Thilo Schneider / 21.06.2020 / 10:00 / Foto: Pixabay / 20 / Seite ausdrucken

Farbenblind sein macht das Leben einfacher

Ich war neulich zu einer Talkrunde als Vertreter der „alten weißen privilegierten Männer“ eingeladen, weil ja jede gute Talkshow auch einen robusten Counterpart braucht. Eigentlich ging es um das Thema „Generationenkonflikt“ und das war so weit auch ganz munter, und innerhalb der „Show“ war zu bemerken, dass wir Alten uns mehr auf die Jungen zu bewegen als umgekehrt.

Eine Bemerkung hat mich dabei erstaunt: Eine junge Mitdiskutantin war dunkelhäutig. Und sie beklagte lauthals, dass in wichtigen Gremien PoC (also „People of Color“ oder schlicht „Schwarze“) nicht vertreten seien und somit nicht die Gesamtgesellschaft abbilden könnten. Auf meine Nachfrage, warum es in einem Umweltausschuss denn wichtig sei, dass dort auch bunte Trans-Cis-Dingenskirchen-Leute vertreten seien, wir würden doch unter dem gleichen Himmel mit der gleichen Sonne leben und die gleiche Luft atmen und hätten somit auch die gleichen Herausforderungen, entgegnete mir das junge Fräulein: „Nein“.

Schade, ich hätte das gerne weiter vertieft, aber der Moderator hastete weiter. Es hätte mich wirklich sod- und sonnenbrennend interessiert, warum in einem Umweltausschuss auch „PoC“ dringend vertreten sein müssen. Und warum nur „PoC“? Warum nicht auch Vertreter der Buddhisten, Islamisten, Sikhs, Hindus und die Reichsbürgerabteilung? Warum nicht Attila Hildmann? Und was ist mit Einbeinigen? Und Hundehaltern? Und einbeinigen hundehaltenden Hausfrauen mit begrenztem bulgarischen Aufenthaltsvisum und einer Glutenallergie? Warum sind in Umweltausschüssen keine Einbeinigen?

Er soll seinen Job ordentlich machen

Ich ging in meiner „alten-weißen-Mann-Naivität“ bisher davon aus, dass in einem Ausschuss für ein bestimmtes Spezialgebiet entsprechende Experten sitzen sollten, also Leute, die zumindest ansatzweise Ahnung von der Materie haben, über die sie beraten sollen. Die einzige Begründung, einen „PoC“ in einen Umweltausschuss aufzunehmen, könnte die Frage sein, ob er seinen Mitbunten einen stärkeren oder schwächeren Sonnenschutzfaktor empfiehlt. Wenn er ansonsten nichts weiß, halte ich seine Teilnahme für überflüssig und 'rausgeschmissenes Geld. Umgekehrt, wenn jener „PoC“ absoluter Profi auf seinem Gebiet ist, dann ist die Hautfarbe völlig wurstegal, dann soll er seinen Job ordentlich machen. Das erwarte ich dann von ihm wie von allen anderen „weißen privilegierten alten Männers und Frauens“ auch.   

Ich kann doch von einem Fachgremium nicht erwarten, dass es „die Gesamtbevölkerung“ abbildet. Das wäre doch Unsinn. Wenn ich ein „Fachgremium für Frauenrechte“ eröffne, dann sollten dort vielleicht auch ein paar Frauen sitzen, wenn ich ein „Fachgremium gegen Rassismus“ brauche, dann ist es sicher sinnvoll, „PoC“ drinnen zu haben. Und auch ein paar Juden, die mit Sicherheit eine ganz andere Art von Diskriminierung und Rassismus erleben. Meinetwegen auch ein paar türkisch- oder arabischstämmige Stämmige. Auch eine Asiatin oder ein Asiate und ein/zwei Vertreter der LGBTQXYZ-Gemeinschaft sind da sicher wünschenswert. Und der oder die oben genannte Einbeinige. Die könnten dann alle gemeinsam auf mich schimpfen. Das würde ich ja verstehen. Ich habe ja auch LGBTQXYZ absichtlich falsch geschrieben!

