Marie Dufond, Gastautorin / 27.08.2022 / 06:15 / Foto: Benross814 / 46 / Seite ausdrucken

Frankreich: Corona-Expertenrat im Klimawandel

Frankreich hatte kürzlich seinen Corona-Expertenrat aufgelöst. Doch nun ist er unter neuem Namen wieder da – und soll sich unter anderem um die gesundheitlichen Folgen der Umweltverschmutzung und der Klimaerwärmung kümmern.

Nach der Auflösung des Ausnahmezustands in Frankreich wurde – wie ich bereits bei Achgut berichtete – ja auch der wissenschaftliche Expertenrat aufgelöst. Aber nur siebzehn Tage später feierte er seine Wiedergeburt: mit neuem Namen, neuem Vorsitz und erweitertem Aufgabengebiet. Brigitte Autran, pensionierte Immunologin, wird sich als Vorsitzende nicht nur um die Fragen rund um das eine Virus kümmern, sondern auch um die gesundheitlichen Folgen der Umweltverschmutzung und der Klimaerwärmung.

19 Mitglieder wird das Komitee zählen, 16 Wissenschaftler, einen Bürgervertreter und einen Vertreter von Patienten. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ehemalige Mitglieder des jüngst aufgelösten wissenschaftlichen Expertenrats übernommen werden. Das Komitee soll Empfehlungen für Maßnahmen an die politischen Entscheidungsträger ausgeben, wenn sich eine Gesundheitskrise abzeichnet. Offene Frage: Worin besteht der Unterschied zwischen einem Bürgervertreter und einem Patientenvertreter? Beachte und notiere: ein Bürgervertreter kann kein „Ungeimpfter“ sein, denn der „Ungeimpfte“ ist kein Bürger mehr, der Präsident hat's erklärt am 1. Januar 2022. Aber der „Ungeimpfte“ könnte ein Patientenvertreter werden – meine ich –, denn der „Ungeimpfte“ ist ja schneller ein Patient, als er gucken kann. Wenn er nicht sowieso schon gestorben ist.

Es ist so beruhigend, dass wir in Frankreich doch nicht allein gelassen werden. Und ich dachte schon, ab jetzt muss sich hier jeder wieder selbstverantwortlich um seine Gesundheit kümmern. Aber nein, Brigitte ist da, noch eine Brigitte neben Macrons Brigitte, und diese Brigitte, Brigitte Autran, hat ihr Auge auf der Übertragung von Krankheiten vom Tier auf den Menschen und vom Menschen zurück aufs Tier und wieder retour, und sie glaubt fest daran, dass das Ziel Zero Affenpocken erreichbar ist. Wohingegen Zero Covid nicht möglich ist, nein, da ist sie ganz realistisch, lobt die so gut schützenden „Impfungen“, ermahnt, dass viel zu viele Franzosen nach wie vor nicht „geimpft“ sind und viel zu wenige ihre Auffrischungsimpfungen erhalten haben und sie beklagt, dass Paxlovid noch viel zu selten an bedürftige Patienten ausgegeben würde, das muss unbedingt beschleunigt werden.

Aufruf zur vierten Dosis für alle Schwangeren

Nun, der Krieg, den Macron im März 2020 gegen das Virus ausgerufen hat, scheint vorbei, aber das „Komitee der Überwachung und der Vorausschau von Gesundheitskrisen“ steht weiterhin parat. Ja, Vorausschau, Vorwegnahme, anticipation auf Französisch. Nicht etwa Prävention. Mag heißen, dass das große Modellieren weitergehen soll und so Gesundheitskrisen antizipiert werden, die, nachdem sie sich als Miniatur entpuppt haben, ja wieder fein weiter aufgepumpt werden können, damit sich keiner die Blöße geben muss, dass es doch nicht so schlimm ist wie modelliert.

Im Radio vor den Nachrichten läuft mittlerweile der Aufruf zur vierten Dosis für alle ab 60 Jahren und für alle Schwangeren – diesmal ohne Präzisierung, ob in den ersten drei Monaten oder später, Schwangere sollen einfach ganz generell dringend ihre vierte Dosis abholen.

