Gastautor / 10.03.2019 / 11:00 / Foto: Bildarchiv Pieterman / 43 / Seite ausdrucken

Feminismus: Coco Chanel wusste es besser

Von Elishova David. 

„Die allermutigste Handlung ist immer noch, selbst zu denken. Laut.“ Dieser Satz stammt von keiner geringeren als Coco Chanel, der Gründerin eines Modeimperiums und mein größtes Vorbild. Am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, einer Zeit, in der Frauen tatsächlich noch unterdrückt waren, befreite sie eine ganze Generation von den Zwängen des Korsetts und gleichzeitig von dem Status, ein Dekorationsgegenstand des Mannes zu sein. Sie hat bis heute einen großen Einfluss auf die Rolle der modernen Frau. Das kann man von den selbst ernannten Feministen unserer Zeit nicht behaupten.

Die heutigen Feministen kämpfen für – ja, wofür eigentlich? Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau? Eine legitime Forderung, wenn wir die nicht schon längst hätten. Den Schutz der Frauenrechte? Wer zur Hölle will uns die denn wegnehmen? 

Feminismus ist ein so dehnbarer Begriff, dass wahrscheinlich niemand mehr überblicken kann, worum es  eigentlich geht. Außerdem ist es eigentlich schon falsch, im Zusammenhang mit Feministen von einem Kampf zu sprechen. Vielmehr handelt es sich um das Eintreten offener Türen. Denn die etablierten Parteien werfen ihnen die Gendersternchen und Frauenquoten nur so hinterher. Das ist ein ziemliches Problem, denn in einer Gesellschaft wie unserer, in der die Gleichberechtigung im Grundgesetz verankert ist, mehr Rechte für Frauen zu fordern, ist schlichtweg sexistisch. Nicht nur Männern, sondern auch Frauen gegenüber. 

Denn Feministen haben die Angewohnheit, Frauen als stark und unabhängig zu bezeichnen, um sie dann wie kleine Mädchen zu behandeln, die man an die Hand nehmen muss. Die besten Beispiele dafür liefert die Website Bento von Spiegel Online, das eine Zielgruppe von 18- bis 30-Jährigen ansprechen soll. Hier wird die Meinung der Generation geformt, die einmal Ihre Rente zahlen soll. Wenn man also in einem Anflug von Selbsthass das Wort Feminismus in die dortige Suchzeile eingibt, findet man neben anderen, nicht minder faszinierenden Artikeln, einen, der es mir ganz besonders angetan hat. Er ist in der Kategorie „Fühlen“ eingeordnet und mit der Frage „Ist es schlimm, als Frau über sexistische Witze zu lachen?“ betitelt. 

Man hätte das Ganze auch abkürzen können, indem man diese Frage ganz einfach mit Nein beantwortet und sich dabei auf das Recht auf Meinungsfreiheit bezieht, das, zumindest bei uns, auch Frauen haben. Aber die Autorin schafft es, dazu einen langen Artikel zu schreiben. Denn sie fragt sich, ob Frauen nicht zusammenhalten müssten, statt einfach mitzulachen. Um es genau zu erfahren, sucht sie also die promovierte Genderforscherin Stevie Schmiedel auf. Die erklärt ihr, dass viele Frauen sich auf die Seite der Männer stellen und dabei ihre eigene Diskriminierung übersehen. Man müsste ihnen erst erklären, was ihnen zusteht. 

Vor dem Lachen über Strukturen nachdenken

Wir Frauen haben uns also, unaufgeklärt wie wir sind, die ganze Zeit selbst diskriminiert. Sollten wir toleranter uns selbst gegenüber sein und uns das Lachen in Zukunft verkneifen? Nein, denn es gibt Entwarnung. „Nicht jeder blöde Witz ist ein Anlass, in Grundsatzdiskussionen verfallen“ und ob man am Ende darüber lacht, kann jeder für sich entscheiden, man sollte nur manchmal über die Strukturen nachdenken. Vor dem Lachen über Strukturen nachdenken, ich verstehe. Abgesehen von der Bevormundung, die für Feministen so typisch ist, finde ich an dem Bento-Beitrag vor allem den Appell an den Zusammenhalt zwischen Frauen sehr interessant. 

