Hans-Jörg Jacobsen
Endlich ist es soweit, NRW bricht auf. Man hat erkannt, dass der Begriff Bio-Ökonomie sexy ist, also wird die gefördert. Aber halt, war da nicht noch was? Genau, die Koalitionsvereinbarung von Rotgrün (oder sollte man besser Grünrot sagen?), die bestimmte Forschungsprojekte ausdrücklich nicht will: Die Forschung an transgenen Pflanzen soll es in der NRW-Bio-Ökonomie natürlich nicht geben, denn die ist, so sagte es jedenfalls die zuständige SPD-Ministerin Svenja Schulze in der angeführten Pressemitteilung, „ein Tabu“. Zwar wird andernorts der Begriff „Bio-Ökonomie“ stets mit dem Zusatz „wissensbasiert“ versehen (oder auf europäischer Ebene: „Knowledge-Based Bio-Economy“). In der Presseerklärung fehlt dieser Begriff merkwürdigerweise. Das macht aber bei genauem Hinschauen auch Sinn, denn eigentlich sind die Begriffe „Tabu“ und „Wissen“ ja in keiner Weise kompatibel.
Tabus kennt man sonst eher aus religiösen oder pseuoreligiösen Kontexten, aber das muss die wackeren Nordrheinwestfalen um die „Kümmerin“ Hannelore Kraft ja nicht kümmern. Das Bekümmerliche an dem Programm in NRW ist aber, dass durch diese Entscheidung der Anteil der öffentlichen und universitären Forschung auf dem Gebiet der grünen Gentechnik weiter schwindet und die Monopolisierung des Knowhows dieser weltweit boomenden Technologie bei den großen Firmen beschleunigt fortgesetzt wird. Die Tabu-orientierte Struktur des NRW – Programms zur Bio-Ökonomie deckt aber noch ein weiteres Problem rotgrüner Philosophie auf: Auch in diesen Kreisen soll es Menschen geben, die wissen, dass man Forschung nicht einfach verbieten kann, da gibt es noch so etwas wie einen Artikel 5 im Grundgesetz, also trocknet man sie einfach aus. Damit bedient man zwar den auf „gefühltem Wissen“ schwebenden linksgrünen Zeitgeist, leistet dem Land aber sicherlich keinen Dienst. Aber vielleicht haben ja Projekte, die sich der Erforschung der Rolle von Baumgeistern im Pflanzenschutz widmen, jetzt in NRW Chancen auf staatliche Förderung.
Hans-Jörg Jacobsen ist Professor für Genetik an der Leibniz Universität Hannover und hat seine Freiland-Forschung mit transgenen Pflanzen seit 2012 nach Nordamerika verlagert.