Die Deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau fördert die Erhaltung und Entwicklung eines wichtigen Nationalparks in Namibia – und jetzt zugleich seine Zerstörung durch ein größenwahnsinniges Wasserstoff-Projekt.
Namibia, mehr als doppelt so groß wie Deutschland, hat nur zwei Millionen Einwohner. Das Land ist hauptsächlich Wüste und es gibt nur zwei Flüsse, die ganzjährig Wasser führen. Die fließen entlang der nördlichen Grenze zu Angola und der südlichen zu Südafrika. Ein 80 km breiter und 250 km langer Küstenstreifen, der sich von der südafrikanischen Grenze nach Norden zieht, ist das sogenannte „Sperrgebiet“. Dort wurden einst und werden immer noch Diamanten geschürft.
Das Sperrgebiet, seit über hundert Jahren unzugänglich, birgt noch andere Juwelen. Es ist eine globale Schatztruhe der Artenvielfalt, die sich in nahezu unberührter Wildnis entfalten und erhalten konnte. Man kann hier zwar nicht die üppige Biologie des Amazonas erwarten, aber es gibt immerhin an die hundert kleine Reptilienarten sowie eine Vielfalt von Insekten und anderen wirbellosen Geschöpfen, die zum Teil noch unerforscht sind. Und es gibt über tausend Pflanzenarten, vorwiegend Sukkulenten, von denen manche sonst nirgends auf der Welt zu finden sind.
Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) unterstützt die Erhaltung und Entwicklung dieses Naturparks („Tsau Khaeb“ in Landessprache) mit folgender Begründung: "Naturschutz und die Entwicklung attraktiver Nationalparks ziehen Tourismus an und schaffen Nachfrage nach Hotels und Versorgung. Das schafft Arbeitsplätze und fördert die wirtschaftliche Entwicklung. Nationalparks sind die Zentren für den Naturschutz; sie sind sichere Häfen oder besondere Schutzzonen, in denen sich Tiere vermehren können". Das ist eine noble Motivation, die aber offenbar nicht von allen Entscheidungsträgern der deutschen Ampel geteilt wird.
Die Verwüstung der Wüste
Wie schon hier beschrieben, ist in Namibia der Bau von Anlagen zur Erzeugung von grünem Wasserstoff geplant. Der Umfang des Projektes ist gewaltig: Hunderte von Windgeneratoren und Photovoltaik-Installationen, Anlagen zur Entsalzung von Meerwasser, zur Elektrolyse, zur Herstellung von Ammoniak und zu dessen kryogener Verschiffung, sowie die dafür notwendige konventionelle Energieversorgung müssten gebaut werden. Dazu kommen Zufahrtswege, die über ein riesiges Terrain für die Errichtung der Windkraftwerke notwendig werden. All das soll ausgerechnet auf der Fläche des beschriebenen Naturparks realisiert werden.
Die Bundesregierung ist wichtigster Unterstützer des Projekts und würde Hauptabnehmer für Wasserstoff, beziehungsweise Ammoniak und eventuell anderer Produkte sein. Damit sabotiert sie aktiv ihre bisherigen Investitionen in den Naturschutz in Namibia. Projekte der KfW und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, bei denen es um Milliarden an Steuergeldern geht, sollten doch eigentlich vor ihrer Bewilligung eine gründliche Analyse durchlaufen. Vor Schaffung der Partnerschaft mit Namibia zur Unterstützung des besagten Vorhabens ist das offensichtlich nicht geschehen. Werden die Richtlinien der Politik in Deutschland etwa von der Windlobby bestimmt?
Zunächst muss man sich fragen, warum diese Anlagen ausgerechnet im Tsau Khaeb Nationalpark stehen müssen, wo es doch im Namibia sonst noch genügend ödes Land gäbe. Ein Grund ist sicherlich die Verfügbarkeit des Hafens der Stadt Lüderitz, unmittelbar an der Grenze zum Sperrgebiet gelegen. Ein anderer die Verfügbarkeit starken und stetigen Windes aus Südost, bedingt durch den kalten Benguela Strom entlang der Küste.
Es könnte noch einen weiteren Grund geben: Der Boden im Sperrgebiet ist eher fest und nicht von Flugsand oder Dünen beherrscht – ein Umstand der auch das karge Leben in der Zone ermöglicht. Aber auch Windgeneratoren wollen nicht auf Sand gebaut sein und ihre Blätter nicht von Flugsand frühzeitig erodieren lassen. Da haben wir also die Situation einer Konkurrenz von Windkraft mit Natur. Und wer da gewinnt, das haben wir ja in Deutschland immer wieder schmerzlich erfahren müssen.
Öko-Kolonialismus
Von „Grünem Wasserstoff“ kann also nicht die Rede sein, es wäre „toter Wasserstoff“ in Anbetracht des Verschwindens von Sukkulenten, Reptilien und wirbellosen Geschöpfen. Aber auch wenn kein Naturpark durch dieses Megaprojekt zerstört würde, es wäre auf jeden Fall ein Wahnsinn in wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und ökologischer Hinsicht. Nun aber wird auch noch die Zerstörung dieses kostbaren Biotops billigend in Kauf genommen. Das entlarvt die in jeder Hinsicht rücksichtslose und destruktive aktuelle „grüne“ deutsche Politik.