Denn genau das ist es, was den Feminismus für Mädchen meiner Generation so attraktiv macht. Die meisten von ihnen haben in ihrem Leben noch nicht einen Tag gearbeitet. Trotzdem fordern sie gleiche Bezahlung und Frauenquoten, ohne zu wissen, worum es geht. Der Grund dafür ist, dass die schönen erfolgreichen Frauen aus Hollywood, die sich jetzt alle zum Feminismus bekennen und Trends wie #metoo starten, immer vom Zusammenhalt zwischen Schwestern sprechen. Und da wollen jetzt nun mal alle dazugehören. 

Allerdings halten sie nur so lange zusammen, wie ihre Wut gegen alte weiße Männer gerichtet ist. Denn wenn ein Mädchen zum Beispiel von einem Goldstück vergewaltigt wird, was in Deutschland leider nicht selten ist, lässt der Aufschrei auf sich warten. Warum? Sollten wir Frauen nicht zusammenhalten? Oder wird mein Wert als Frau nach der Herkunft meines Vergewaltigers bestimmt?

Man widmet sich lieber Themen wie die Verteilung der Geschlechterrollen in unserer patriarchalischen Gesellschaft. Die Feministen glauben, dass man Jungen im Kindergarten  abgewöhnen kann, selbstbewusst aufzutreten und so „toxische Männlichkeit“ zu verbreiten. Die Mädchen möchte man dementsprechend so erziehen, dass sie nichts mehr tun, was typisch weiblich ist, wie mit Puppen zu spielen, rosa zu tragen oder sich zu schminken. Sie glauben, dass ein Kind ein leeres Blatt ist, auf das man malen kann, was man will. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das nicht so ist. 

Auf dem Weg zu meiner ersten Halloween-Party im zarten Alter von vier Jahren, verkleidet als Hogwartsschülerin, soll ich meine Mutter gefragt haben, warum Hermine denn überhaupt so heißt. „Warum heißt sie denn nicht Fraumine? Oder wenigstens Mädchenmine?“ 

Ich habe nicht einmal den Namen Hermine als Mädchennamen akzeptiert. Wie hätte ich wohl reagiert, wenn man mir gesagt hätte, dass ich doch zur Abwechslung als Harry Potter gehen könnte? Ich weiß nicht, warum Frauen jetzt mit Macht in die Rolle des Mannes gezwungen werden sollen. Für mich ist Weiblichkeit kein Nachteil gegenüber der Männlichkeit, sondern einfach nur ein Unterschied, ganz ohne Wertung. Ich habe kein Problem damit, eine typische Frau zu sein und muss auch hier wieder Coco Chanel zustimmen. „Die selbstsichere Frau verwischt nicht den Unterschied zwischen Mann und Frau – sie betont ihn.“

Elishova David ist Schülerin und 18 Jahre alt.

Dieser Artikel ist im Rahmen des Projekts  "Achgut U25: Heute schreibt hier die Jugend" in Zusammenarbeit mit der Friedrich A. von Hayek Gesellschaft und dem Schülerblog „Apollo-News“ entstanden. 

Foto: Bildarchiv Pieterman

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Rolf Lindner / 10.03.2019

Welch ein Unterschied zum Leitartikel des Tagesspiegels vom 07. März. Schreiben Sie weiter so, Frau David, die höchste Ehrung zur Rechtspopulistin ernannt zu werden, wird Ihnen gewiss sein. Sie werden sich den Hass der Genderideologen zuziehen. Ihnen wird mindestens verbal in den Unterleib getreten werden. Als Lohn dafür können Sie morgens mit gutem Gewissen in den Spiegel schauen und müssen nicht im Angesicht von all dem, was der Mainstream bietet, von Ekelgefühlen vor sich selbst erfasst werden.

Alexander Mazurek / 10.03.2019

“Die selbstsichere Frau verwischt nicht den Unterschied zwischen Mann und Frau – sie betont ihn” - und echte Männer sind und bleiben einer solchen Frau dankbar und achten sie. Das ist nämlich Ausdruck wahrer Emanzipation, zu dem zu stehen, was man/frau ist! Nur Müll und tote Fische müssen immer mit dem Strom schwimmen (G. K. Chesterton).

