Was macht der Verfassungsschutz eigentlich am Wochenende? Genau weiß man es nicht. Verständlich, schließlich handelt es sich um einen Geheimdienst. Allerdings kann man nun via Ausschlusslogik die These wagen, dass er am Sonnabend zu fortgeschrittener Stunde zumindest nicht das „Wort zum Sonntag“ im „Ersten“ verfolgt. Ansonsten hätte er tätig werden müssen, und zwar gleich in der Nacht.
Nun galten die mal nachdenklichen, mal platt-salbungsvollen regelmäßigen Gedanken eines Kirchenvertreters nie als spannungsschwerer Quotengarant. Es wurde sogar behauptet, dass der durchschnittliche Fernsehzuschauer die wenigen Minuten gern anderweitig nutzte, was Wasserwerksmitarbeiter vielleicht bestätigen könnten. Insofern kann man es Herrn Haldenwang und seinen Mitarbeitern nicht verübeln, wenn auch sie am letzten Wochenende die engagiert vorgetragenen Worte von Pastorin Annette Behnken aus Loccum ausgelassen haben.
In diesem Fall haben sie allerdings etwas verpasst. Angesichts des Propagandawertes, der Diffamierungen und des Aufrufs zum gewalttätigen Verfassungsbruch dürfte sogar das gesamte Team von „ttt“ (früher ein Kulturmagazin, sogar ein sehr gutes) vor Neid erblassen. Zwar hatte man hier unlängst schon ganz gut vorgelegt. Trotz deutlich aufwendigerer Produktion – die niedersächsische Pastorin toppt das, in kürzerer Sendezeit und im Alleingang.
„Menschlichkeit an der Grenze“ ist das „Wort zum Sonntag“ vom 7. März betitelt. Ausgangspunkt: Die Migranten – die Pastorin spricht natürlich von „Flüchtlingen“ – an der griechisch-türkischen Grenze. Das Stadium der dümmlich-weltfremden Blauäugigkeit hat Frau Behnken überwunden oder vielleicht von vorn herein übersprungen. Sie ruft zum handfesten Kampf gegen das Böse auf. Wir haben uns gefälligst um ausnahmslos alle Beladenen, Bittsteller und Forderer dieser Welt zu kümmern. Ohne Wenn und Aber. Steht auch so in der Bibel. Basta.
„Mit Verlaub, ich könnte kotzen“
Was hat uns die Theologin im Einzelnen mitzuteilen? Von Frau Europa, die einst von Zeus begehrt wurde, ist zunächst die Rede. Allerdings habe die Gute gerade ein hässliches Gesicht. An Europas Grenze zeigt sich die Grenze unserer Menschlichkeit. An der türkisch-griechischen Grenze verkaufen wir in diesen Tagen unsere grundlegenden Werte: Menschenrechte und Menschlichkeit. Stark betonte „Mensch“-Zusammensetzungen gibt es in der… nun ja, nennen wir es Ansprache, recht viele. Es wird mit Menschenleben geschachert, im politischen Geschäft zwischen Türkei und EU, Flüchtlinge benutzt als Verhandlungsmasse in einem dreckigen Deal. Unsere Werte seien im Ausverkauf. Die nun entstandene, arg mulmige Stimmung hebt Frau Behnke kurz, indem sie darauf verweist, dass es tatsächlich auch Gutes gibt. Bald wird ein Schiff auslaufen, gekauft und flott gemacht von einem breiten gesellschaftlichen Bündnis, initiiert von der Kirche, um Flüchtlinge im Mittelmeer zu retten. Das legt den Finger so richtig in die Wunde… Menschen in Not zu helfen. Dass man das überhaupt sagen muss… Flüchtende werden mit Gewalt zurückgedrängt. Dass dies an einer Landesgrenze geschieht, die ebenso gewaltsam gestürmt wird, scheint nicht so von Belang zu sein. Wir sehen nur einen Bruchteil des Elends in den hoffnungslos überfüllten Flüchtlingslagern. Deshalb der Appell an die Gesamtverantwortung: Angesichts dessen sollte sich jedem einzelnen Europäer Tag und Nacht der Magen umdrehen. Jeder Europäerin auch, da passt Frau Behnken schon auf.
