Henryk M. Broder / 07.01.2014 / 21:55 / 3 / Seite ausdrucken

Freiburg, mon amour!

Es sieht aus, als hätte ich ein paar Freiburger Freaks ein extrem nachhaltiges Erlebnis beschert. Nur die “Tochter” hat sich bis jetzt in ihrem Leib- und Darmblatt nicht zu Wort gemeldet. Es wird ihr doch nicht etwa etwas zugestoßen sein? Aber diese Zuschriften, die in der Badischen Zeitung abgedruckt wurden, haben es auch in sich:

Seinen “Spaß” hat Henryk M. Broder wohl immer, wenn es ihm gelingt, andere vor Publikum zu demütigen: Ob die junge Frau im Publikum oder vor einiger Zeit, per Internet, Hedy Epstein, eines der letzten in Kippenheim geborenen und dem Holocaust entronnen jüdischen Kinder. Wer, wie die beiden, es wagt, die Politik Israels zu kritisieren, dem wird ohne weitere Nachfrage unterstellt, er ziele auf dessen Vernichtung, und er wird als Antisemit und Helfershelfer der Neonazis diffamiert. Ist einer so etikettiert, braucht man sich nicht mehr sachlich mit ihm auseinanderzusetzen. Welchen Begriff von Würde und Toleranz haben Menschen und Gemeinschaften, die meinen, solche Propagandisten nötig zu haben? Karl Kopp, Freiburg http://www.badische-zeitung.de/leserbriefe-freiburg/spass-daran-andere-vor-publikum-zu-demuetigen—79305055.html

Wenn der BZ-Artikel über die Lesung von Henryk Broder nur einigermaßen die Veranstaltung widerspiegelt, dann war es ein rundum peinlicher Auftritt. Ein Mann, der offenbar seine reine Freude daran hat, zynisch bis sadistisch mit Menschen umzuspringen und sie ins Lächerliche zu ziehen. Sein Zitat: “(…) ich wollte Sie nicht zum Weinen bringen. – Aber ich habe es gern getan”, zeigt seine Haltung deutlich. Zugleich meint er, da mitreden zu müssen, wo er offenbar keinerlei Ahnung hat – denn sonst wüsste er, wie die Belüftungssysteme in Niedrig- und Passivhäusern funktionieren, die nicht nur in Vauban, sondern auch anderswo zu finden sind. Aber Seitenhiebe hie und da, findet er wohl witzig. Dass im Laufe des Abends schließlich eine Vertreterin von Café Palestine sich den Vorwurf anhören muss, sie sei Helfershelferin der Neonazis, ist dann nicht mehr witzig, sondern unerhört.Wer die Veranstaltungen von Café Palestine besucht, kann sich selbst von der Dialogkultur überzeugen. Sehr häufig kommen gerade jüdische Referenten zu Wort, die sich zum Teil aktiv für eine Verständigung zwischen jüdischen Israelis und Palästinensern einsetzen und von ihren Aktivitäten berichten. Eine antisemitische Haltung ist da nicht zu erkennen. Stattdessen wird deutlich, dass es auch Juden gibt, die der israelischen Regierung und ihrem Umgang mit Palästinensern kritisch gegenüberstehen. Das israelisch-palästinensische Verhältnis braucht das Gespräch und das gegenseitige Kennen- und Verstehenlernen. Und in diesem Sinne habe ich die Veranstaltungen von Café Palestine bisher auch erlebt! Heidrun Walter, Freiburg http://www.badische-zeitung.de/freiburg/ein-rundum-peinlicher-auftritt—79305042.html

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Dr. Salomon Goldschmidt / 09.01.2014

Eine Glanztat Broders, Chapeau Broder, ich bin begeistert von Broder. Nur ihm gelingt es auf ganz, ganz hohem Niveau überall, besonders aber auf dem Lande, in der Dorfgemeinschaf und in der Kleinstadt, derart überzeugend sein Bewusstsein auszudrücken, zu leben und zu verteidigen. Das schätzen besonders die Schwachen, die er mit feinsinnigem Humor aufmunternd niedertrampelt.

Urs Schmidlin / 08.01.2014

Heidrun Walter, Freiburg: „Das israelisch-palästinensische Verhältnis braucht das Gespräch und das gegenseitige Kennen- und Verstehen lernen. Und in diesem Sinne habe ich die Veranstaltungen von Café Palestine bisher auch erlebt!“ Blöd ist, dass Menschen wie Frau Heidrun Walter nicht sehen können oder wollen, dass Terror - Organisationen wie die Hamas (siehe z.B. auf Focus online - Die Hamas: ihre Köpfe, ihre Strategie, ihre Logik), der Palästinensisch Islamische Dschihad (PIJ), die Hisbollah im Libanon oder Zellen der Al-Kaida im Gazastreifen nicht nur keine Gespräche mit Israel wollen, sondern die Vernichtung des Staates Israels anstreben. Wer soll da was und wie usw. „Kennen- und Verstehen lernen“ wollen? Wen wollten die Veranstalter des „Café Palestine“ evtl. täuschen mit ihrer „Friedens - und Verständigungspropaganda“ usw.?

Metke Gellert / 08.01.2014

Jede, die während einer öffentlichen Veranstaltung nicht an sich halten kann und anfängt zu flennen, sollte vom Sicherheitspersonal freundlich, aber bestimmt aus dem Saal geführt werden. Menschen, die aus Mangel an Argumenten und Charakterstärke ins Geheule flüchten sind ein Gift für jede Veranstaltung, das man nur durch Ironie und Sarkasmus bekämpfen kann. Broder ist einer der wenigen, die dieses Antidot stets bei sich tragen. Dafür meinen Dank.

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