Wiebke Lenz / 10.03.2019

Ich liebe meine Weiblichkeit und kann durchaus auch “Männerarbeiten” verrichten. Liegt ggf. aber auch daran, dass ich ein “Dorfkind” bin. Und auch daran, dass das Robinson-Prinzip eben nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch im Privaten gilt. Aber bei “blöden” Witzen fällt mir ein: “Wie sieht eine ideale Frau aus? Einen Meter groß mit viereckigem Kopf. Damit der Mann das Bier abstellen kann, wenn die Frau einen bl …” Ich bin selbst nur 1,52 m groß und konnte durchaus lachen ob der Pointe, die ich nicht erwartete. Dann kam eben ein entsprechender - ebenso billiger Witz - von mir als Antwort. Bin allerdings auch nicht so verkrampft und wittere auch nicht überall Übergriffe. Und kann mich bei wirklich bösen verbalen Angriffen durchaus verteidigen. Kontexte kann ich durchaus verstehen, obwohl blond. Da fiele mir ja schon wieder einer ein ...

Winfried Kellmann / 10.03.2019

Wirklich klasse Text, doch kleiner Einspruch: „Denn genau das ist es, was den Feminismus für Mädchen meiner Generation so attraktiv macht. Die meisten von ihnen haben in ihrem Leben noch nicht einen Tag gearbeitet. Trotzdem fordern sie gleiche Bezahlung und Frauenquoten, ohne zu wissen, worum es geht.“ Die jungen Mädchen ahnen schon, worum es geht: Einfluß, Macht, Aufstieg geschenkt zu bekommen. Qua Geschlecht bevorzugt zu sein - eine süße, unwiderstehliche Verführung. Sowohl die patriarchalische Erzählung als auch die feministische gründen auf dem Topos der zu bevorzugenden Frau. Im Patriarchat ist sie die zu schützende und deshalb die mit Rücksicht zu behandelnde. Der Feminismus erklärt das zur Lüge und fordert subkutan, endlich mit der Bevorzugung ernst zu machen, die den Frauen von Natur aus zusteht. Er lügt genauso wie das Patriarchat, wenn er lautstark von gleichen oder sogar besseren Fähigkeiten der Frauen redet und gleichzeitig rücksichtslos ihre unqualifizierte Bevorzugung betreibt. Indem er Salz in die Wunde der Männer streut, die ihrer Aufgabe, die Frauen zu befriedigen - das ist durchaus doppeldeutig gemeint -  ungenügend nachkommen, schwimmt er auf der Woge des schlechten männlichen Gewissens. Die Lossprechung des Mannes von seinen Sünden und die Anfeuerung, neue zu begehen, oblag im Abendland der Frau. Heute stählt sie ihn nicht mehr für den Kampf um gesellschaftlichen Aufstieg, sondern fordert kollektiv, selbst kampflos befördert zu werden. Daß es damit das Gemeinwesen nachhaltig schädigt, kommt dem Feminat nicht in den Sinn, denn es bestreitet zu allererst seine eigene Existenz und damit die eigene Verantwortlichkeit für das Gelingen seiner Herrschaft.

E. Albert / 10.03.2019

Ich glaube gar nicht, dass es hier tatsächlich um “Feminismus” geht. Es vergeht schließlich kein Tag, ohne dass eine Gruppe gegen die andere aufgebracht wird, ob neue “Geschlechter” erfunden oder Kinder gegen Eltern in Stellung gebracht werden, usw. Ich habe vielmehr den Eindruck, dass hier ganz bewusst Keile in bis dato funktionierende Gruppen getrieben werden und unsere Gesellschaft an sich damit pulverisiert werden soll. Am Ende jeder gegen jeden - und die Machthaber lachen sich ins Fäustchen, weil die Masse sich gegenseitig bekämpft, statt die, die ihnen das alles eingebrockt haben! “Teile und Herrsche” - das ist Machiavelli in Reinkultur!

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