Am 08.01.2020 identifizierten chinesische Wissenschaftler SARS-CoV-19 erstmalig als neues Virus. Zwei Wochen später, am 24.01.2020, zählte China bereits über 1.000 Fälle und setzte die chinesische Stadt Wuhan unter Quarantäne. Mutmaßlich hatte die chinesische Führung die entstehende Epidemie lange unter Verschluss gehalten. Als klar war, dass sich das Virus in den vergangenen Tagen bereits weit verbreitet haben musste, startete auch hierzulande die intensive Berichterstattung. Ab Ende Januar stiegen die Suchanfragen zu „Corona“ erst langsam und dann, ab dem 22.02.2020, sprunghaft an. An diesem Samstag registrierte Italien erstmals einen starken Anstieg an Infizierten.
Noch bevor das Virus in Europa eine echte Rolle spielte, konnten wir uns aus unterschiedlichsten Quellen über den Verlauf der Epidemie in China sowie über das Virus selbst informieren. Dabei standen uns seit Beginn der Epidemie in Asien nicht nur die Berichte aus klassischen Medien, sondern auch zahlreiche Primärquellen zur Verfügung. Auf einer eigens eingerichteten Seite der Johns Hopkins University werden etwa Daten zur Pandemie zusammengetragen und grafisch für jeden verständlich aufbereitet.
Auf Twitter und in den Kommentarspalten der großen Tageszeitungen verlinken Nutzer medizinische Fachartikel, noch bevor irgendein Journalist Zeit hatte, sich ihrer anzunehmen. Eigens dafür eingerichtete Twitter-Accounts sammeln und kuratieren Informationen zum Virus und zum neuesten Geschehen. Dazu liefern einige der bekanntesten Spezialisten für Viruserkrankungen und Epidemien wertvolle Informationen und Einschätzungen aus erster Hand. Kurz: Die Fülle und Qualität an Informationen zu einer Krise war noch nie so hoch wie heute. Hinzu kommt die Geschwindigkeit: Zeugenberichte, Fallzahlen, Presseberichte von Behörden und Institutionen landen schneller beim Konsumenten als wir „Medienschelte“ sagen können.
In der Krise gibt es keine Zeit für Gatekeeping
In Krisen kommt es darauf an, dass Menschen schnell erfahren, wie die Lage wirklich ist und wie sie sich zu verhalten haben. Innerhalb von zwei Tagen wusste selbst der letzte, wie wichtig gründliches Händewaschen ist, dass alte und kranke Menschen besonderen Schutz benötigen und dass exponentielles Wachstum heißt, dass aus ganz wenigen in kurzer Zeit ganz viele werden. Hashtags wie #FlattenTheCurve, die dazu aufrufen, aktiv an der Eindämmung des Virus mitzuhelfen und so das Gesundheitssystem zu entlasten, sind in Krisenzeiten womöglich wertvoller als jeder Lagebericht eines Italienkorrespondenten.
In Sachen Geschwindigkeit können klassische mit den neuen Medien natürlich nicht mithalten. Zu einem Großteil haben sie ihre Funktion als Gatekeeper deshalb verloren. Ein Symptom dessen ist, dass sich auch Falschmeldungen und irreführende Informationen schnell verbreiten. Die Nutzer müssen lernen (und das tun sie), die Qualität von Informationen kritisch zu bewerten und verschiedene Quellen zu sichten. Hierbei hilft, dass die neue Medienlandschaft eben nicht, wie gerne behauptet, vor allem Falschmeldungen und Unsinn fördert, sondern in weit überwiegender Anzahl richtige und gute Informationen an die Oberfläche spült.
Auch funktionieren die Technologien und Mechanismen für jeden gleich: Wertvolle Informationen lassen sich genauso schnell verbreiten wie dreiste Lügen. Dass klassische Medien ihre Rolle als Gatekeeper einbüßen, ist deshalb nicht grundsätzlich negativ. Gerade in Krisen funktioniert die neue Medienlandschaft sehr gut. Das liegt nicht nur an ihrer hohen Geschwindigkeit, sondern auch daran, dass Informationen eben nicht mehr zwangsläufig durch die Hände klassischer Medien als Gatekeeper gehen müssen. Informationen gibt es direkt von den entsprechenden Experten und Wissenschaftlern. Mit dem schönen Nebeneffekt, dass nicht zuerst diejenigen zu Wort kommen, die über die besten Medienkontakte verfügen, aber viel Substanzloses erzählen, sondern diejenigen, die wirklich etwas beizutragen haben.
