Von Dr. Christoph Schneider.
Als „vollkommen wirklichkeitsfremd“ kritisiert DGB-Chefin Fahimi den Vorschlag, Überstunden steuerlich zu begünstigen. In diesem Brief erklärt ihr ein Arzt an einer deutschen Klinik, was das in der Praxis wirklich bedeutet.
Sehr geehrte Frau Fahimi,
mit großem Unverständnis habe ich Ihre negativen Reaktionen auf die Initiative, Überstunden steuerlich zu begünstigen, aufgenommen. Sie geben zu bedenken, dass dadurch die Teilzeitkräfte (überwiegend Frauen – 50 Prozent bei Frauen versus 13 Prozent bei Männern) benachteiligt würden und der Vorschlag daher abzulehnen sei.
Bei allem Verständnis für Geschlechtergerechtigkeit müssen hier doch Prioritäten gesetzt werden. In unserem extremen Fachkräftemangel muss es erste Priorität sein, diesen zu beheben. Dass Fachkräfte nicht mit dem Boot kommen, dürfte mittlerweile selbst den optimistischsten Experten klar geworden sein. Allerdings sind die Fachkräfte unter uns. Sie leben noch – gehen zum Teil in Altersrente, zum Teil in Teilzeittätigkeit – und einige wechseln in die Arbeitsunfähigkeit, die sozial recht gut abgefedert wird. Wieder andere machen keine Überstunden mehr, sondern gehen früher nach Hause, weil es sich nicht lohnt, zu bleiben.
Um Fachkräfte in den Arbeitsmarkt zu bringen, müssen demnach sinnvolle Maßnahmen ergriffen werden. Rentner müssen zurückgeholt und die Ableistung von Überstunden steuerlich begünstigt werden, um hier mehr Motivation zu schaffen. Die gewerkschaftlichen Errungenschaften wie z.B. die sanktionsfreien oder gar finanziell attraktiveren Fluchten in die Arbeitsunfähigkeit müssen wieder zurückgenommen werden. Hier in der Klinik erlebe ich, dass diejenigen OP-Schwestern, die sich pro Monat zwei Wochen krank melden, durch Dienstausgleichspauschalen (man hätte ja Bereitschaftsdienst haben können) deutlich mehr verdienen als die Kolleginnen, die täglich zur Arbeit kamen. Und zwei Wochen „Urlaub“ pro Monat haben.
Diese gut gemeinten Sozialleistungen stammen aus einer Zeit, in der es Dinge gab, die „man nicht machte“ – basieren also auf dem Menschenbild des 19. Jahrhunderts. Leider ist aus unserer von Hubertus und anderen „Heilsbringern“ beschworenen Solidargemeinschaft längst ein Selbstbedienungsladen geworden und aus einer Gemeinschaft, in der eine positive Resonanz im Sozialgefüge und der gute Ruf prioritär war, eine Gesellschaft von Egoisten, die ihrem individuellen Glück und Vorteil nachjagen. Das können und sollen Sie nicht ändern – aber die Konsequenzen daraus ziehen und die Regeln der gesellschaftlichen Entwicklung anpassen.
Die Effekte der vermehrten Teilzeitarbeit und Work Life Balance sind bei uns im Gesundheitssektor sehr gut zu beobachten: immer mehr Köpfe, immer weniger Arbeitsstunden. Riesige Lücken in der Versorgung und sinkende Qualität. So geht es auf dem Arbeitsmarkt auch aus.
Von der Weigerung vieler Arbeitsfähiger, aus dem Bürgergeld in eine steuerpflichtige Berufstätigkeit zu wechseln, da man lieber schwarz arbeitet und das Bürgergeld mitnimmt, können Ihnen Restaurantbetreiber wie mein Schwiegersohn viele Geschichten erzählen – man möchte schwarz arbeiten oder auf 530,- € Basis (aufgestockt per Schwarzarbeit), lehnt aber eine offizielle Beschäftigung hundertfach ab.
Aber weil nicht sein kann was nicht sein darf, schaffen es diese Realitäten nicht ins Bewusstsein der Sozialpolitiker, die so wie Sie und Hubertus Heil bei dem Teil der Bevölkerung, der hinter die Kulissen blickt, herüberkommen wie Märchenerzähler.
Wir sollten, nein wir müssen zur Leistungsgesellschaft zurückkehren und Leistung finanziell und sozial wieder belohnen. Wie die Abkehr vom Leistungsprinzip ausgeht, konnte am Beispiel der DDR gut beobachtet werden. Dank Ihnen und anderer Protagonisten der Sozialromantik sind wir auf einem guten Weg, das zu kopieren. Auch wenn unsere Medienlandschaft noch ein wenig vielfältiger ist als das Neue Deutschland und die Aktuelle Kamera – die Richtung „stimmt“.
Zum Abschluss noch ein Wort zur Geschlechtergerechtigkeit. Die Gleichberechtigung ist in Deutschland schon längst eingetreten. Außer in den migrantischen Milieus aus Afrika und dem Nahen Osten. Dort wird über Verhütung, Schwangerschaft, Spracherwerb und Teilhabe immer noch durch die Männer entschieden. Wenn Sie das verhindern möchten, sollten Sie dafür sorgen, dass unsere Gesellschaft durch diese Zuwanderer nicht überfordert wird.
