Cora Stephan / 15.11.2006 / 12:25 / 0 / Seite ausdrucken

Frauen-Individuen

Es gibt gottlob nicht nur Reaktionen von irren Mustafas - genial die Idee, den Männern das Kopftuch um die Augen zu binden, damit sie weder die Schönheiten noch die Schrecklichkeiten dieser Welt erdulden müssen. Sind doch alle so empfindlich, die Kerle!
Sondern auch solche wie die von Susanne H…

Liebe Frau Stephan!
Ich bin genauso gut die Sau, die gejagt wird wie Sie, denn ich habe
beim dritten Kind meinen Beruf aufgegeben. Was wird oft auf uns
geschossen, z.B. von Frauen wie Ihnen! Ja, ich habe ein Studium und
eine vollständige Berufsausbildung. Was ich aber machen wollte, konnte
ich nicht machen. Die Stelle, die ich mir am meisten gewünscht hatte,
habe ich nur deswegen nicht bekommen, weil ich eine junge Mutter war,
die Stelle, die mich herausgefordert hätte zu Spitzenleistungen aus
Neigung zu dem Fachgebiet. Statt dessen hatte ich dann eine Stelle in
einem Fachgebiet, das mich nicht interessierte. Ich arbeitete, mein
Sohn bekochte sich zu Hause allein, machte die Schularbeiten allein und
kaufte auch noch mal was ein. Immer fehlte ihm etwas. Fürsorge vor
allem. Eine Mutter, die die Lateinvokabeln schon am Nachmittag mit
Geduld abhört und nicht abends, wenn sie müde ist. Ich habe zwölf Jahre
gearbeitet, dann kam mein zweites Kinderset, und ich habe alles
geändert. Ich habe bewusst dafür gesorgt, dass mein zweites Kind ein
Geschwisterkind bekommt und habe aufgehört mit dieser zerrissenen
Situation. Es zahlt sich aus. Sie haben ein gutes Selbstwertgefühl,
sind prima in der Schule und stehen im Leben. Vor allem fühlen sie sich
versorgt und geliebt. Ich bringe ihnen den Umgang mit Medien bei,
während andere am Nachmittag allein sinnlos surfen oder auch nicht mehr
einwandfreie Filme anschauen. Ich fahre sie nicht zum Sport, sondern
wir machen den zusammen.
Meine Kinder werden, so sie hier sind, die Rente der Älteren tragen, da
bin ich sicher, denn wie sie ihre Eltern respektieren, werden sie das
auch auf andere ältere Menschen übertragen können. Darum geht es nicht.
Es geht geht darum, dass wir aufhören, Faulenzer zu supportieren, die
gar nicht arbeiten wollen (ca. 800 000 offene Stellen) und Menschen aus
anderen Ländern zu erlauben, unsere Sozialsysteme noch zusätzlich zu
missbrauchen.
Im Grunde sitzen Sie und ich im gleichen Boot. Sie werden angefeindet
und ich genauso.  Wir haben uns jeweils entschieden für ein Leben, und
nun wird es uns madig gemacht. Wir sollten uns auf keinen Fall spalten
lassen, wir Frauen-Individuen. Herzlich, Dr. Susanne H.

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