Die Sahel-Zone ist durch eine Kombination aus Militärputschen (Mali, Burkina Faso, Niger), der Ausbreitung extremistischer Gruppen, Ressourcenknappheit und einer akuten humanitären Krise (Knappheit an Nahrungsmitteln, Wasser, Treibstoff und medizinischer Versorgung) gekennzeichnet. Dies hängt mit der weitverbreiteten Korruption unter den „Eliten“ zusammen. Außerdem können die Regierungen nur wenig Erfolge bei der Versorgung der Bevölkerung vorweisen. Der Sahel ist die ärmste Region im subsaharischen Afrika. In kaum einer anderen Region sind geringe Entwicklung und Armut so ausgeprägt.
Im Jahr 2025 kam es zu einem deutlichen Anstieg der Entführungen von Ausländern in der Sahelzone. In der Region sind bewaffnete Banden und terroristische Gruppierungen aktiv, die vom Schmuggel und von Entführungen leben. Das Armed Conflict Location & Event Data Project (ACLED) erfasst, analysiert und kartiert Informationen zu Krisen und Konflikten unter anderem in Afrika. Die neuesten Daten dieser unabhängigen globalen Konfliktbeobachtungsstelle zeigen einen erheblichen Anstieg der Entführungen von Ausländern 2025 im Vergleich zu den Vorjahren. Etwa 70 Prozent der auf dem Kontinent erfassten Fälle ereigneten sich in Mali und im Niger.
Bis Ende November wurden 56 Entführungen von Ausländern registriert, und die Zahl für das Gesamtjahr dürfte noch höher liegen. Einige Entführungsfälle erregten internationales Medieninteresse. Zwei Staatsbürger der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) – einer von ihnen mutmaßlich ein Mitglied der emiratischen Königsfamilie – wurden Ende September in Mali entführt.
Der Zweck ihres Besuchs und die genauen Umstände ihrer Entführung sind weiterhin unklar. Einige lokale Medien vermuteten, dass mindestens einer der Männer in ein Geschäftsprojekt, möglicherweise im Goldabbau, verwickelt war. Die Emiratis wurden jedoch nicht lange festgehalten. Gut einen Monat später wurden die Männer gegen ein Lösegeld in Millionenhöhe freigelassen. Reuters berichtete von 50 Millionen US-Dollar. „Königliche Lösegelder – eine lukrative Einnahmequelle für Malis dschihadistische Entführer“, lautete eine Schlagzeile. Im Niger wurden eine Österreicherin und ein US-Amerikaner, die in der humanitären Hilfe tätig waren, aus ihren Häusern entführt.
Die meisten Entführungen auf dem Kontinent betreffen aber afrikanische Staatsangehörige – jährlich werden tausende verübt. Hauptgründe sind das Verschwindenlassen von missliebigen Personen und Bandenkriminalität, wie beispielsweise in Nigeria, wo es im vergangenen Jahr zu häufigen Entführungen und Ermordungen von Christen kam.
Auch Chinesen und Inder betroffen
Eine Analyse von BBC Monitoring zu bekannt gewordenen Entführungen in Afrika zeigt, dass chinesische Arbeiter zahlenmäßig am häufigsten von ausländischen Entführungen betroffen sind. Von insgesamt 89 in den letzten Jahren entführten Ausländern besaßen 38 chinesische Pässe – deutlich mehr als die nächsthäufige Nationalität, nämlich Inder mit 14 Fällen. Die meisten dieser Personen arbeiteten in den goldreichen südwestlichen Regionen Malis, in Kayes, Sikasso und Koulikoro, wo chinesische Unternehmen angesichts der stark gestiegenen Goldpreise ihre Aktivitäten ausweiten.
Hauptverantwortlicher für den Anstieg der Entführungen im vergangenen Jahr war die mit al-Qaida verbundene Gruppe Jama'at Nusrat al-Islam wal-Muslimin (JNIM), die hinter einer Welle dschihadistischer Angriffe in mehreren westafrikanischen Ländern, insbesondere Burkina Faso, Mali und Niger, stand. Die Täter sind gut organisiert, agieren grenzüberschreitend und haben Verbindung zu lokalen Netzwerken. Besonders gefährdet sind Touristen, Geschäftsleute und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen.
Für Mali, Burkina Faso, Niger und Sudan gibt es offizielle Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes. Das Risiko, Opfer einer Entführung oder eines Gewaltverbrechens zu werden, ist extrem hoch, hauptsächlich für westliche Staatsangehörige, da sie höhere Lösegelder generieren. Laut Schätzungen des Thinktanks Institute for Economics and Peace (IEP) könnten die Lösegeldzahlungen bis zu 40 Prozent der jährlichen Einnahmen von JNIM ausmachen. Damit besteht die Gefahr, dass auch neue Entführungen finanziert und gefördert werden.