Gleichberechtigung heißt aber am Ende nicht, dass gleiche Lebensentwürfe und symmetrische Biographien herauskommen. Die unterschiedliche Verteilung von Lebensrisiken und Aufgaben begleiten die Menschheit schon seit Jahrhunderten – Mutterschaft und aus Überzeugung mehr geleistete Care-Arbeit versus Risiken militärischer Auseinandersetzungen spiegeln sich in den demographischen Alterspyramiden wider – die entsprechenden Kerben dürften Ihnen schon aufgefallen sein. Im Gegensatz zur Mutterschaft ist die asymmetrische Aufteilung der Kriegsrisiken nicht naturgegeben – aber nicht zuletzt in der Ukraine ist erkennbar, dass die Asymmetrie weiter besteht und bestehen wird. Da spielt eine potenzielle Steuerungerechtigkeit von Teilzeitkräften doch wirklich keine entscheidende Rolle….
Bitte geben Sie Ihren Widerstand für alle Maßnahmen, die dem Facharbeitermangel entgegenwirken, auf, schauen Sie sich die Arbeitsverweigerungsrealität und den blühenden Schwarzarbeitssektor mal ganz nüchtern an. Überlegen Sie mal in Ruhe, in welchen Taschen die elf Prozent unseres auf dem Schwarzarbeitssektor erwirtschafteten BIPs (> 400 Milliarden €/Jahr lt. Statista) landen, ob die „Armutsberichte“ dann nicht neu geschrieben werden müssten und wie man Arbeitsverweigerer dazu bringt, sich wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt einzubringen. Dann könnten Sie ggf. helfen, den Sinkflug unseres schönen Landes zu bremsen. Aktuell drücken Sie den Steuerknüppel jedenfalls leider kräftig nach unten.
Der Autor schreibt unter einem Pseudonym und ist in einer großen deutschen Klinik als Gynäkologe tätig.
Sofern es noch gültig ist kann jeder Angestellte zu 10 kostenlosen Überstunden verpflichtet werden wenn es die Wirtschaftslage erfordert. Erst die 11 Stunde wird dann vergütet. Und das wird reichlich ausgenutzt. -->>„Aus einem Tarifvertrag, einer Betriebsvereinbarung oder dem Arbeitsvertrag kann sich jedoch ergeben, dass der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber zu Überstunden verpflichtet ist, wenn Personalmangel, eine Krankheitswelle, viele Abgänge oder ein neuer Großauftrag besteht. In dieser Situation kann der Arbeitgeber an die Arbeitnehmer einseitig Überstunden anordnen.“<<-- Ich hoffe jeder versteht endlich warum ein „Fachkräftemangel“ vorhanden ist, dringend sein muss. Damit lassen sich traumhafte Gewinne erzielen. Der H. Heil bestätigte vor kurzem wieder das ~1 Milliarde kostenlose Überstunden geleistet werden. Das ist auch der Grund warum die stalinistischen Spezialdemokraten und Wirtschaft vor langer Zeit alle sogenannten Arbeiter in das Angestellten dasein verpflichtet hat. Arbeiter waren Stundenlöhner und hatten eine geringere soziale Absicherung, dafür Lichtjahre besseres Einkommen. Und alle plappern wie die Lemminge „Fachkräftemangel“. Es ist zum k….
Meine Hochachtung dem Autor und volle Zustimmung! Diese „Arbeitsverweigerungsrealität“ besteht aber schon mindestens seit 20 Jahren, besonders im Öffentlichen Dienst/Unikliniken, auch in Altersheimen, von Gewerkschaften und auch gleichgültigen Vorgesetzten kräftig gefördert/toleriert. Zu mir sagte Anfang der 2000er ein Professor, den ich als Patienten hatte, zu der Problematik: „Lass‚ die Mädels doch, so lange sich keiner beschwert„. Die Verwaltung interessierte sich nicht für offensichtliche Mißstände, sondern es galt das Prinzip “keine schlafenden Hunde zu wecken„, und stattdessen die schamlose Ausnutzung des Systems hinzunehmen, “um die Ruhe in den Teams„ zu bewahren. Als ich damals eine illegale Praxis, sich durch eine, quasi private, auf einem handgeschriebenen Zettel getroffene Vereinbarung, mehrere Tage zusätzlichen “Urlaub„ zu verschaffen, vom Personalbüro überprüfen ließ, dauerte es 2 Monate, bis ich die Antwort bekam, diese Praxis sei abzustellen, da illegal, verbunden mit der Bitte, keine solchen Fälle mehr zu melden, da zu arbeitsintensiv. Gleichzeitig bekam ich einen Anruf vom Personalratsvorsitzenden, der mich angriff, und aufforderte, die betr. Mitarbeiterin gewähren zu lassen(!!!). All das fand in einer süddeutschen Uniklinik statt, und es war k e i n Einzelfall. Eine Mitarbeiterin betrieb auch das vom Autor beschriebene Modell “2 Wochen arbeiten, 2 Wochen krank„ schon damals mit viel Erfolg. Man sollte sich also weder über die Kostenexplosion im Gesundheitswesen, noch über den allgemeinen Niedergang wundern, all das findet schon seit langem statt. Und Gewerkschafter wie diese Frau Fahimi haben maßgeblichen Anteil an der im Artikel beschriebenen Entwicklung, neben solchen Geistesgrößen wie Hubertus Heil, Andrea Nahles, und auch Karlatan Lauterbach und vielen anderen Nichtsnutzen aus derselben Ecke.
