht schaffen lässt, das auch dem Regime einer kommunistischen Kaderpartei das ökonomische Überleben sichert. Auch dafür stand die Pekinger Süßigkeiten-Werbung, und ich dachte nur: Wie gut, dass das Spitzenpersonal in der SED offenbar nicht so clever war wie die chinesischen Genossen.
Damit sollen keine falschen Vergleiche der sich leider entdemokratisierenden Bundesrepublik mit vergangenen oder gegenwärtigen kommunistischen Diktaturen anmoderiert werden. Aber ich erinnere mich immer öfter an dieses Plakat, wenn ich heutzutage Werbung von Unternehmen sehe, in der nicht das Produkt, sondern die politische Haltung des Werbenden im Mittelpunkt zu stehen scheint. Je stärker sich die Politik von ideologischen Denkfiguren und Weltbildern leiten lässt, desto stärker scheint der Bekenntnisdruck zu sein, unter dem sich die Unternehmen sehen.
Kein Ausschluss vom Wettbewerb
Wenn Automobilhersteller erklären, es läge in ihrem Interesse, den Verkauf ihres wichtigsten Produkts in ein paar Jahren zu verbieten, dann tun sie dies nicht, weil ihre Manager zur altruistischen Klimarettung den heroischen Opfergang antreten, sondern weil sie den Verlockungen von Subventionen und Fördergeldern nicht widerstehen können und sich mehr davon versprechen als von den Autokäufern.
Aber auch Unternehmen, die sich nicht in ein System von richtiger Haltung und Moral einbinden lassen wollen, verspüren Druck. Sie wollen vermeiden, in den öffentlichen Verdacht einer „falschen“ Gesinnung zu geraten. Auch hier kann man schnell in die Kontaktschuld-Falle treten. Auch deshalb wird Denunzianten, die Abweichler gern an den Pranger gestellt sehen, so schnell nachgegeben und ihnen damit eine große Macht in die Hände gelegt.
In der Online-Werbung ist eine kleine Lawine dann schnell erzeugt. Erst meldet sich ein Unternehmen, das eine Seite gemieden haben will, dann sperrt sich die Werbeagentur vollends. Das sind in der Umsetzung nur ein paar Klicks. Den Rest erledigen die Algorithmen. Das macht am wenigsten Arbeit und verursacht auch den wenigsten Ärger. Die meisten Beteiligten funktionieren, weil sie sich nach eigenen praktischen Erwägungen auf den ersten Blick ganz rational entscheiden, nicht weil sie Zensoren sein wollen.
Das ist alles menschlich verständlich. Nur eines ist es in einem Fall, wie dem unseren, nicht: eine von sachfremden Erwägungen freie Wahl eines Werbekunden, wo er wirbt und wo er nicht wirbt.
Wie Sie sehen können, hat Achgut noch nicht alle Werbekunden verloren. Hoffen wir, dass es noch hinreichend Agenturen und Unternehmen gibt, die mit ihrer Werbung vor allem die potenziellen Käufer ihrer Produkte erreichen wollen und die zu diesem Zwecke ihre Werbeträger frei und ohne Druck wählen wollen. „Recht auf Werbebudgets gibt es nicht“, hieß es einst von Hensel. Richtig! Dies sollte vor all jenen gesagt werden, die meinen, sie könnten Unternehmen drängen und nötigen, ihnen Missliebige vom Wettbewerb um Werbebudgets auszuschließen.
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Beitragsbild: Pixabay

Zu „Gerald Hensel, der vor sechs Jahren einen Werbeboykott gegen Achgut.com initiierte, sagte später zur Rechtfertigung: “Recht auf Meinungsfreiheit gibt es, Recht auf Werbe-Budgets gibt es nicht„. Hat er recht? Gilt das jetzt auch?“ // Hensel hat schon in gewisser Art und Weise Recht,- aber darum geht es nicht! Des Pudels Kern ist, daß sich ein ganzer Konzern aufgrund einer Denunziation politisch instrumentalisieren ließ! Immer dann, wenn ich jetzt die Produkte dieses Wirtschaftsunternehmens auf der Straße sehe, werde ich an diesen politischen Kotau des Konzerns vor einem (anonymen?) Denunzianten erinnert werden. Und ich werde mich daran erinnern, daß hier ein Konzern indirekt bestimmen wollte, wie ich meine Meinung bilde. (Egal, ob ich mit Achgut übereinstimme oder nicht!) Was für eine negative Werbung für eben diesen Konzern! Achgut sollte daraus lernen und nicht nur politisch, sondern sich auch wirtschaftlich unabhängig aufstellen. Es ist immer gut, nicht erpressbar zu sein!
