Henryk M. Broder / 22.10.2011 / 02:03 / 0 / Seite ausdrucken

Freie Denker in tiefer Trauer

Der Deutsche Freidenkerverband ist sozusagen das Furunkel am Arsch der Friedensbewegung. Und diese kommt nicht darüber hinweg, dass drei ihrer Idole kurz hintereinander die Reise in das Reich des ewigen Friedens antreten mussten: Saddam Hussein, Ossama Bin Laden und gerade eben auch Muammar Gaddafi. Nun hat der Freidenkerverband bereits im August einen “Aufruf zum Kampf gegen den wahren Terror” veröffentlicht, der unerhört verhallte. Deswegen legt der Verband der Freidenker jetzt nach und ruft zur “Solidarität mit dem Libyschen Volk” auf. Der Appell beginnt mit den Sätzen:

“Der Lynchmord an Muammar Gaddafi, des Führers eines souveränen Staates, durch die NATO-Verantwortlichen, zeigt ebenso sowie die von ihnen am libyschen Volk begangenen völkerrechtlichen Verbrechen und die durch sie organisierte moralische Lähmung der westlichen Öffentlichkeit mit den Mitteln einer totalitäre Lügenpropaganda, dass wir in einer Zeit des fortschreitenden Verfalls errungen geglaubter zivilisatorischer Maßstäbe leben.”

Außerdem leben wir in einer Zeit des fortschreitenden Verfalls grammatischer Regeln; weswegen die Freidenker ganz souverän den Dativ durch den Genitiv ersetzt haben und auch sonst einen Freistil beim Formulieren pflegen. Und wenn sie sich demnächst zu einer Gedenkfeier für Nicola Ceaucescu oder Benito Mussolini treffen, die Führer zweier souveräner Staaten, die heimtückisch ermordet wurden, werden sie hoffentlich auch eine Gedenkminute für Josef Wissarionowitsch Dschugaschwili einlegen, den größten Freidenker aller Zeiten, der von einer heimtückischen Krankheit aus dem Leben gerissen wurde, bevor er zum Ehrenmitglied des Deutschen Freidenkerverbandes ernannt werden konnte, also irgendwie viel zu früh aufgeben musste.

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