Einer von Ihnen, ein Leser dieser kleinen Texte, hatte sich in den vergangenen Tagen die Mühe gemacht, eine Mail nach Greifswald zu schicken. Eine niedliche Stadt, die uns egal sein kann, aber sie verleihen dort alle zwei Jahre den Koeppen-Preis, und dieses Jahr an mich. Der tapfere Leser fühlte sich gezwungen, das Preiskomitee darüber zu informieren, dass ich regelmässig in der baz deutschenfeindliche Texte veröffentlichen würde. Wir haben uns in Greifswald über die eifrige Information gefreut, und ich möchte Ihnen, anonymer Leser deutschen Ursprungs, Dank sagen. Mir aber auch die Frage gestatten: Warum? Warum machen sich Menschen immer wieder das Leben zur Hölle? Zeigen den Nachbarn an, schreiben Drohbriefe, machen ihre Arbeit schlecht und ziehen dann vor den Friedensrichter, um den vollen Lohn einzuklagen. Warum keifen sie sich im Treppenhaus an, sind aber schnell dabei, offenkundige Spitzel oder Verbrechervergangenheiten zu entschuldigen? Klar, er war bei der Stasi, aber das ist lange her, höre ich oft, wenn ich mich über Menschen mit Mistvergangenheit in netten Positionen wundere. Vielleicht wissen die Menschen hier zu wenig, was so eine Nebentätigkeit in der DDR bedeutete? Um sich Vorteile zu verschaffen, mussten sie in Kauf nehmen, dass andere ins Gefängnis wanderten, dass ihnen die Kinder weggenommen, dass sie geschlagen wurden. Klar, ist nicht so schlimm, Schwamm drüber. Und immer noch offen die Frage, warum sich Menschen aufregen, beleidigen, quälen. Ist es wirklich einfach deswegen, weil sie es können? Weil der Mensch keine Kontrolle über seine niederen Instinkte hat? Lieber Hetzbriefschreiber, haben Sie einmal in Ihrem Leben Eier und schreiben uns allen, warum Sie zu dem geworden sind, was Sie sind. Vielleicht verstehen wir dann die Menschen wieder ein wenig besser. Vielen Dank im Voraus.