Es ist Zeit für einen Text über die Gleichheit aller Menschen vor Gott, anstelle der Spaltung der Gemeinschaft der Staatsbürger in Rechtgläubige und Häretiker. Zum Glück gibt es ihn bereits. Hier ist er.
Der "Kampf gegen das Virus", den nicht nur die deutsche Regierung als Kampf gegen das impfträge Volk führt, hat längst pseudoreligiöse Züge angenommen. Es beginnt damit, dass die als wissenschaftliche Aufklärung und gesundheitliche Rettung verkauften Aktionen der Regierung auf den Ebenen des Alltags in Verwaltungsvorschriften und Erlasse gegossen werden, die das Volk in folgsame Gläubige und häretische Abweichler spalten. Dabei folgt man einem erprobten Schema und belegt die Abweichler im ersten Schritt mit allerlei Sanktionen, die ihnen den Alltag schwer machen.
Aber am Horizont hängt längst die Wolke eines selegierenden Zugriffs, der in einem zweiten Schritt um der Rettung der Impfgläubigen willen die Häretiker aus der Gemeinschaft der Bürger ausschließt. Das geschieht zunächst auf Zeit. Aber dabei kann es eine vormundschaftliche Regierung nicht bewenden lassen. Denn wer einmal Unglaube gezeigt hat, hat sich als so unzuverlässig erwiesen, dass es naheliegt, ihn auf Dauer aus der Gesellschaft auszuschließen. Das ist freilich unbefriedigend, denn solange die Ungläubigen leben, steht die Möglichkeit im Raum, dass sie andere mit ihrer Häresie anstecken. Folglich bleibt in einem dritten Schritt und am Ende nichts anderes übrig als der finalisierende Ausschluss aus der Gemeinschaft der Lebenden.
Und das eben ist im Kostüm der virologisch inspirierten Gesundheitspolitik nichts anderes als die Wiederaufnahme eines eschatologischen Heilsdenkens, das sich in der Geschichte jedesmal verheerend ausgewirkt hat. Es pumpt den pragmatischen Bereich der Politik mit einer religiös-dogmatischen Alternativlosigkeit auf, die keinen unscharfen Rand und keine Grauzonen mehr kennt, in denen vernünftiges Handeln noch möglich wäre; vielmehr lässt sie alle Alternativen buchstäblich über ein Messer springen, das der dogmatische Scharfrichter führt.
Ein erhellender Scherz und ein bitterböser
Man erkennt das im Alltag leicht daran, dass der gesamte Bereich der Politik zerstört wird: Die notwendigen Gesetze werden nicht mehr erlassen, die unabhängige Rechtsprechung wird behindert oder ausgesetzt, die Arbeit des unabhängigen Parlaments wird konterkariert durch korrumpierende Hinterzimmerseilschaften, die Polizei dient nicht mehr der unparteiischen Sicherung des inneren Friedens, sondern der Disziplinierung der Häretiker, die Bürokratie vergrößert sich im Zuge der immer feiner ziselierten dogmatischen Ansprüche, die im Alltag umgesetzt werden müssen, der Handel wird behindert, ausländische Söldner werden ins Land gebracht, um die Destabilisierung voranzutreiben, und im Grenzland toben sich die wilden Indianer aus.
Ein Scherz, werden Sie sagen. Nun, wie Sie wollen. Aber dann behaupte ich, es sei ein erhellender Scherz und ein bitterböser, der uns mit einer Wendung des Gedankens zur Wahrheit bringt. Denn die gerade beschriebene Situation ist keine freie Phantasie, sondern war bittere Wahrheit in den amerikanischen Kolonien vor dem Unabhängigkeitskrieg. Sie findet sich in einer Liste der Missstände, die die Kolonien der britischen Regierung vorhalten, bevor sie daraus den Schluss ziehen, dass man einer Regierung, die den Alltag nicht mehr organisieren könne, auch die Gefolgschaft versagen müsse. Denn es ging nicht um dieses oder jenes kaputte Rädchen, das versagt hatte und das man allenfalls wieder hätte ölen können. Es ging vielmehr darum, aus der Summe des Versagens auf eine Regierung zu schließen, die längst schon die natürlichen Rechte der Bürger verkauft hatte.
Und also setzte man einen Text auf, der an Stelle einer religiösen Dogmatik, die auf die Politik übergreift und durch die Spaltung der Gemeinschaft der Staatsbürger in Rechtgläubige und Häretiker die Politik zerstört, auf eine ganz andere religiöse Grundhaltung setzt: auf die der Gleichheit aller Menschen vor Gott. Regierungen, so schrieb man damals der Menschheit ins Stammbuch, sind nur dann und nur solange legitim, solange sie diese Gleichheit achten, mehr noch, solange sie sie zum Motor ihrer Politik machen und aus der Gleichheit vor Gott im Raum der Politik die Gleichheit vor dem Gesetz entstehen lassen und wahren.
Am 4. Juli 1776 erklärte man öffentlich (hier in der Übersetzung, die sich auf der Website der amerikanischen Botschaft findet):
"Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich: daß alle Menschen gleich geschaffen sind; daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; daß dazu Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören; daß zur Sicherung dieser Rechte Regierungen unter den Menschen eingerichtet werden, die ihre rechtmäßige Macht aus der Zustimmuung der Regierten herleiten; daß, wenn irgendeine Regierungsform sich für diese Zwecke als schädlich erweist, es das Recht des Volkes ist, sie zu ändern oder abzuschaffen und eine neue Regierung einzusetzen und sie auf solchen Grundsätzen aufzubauen und ihre Gewalten in der Form zu organisieren, wie es zur Gewährleistung ihrer Sicherheit und ihres Glücks geboten zu sein scheint. Gewiß gebietet die Vorsicht, daß seit langem bestehende Regierungen nicht um unbedeutender und flüchtiger Ursachen willen geändert werden sollten, und demgemäß hat noch jede Erfahrung gezeigt, daß die Menschen eher geneigt sind zu dulden, solange die Übel noch erträglich sind, als sich unter Abschaffung der Formen, die sie gewöhnt sind, Recht zu verschaffen. Aber wenn eine lange Reihe von Mißbräuchen und Übergriffen, die stets das gleiche Ziel verfolgen, die Absicht erkennen läßt, sie absolutem Despotismus zu unterwerfen, so ist es ihr Recht, ist es ihre Pflicht, eine solche Regierung zu beseitigen und sich um neue Bürgen für ihre zukünftige Sicherheit umzutun."