Interessant bei Taboola:
Wenn man „ALLGEMEINE GESCHÄFTSBEDINGUNGEN ZUM HERAUSGEBERVERTRAG“,
2. Plattform-Nutzungsbedingungen c) durchliest, lässt sich kein Verstoß von Achgut gegen die dort aufgelisteten Ausschlusskriterien feststellen.
Auch interessant: in der Befehlszeile (Link) ist auch Madsack (SPD-Beteiligung) mit aufgeführt.
Ferner gibt es auch eine Nutzungsvereinbarung mit Ströer (Propagandisten der GRÜNEN), die sich im Internet findet.
Man hat auch die bestehende exklusive Partnerschaft im April 2022 bis 2028 verlängert:
Taboola (NASDAQ: TBLA), a global leader in recommendations for the open web that helps people discover things they might like, and Ströer Content Group GmbH, home of Ströer’s digital publishers, including the well-known and high-reach brands around t-online, GIGA and Watson announced a new, exclusive partnership.
Ob da Achgut nicht gestört hat?
Deutschland 2022: Der toleranteste Faschismus aller Zeiten. Querdenker-Chef Ballweg verhaftet, weil er „angeblich“ Spenden nicht korrekt verwendet habe. Natürlich direkt in den Knast, ist ja kein Goldstück das Deutsche terrorisiert. Der Staat verschleudert von deutschen Steuerzahlern in der ganzen Welt. Korrekt verwendet? ich warte auf die Verhaftungen. Wenn die eigene „Regeln“ auch auf sie gelten würden, müsste die gesamte Parteienlandschaft sitzen. (Ich freu mich drauf). Die Höhe: „In seinem aktuellen Bericht hat das Bundesamt für Verfassungsschutz “Querdenken„ erst kürzlich unterstellt, zum Umsturz der politischen Ordnung aufzurufen.“ JF. Merkel hat die politische Ordnung Deutschlands beseitigt, SPD, Grünen und Linken rufen nicht zum Umsturz auf, sie machen ihn. „Es gibt nichts, was sich für die Wahrheit einsetzen kann. Sie müssen für die Wahrheit im Gefängnis sitzen.“ (A. Solschenizyn) ; „Wo kommen, wenn in einem Land Faschismus gebraucht wird…die entsprechenden Organisationen her… Ich nehme an, in Deutschland werden es die GRÜNEN und dieses sogenannte Bündnis 90 sein. Deswegen glaub ich auch, daß eben in Deutschland nicht die beiden Nazi-Parteien die Keimzelle werden werden, sonderm jemand, auf den man nicht kommt. Und diese weinenden Kleinbürgerorganisationen, die gegen alles sind, was ist mit Recht, und überhaupt nicht wissen, wofür sie sind, weil sie nur dumm sind, die eignen sich.“ (Gespräch mit Frank Tichy, November 1992, in: Marxistische Hinsichten, Eulenspiegelverlag, S. 302 f.)
Werbung wird nicht aus Altruismus gemacht, sondern zur Kundengewinnung. Diese Kunden muss man erreichen. Wer nur in linken Medien wirbt, erreicht nur linke Kunden. Vielleicht hat die gesellschaftliche Vollverblödung aber auch die Werbebranche erreicht. Achgut sollte sich nicht von einer Agentur abhängig machen. Das ist nicht klug und passt nicht zum Anspruch der Unabhängigkeit.
Ein Recht Autos zu verkaufen gibt es. Ein Recht auf Käufer gibt es nicht. Also: Nie wieder Volkswagenkonzern.
„Ein Recht auf Werbebudgets und Flugreisen gibt es nicht“ sagte die Stewardess und warf den Achgut-Journalisten aus dem Flugzeug.
Der Kapitalmarkt hat zur Folge, daß es den Investoren völlig egal ist, wodurch das Unternehmen, in dem sie investiert sind, sein Geld verdient. Wenn das Kerngeschäft langfristig den Bach runter geht, werden halt die auf dem Weg dorthin abgegriffenen Subventionen mitgenommen und alsbald das Kapital anderswo investiert.
„ Auf lange Sicht sind wir alle tot!“ lautet die zugrundeliegende Erkenntnis. So lassen sich vollmundige Ergebenheitsadressen des Managements verstehen, bedingungslos bereit zu sein, jeder noch so bekloppten politischen Vorgabe folgen zu wollen. Ein Diess interessiert sich nicht wirklich für Autos, anders als Piech damals. Mit Hilfe von viel Geld hat die Politik die Verhältnisse auf den Kopf gestellt. Beeinflußte früher die Industrie die Politik, so treibt inzwischen die Politik die Wirtschaft vor sich her. Das wird absehbar katastrophale Folgen haben.