Von Klaus-Erich Strohschön.
Samstag und Sonntag versammelten sich jeweils rund 40.000 Menschen, um gemeinsam auf einem ehemaligen Schuttberg eine Messe zu feiern: die Messe der heiligen Taylor.
Nur einen Steinwurf entfernt im Olympiastadion sang jene Musikheilige vor weiteren je 70.000 Fans; beziehungsweise leitete das Publikum zum Singen an – denn die Fans konnten offenbar jede Zeile der Lieder auswendig und sangen lauter als die Künstlerin selbst.
Die „Swifties“ sind in Deutschland angekommen. Und endlich konnte man dieses Phänomen einmal leibhaftig studieren. Was dabei besonders auffällt: es gab keine vordergründig politischen Botschaften, keine Ideologie, kein Sendungsbewusstsein. Nein, hier trafen sich Normalos, um ganz normale Lieder zu grölen. Geradezu „Anti-Hero“-Lieder. Hier ging es nicht um Glorifizierung irgendeines Fetisch, oder politische Verrenkung nach links oder rechts, sondern einfach um das Sein.
Taylor Swift erscheint als das völlig normale Durchschnitts-Mädchen im schlichten Kleidchen und Sandalen, mit Persil-reinem Herzen; ohne Allüren, dafür mit feinen Manieren, ja sie grüßt selbst die nicht-zahlenden Fans hinter dem Stadion mit einem bayerischen „Servus“.
Sie wirkt so arglos wie Brian in dem Monty Pythons-Filmklassiker. Sie hätte nur wie jener Brian eine ihrer Sandalen in die Höhe strecken müssen und die 100.000 (auf ein Zeichen von ihr wartenden) Fans hätten das nachgemacht.
Ohne Alkohol von sich selbst berauscht
Das Ganze war ein gelungenes, sich selbst feierndes Happening, wie es vielleicht in den späten 1960er Jahren zu Zeiten von Woodstock & Co. gewesen sein könnte. Damals waren wir ja alle noch nicht dabei. Aber so naiv, wie es damals gewesen sein soll, ging es hier definitiv zu. Nur mit der öffentlichen freien Liebe ist es nicht mehr so. Knutschen in der Öffentlichkeit: heute Fehlanzeige. Dafür feiert sich die Generation Swift die ganze Nacht, und ist meist sogar ohne Alkohol von sich selbst berauscht.
Auch weit nach dem Konzert war auf dem Olympiaberg und dem großen Platz vor dem Stadion noch nicht Schluss. Die anlasslose Selbst-Euphorisierung kannte keine Grenzen.
Dieses Wochenende war eine einzige riesige Party. Kein ernsthaftes Konzert, sondern eine Huldigung an sich selbst. Diese im tiefsten Inneren unpolitische Generation möchte alle Sorgen wegtanzen und wegsingen; an diesen beiden Abenden ist das grandios gelungen.
Taylor Swift kann nach ihrer „Eras-Tour“ eigentlich gar nicht als Sängerin weitermachen. Es ist unvorstellbar, dies noch mal zu toppen. Aber man kann ja weiterdenken: vielleicht sollte sie in 4 Jahren die nächste Präsidentin der USA werden! Mit ihrer unbedarft-positiven Art und ihrem positiven Einfluss auf die Menschen kann sie mehr bewegen als all die schrägen Politfiguren von heute; Bürger der Welt, folgt dieser Sandale!
Klaus-Erich Strohschön (56) studierte in seiner Heimatstadt München Germanistik. Parallel lernte er bei Harry Kupfer das Regie-Handwerk und wirkte als freier Opernregisseur. Dem schloss sich eine Karriere in der Werbung an. Begonnen als Texter, wurde er schnell zu einem führenden Werbe-Strategen und arbeitete für große Marken wie Mercedes-Benz. Auch als „gefürchteter“, aber durchaus wohlwollender Kulturkritiker einer Tageszeitung machte er von sich reden.
Beitragsbild: Imago, iHeartRadioCA, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
@Lutz Liebezeit. Danke für Ihren Kommentar. So ist es. Little Feat war USA. Ruhe in Frieden Lowell.