Jetzt kommt die Passage für Herrn Haldenwang, es wird innenpolitisch. Wir müssen auf die Straßen gehen. Every day for future and humanity. Wir müssen die Parlamente stürmen, in denen Neofaschisten sitzen und uns in Schreckstarre verfallen lassen, genauso wie das Corona-Virus. Abgesehen vom Schreckstarre-Neofaschismus-Unfug nochmal die Hauptaussage: Wir müssen die Parlamente stürmen… Geäußert von einer Pastorin im öffentlich-rechtlichen Rundfunk im März 2020. Ist das Grundgesetz noch in Kraft? Hat das keinerlei Konsequenzen?
Frau Behnken verweist dann auf die biblische Samariter-Geschichte. Jenseits der bekannten Klischee-Stichworte bietet sich das Gleichnis (wer nachlesen mag: Neues Testament, Lukas 10, 25-37) nur sehr bedingt zum Vergleich mit der Situation der „Flüchtlinge“ an, zumal der Samariter sich möglicherweise auch nicht an einem Parlamentssturm beteiligt hätte. Aber da kann man im Eifer des Gefechts schon mal etwas übersehen, vor allem, wenn man eine Botschaft hat: Schutzbedürftigen ohne Wenn und Aber, unhinterfragt und sofort zu helfen, wenn das nicht der kleinste gemeinsame Nenner ist, was denn dann?!
Dafür sieht Frau Behnken Dinge, die andere nicht sehen. Es gibt viele, die wollen helfen und können nicht. Städte, Kommunen, Kirchgemeinden, zivilgesellschaftliche Gruppen werden ausgebremst von politischen Strukturen und der jüngsten Entscheidung des Bundestags, nicht einmal die Schwächsten der Schwächsten aufzunehmen, Kinder auf der Flucht. Mit Emphase: Ich verstehe das nicht! Und die EU zahle, um uns Menschen in Not vom Hals zu halten. Fazit: Mit Verlaub, ich könnte kotzen. Offenbar, um die Gefahr, dass sich der nächste „Wort-zum-Sonntag“-Sprecher nicht wirklich ins Studio erbrechen muss, sowas ist immer etwas unangenehm, wurde Frau Behnken inzwischen zumindest teilweise, zumindest vom Koalitionsausschuss erhört. Sie hatte ja auch nochmal gut nachgekartet und eigentlich viel mehr gefordert. Jetzt müssen Politiker zeigen, wes Geistes Kind sie sind. Vor allem: Jetzt muss ganz Europa all seine Kräfte aufbringen, um jedes einzelne Kind, jede einzelne Frau und jeden einzelnen Mann aus der Not zu retten. Jeden. Sagt Frau Behnke. Jedes, jede, jeden. Die Erklärung, worum es sich bei ganz Europa handelt, kommt dann auch, dem einen oder anderen dürfte sie bekannt vorkommen: Und wenn Europa das nicht einhellig hinkriegt, dann müssen es die tun, die dazu bereit sind. Zum Schluss erfolgt noch einmal ein Verweis auf jemanden, der vor 2.000 Jahren gelebt hat.
Darf man bei diesem „Wort zum Sonntag“ von schwerstem Amtsmissbrauch sprechen? Das müsste die Kirche regeln. Aber wenn es nicht einmal staatliche Stellen für nötig halten, einem öffentlichen Aufruf zum Sturm auf die Parlamente etwas entgegenzusetzen, steht da wohl ebenfalls nichts zu erwarten.