Lebensrettender Servicejournalismus
Die Wahrheit ist: Für viele Dinge braucht es den klassischen Journalismus nicht mehr. Bräuchte es ihn, dann ginge es ihm prächtig. Dennoch profitieren auch etablierte Medien von den neuen Möglichkeiten. Auch sie können wertvolle Informationen heute schneller und mit weniger Barrieren beschaffen sowie ansprechender aufbereiten, als dies früher der Fall war. Das gilt vor allem für solche Sachverhalte, die sich quantifizieren und visualisieren lassen. Nicht umsonst beschäftigen Redaktionen weltweit immer größere Data-Teams, die Daten sammeln, aufbereiten und visualisieren. Bevor diese Data-Scientists im Journalismus anheuerten, taten sie ihre Arbeit auf anderen Gebieten, und das tun sie nach wie vor. Ihre Arbeit finden wir auf Twitter, Medium, unabhängigen Blogs und in Nischenmedien. Der klassische Journalismus dient hier höchstens der Reichweitensteigerung.
Vieles von dem, was wir gerade als guten Journalismus erfahren, wäre mit den alten Mitteln gar nicht möglich. Trotzdem stehen „neue Medien“ und die ihnen zugrundeliegenden Technologien weiter im Verdacht, die Medienlandschaft zu verunstalten. Das Gegenteil ist der Fall. Sie machen auch den klassischen Journalismus besser. In der Krise wird aus dem sonst eher eitlen Deutungsjournalismus ein lebensrettender Servicejournalismus, der sich der neuesten Möglichkeiten bedient und gerade deshalb einen großen Mehrwert hat. Zwar beobachten wir auch in dieser Krise gelegentlich die typischen Scharmützel, die sich im Wesentlichen mit der Frage beschäften, ob Pandemie-Vorsorge nun „links“ oder „rechts“ ist, oder welche Maßnahmen welchem Lager vermeintlich in die Karten spielt. Aktuell ist das aber nur Randgeschehen.
Dieser Beitrag steht auch auf Karim Dabbouz’ Blog.

@Gudrun Dietze Vielen Dank für Ihre grundsätzliche Belehrung. Sie schreiben mir also, wie Sie es sehen. Selbstverständlich fördern einzelne neue Medien die Debatte. Aber wirklich nur einzelne, wie hier die Achse. Aber schauen Sie sich mal bei Florian Rötzer um, wo die Zensurdiktatur inzwischen schon zu Leseraufständen geführt haben, die wieder nur durch Zensur niedergedrückt werden können. Sie haben da die rosarote Brille, wie der Humd mit den Lippenstiftküsschen? Hier geht es aber um die These, "in der Krise" würden die neuen Medien ihre Stärke beweisen. Es ist eine Vielfalt der Meinungen. Ob die alle unabhängig sind, weiß ich nicht. Aber in der Krise brauchen wir zuverlässige, aktuelle, zielgenaue und vertrauenswürdige Informationen. Ideal wäre es, wenn sie in solcher Weise dargeboten würde, dass wir selbst mit einiger Sachkunde diejenigen Teile der Information heraussuchen können, die uns betreffen und wo wir dann noch beispielsweise an dem Verlauf z.B der Coronafallzahlen pro Tag und Landkreis selbst eine aktuelle Entwicklung in unserem unmittelbaren Bereich erkennen könnten. Leider ist genau das, was wir wirklich brauchen würden, nicht der Zuständigkeitsbereich der neuen Medien. Es ist vielleicht auch nicht unbedingt Aufgabe der "alten" Medien, diese Informationen selbst zu Recherchieren und zusammenzustellen. Es ist Sache der Behörden, denen pflichtgemäß die Fälle gemeldet werden müssen und die in der Lage wären, das nicht verschleiernd zu verdichten, sondern detailliert Zugang zu den Informationen erlauben müssten. Wenn sie es täten, könnten alte und neue Medien gleichartig darauf zugreifen und denn erübrigt sich die "Stärke in der Krise". Fazit: Wir können zwar an manchen Stellen (noch) über alles reden, das aber ohne gesicherte Informationen. Damit ist das Gerede so viel Wert, wie der Spruch der an die Wand gesprüht wurde. Neue Medien kompensieren nicht die Versäumnisse der Obrigkeit, so wie es auch die alten nicht konnten.
