Das Wort Fluchtursachenbekämpfung ist meines Erachtens das Unwort des Jahres wegen Vortäuschung von Lösungen, die es NICHT gibt. Es wird immer davon geredet, Europa müsse die Fluchtursachen bekämpfen, komischerweise benennt niemand, was die Fluchtursachen sind. Ja, was sind denn die Fluchtursachen? Das bleibt irgendwie immer im Dunkeln, denn würde man die sogenannten Ursachen benennen, wäre schnell klar, dass Europa gar nicht in der Lage ist, diese zu beseitigen.
Deshalb sind das hohle Worte, die kann man sich sparen. Außerdem verstehe ich nicht, wieso ausgerechnet Europa verantwortlich für Afrika sein soll. Zunächst sind die Menschen dort selbst für ihre Länder verantwortlich. Die Geburtenrate ist zum Beispiel etwas, das die Menschen dort selbst in den Griff bekommen müssen, Korruption, Arbeitslosigkeit, Misswirtschaft, ungleiche Verteilung von Reichtum... und, und, und, das muss Afrika selbst lösen. Es liegt an den afrikanischen Staatsbürgern, dafür zu sorgen, dass das Geld nicht nur in den Taschen von ein paar Wenigen landet. Immer nur Europa zu bemühen, die Probleme Afrikas zu lösen, ist doch Utopie. Wir können weder die Probleme lösen noch alle hier aufnehmen.
„Afrika steht vor einer Bevölkerungsexplosion, die zwangsläufig zu einer massiven Migration in Richtung Europa führen wird“, schreibt der amerikanische Journalist und Professor (Duke University, North Carolina) Stephen Smith in „La ruée vers l’Europe“ (Der Ansturm auf Europa). Der linksliberale Smith (er schrieb zahlreiche Artikel in „Le Monde“ und „Liberation“ über seine Reisen in Afrika) wendet sich gegen den unerschütterlichen Glauben, dass mittels Entwicklungshilfe die meisten Afrikaner zum Bleiben in ihren Ländern bewegt werden könnten.
„Entwicklungshilfe hilft nicht, Einwanderungsströme nach Europa zum Versiegen zu bringen, sondern sie trägt im Gegenteil dazu bei, dass Auswanderung ein mögliches Projekt wird... Die Zahlen afrikanischer Einwanderer nach Europa sind deutlich gestiegen, seit es Afrika besser geht.... wenn wir Millionen von Afrikanern in unsere Gesellschaften integrieren, werden wir auch andere Normen und Wertbegriffe importieren, ein anderes Autoritätsverständnis, andere Erziehungsideale, ein anderes Frauenbild und vieles mehr.“
Helfer, die die Afrikaner entmündigen
Die Entwicklungshilfe, oder weichgezeichnet Entwicklungszusammenarbeit, die seit Jahren geleistet wird, ist aus mehreren Gründen ungeeignet, die Probleme des afrikanischen Kontinents zu beseitigen. Das Problem sind die von uns geschickten Helfer, die die Afrikaner entmündigen, ihre korrupten Politiker durchfüttern und sich selbst am Leben halten. Die afrikanischen Länder sind abhängig von der jahrzehntelangen Entwicklungshilfe geworden. Zudem verliert die Bevölkerung in vielen Ländern Afrikas ihren Antrieb und wird unselbstständig, da sie an dauerhafte Entwicklungshilfe gewöhnt ist.
Deutsche Politiker brüsten sich gerne damit, dass der Etat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), zurzeit fast 9 Milliarden Euro, mal wieder ausgeweitet wurde. Als wenn dies schon ein Erfolgsnachweis wäre. In Bild am Sonntag vom 17. Juni 2018 forderte Minister Müller von der EU „mindestens“ 60 Milliarden Euro „für Afrika“. Vermutlich kennt Müller nicht den südafrikanischen Wirtschaftswissenschaftler Themba Sono, der die Bedeutung der Hilfe für Nichtafrikaner beschreibt:
„Die afrikanischen Länder haben bisher stets eine Politik der Sammelbüchse betrieben und immer nur gebettelt: mehr Hilfe, mehr Hilfe, mehr Hilfe. Genau das muss sich ändern, kann sich aber nicht ändern, solange die großen Länder selbst die Bedeutung der Entwicklungshilfe betonen."