Wenn ich das Gremium dann nicht unnötig aufblasen will, kann ich mir ja dunkelhäutige, transsexuelle, moslemische Einbeinige einladen und so mehrere Rand- und Betroffenengruppen quasi mit einer großen Klappe schlagen lassen. Aber wenn es doch darum geht, wie hoch künftig Flutmauern gezogen werden müssen und welche Antriebsenergien wir künftig meinen, nutzen zu müssen, dann würde ich mir doch eher die besten Ingenieure und Mathematiker und Marktwirtschaftler suchen, völlig unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht, sexueller Orientierung und Religion. Ich lade mir doch dann keinen nach dem Motto ein: „Er ist zwar von Beruf Koch, aber die Hautfarbe gefällt mir so gut.“

Der Typ soll seine Arbeit machen

Früher, das ist da, „wo nicht alles besser, sondern nur früher war“ (Malmsheimer), hätte ich der jungen Dame ins Gesicht gelacht und wäre Essen gegangen, heute würde mich die gleiche Vorgehensweise als wenigstens unsensibel und rücksichtslos outen, und ich bekäme eine Rechnung von ihrem Psychologen geschickt, weil ich sie traumatisiert habe. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich habe nichts gegen „Teilhabe“ oder „Gleichberechtigung“. Aber da, wo es sinnvoll und angebracht ist.

Der Friseur meines Vertrauens ist es deshalb, weil er Haare wie Gott schneidet, mein Lieblingsbäcker backt die besten Brote und Brötchen und in meinem Stammlokal ist es einfach gemütlich und das Essen ist prima. Mein Hausarzt ist ein cooler Typ, der meine Kippen mitraucht und mir das dann als „Beratung – auch telefonisch“ in Rechnung stellt. Aber er ist heilsam. Ob also die jeweiligen Inhaber, grün, grau, braun, blau, gelb oder lilablassrosa mit beigen Sternchen sind, ist mir dabei völlig egal. 

Ich gehe doch nicht zu einem Friseur, nur weil er schwarz ist. Umgekehrt gehe ich auch nicht nicht zu einem Friseur, nur weil er schwarz ist. Wenn jemand ein schlechter schwarzer Friseur ist und ich nach einem Besuch wie ein kahlgeschorenes Frettchen aussehe, dann bedeutet das in erster Linie, dass er ein schlechter Friseur ist. Bestenfalls, dass ich ansonsten wie ein strubbeliges Frettchen aussehe. Der Typ soll seine Arbeit machen. Ende Gelände.

Es wird viel zu sehr über „Gleichberechtigung“ und viel zu wenig über „Gleichverpflicht(ig)ung“ geredet. Dabei fallen jedoch viel zu viele wirklich Verwirrte durch die Kulissen, die sich dringend „weniger weiße heterosexuelle Männer aus der Arbeiterschicht“ bei der Feuerwehr wünschen. Und was noch viel schlimmer ist: Die werden auch noch ernst genommen! Aber nicht von und mit mir. Ich will einfach nur einen sauberen Haarschnitt. Und eine höhere Flutmauer. Und wenn es die auch noch gegen Dummheit gäbe – ladet mich als Spezialisten ein.

Ich würde dann auf der dummen Seite eine Leiter an die Wand lehnen und drunter „bitte nicht übersteigen, Lebensgefahr!“ schreiben. Oben gäbe es dann fiese Laserstrahlen. „Natürliche Auslese.“ 

(Weitere feinfühlige Artikel des Autors auch unter www.politticker.de)

Foto: Pixabay

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F. Auerbacher / 21.06.2020

“Der Friseur meines Vertrauens ist es deshalb, weil er Haare wie Gott schneidet ...” Da hab’ ich mir doch mal ein paar Bilder im Internet angeguckt. Wirklich, er schneidet wie Gott? Also, das Bild auf der FDP Seite von Aschaffenburg zeigt ja eine annehmbare Frisur, aber das von Achgut? Und was ist mit dem “Regional Manager of Central Europe” den XING zeigt? Göttliche Glanzleistungen? Ach so, sind nicht sie, sorry, hätte ja sein können. Nur wegen der Friseurleistungen. Sehr geehrter Herr Schneider, üblicherweise spielen Sie mit den Worten für die ich zu blöd bin um eine Einstellung zu beschreiben, die ich absolut teile, aber, mal ehrlich, Ihr Friseur als gottgleicher Haarestutzer? Und weshalb hat er die am Kinn nicht auch gestutzt - oder hat er etwa? Also, entweder ist Gott - was ich heimlich immer mal wieder denke - in Wirklichkeit ein Dilettant oder die Lobhudelei ist Ausdruck Ihrer Sorge, er könnte mal wirklich heftig zuschlagen. Der Friseur natürlich ...

Heinz Gerhard Schäfer / 21.06.2020

Sehr geehrter Herr Schneider,- herrlich Ihren Artikel zu lesen, selten so gelacht! Nehmen wir das Thema locker, wir alten weißen Männer sind von den kommenden Verwerfungen kaum noch tangiert, lassen wir den Unfug von den jüngeren Generationen ausbaden. (D.h. weiter beobachten und genießen!)

