Henryk M. Broder / 22.08.2019 / 12:16 / Foto: Rewinside / 49 / Seite ausdrucken

Frank und Rezo - zwei Frisuren, eine Meinung

Bevor Greta zu ihrer klimaneutralen Reise in die USA aufbrach, wo sie an einem Klimagipfel der UN teilnehmen will, wurde sie gefragt, ob sie Präsident Trump treffen möchte. Worauf sie antwortete, sie würde ihre „Zeit nicht mit einem Treffen mit Donald Trump verschwenden“, lieber würde sie versuchen, „die Bevölkerung zu überzeugen, mehr Druck auf den US-Präsidenten zu machen". Daraufhin soll Präsident Trump sich sehr enttäuscht gezeigt und seine Berater gebeten haben, einen „back channel" zu Greta herzustellen, damit sie sich ihre Entscheidung überlegt.

Der Einfluss, den Greta mittlerweile auf das Weltgeschehen hat, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Bischöfe Heinrich Bedford-Strohm und Reinhard Marx wären überglücklich, wenn sie nur einen Bruchteil der Aufmerksamkeit abbekämen, die Greta zuteil wird. Der Allmächtige muss wirklich viel Sinn für Humor haben, er hat ja auch die knuffige Svenja Schulze in die Politik geholt, damit bei Heimspielen der Borussia Dortmund „mehrheitlich Mehrwegbecher" benutzt werden.

Aber das ist bei weitem nicht alles, was sich der Herr zwischen zwei Kirchentagen einfallen lässt. Da gibt es noch Rezo, den U-Tuber, der es beinahe geschafft hätte, die CDU zu zerlegen. Auch Rezo, der seinen richtigen Namen für sich behält, ist inzwischen eine Kapazität auf dem Gebiet der politisch-moralischen Aufrüstung.

Überall Ewiggestrige

Vor ein paar Tagen hat er auf einem U-Tube-Kanal „seinem Ärger über Zeitungen Luft gemacht" und dabei u.a. gesagt, „Tageszeitungen seien etwas für Ewiggestrige", was der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, Frank Überall, so daneben fand, dass er sich von seinem Schaukelstuhl erhob und protestierte. So nicht, Rezo!

Kaum hatte er Dampf abgelassen, besann er sich eines Besseren und bat Rezo um VergebungDa habe ich mich mit meiner zugespitzten Kritik vergaloppiert, sorry. Deine Medienkritik war mir persönlich in Teilen zu heftig, grundsätzlich wirfst Du aber auch viele wichtige Fragen auf. Vielleicht unterhalten wir uns darüber mal? Würde mich freuen. 

Worauf Rezo die Friedenspfeife rausholte: Der Vorsitzende hat sich entschuldigt, und damit ist diese Sache für mich erledigt. Da sollte jetzt auch niemand respektlos nachtreten.

Ja, so kann man Konflikte entschärfen, friedlich und auf gleicher Augenhöhe. Da hat der „Vorsitzende" was dazugelernt. Und Rezo überlegt sich, ob er bei den nächsten Wahlen um den Vorsitz des Journalistenverbandes antreten soll. Irgendwie ist er ja auch ein Journalist, wie Frank Überall.

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Leserpost

netiquette:

Rolf Menzen / 22.08.2019

Mehrwegbecher gibt es in deutschen Stadien zumindest bei Konzerten schon seit über 20 Jahren. Da ist Frau Schulze wohl nicht auf dem neuesten Stand.

Thomas Schade / 22.08.2019

Wie ist es möglich, dass ein junger Mann, der seine Haare blau färbt und seinen Namen nicht nennt, Parteifunktionäre und nun sogar Journalisten unter Druck setzen kann?

Harald Hotz / 22.08.2019

Ich bin kein Psychologe und kein Arzt, aber was man zur Zeit in diesem Land und vielleicht im gesamten sogenannten Westen politisch und medial erlebt, würde ich als “Wohlstandsverblödung” diagnostizieren. Der Wohlstand bewirkt, daß mentale Anstrengung für die Lebensbewältigung und Daseinsfürsorge zunehmend unwichtig wird - und Funktionen, die nicht gebraucht werden, verkümmern. Noch etwas zur Tageszeitung: Ich weiß nicht, ob dieser “Rezo” lesen kann, aber ich denke für allen Nichtanalphabeten hat sie noch lange nicht ausgedient! Im Gegenteil, ich schätze es zum Beispiel sehr, daß ich es mir anhand der Überschriften selber aussuchen kann, womit ich morgens mein Gemüt belaste und mir das akustische und optische Waterboarding durch die Schall -und Fakebildmedien erspart bleibt. Nur- leider gibt es in Deutschland keine wirklich guten Tageszeitungen mehr und die Reichspropagandasteuer verschlingt bereits einen erheblichen Teil meines monatlichen Medienbudgets. Wenn das nicht wäre, würde ich mir gerne ein Abonnement zulegen, dann allerdings von der NZZ.