Vielleicht sollte Minister Müller mit Professor Stephen Smith sprechen, er hat eine deutsche Mutter und spricht deutsch. Smith sagt allerdings so unbequeme Dinge wie: „Viele Leute sind inzwischen aufgewacht und haben festgestellt, dass es einen Unterschied zwischen dem Diskurs des ‚Wir schaffen das‘ und der Realität gibt.“
Die Verhandlungs-Protokolle stehen vorher fest
In der staatlichen Entwicklungshilfe wird seit einigen Jahren statt von Hilfe von Zusammenarbeit gesprochen. Dabei wird behauptet, dass Entwicklungsziele und Hilfen partnerschaftlich erarbeitet werden. Das BMZ sagt:
„Die Ziele der Zusammenarbeit werden gemeinsam festgelegt, die Maßnahmen werden gemeinsam geplant und durchgeführt und auch die Verantwortung für Erfolg und Misserfolg wird gemeinsam getragen. Die [Nehmer/Länder] beteiligen sich außerdem in vielen Fällen an der Finanzierung der Programme.“
Aber vor den Regierungsverhandlungen schreiben die Experten auf, was die afrikanischen Regierungen erbitten sollen. Zu den Verhandlungen werden dann von deutscher Seite die fertigen Protokolle mitgebracht, in denen dann noch marginale Änderungen möglich sind. Das ist in Wirklichkeit keine Zusammenarbeit. Von einer solchen könnte man nur sprechen, wenn die Geber-Nehmer-Mentalität abgelöst würde von einer Mentalität partnerschaftlicher Zusammenarbeit, die auf Eigeninitiative und Eigenverantwortung der Beteiligten in Afrika setzt.
Paul Kagame, Staatschef von Ruanda und derzeit Präsident der afrikanischen Union, sagte in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ vom April 2018:
„Ich begreife den Sinn dieser Partnerschaften nicht recht, wenn die eine Seite nur nimmt und die andere Seite nur gibt. Das verdient nicht das Wort Partnerschaft.... Afrika kann nicht seine bisherige Rolle als Empfänger von Almosen der Industrienationen beibehalten.“
Bedenklich ist die Tendenz in den meisten Ländern, zu zahlen, damit man helfen darf: In sämtlichen Ländern, in denen ich gearbeitet habe, müssen Tagegelder so genannte „perdiem“ gezahlt werden, damit sich Beamte mit Helfern an einen Tisch setzen (und das ist immer noch so).
Das Geld stützt korrupte Regierungen
Zusammenarbeit kann es auch nur geben, wenn die Regierungen in Afrika selbst daran interessiert sind, das Leben ihrer Bürger zu verbessern. Fließt die Hilfe in schlecht geführte Regierungsstrukturen, so zementiert sie die politischen Verhältnisse, die nicht auf Armutsminderung, Wachstum und Zukunft, sondern allein auf Machterhalt und Selbstbereicherung der Potentaten und ihrer Clans ausgerichtet sind. Mittels Vetternwirtschaft und Bevorzugung spalten die Machthaber die verschiedenen ethnischen Gruppen und spielen sie gegeneinander aus.
Moderne Autokraten würzen ihre Reden mit Verweisen auf Freiheit, Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit. Aus der Entfernung sehen einige der schlimmsten Autokratien in Afrika beinahe demokratisch aus. In ihren Verfassungen ist eine Gewaltenteilung zwischen Exekutive, Legislative und Judikative verankert. Tatsächlich ist aber nur ein einziges Recht wirklich geschützt – das Recht auszureisen, das Land zu verlassen.