Ich kenne eine Ärztin, die im Krankenhaus so viele Überstunden geleistet hatte, bis sie einen Ermüdungsbruch am Fuß hatte. Allerdings noch zu einem Zeitpunkt, zu dem die Steuer- und Abgabenlast noch nicht ganz so hoch war wie heute, damals bedeutete mehr Leistung auch noch mehr Geld. Der Fachkräftemangel und die Anzahl der Qualifizierten im Bürgergeld bilden generell zusammen eine völlig absurde Situation. Während diejenigen, die die Gesellschaft noch tragen, immer erschöpfter werden, es ist die Frage, wie lange das so überhaupt noch geht. Es ärgert mich auch maßlos, wenn ein seit mittlerweile wohl bald zwei Jahrzehnten „arbeitsloser“ Berufskollege mir erzählt, welche tollen Freizeitangebote er so alles wahrnehme, da ein Tanzevent, dort Musik, hier ein Vortrag mit Diskussion. Schön für ihn und ich bezahle ihm mittelbar das entspannte Leben, während ich selbst noch am Wochenende dasitze und kaum je wirklich Urlaub habe. In meinem Beruf gibt es ebenfalls schon seit einiger Zeit Fachkräftemangel, es gäbe für den Mann genügend zu tun. Andere wiederum, die hochqualifiziert sind, aber lieber der „Kunst“ nachgehen, als die von mir angebotene Tätigkeit wenigstens stundenweise anzunehmen, wer ein Haus besitzt und Bürgergeld bezieht, der kann sich seiner kreativen Ader widmen. Ich kann auch Kunst, ich male, spiele ein Instrument, habe massenhaft kreative Projekte in der Schublade, die ich nie umsetzen kann, denn ich arbeite. Ständig. Und ich merke, ich werde immer wütender, auch wenn ich sehe, was ich beispielsweise an Krankenversicherung bezahle und bekomme trotzdem nur die gleichen Leistungen wie jene, die es sich auf Kosten anderer bequem machen. Es gibt so viel gesellschaftlich notwendige Arbeit, sollen sie wenigstens Grundschulkindern Deutschnachhilfe oder Menschen in Pflegeheimen Getränke geben. Im öffentlichen Raum wird so viel zerschlagen neuerdings, es gibt viel zu reparieren. Wieso sollen die einen den Staat tragen andere Arbeitsfähige sind nur eine Last?
Das ist aber in allen Punkten sowas von auf den Punkt gebracht. Chapeau!
Einer Sozialistin solche Wahrheiten zu erzählen ist völlig sinnlos. MIT denen kann man nichts ändern. Die vertreten nur ihr Klientel, solange dieses Klientel ihnen Macht und ein gutes Leben ermöglicht. Wie es in diesem Land aussieht ist denen sch….egal. Und von der linken, gleichgeschalteten Presse und Staatsglotze können Sie auch nichts erwarten. Das geht weiter abwärts bis die Leute quietschen. Solange die Leute ihr Kreuzchen aber immer noch bei den gleichen Versagerparteien machen gehts uns wohl immer noch zu gut.
@Thomin Weller – Sie mögen Recht haben mit Ihrer Meinung, die ich auch keinesfalls anzweifeln oder kritisieren möchte, jedoch nimmt diese extrem wenig Bezug auf den Artikel, den Sie aber sogleich diffamieren. Zwar bin ich nicht aus der Gesundheitsbranche sondern der verarbeitenden Industrie, unterschreibe die Vorwürfe des Autors jedoch zu 100%. Ich lade Sie herzlich gern zu der nächsten Runde der Vorstellungsgespräche ein und diese sind bereits vorselektiert – Sie werden nicht glauben, wie und welche Forderungen ganz unverblümt, bis hin zum „Sozialbetrug“ seitens vieler Bewerber gestellt werden.
„mit großem Unverständnis habe ich Ihre negativen Reaktionen auf die Initiative, Überstunden steuerlich zu begünstigen, aufgenommen“
Ich nicht. Der Autor hat lediglich sehr merkwürdige Vorstellungen über die Aufgaben einer sogenannten „Gewerkschaft“ innerhalb eines feudaltotalitären Regimes.
Übrigens gibt es keinen „Fachkräftemangel“, da der logisch grundsätzlich unmöglich ist. Es gibt immer nur einen Mangel an Sklaven. Aber das war in der Antike schon so. Und das obwohl man da noch zu ganz anderen Methoden greifen konnte um den zu beheben.