Antje Sievers / 28.06.2016 / 06:10 / Foto: Bildarchiv Pieterman / 4 / Seite ausdrucken

Der Flüchtlingshelfer, der Pfarrer und das Testosteron

Auf der Alm, da gibt’s nicht nur koa Sünd’, da gibt’s auch koa Verstand und für Flüchtlinge koa Weib.  Daher hat Flüchtlingshelfer A. M. auf seiner Website einen Aufruf gestartet nach „interessierten Frauen“, die männlichen Flüchtlingen „Nähe, Zärtlichkeit und Sexualität“ ermöglichen sollen. Das ist gar nicht böse gemeint, denn Männer, die nur unter Männern leben, kriegten irgendwann den „Klosterkoller“, und es sei kein Wunder, wenn dann „die Fetzen fliegen“, so Hobbyzuhälter A.M.  Und ich hatte schon Angst, es hätte was mit kulturell bedingter Impulsivität, prähistorischem Stammesdünkel und religiösen Wahnvorstellungen zu tun, wenn Flüchtlinge sich gegenseitig mit Eisenstangen die Köpfe einschlagen.

Nun ist das Ansinnen von A.M. ja an und für sich nichts Neues.  Männer sind, wie die Popgruppe „Die Ärzte“ und meine Oma schon immer wussten, Schweine. Sie können ihre Triebe nicht kontrollieren und wenn sie kein Weib zum Ficken da haben, drehen sie voll ab. Deshalb haben Frauen zur Verfügung zu stehen, argumentieren seit Hunderten von Jahren die Verfechter der Prostitution. Deshalb müssen alle Nichtprostituierten glücklich sein, dass sie selbst nicht ran müssen, wie’s verdammt nochmal eigentlich ihre Pflicht wäre.

Männliche Flüchtlinge protestieren also ganz zurecht, dass sie „seit zehn Monaten keine Frau“ gesehen haben. Nun ist es so, dass sie in vielen ihrer Heimatländer auch keine zu Gesicht kriegen, ihre Mütter und Schwestern ausgenommen. In weiten Teilen der Welt sind Frauen minderwertige Menschen zweiter Klasse, die nicht ohne männlichen Schutz und nur von Kopf bis Fuß verhüllt das Haus verlassen dürfen. Wenn überhaupt. In weiten Teilen der Welt haben Männer in der Tat überhaupt keinen Sex, solange sie noch nicht verheiratet sind.

Und in weiten Teilen der Welt gibt es testosterongesteuerte Wirrköpfe wie A.M. und Pfarrer Wagner, für die Frauen gleichfalls minderwertige Wesen sind, die das aber nicht zugeben mögen, weil sie sonst ihren Heiligenschein verlieren könnten. Lieber unterstellen sie Frauen das gottgegebene Bedürfnis, für alte unappetitliche Fettsäcke gegen Geld die Beine breit zu machen und untervögelten Flüchtlingen den Schwanz lutschen zu wollen. Lieber A.M., wieso legst du da nicht mal selbst mit Hand an, wenn du glaubst das sei eine gute Tat? Alles machbar!

Foto: Bildarchiv Pieterman

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Leserpost (4)
Judith Hirsch / 29.06.2016

“Alte unappetitliche Fettsäcke” Das ist echt übler Sexismus und man stelle sich mal vor ein Mann würde in so herabwürdigenden Worten über Frauen schreiben, die nicht mehr jung, überernährt und nicht gerade apart sind. Ansonsten stimme ich der Autorin zu.

sabine erdmann / 29.06.2016

Grandios, Frau Sievers! Besser kann man es nicht sagen. Der eigentliche Skandal ist, dass keine der selbst ernannten bzw. auch der echten Feministinnen auf die Barrikaden geht und unsere korrumpierten Medien auch hier wieder durch (Ver)schweigen glänzen. Ein weiteres Armutszeugnis unter vielen.

Thea Ulmann / 28.06.2016

“Suche „interessierte Frauen“, die männlichen Flüchtlingen „Nähe, Zärtlichkeit und Sexualität“ ermöglichen sollen.” Was ist denn mit den anderen Kerlen ohne Frau? Was stimmt mit dieser Welt nicht mehr? Ich möchte einfach nur aufwachen und dann soll alles wieder gut sein.

Peter Vollmer / 28.06.2016

Herrlich erfrischend und tabulos geschrieben- wie das Leben eben auch ist:-). Manchmal möchte man einfach nur noch den Kopf schütteln, was man manchmal so lesen muss, aber hier werde ich immer wieder fündig und kann auch mal schmunzeln oder begeistert nicken. Danke dafür.

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