Der Nobelpreisträger der Wirtschaftswissenschaften und Armutsforscher Angus Deaton sagt:
„Besonders in Afrika haben Regierungen, die ihren Haushalt zu einem hohen Anteil auf Entwicklungshilfe stützen, keinen Anreiz, sich gegenüber ihren Bürgern zu verantworten. Sie müssen sich nur gegenüber ihren Geldgebern rechtfertigen, die wiederum unter dem Druck der Spender stehen, den Armen Geld zu geben. In vielen armen und korrupten Ländern gibt es daher keine Fortschritte.“
Westliche Entwicklungsgelder hätten nur wenig, manchmal sogar kontraproduktive Wirkung, schreibt er. Das Geld versickere, oder es stütze korrupte Regierungen.
Das Vertrauen in die „African Ownership“ sollte sich auf Länder wie Botswana, Ruanda, Mauritius, Seychellen, Senegal, Kap Verde und Namibia beschränken. In diesen Ländern gibt es zupackende Regierungen, die das System wirklich reformieren wollen. Wenn man in den anderen Ländern die Leute in Afrika zum Lachen bringen will, muss man nur von „African Ownership“ sprechen. Ja, Ownership gebe es schon, aber vorrangig „private“ und weniger „African“.
Viele Regime sind abhängig von Entwicklungsgeldern, die nicht mehr Hilfe, sondern Zusammenarbeit heißen, als wäre mit dieser Umbenennung das Problem gelöst.
„Der weiße Retter duldet morgens brutale Politik, gründet nachmittags eine Hilfsorganisation und bekommt abends dafür eine Auszeichnung“, sagt der amerikanisch-nigerianischer Schriftsteller Teju Cole.
Volker Seitz war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das deutsche Auswärtige Amt tätig, zuletzt als Botschafter in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorialguinea mit Sitz in Jaunde. Er gehört zum Initiativ-Kreis des Bonner Aufrufs zur Reform der Entwicklungshilfe und ist Autor des Buches „Afrika wird armregiert“. Das Buch ist beim Verlag vergriffen. Die aktualisierte und erweiterte Taschenbuchausgabe wird am 21. September 2018 bei dtv erscheinen. Volker Seitz publiziert regelmäßig zum Thema Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika und hält Vorträge.
Beitragsbild: Raimond Spekking CC-BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Was muss einem Flüchtling gewährt werden? Gewiss Sicherheit vor Verfolgung, ein Dach über dem Kopf, Kleidung und Nahrung sowie - sofern die Gründe für die Flucht weiterhin bestehen - Arbeit, die ihm Selbstachtung und ein Auskommen ermöglicht. Freilich, wenn es dabei bliebe, würde die sogenannte Flüchtlings- oder Migrationskrise übermorgen enden, deren wirksamste und anziehendste Ursache in einigen der europäischen Sozialsysteme besteht.
Danke für diesen Artikel, so sehe ich das auch. Ich finde in Afrika kann nur Jesus Christus helfen. Die glauben ja aber nicht an ihn, sondern an Allah. Jetzt wollen die den Krieg (Dschihad), den sie untereinander führen, auch noch nach Europa tragen. Allerdings scheint Europa ja auch vom Olymp beseelt. Das demonstrieren Frau Merkel und Herr Macron mit den Händen. Von der Europahymne und dem Parlamentsgebäude in Straßbourg will ich gar nicht reden. Bin gespannt wie es weitergeht.
Wir zahlen Entwicklungshilfe, damit sich die Leute in Afrika auf den weg nach Europa machen, wo wir wiederum dafür Zahlen sie durchzufüttern und obendrein bezahlen wir für die mannigfaltigen Folgen: Sozialleistungen, Integration, Folgekosten deren Kriminalität uvm. Im Fazit kann man sagen: Die Europäer (besonder die Deutschen) schuften sich den Arsch Wund, um Milliarden dafür ausgeben zu können, sich die Verantwortung anderer Völker und die Lasten zügelloser Migration aufbürden zu können, Kriminalität und soziale Spannungen zu importieren, ja sich letztlich selber selber abzuschaffen... Und doch, fallen immer noch Millionen Menschen auf das Gesülze dieser Irren Politdilletanten herein. Wer so episch blöd ist hats wohl nicht besser verdient!