Nun, der Verfassungschutz ist keine Polizeibehörde, zum Glück. Es steht aber jedem und jeder frei, Strafanzeige zu erstatten, wenn er oder sie den Verdacht hat, dass StGB §111 tangiert ist (Öffentlicher Aufruf zu Straftaten). Bei § 81 bestünde sogar eine Anzeigepflicht bzw. die Staatsanwaltschaft muss bei Verdacht sofort von sich aus tätig werden. Ich zitiere: Hochverrat gegen den Bund (1) Wer es unternimmt, mit Gewalt oder durch Drohung mit Gewalt 1. den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu beeinträchtigen oder 2. die auf dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland beruhende verfassungsmäßige Ordnung zu ändern,wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe oder mit Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren bestraft. (2) In minder schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren. Eigentlich nichts Neues: Auch in der Weimarer Republik gab es bei weiten Teilen der Pfarrschaft eine tiefe Verachtung ggü. dem Parlamentarismus, bei den Protestanten aufgrund deutschnationaler Ideologie, bei den Katholiken aufgrund eines Antimodernismus. Der eigentliche Skandal dabei ist aber, wie nonchalant nun darüber hinweggegangen wird.
Und wieder, und immer wieder: Wer hindert eigentlich Frau Pastorin daran, ganz viele "Flüchtlinge" bei sich zuhause aufzunehmen, mit ihnen den eigenen Wohnraum zu teilen und sie finanziell zu unterstützen? Jeder so, wie er mag. Noch. Oder nicht (mehr)?
Vielleicht dachte der Verfassungsschutz, das Wort zum Sonntag schaut sowieso niemand an. Früher bezeichete man das mal als die Pinkelpause der Fernsehnation. Diese Leute meinen, wenn sie das vermeintlich Gute vertreten, brauchen sie sich an keinerlei Regeln mehr zu halten. Peter Hahne hat recht : Man sollte den Rundfunkbeitrag und die Kirchensteuer abschaffen.
War da denn nicht noch was anderes was den Staatsschutz beschäftigen sollte ? Aufruf zum Mord, Aufruf die Reichen ins Arbeitslager zu stecken ? Wieviel Stadtmauern und Burgen mit Mauern und Grenzen wurden in den letzten 2000 Jahren in Europa errichtet ? Sogar die Klöster mauerten sich ein. Der Vatikan ist auch nicht ohne Leibesvisitation plus Gebühr zu betreten. Meine Dorfkirche kann ich auch nur Sonntags zwischen 10:45 und 12 Uhr betreten. PS: Bei uns werden AfD Mitglieder die laut das Vater Unser in der Kirche beten, vom Pastor höchstpersönlich aus der ev. Kirche hinausgeworfen.
Selig sind die Armen im Geiste...... Steht auch schon in der Bibel! Oder wie Dieter Bohlen es ins 21.Jahrhundert übertragen hat: "Mach einem Bekloppten klar, dass er bekloppt ist!"
Vergfassungsschutz, wer ist denn das? Was sich früher einmal Verfassungsschutz-Behörde nannte, ist heute eine Abteilung der Antonio Amadeu-Stiftung mit der Aufgabe die AfD zu vernichten. Dieses Amt geht nicht auf die Barrikaden, wenn unsere Regierenden die Verfassung missachten oder gar missbrauchen, wenn Linke die reichsten Deutschen einfach erschießen wollen, wenn die Antifa öffentlich zu Mord und Totschlag an "Rechten" aufruft, wenn der linke Mob eine demokratisch verfasste und in alle Parlamente demokratisch gewählte Partei derart drangsaliert und bedroht, dass hier sogar Personenschutz gewährt werden muss und wenn die einzige Oppositionspartei ganz offen vernichtet werden soll. Das alles interessiert den Verfassungsschutz nicht. Den Verfassungsschutz interessiert aber jeden Furz, den ein AfDler lässt, ob er auch dem Geruch des Mainstreams entspricht. Auch dass jemand dazu aufruft, die Parlamente zu stürmen, ist dem Verfassungsschutz gleichgültig. Er registriert es mit klammheimlicher Freude, weil man ja nur die AfD aus den Parlamenten "stürmen" will. Gibt es überhaupt noch den Ret eines deutschen Rechtsstaates? Ganz eindeutig: Nein!!
Herr Haldenwang vom Verfassungsschutz hätte doch wenigstens den Verdachtsfall gegen die evangelische Kirche ausrufen können!