Mit La-la-la-Kinderschlager-Pop die kleinen Mädchenherzen zum rumpeln bringen. Ein gutes Figürchen, ein nettes Stimmchen und ein heißes Höschen,..und fertig ist die Kunst. Verzeihung; der akustische Markenartikel, der sich wie NIKE und Hilfiger von selbst verkauft. Das alles spiegelt das Niveau unserer anspruchslosen Kulturkultur, die das mit der Swift soweit treiben, daß man den Namen, nebst weiteren inflationären Nachrichten-Hooks, bald zum Unwort des Jahres wählen könnte. Während abertausende, gute Musiker auf Spotify, YouTube-Music und anderen Streamingverbrechern mit dem Ofenrohr nach Garmisch schauen, wird sie allein schon dadurch Multimillionärin. Ganz einfach, weil z. B. Spotify 95 % seiner Ausschüttungen eben nur über jene Superstars ausschütten, die eh schon zu den Multi-Unternehmen gehören. Auch da scheißt der Teufel auf den größten Haufen. Ob ich neidisch bin? Klar! Wie sollte man nicht neidisch werden, wenn man sich musikalisch 35 Jahre lange den Pops aufreiß, um etwas Anständiges, oder Anspruchsvolles zustande zu bringen, um gegen Monatsende schweißtreibend die letzten Kreuzer zählen zu müssen, ob’s noch reicht. Ich verstehe den Hype um Elvis, die Beatless und evtl. noch ABBA. Aber ehrlich; das war doch noch Musik, die man als solche bezeichnen konnte. Da war doch, alles in allem, Substanz drin. Genau; das mit der Botschaft stimmt schon. Die Botschaft gibt es hier nicht. Vielleicht ist das auch ein Zeichen dieser Zeit, daß ein überschätztes Püppchen so viel losmacht. Die Greta hat man ihrerzeit auch mit Jesus Christus verglichen, der zum Passafest in Jerusalem einzieht. Und was das mittlerweile für eine Socke, sorry, Sandale ist, das wissen wir. Jonathan Swift ist mir hingegen um Längen lieber. Der hatte noch Geist und Stil!
Da will man mal eine echte fliegende Sandale mit etwa 20 Metern Spannweite mit der Drohne filmen und fotografieren, und das Schei@-Ding macht nix. Null, nada, niente. Nein, es war auch kein Fulgzeug, das hätte man gehört. Ich habe mich so auf die Videos und Bilder gefreut. Und was war? Taylor…
Anlass- und belanglose Selbst-Euphorisierung. Die Massen haben mal wieder einen kleinsten gemeinsamen Nenner gefunden…
Ob Taylor Swift auch was zur Messer-Attacke in Southport England sagt? Ein 17-jährige Sohn von Einwanderern aus Ruanda hat gestern mit einem Messer gezielt in einer Tanzschule junge Mädchen abgeschlachtet, die zu Songs von Taylor Swift getanzt haben.
Nachdem gestern bereits ein sechs- und ein siebenjähriges Mädchen gestorben sind, erlag heute eine Neunjährige ihren Messerverletzungen.
Acht weitere Kinder sind verletzt, fünf davon befinden sich in kritischem Zustand. Zwei Erwachsene, die die Kinder vor dem Messerkiller schützen wollten, wurden schwer verletzt.
Die Popmusik wird immer flacher. Das hat auch beim Mainstream geläutet. Allerdings, wenn der über Musik redet, dann werden Musik und Textbausteine technisch zerlegt, Innovation, Integration, alles so’n Zeugs, Musik wird zur Ware der monopolisierten Kulturindustrie. Oft ist in dem Musikstück gerade das Mehr, die Redundanz, das Überflüssige das, was das Stück erfolgreich gemacht hat. Man orientiert sich wohl an erfolgreichen Stücken und versucht die an moderne Zeiten anzupassen, zu perfektes Tanztheater, zu viel Lichtshow, die Show wird aufgemotzt und alles synchronisiert, was nutzlos erscheint, gestrichen, Takt und Rhythmus synthetisiert, perfektioniert, so daß am Ende nur eine sterile KI Swift heraus kommt, die auf dem Seziertisch geboren worden ist. Led Zeppelin hatten nicht nur instrumental was drauf, die waren kreativ, kein Stück ist wie das andere, mit einem großartigen Sänger. Das Publikum hat sich dankbar gezeigt. Wenn man die Videos schaut, das ging richtig ab. „Gottfried & Lonzo – Hamburg ’75 1996“, Hamburg 75, Jungs, war das gemütlich, da schien noch ein richtiger Mond in der Nacht, die Musik ham wir noch mit der Hand gemacht. – Damit ist vielleicht gesagt, was einen Hit ausmacht.
Toppen, ich kenne da jemanden der das mit links seit Jahrzehnten hinbekommt, meine einzige Gottkoenigin MADONNA, und bitte keine Widerrede…