Was mit 100% Sicherheit etwas bringen würde wäre ein Prämienprogramm für Sterilisationen oder Spiralen für gebährfähige Frauen in jenen Regionen mit 4+ Kindern pro Frau. Dann könnte man die globale Armutsmigration innerhalb von einer Generation lösen - man müsste nur wollen. Mit den 9 Mrd, die das BMZ jedes Jahr für Gender-Klima-Gutfühlprojekte raushaut, könnte man jedes Jahr 30+ Mio Frauen mit dauerhaften Verhütungsmitteln ausstatten. Nach fünf Jahren wäre die Arbeit damit getan, da der größte Teil des anstehenden Geburtenüberschusses von relativ wenigen Frauen kommen wird. Sobald man dann einmal durch ist könnte man wieder von vorne beginnen und die Spiralen austauschen. Problem gelöst. Aber ich habe das Gefühl, man will einfach nicht.
Durch meinen Aufenthalt (nicht als Entwicklungshelfer) im Niger sowie Benin (auch in der Zeit wo Herr Seitz für das Auswärtige Amt in diesen Ländern tätig war), kann ich seinen Berichten nur zu stimmen. Leider passiert dies aber erst zu einem Zeitpunkt, wo Herr Seitz im Ruhestand ist.
Mir kommt das Ganze so vor, als würde man permanent versuchen, kochendes Wasser mit Eiswürfeln zu kühlen, während die Flamme unter dem Topf munter weiterbrennt.
Lieber Herr Seitz, es ist die Hoffnungslosigkeit, die die Afrikaner zur Flucht treibt. Sie beschreiben die Ursachen dafür sehr treffend. Was Sie aber ignorieren, genauso wie die „Entwicklungs“helfer, ist die in den meisten afrikanischen Nationen fehlende Basisindustrie der „Steine & Erden“und eine flächendeckend aktive nationale Bauwirtschaft. Es fehlt am Geld für die Technik und es fehlen 100 Jahre volkswirtschaftliche Erfahrung in diesem Bereich. Werfen Sie doch bitte mal einen Blick auf die historische volkswirtschaftliche Entwicklung der Industriestaaten. Da sind keine ausländischen „Investoren“ gekommen und haben z.B. in Deutschland die mineralischen Rohstoffe erschlossen und aufbereitet, aus denen die Infrastruktur besteht. Das haben die Deutschen und auch alle anderen Nationen ganz allein bewerkstelligt und das hat in der Aufbauphase und auch nach den beiden Weltkriegen, viele Millionen Arbeitsplätze geschaffen. Das die „Entwicklungs“helfer eine diesbezügliche Studie des Ifo-Institutes von 1978 totschweigen, ist dem Selbsterhaltungstrieb der „ewigen“ Helfer geschuldet. Niemand arbeitet zielstrebig auf den Verlust des eigenen, so schönen, gut bezahlten Arbeitsplatzes hin. Das allerdings steht im krassen Widerspruch zu den unzähligen utopischen Plänen, Agendas und „Zukunftschartas“. Was tatsächlich nützen würde, findet keinerlei Beachtung. Weder bei Ihnen, noch beim BMZ und auch nicht im „Bonner Aufruf für eine andere Entwicklungspolitik“, wo wir beide seit Langem Mitglied sind. Diese Erkenntnis wird ignoriert, weil sie wohl zu einfach und zu gefährlich ist, für die vielen Protagonisten, die sich um die Pfründe einer gigantischen Hilfsindustrie geschart haben. Weitere Infos können gerne unter WReppe@t-online angefordert werden.