Rolf Mainz / 22.08.2019

“Wie tief ist die Sonne unseres Zeitalters gesunken, wenn solche Pygmäen solche Schatten werfen!” Robert Scheu, “Gedanken”, 1926

Helge-Rainer Decke / 22.08.2019

Auf diesen, mit Ironie gewürzten Beitrag, sehr geehrter Herr Broder, der nicht beleidigt, sondern in Form und elegantem Sprach-Rhythmus, einem Kleinod gleicht, das die Kleinen Grauen Zellen Intellektueller durcheinander wirbelt, sage ich nur eins; „Darauf einen Dujardin.“

Ralf Schmode / 22.08.2019

Das Land ist am Ende, wenn sich seine “Entscheider”, egal, ob in Politik, Wirtschaft oder Medien, von Schulschwänzern, Youtube-Schwachmaten und sogenannten “Influencern” (wie ich dieses Wort hasse!) am Nasenring durch die Manege des öffentlichen (oder besser: veröffentlichten) Diskurses führen lassen. Herbert Wehner soll einmal gesagt haben: “Grün ist jetzt die Mode… ich sch*iß darauf!”. Hätten wir heute noch Politiker seines Formats, dann wären die ebenso laut- und meinungsstarken wie faktenschwachen Gretins und die sie umschleimenden Zeitgeistmedien kein Thema. Besonders niedlich wird es, wenn diese Truppe ernsthaft als “Zivilgesellschaft” tituliert wird. “Zivil” heißt in seinem sprachlichen Ursprung “zum Bürger gehörend” und die “Gesellschaft” lässt sich wohl sehr grob als die Gemeinschaft aller dieser Bürger definieren. Die Medien präsentieren uns stattdessen, ohne schamrot anzulaufen, Autoabschaffer, Fleischverbieter und Enteigner als legitime Repräsentanten dieser “Zivilgesellschaft”. Das sind übrigens dieselben Figuren, die jede tatsächliche Stärkung bürgerlicher Mitwirkung, beispielsweise Volksentscheide, fürchten wie die hl. Greta die CO2-Druckflasche. Politiker, Wirtschaftsführer und Medienmacher, die sich diesem Kartell entgegenstellen, sind selten geworden - man findet sie u. a. auf der “Achse”. Es stimmt ein wenig hoffnungsvoll, dass alle Versuche des Meinungsmonopols, diese Stimmen der Vernunft mundtot zu machen, deren Bekanntheit - und das wütende Feldgeschrei ihrer Verfolger - eher noch gesteigert haben.

anne burada Meiyer / 22.08.2019

Svenja Schulze hat ihren Eid OHNE den Zusatz: “So wahr mir der allmächtige ZEUS helfe”  geschworen.Das rechne ich ihr hoch an.

Rainer D. Kettenring / 22.08.2019

Ist das nun Kabarett oder das wirklich wahre Leben? Eventuell auch mutmaßlich nur Schwachsinn. Möglicherweise auch nur vielleicht. Ja, Rezo ist jetzt überall und eine mutmaßliche Persönlichkeit. Ich bin ziemlich sicher, wenn sich jemand von Achgut über die Tagespresse beschwert, findet niemand so Frank und frei einen Füllfederhalter, oder Laptop oder… und so kann mutmaßlich leider keine Entschuldigung verfasst werden.

herbert binder / 22.08.2019

“Lieber Rezo, ich möchte dir um Gottes willen keine unnötigen Umstände bereiten, versteh’ mich bitte nicht falsch, aber würdest du dich vielleicht bei Gelegenheit ein klein wenig von deiner verbalen Gewöhnungsbedürftigkeitsformulierung distanzieren?” “Was für ein Ansinnen? Unverschämt. Ich denke gar nicht daran!” - “Gut, dann ist die Sache für mich erledigt.” Was lernen wir daraus, lieber Herr Broder? Warum erst den umständlichen Weg über die Entschuldigung gehen und damit Leute nur unnötig in Verlegenheit bringen? Wußte nicht bereits Loriot, daß ein Kotau viel einfacher zu praktizieren ist? Allüberall.

Andreas Rühl / 22.08.2019

Dialoge, die man ansonsten nur aus den Rosaroter-Panther-Filmen kennt. Ich denke da an die wunderbare Szene, in der die Haupttatverdächtige versucht, Inspekteur Clouseau (Sellers) zu erklären, dass Ihr Chef ein Verbrecher ist. Durch Clouseaus sehr - sagen wir - “kreativen” Nachfragen wird die junge Dame schließlich misstrauisch. Das ganze gipfelt dann in der Forderung an Clouseau: “Zeigen Sie mir sofort Ihren Polizeiausweis!”, eine stehende Redewendung in meinen Kreisen, wenn jemand durch Begriffsstutzigkeit, Inkompetenz, Dummheit, Ignoranz und damit durch außergewöhnliche, himmelschreiende Unfähigkeit auffällt. In dem Sinne also, Herr Überall: “Zeigen Sie mir sofort Ihren Presseausweis!”

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