Im Département Sarthe kümmert man sich indes auch rührend um die Gesundheit der Halbwüchsigen. Im Beitrag des privaten Fernsehsenders BFM lernen wir, dass sich die Kinder seit 2020 immer weniger bewegt hätten. Da will man jetzt ran, die Gesundheit der Kinder stärken. Zum Wieder-Schulbeginn Anfang September ist geplant, an 30.000 Kinder elektronische Armbänder auszugeben, die ihre Gesundheit überwachen: Die Armbänder werden ihre Schritte zählen, die Herzfrequenz aufnehmen, den Kalorienverbrauch berechnen und so weiter. Sieben Mittelschulen nehmen an diesem auf vier Jahre ausgelegten Projekt freiwillig teil. Die Departementsverwaltung betont, dass die Teilnahme der Schüler freiwillig ist und von den Eltern schriftlich genehmigt werden muss.

Dieselben Leute, die dafür verantwortlich sind, dass sich die Kinder im Frühjahr 2020 so gut wie gar nicht mehr bewegt haben, lächeln nun gutmenschelnd in die Kamera und reden von Gesundheit und Vorbeugung. Normalgewichtige Kinder sagen auf, dass sie das echt gut finden und man so viel besser den Überblick über sein Bewegungspensum behalten könne.

Symbolische Kurzbesuche des Präsidenten

Es wird sich zeigen, ob ein Gruppendruck unter den 11-Jährigen in Sarthe entsteht und hernach tatsächlich tausende Kinder diese Armbänder tragen werden oder ob dieses Projekt einen ähnlichen Verlauf wie die App „Alle gegen COVID“ nehmen wird: große Idee, viel Geld reininverstiert, breite Teilnahmeverweigerung der Franzosen. Die App hat im Juni 2021, ein Jahr nach ihrer Bereitstellung, mühsam 10 Millionen Benutzer erreicht, also liebliche 14 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Der französische Präsident bereichert uns weiterhin mit seinen Reden. In denen er wiederholt dem medizinischen Personal dankt: Großer Druck laste auf ihm in den Krankenhäusern, erfahren wir von ihm. Und dass das Personal aber in beispielloser Solidarität und unter hohem persönlichem Einsatz weiter arbeitet.

Übergangen wird, warum die Krankenhäuser so sehr in Not sind. Symbolische Kurzbesuche des Präsidenten in kommunalen Krankenhäusern lösen gelegentlich die Nachfrage aus, ob die Reintegration der Suspendierten eine Lösung oder immerhin eine Erleichterung wäre. „Das ist nicht die Antwort auf dieses Problem!“, erklärt der französische Präsident daraufhin. Es fehlt nicht nur das „ungeimpfte“ suspendierte Personal, es kündigen auch weiterhin viele „Geimpfte“ ihre Stellen aus Tiefenerschöpfung, aus Frustration.

Angesichts der Waldbrände versäumt der Präsident auch nicht, den Feuerwehrleuten zu danken, den französischen und den ausländischen. Die um die 5.000 suspendierten, weil „ungeimpften“ französischen Feuerwehrleute sehen zur Zeit zu, wie der Staat Personal aus Schweden, Griechenland, Italien, Österreich, Polen, Deutschland, Rumänien zur Unterstützung anheuert. Diese Feuerwehrleute werden gar nicht nach ihrem Impfstatus befragt, sie dürfen auch „ungeimpft“ Waldbrände löschen.

Nach dem Danken erfahren wir vom Präsidenten, dass das Ende des Überflusses, das Ende der Selbstverständlichkeiten und das Ende der Unbekümmertheit gekommen sei. So gesagt am Mittwoch, 24. August, im Ministerrat. Sehr oft klingt Macron so, als suchten seine Redenschreiber nach großartigen Zitaten für künftige Geschichtsbücher. Die Schlussworte seiner Rede in Bormes-les-Mimosas zum 78. Jahrestag der Landung der Alliierten sind ein weiteres Beispiel: „Frankreich, sowohl als Nation als auch als Republik, ist keinesfalls ein Besitz, keinesfalls ein Recht, sondern ein Vermächtnis, das weiterzugeben ist. Und ein Kampf, den man zu führen wissen muss.“ Man vergebe mir die Wortwahl: das ist nichts weiter als rhetorische Masturbation.

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Valentin Becker / 27.08.2022

“Wir brauchen freiheitseinschränkende Maßnahmen, die analog zu den Coronamaßnahmen sind, um die Herausforderung des Klimawandels zu bewältigen. Ich bin sehr skeptisch, ob uns das gelingt”.... Karl Lauterbach in der Welt Ich bin da serh zuversichtlich, Karl, wir schaffen das.

