Wolfgang Röhl / 19.02.2015 / 13:30 / 2 / Seite ausdrucken

Fifty ways to beat your lover

Klar, Blümchensex ist auch keine Lösung. War er noch nie. Rammeln ist ja nicht bloß ein Männersport. Ein gutes Sexleben erteilt sich auch schon mal ein robustes Mandat. Aber, hallo! Ich rede jetzt vom Hetero-GV, der hier und dort noch ausgeübt wird. Was Schwule in ihrer Mehrheit mögen, weiß ich nicht. Wie es bei Lesben zugeht, interessiert mich nicht. Ganz zu schweigen von den fünfzig anderen Genders, die es noch geben soll.

Warum ehedem abseits geparkte Liebesvergnügungen der Marke S/M momentan den Mainstream erobern, ist mir, Relikt aus der Stino-Gattung (Stinknormalos), gleichwohl schleierhaft. Beim erstaunlichen Bucherfolg von „Fifty Shades of Grey“ konnte man noch spekulieren, wer wohl Gefallen daran findet, dass Leute andere Leute fesseln und schmerzbewehrte, nicht immer sehr appetitliche Dinge veranstalten. Wer hat denn wohl mit glühenden Ohren den S/M-Klassiker „Die Geschichte der O“ gelesen, so ab 1954? In erster Linie Männer, bien sur.

Wer heute in die Foyers von Kinos guckt, wo eine entschärfte Filmfassung der Buchvorlage von Fifty Shades gezeigt wird, sieht die Konsumenten scharf. Es sind Frauen. Vor allem Frauen. Stino-Frauen, dem Augenschein nach.

Mutmaßlich dieselben Frauen, die ansonsten Stücke in der „Brigitte“ verschlingen, wo es zwischen Schminktipps, Klamottenempfehlungen und den „acht neuen tollen Haarlooks“ gern um bärenstarke Frauen geht, die in deutschen Vorstandsetagen oder in Burkina Faso die Welt retten. Offen gesagt, ich komme da nicht mit. Mögen Sexologen und Lifestyle-Analysten diese Nuss knacken. Am besten, die Frauen selber diskutieren das mal bei dem einen oder anderen Tässchen Wein aus. Aber gründlich.

Um nicht als total abgehängt zu erscheinen, habe ich gegenüber meiner eigenen Frau beiläufig die Kabelbinder erwähnt, welche in der Werkzeugkammer auf ihren Einsatz harren.

Wir wohnen hart hinterm Deich. Eine Lage, die sogar das infernalische Kreischen meiner 4-PS-starken Kettensäge dämpft. Doch unser homerisches Gegacker müsste noch jenseits des Flusses vernehmbar gewesen sein.

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Leserpost

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Ben Wilmes / 19.02.2015

Die Erklärung ist relativ einfach. Die Stinos (Stinknormalen) sind die eigentlichen Exoten. Es gibt wohl kaum etwas aufregenderes und geheimnisvolleres als wenn zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts sich erotisch “erkennen” und das Spiel der Spiele beginnt, in allen zarten und harten Abstufungen. Und es gibt nichts banaleres als käuflichen Sex, Sex mit Hilfe von Gegenständen, Sex durch Zufügung von Schmerz und ähnliches. Und das Banale ist eher geeignet die Massen zu begeistern als das subtile, zarte,  bange, irritierende, mystische Erleben von Annäherung und Verschmelzung von Mann und Frau. Deshalb gibt es auch so wenig öffentliche Aufregung um die Stinos. Ihre Erotik entzieht sich dem plumpen Zugriff der zutiefst unerotischen Erotikvermarkter. Lass sie sich doch mit Teilen aus dem Baumarkt fesseln und prügeln bis es quietscht, dem Geheimnis echter Erotik kommen sie nie auf die Spur. Dieser Text versteht sich nur zu maximal 5 % als satirisch.

Christine Maack / 19.02.2015

Im angeblich so frivolen Frankreich hat die Zeitung “Le Figaro” sich einen Scherz daraus gemacht, Männer ganz ernsthaft zu fragen, was man mit einer Peitsche bzw. mit Klebebändern so alles anfangen könne. Zur Peitsche fiel den befragten Männern nicht viel ein (“Mein Urgroßvater hatte mal ne Kutsche mit Pferden…und ne cravache”), an den Klebebändern bemängelten die Männer, dass die Mistdinger nicht mehr auseinanderzukriegen seien, wenn sie mal zusammenpappten. Was die Klebebänder mit Frauen zu tun haben sollten, beantwortete die überwiegende Mehrheit mit “Weiß ich nicht!, beziehungsweise: “Bei mir packt immer die Frau die Päckchen, wenn sie mal wieder was zurückschickt, was ihr nicht gefällt.”

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