Angelika Meier / 21.06.2020

Dieses Argument, Leute sollen nur nach ihrer Leistung beurteilt werden und nach sonst nichts, ist ja super neu. Dieses Argument ist noch niemanden eingefallen und es hat noch niemand gesagt. Und es wirkt ja auch so gut. Siehe aktuell die “Proteste” in den USA, GB, Dijon, etc. Gut, dass Sie es der Welt gesagt haben, Herr Schneider. Jetzt wird alles gut. Vielleicht sollten Sie diese Rede auch in Israel/Palästina halten. Oder an der Grenze von Indien und Pakistan. Oder in Kurdistan. Vielleicht bringen Sie es als eigene Schrift heraus mit dem möglichen Titel “Was tun?”. Man muss der FDP nur die Probleme überlassen. Dann läuft das schon. P.S.: Man wirft den Kommunisten vor, dass sie den neuen Menschen schaffen wollen und regelmäßig daran scheitern. Aber die FDP würde so etwas niemals versuchen.

Wolf Hagen / 21.06.2020

Nun ist Ihre Sichtweise der Dinge, lieber Herr Schneider, ganz sicher auch meine, allerdings kann ich Ihnen sehr wohl erklären, warum in einem Umweltausschuss dringend ein “stärker Pigmentierter” gehört und zwar völlig unabhängig davon, ob er dort von der Materie Ahnung hat, oder nicht. Ein Schwarzer, in einem solchen Ausschuss, ist nämlich ein Zeichen… gegen oder für was auch immer. Er ist quasi von Geburt an ein “Zeichen-Experte” und dies kann er, bzw. sie einfach überall sein, sogar völlig ahnungslos im Umweltausschuss. Zumal Ahnungslosigkeit im heutigen Deutschland ja nun wirklich kein Ausschlusskriterium mehr ist, wie sonst ließe sich Heiko Maas als Außenminister erklären?! Im Deutschland Anno 2020 geht es längst nicht mehr um Problemlösungen, schon gar nicht um objektive oder gar realistische Problemlösungen, sondern es geht um Haltung und Zeichen für und gegen irgendwas.

Michael Lorenz / 21.06.2020

” ... dass in einem Ausschuss für ein bestimmtes Spezialgebiet entsprechende Experten sitzen sollten ...” - Herrr Schneider, da haben Sie was verpasst. Dieses Prinzip hat Unser Aller Mutti höchstselbst abgeschafft, als sie in die Energiekommission zwei Bischöfe, aber keinen Ingenieur o. ä. berufen hat.

Rainer Berg / 21.06.2020

Aus dem Artikel spricht der gesunde Menschenverstand, also etwas, was bei großen Teilen der deutschen Bevölkerung nicht mehr vorhanden ist (siehe Wahlumfragen).

L. Kempf / 21.06.2020

Zitat von Heidi Kabel (1914-2010): Die Emanzipation ist erst dann vollendet, wenn auch einmal eine total unfähige in eine verantwortliche Position aufgerückt ist.

Reiner Gerlach / 21.06.2020

Herr Schneider, bitte nicht so einfach: wen sie eine/n “dunkelhäutige, transsexuelle, moslemische Einbeinige einladen” können Sie aber 100% sicher sein, dass er/sie/es dann auch vierundzwanzig Stimmen bei irgendwelchen Entscheidung fordert (oder ihm/ihr/xxx) zugesprochen werden. Da passen unsere Gerechtigkeitsfanatiker schon auf. Ansonsten ein toller Sonntags-Artikel, der mir in allen Punkten aus der/die/das Seele spricht.

Rudolf Dietze / 21.06.2020

Sehr geehrter Herr Schneider sie haben eins vergessen. Sie saßen in einer Talkrunde „Generationenkonflikt“ und wo war die Jugend, die demnächst ab Geburt mitwählen darf. Sie wollen Experten, da sind die 12jährigen mit ihrem Schulwissen. Gehen sie auf diese zu und hüpfen sie fürs Klima. Nehmen sie ihren Sarkasmus auf einen niedrigeren Level, und sie haben Chancen 12 jährigen den Horizont zu erweitern. Bei meinen Enkel versuche ich auch den Wildwuchs zu begrenzen.

Frank Stricker / 21.06.2020

Lieber Herr Schneider, wir alte, weiße und durch eine gewisse Bildung sicher auch priviligierte Männer werden zwar nicht ganz aussterben, aber unser Einfluss wird geringer werden. Die von ihnen angesprochene Talkrunde wird in 100 Jahren wie folgt aussehen;  Mindestens 3 schwarze Gender-Schneeflöckchen, 2 militante Kopftuchträgerinnen, 1 Divers-Queen und 1 weißer Mann quasi als Quoten-Exot und Feindbild……….

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