Frances Johnson / 27.08.2022

Im Süden von F gibt es reichlich Kunstrasen. Der brennt zwar nicht, aber schmilzt. Ein gut gepflegter kurzer Rasen, der abends oder morgens ein wenig gewässert wird, könnte dagegen ein Protektion gegen die Ausbreitung von Feuer sein. Es gibt natürlich auch gepflegten Rasen in Südfrankreich: Auf Golfplätzen und in guten Hotels. In der Lombardei, durch die ich nach zwei Regentagen fuhr, war alles grün, während das Gezeter der Bauern, das die Medien rezirkuliert haben, noch in meinem Kopf echote. Ich war geradezu baff. Zum Glück hatte ein Medium einen Reisbauern dabei, der sagte, kontinuierliche Tröpfcheniirigation, die er installiert hatte, würde das Schlimmste verhindern. Mein Verdacht: Misswirtschaft allerorten, verlorenes Agrarwissen, Warten auf Gelder aus Brüssel. Am besten sind meistens eigenständige Bauern. Klar wird es etwas wärmer, aber es wird zu wenig zur Protektion getan. Und die Wärme im Süden? Einfach toll. Einfach großartig, bis Mitternacht draußen zu sitzen. Deswegen flitzen wir Deutschen und Briten da herum, und zu Hause lassen wir uns Horrormärchen auftischen. Die Feuer dieses Jahr waren zu klein für Mr. Macron. Letztes Jahr, das war ein Feuer nördlich von St. Tropez. Hat ihm aber nichts gebracht, auch wenn er damals auch präsent war. Inzwischen hat es geregnet. Nix mehr zu holen für dieses Jahr. Dommage, oder? Ob sie so denken? Mit demselben gepamperten medienmaipulierten “Wähler"idioten im Hintergrund wie bei uns, wenn auch nicht ganz so zahlreich?

Frances Johnson / 27.08.2022

Vielen Dank, Marie Dufond! Sehr nett! Starker Tobak.

Silas Loy / 27.08.2022

“Die spinnen, die Gallier!” (sehr frei nach Obelix) Aber eben nicht nur sie. Diese politisch instrumentalisierbaren Notstandsinzenierungen mithilfe korrupter Medien, williger Experten und bekloppter Zahlenmodelle überall in der Westlichen Welt müssen eine Ende haben. Die staatlich erzwungene menschenrechtswidrige Nötigung zu einer irreversiblen medizinischen Prophylaxe ebenso. Wahrscheinlich geht das nur noch durch konsequente und grosszügige Auswechselung des politischen Personals. Jetzt jedoch steht für unser Land der berüchtigten Sonderwege erstmal zu befürchten, dass die mehrheitlich verkommenen Mandatsträger des Bundestags das runderneuerte Maskenfetischgesetz von Dick und Doof so zuverlässig und besinnungslos wie immer abnicken. Frankreich, wenigstens da hast Du es besser!

Karl Georg Lempenheimer / 27.08.2022

Wenn die Welt sowieso bald untergeht, sollten wir jetzt noch richtig einen raushauen.

Stefan Riedel / 27.08.2022

Politik? Du kannst, du musst, du willst? Ach was, was solls, warten wir es einfach ab , warten wir ab, wer weiß was morgen kommt? Herr Wolfgang Röhl! Ich benötige ihre Hilfe!, Altersbedingte Geschmacksverirrung? Das ist Hannes Wader. DKP? Das musste nicht unbedingt sein? Ich finde das Lied trotzdem gut.

F.Bothmann / 27.08.2022

Liebe Madame Dufond! Mit der Einschätzung sind Sie nicht alleine. Auch meinerseits ist der Hohlsprech zum Thema „C“ und der größten Bedrohung alleraller Zeit, dem „Klima“, regelmäßig als geistige Onanie benannt worden. Man kann es tun, man kann es auch lassen, es kommt auf jeden Fall nichts dabei heraus.

Marie Dufond / 27.08.2022

@Frances Johnson : Hier kommt die Quellenangabe: https://lemediaen442.fr/les-pompiers-etrangers-venus-preter-main-forte-en-france-ne-sont-pas-soumis-a-la-vaccination/ Viele Gruesse, Marie Dufond

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