Die Namibian Chamber of Environment drückt das so aus: “Germany’s need for alternative energy sources should not be met at the cost of Namibia’s biodiversity. Namibia’s need for sustainable development, job creation and poverty alleviation can be better met once a national study is completed on the costs and benefits of different energy generation options for the country. (Deutschlands Bedarf an alternativen Energiequellen sollte nicht auf Kosten der Artenvielfalt Namibias gedeckt werden. Namibias Bedarf an nachhaltiger Entwicklung, Schaffung von Arbeitsplätzen und Armutsbekämpfung kann besser gedeckt werden, wenn eine nationale Studie über die Kosten und Vorteile der verschiedenen Energieerzeugungsoptionen für das Land abgeschlossen ist.)
Vielleicht sollte die deutsche Politik lieber auf solche Worte hören als sich bei jeder Gelegenheit lautstark für den Kolonialismus aus Kaiser Wilhelms Zeiten zu entschuldigen. Noch ist das Projekt durch Namibias Regierung nicht bewilligt, aber die zehnstelligen Beträge, die darauf warten, ausgegeben zu werden, die sind schon ein starkes Argument.
Hans Hofmann-Reinecke studierte Physik in München und arbeitete danach 15 Jahre in kernphysikalischer Forschung. In den 1980er Jahren war er für die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien als Safeguards Inspektor tätig. Er lebt heute in Kapstadt. Informationen zu diesem Post entstammen privater Kommunikation während eines Aufenthalts in Lüderitz, sowie Veröffentlichungen der Namibian Chamber of Environment).Dieser Artikel erscheint auch im Blog des Autors Think-Again. Der Bestseller Grün und Dumm, und andere seiner Bücher, sind bei Amazon erhältlich.
Beitragsbild: Hp. Baumeler CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Solange ein paar Sonderinteressenten auf diesem Weg Staatsbonität und -knete in Bilanzgewinne transformieren und die freigewordene Steuerenergie auf ihrem Konto speichern können, gilt das hierzulande als „wirtschaftlich“ und die Mef(h2)o-Kredite der KfW rollen. Alles bestens. Mit den geschaffenen Verbindlichkeiten konsolidiert man zugleich das Standing in der Grossen Deutschen Hackordnung.
Die Schutztruppen des Grünen Reiches schwärmen aus. Namibias woker Landrat, Adolf Hitler Uunona, wird sie sicher in ihre Arme schliessen. Zumindest so lange, bis a der Skelettküste auch noch der Sand knapp wird.
Wir haben hier andere Probleme laut n-tv: „Affenpocken und Dengue-Fieber breiten sich aus.“ Herr Drosten, übernehmen sie!
Fußball, Sportler allgemein, Politiker, Experten, Reklametafeln, egal, wohin man blickt und klickt, immer ist da jemand, der Maul aufreißt. Wahrscheinlich hat beim Wasserstoff ein Grüner in Namibia sein Maul aufgerissen. Ich meine, ist ja nicht schlimm, das gilt ja scheinbar als attraktiv? Weniger geistlich, aber attraktiv.
@A. Ostrovsky Für den Bergbau wird für die Urangewinnung nicht nur Wasser in Trinkwasserqualität benötigt. Es geht noch viel weiter. Wiki Tagebau Rössing -->>„Durch die Sprengungen entsteht ein weithin sichtbarer Staubpilz über dem Tagebau, der schwach radioaktiven Staub in der Umgebung ablädt. Zur Staubbekämpfung und zur Verarbeitung des Gesteins wird sehr viel Wasser benötigt, etwa 800.000 m³/Monat. Das entspricht dem Verbrauch der Landeshauptstadt Windhoek. Das Wasser wird durch Anzapfen der Grundwasservorräte der Riviere Khan, Swakop und Kuiseb gewonnen.“<<-- Meerwasserentsaltzungsanlagen sind notwendig. Und die benötigen einen hohen Energieverbrauch für die Umkehrosmose Anlagen. -->>„Die derzeitige Pilotanlage der Universität Namibia (UNAM) liefert ca. 3 Kubikmeter Trinkwasser pro Stunde, die notwendige Solarenergie liegt bei 27 kWh.“<<-- Quelle ethische-rendite. Das DLR hat/hatte eine Pilotanlage in Frankreich, der Königsweg zur Herstellung von Wasserstoff direkt aus einem Sonnenofen. Also direkte Konversion Sonne-Wasser in Wasserstoff. Die Entwicklung steckt noch im Labor oder in einem Giftschrank fest. P.S. China hat den Bergbau und Gewinnung von Seltenen Erden etc. modernisiert, weltweit beste Methoden, alle schauen neidisch dorthin. „Wir haben weder das know How noch die Fachleute.“ aus einer Buchbesprechung. Deutschland hat die exponentiell dümmste Regierung aller Zeiten.
Namibia ist ein failed state. Korrupt durch und durch. HIV verseucht; Kinderprostitution. Betrügerische Eliten, die die gierigen Herero vor ihren Karren spannen. Haarsträubend alleine die Begründungen für die Großwildjagd („Artenschutz pp.). Und dann die vor Jahren nördlich von Windhuk errichteten Windräder: nie wirklich in Betrieb, alle wesentlichen inneren Teile geklaut. Anderswo kaputte Fotovoltaikanlagen. Steuerelemente und Kabel: geklaut. Alles in der Allgemeinen Zeitung dort dokumentiert. Auf deutsch. Und dort soll ein Wasserstoffprojekt funktionieren. Nie.
Die Kolonialherren sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Wenn die damals so blöd gewesen wären wie das heutige Pack, wäre Afrika unendlich viel Leid erspart geblieben. So hoffen wir das beste für das heutige Afrika.