Deutschland macht sich zum Komplizen
In Ländern wie Mali, Burkina Faso und Niger haben die Machthaber teils die Kontrolle über weite Gebiete verloren. Zudem vermischt sich die dschihadistische Gewalt in der gesamten Region zunehmend mit interethnischen Auseinandersetzungen. Die Militärjuntas sind niemandem Rechenschaft schuldig. Sie fürchten weder einen Machtwechsel noch Vergeltungsmaßnahmen des Volkes. Ihr Anspruch beruht allein auf Waffengewalt und Propaganda. Die Legitimität dieser Militärregime wird mit einem fundamentalen Versprechen begründet: dort Erfolg zu haben, wo zivile Mächte versagten. Die Sicherheit wiederherzustellen, die Wirtschaft wieder zu beleben und den politischen Vertrag neu zu gestalten. Wie weit ist es doch von der Erfüllung des Versprechens entfernt? Diese Juntas haben nicht nur ihre Versprechen gebrochen, sondern in vielerlei Hinsicht die Übel, die sie angeblich heilen wollten, sogar verschärft. Trotzdem bleibt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), im Auftrag der Bundesregierung, vor Ort aktiv. So macht sich Deutschland ungewollt zum Komplizen der vielen afrikanischen Herrscher, die ihre Völker ausbeuten.
Frankreich handelt überlegter: Ein Teil der Mittel, die früher für Mali, Burkina Faso und Niger bestimmt waren, wurde nun dem demokratischen Benin zugewiesen. Dort wird – nach dem verfassungsmäßigen Rückzug des Präsidenten – am 12. April 2026 ein Nachfolger gewählt. In Afrika immer noch ein seltenes Ereignis.
Entwicklungshelfer können ohne seriöse staatliche Partner kaum nachhaltige Strukturen aufbauen. Entwicklungshilfe allein kann keine akute Gewalt beenden, deshalb sollte die Wirksamkeit von Entwicklungshilfe in Hochrisikogebieten wie dem Sahel unter extremen Sicherheitsrisiken infrage gestellt werden. Projekte müssen oft abgebrochen oder unter extremem Schutz durchgeführt werden, was die Kosten massiv erhöht und die Reichweite einschränkt. Auch wohlmeinende Hilfsorganisationen können schnell zwischen die Fronten geraten. Mit dramatischen Folgen.

Ich sage das seit Jahren. Wer will eigentlich wie sauber kontrollieren, dass Entwicklungshilfegelder nicht an terroristische Strukturen weiter- bzw. umgeleitet werden? Wie Hawala Banking funktioniert, sollte mittlerweile jeder wissen, der irgendwie mit größeren Geldtransfers zu tun hat. Ich weiß auch, dass unser Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung das weiß. Sie nutzen es ja teils selbst. Obwohl (oder gerade weil?) das System für Geldwäsche geradezu prädestiniert ist. Und genau da fragt man sich dann, ob das Naivität ist oder eventuell nicht doch Scheckbuchdiplomatie bzw. verdeckte (absichtliche) Terrorfinanzierung durch die Hintertür.
Da hoffe ich doch, das keine deutsche Menstruierende oder die sich dafür hält, z.B. Transfrauen, entführt wird, denn das geht deutschen Politiker und deutschen Institutionen (z.B. Rotes Kreuz) am Arsch vorbei. Tja ein bischen Schwund ist halt immer !?
Es wird höchste Zeit Entwicklungshelfer für Deutschland in Fahrt zu setzen. Was geht uns fremdes Elend an, der deutsche Staat ist am Untergang. Irgendwie ist alles durch diese Regierungen von SPD, Grüne und CDU die letzten dreißig Jahre vor die Hunde gegangen.
#Fragwürdige Entwicklungshilfe# Und das seit ca. 70 Jahren, gleichzeitig wird uns der Geburtenüberschuss aus Afrika vor die Tür gekarrt und abgeladen! Wie und wo versickern die Gelder? Entwicklungshilfe entweder komplett beenden oder nur mit kompletter Lieferkette kontrolliert einsetzen, und mit der Verpflichtung des Nehmerlandes jeden Flüchtling zurückzunehmen.
Lieber Herr Seitz,
Vielen Dank fuer den Artikel.
Sie legen, wie schon oft, den Finger auf die Wunde: Deutsche Entwicklungshilfe wird nicht eingesetzt, um Afrika zu helfen, sondern um das Gewissen von Gutmenschen und solchen, die sich dafuer halten, rein zu waschen. Es ist schade, dass die Presse in Deutschland dies nicht als Schlagzeile hat – sind es doch Steuergelder, die verprasst werden.
Ergänzung: Die deutsche Botschaft in Niamey wurde am 22. März 2026 aus Sicherheitsgründen geschlossen.