Es ist schon eine nicht haltbare Aussage, dass die neuen Medien schnell berichten, wie die Dinge derzeit sind. Der Anteil Fakenews und häufig auch beleidigende Ansprachen ist einfach zu hoch. Und überhaupt nicht zutreffend ist es Facebook, Twitter etc. als soziale Medien zu bezeichnen. Das sind eher überwiegend unsoziale Medien.
@Johannes Schuster - die Leute wollen das Glauben und kein Argument und keine Logik wird sie davon abbringen, weil hier eine übergeordnete, kollektive Metalogik greift. Die Leute haben unbewußt das alte Schema satt und dafür zerstören sie es jetzt. Corona ist da das liebste Vehikel.
p.s.@REGIERUNG, ich bin ja nicht nachtragend. Daher folgendes Angebot: Wenn IHR es schafft, diesen Appell an die Deutschen Produzenten (Pumpen, Ihr Krampen, Desinfektions- & Hilfsmittel) innerhalb der nächsten 24h groß & öffentlich endlich nachzuholen, halte ICH das nächste halbe Jahr auf der Achse die Klappe und zieh meine Kartoffeln groß. Ist wenigstens das drin? Oder wollt Ihr Euch jetzt lieber vom Sozialstischen Bruderstaat retten lassen und hinterher ganz groß Wiedervereinigung feiern? Ich hab da so ne Ahnung.
@Lindner Das stimmt nicht ganz. Ich las da nun schon wiederholt Folgendes u.a. auch bei WHO Bei der Mehrzahl Grippeähnlicher Verlauf plus evtl Lungenentzündung Bei anderen kommen Magen Darm Beschwerden noch hinzu Bei einer anderen kleineren Gruppe kommt es anscheinend nur zur Lungenentzündung Ich finde der Daily Express, wenngleich Boulevard Blatt liefert da ziemlich sachlich laufend Infos und lässt Experten direkt zu Wort kommen ich meine ich habe diese Auflistung dort gefunden, allerdings gleichlautende Äußerungen auch anderwo. Wenn Sie z.b. CBS News, digestive symptoms and Corona googeln werden sie auf den Verweis auf eine Studie stoßen derzufolge mehr als 50 Prozent aller Corona Patienten über Darmprobleme klagten. Darauf basierend wird dann gebeten diese Symptome auch entsprechend ernst zu nehmen.
Sobald einer in den " neuen Medien " auf einen Zusammenhang stößt, der plausibel zu sein scheint, springt der "klassische" Journalismus gleich hinterher und möchte auch "beißen". Aber er kann ja nicht, er trägt den Maulkorb der Sorge ums eigene Auskommen ( mit der Regierung ). - So wird die Melancholie der Knechtschaft seriös umgeschrieben in Entlarvung der Hetze. Es gibt auch Märtyrer des Gehorsams.
Ich habe noch ein ganz besonderes SCHMANKERL . Heute Welt: MERKEL WIRKT, "Die Deutschen lernen "Social Distancing": Seit dem EINDRINGLICHEN APPELL der KANZLERIN,,( EINDRINGLICHER APPELL, MERKEL WIRKT ?? DAS IST NICHT mal mehr ein WITZ ) scheint (immerhin Konjunktiv) das öffentliche Leben in Großstädten wie Hamburg und sogar Berlin stillzustehen !! Hat sich die Frage nach der Ausgangssperre erübrigt ??" Ich kann über SO EINEN SCHWACHSINN nicht lachen ! Soll die voreilig angekündigte Ausgangssperre wieder relativiert werden ?? So eine Krise bringt wirklich die seltsamsten "Blüten" zustande.