Beitragsbild: Gary Dee CC-BY-SA 4.0 via Wikimedia
Alle Gruppen, Sekten, Gesellschaften etc. „selegieren“ mehr oder weniger. Für mich ist allein entscheidend: Will ich bei denen dabei sein oder eher nicht? Als Flieger haben wir immer gesagt: Alle reden vom Vögeln, WIR fliegen. (Gevogelt wurde frühesten 30 Minuten nach SS * ( Sonnenuntergang, sunset), dann nämlich, wenn das Fliegen nach VFR (visible flight rules, Sichtflugregeln) mangels Sicht verboten war). Es sein denn, alle Flugzeuge waren schon tagsüber in der Luft und es gab nichts zum Fliegen. Dafür hatten wir so kleine gemütliche Nischen im Hangar. Im Klartext: Was scheren mich die anderen? Mit Luthern: Hier steh ich, ich impf die andern. * Bin ich jetzt ein Nazi?
Danke für nachdenklich stimmenden Artikel.„Regierungen, so schrieb man damals der Menschheit ins Stammbuch, sind nur dann und nur solange legitim, solange sie diese Gleichheit achten, mehr noch, solange sie sie zum Motor ihrer Politik machen und aus der Gleichheit vor Gott im Raum der Politik die Gleichheit vor dem Gesetz entstehen lassen und wahren.“
Ja und jetzt wär die Frage könnte man diesen „Gott“ dem wir die Zivilisation u. die Rechtsprechung basierend auf der Goldenen Regel verdanken, durch einen Zweibeiner, der uns über den Idealzustand des Planeten u.d.wahre ökologische wie ökonomische Paradies belehrt ersetzen? Kann ein Mensch, (übrigens selbst Teil d. Natur, über d. er vorgibt „erhaben“ zu sein), hier überhaupt als Zentrum oder gemeinsamer Nenner einer Gesellschaft fungieren die er beansprucht zu vertreten? Ich denk an d. braunen/roten/grünen Diktator der vorgibt f.jene zu sprechen,denen er bis heute durch Selbstermächtigung ihre Wahlstimme nimmt? Dann, beim „Joch“ durch d. Engländern hatte man damals noch Glück, denn, sowohl diese als auch ihre Untertanen gerieten allesamt in Widerspruch zur eigenen Religion in der man im Grunde einig ging bei allem Widerspruch. 1). Wie aber siehts mit dem kommunistischen Manifest aus? Was genau erlaubt es und was nicht?
1).Wobei ich das damalige Joch unter den Engländern dem man widersprach als weit harmloser erachte als das der Deutschen unter d. eigenen Regierung seis unter d. Gleichschaltung A. Hitler’s oder der v. Frau Dr. Merkel. PS: Der Artikel wirft auch die Frage auf was passiert eigentlich wenn man ungleiches als gleiches definiert? Wenn es z.B. „Obergleiche“ gibt wie damals die Parteifunktionäre unter Stalin mit ihm selbstvorneweg oder heute die ÖR im deutschen Recht, mit obergleichgem Anspruch Gelder d. Allgemeinheit u.einer Kanzler*in die sich mit Hilfe einer Pandemie selbst ermächtigt hat u. solang diese währt, über jede parlamentarische Kontrolle erhaben weiß ?
Alle legale Mittel haben versagt oder wurden, wie zB Demonstrationsrecht abgeschafft.
Keine Abhilfe ist in Sicht.
Das beste davon aber ist: Covid ist nur eine der mehreren Themen wo man eigentlich die Verantwortlichen vor Gericht stellen sollte.
Das Geheimnis des Funktionierens dieser schönen Worte in der Praxis liegt in den Worten „von ihrem Schöpfer“. Da wir den im gottlos gewordenen Westen nicht mehr wollen, bekommen wir auch Seine Segnungen nicht mehr.
„…daß alle Menschen gleich geschaffen sind…“ Erstaunlich, dass dieser romantische Humbug selbst nach Jahrhunderten immer noch nachgebetet wird, wo doch jedem Kind auf den ersten Blick klar sein muss, dass die Behauptung unzutreffend ist. Übrigens erinnere ich mich nicht, dass die Bibel, auf die der Text sich offenbar beruft, an irgendeiner Stelle die Gleichheit aller Menschen postuliert. Offenbar entsprach jedoch der Gottesbezug dem damaligen Zeitgeist und sollte den Forderungen der Revolutionäre eine Extraportion Autorität verleihen.
Wenn ich mich dann ungestestet, ungenesen & „ungeimpft“ demnächst mit einem ungeimpften Baseballschläger vor einem mir den Eintritt verweigernden Supermarkt anstellen werde, soll ich dann tatsächlich die Unabhängigkeitserklärung deklamieren, Herr Jochum ?
Eine kleine, aber nachdenkenswerte Fußnote: In diesem Text der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung kommt das Wörtchen „Gesundheit“ nirgends vor, weder als Grundrecht noch als etwas, um das eine Regierung sich zu kümmern habe.