Das Gute an Köln ist , dass die Stadt zentral gelegen ist und man schnell in alle Himmelsrichtungen weg kommt. Sogar ins fremdsprachige Ausland. Das belgische Liège (Lüttich) zum Beispiel ist nur eine Zugstunde entfernt. Alle zwei Stunden gibt es eine direkte ICE-Verbindung. Zumindest in der Theorie. Die Praxis sieht oft anders aus. Zum Beispiel am 29. Dezember. Die DB-App zeigt zunächst nur wenige Minuten Verspätung an. Doch dann ändert sich die Abfahrtzeit sowohl in der App als auch an der Abfahrtstafel am Bahnsteig im Sekundentakt. Da peu à peu immer nur ein paar Minuten hinzukommen, ist es zu riskant, den Bahnsteig zu verlassen. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ein fragwürdiges Vergnügen.
Nachdem der Zug plötzlich ganz von der Anzeigentafel verschwunden war, aber gleichzeitig in der App als abgefahren vermeldet wurde, kam schließlich nach anderthalb Stunden die Durchsage, dass er ausfällt. In der App war er dagegen immer noch unterwegs und es wurden sogar schon die Minuten bis zum Ausstieg angezeigt. Eindeutig Fake News! Liebe Bahn: Habt ihr schon einmal vom Digital Services Act der EU gehört und wisst, welche Strafen bei Verbreitung von Fake News im Netz drohen? Nun gut.
Nach 90 Minuten vergeblicher Warterei kam es auf die zusätzlichen 30 Minuten Wartezeit bis zum nächsten planmäßigen ICE auch nicht mehr drauf an. Aufschlussreich waren die Reaktionen der Wartenden: Während deutsche Bürger die Unannehmlichkeit mit stoischem Gleichmut ertrugen – sie sind Kummer gewohnt! –, wurde der Gesichtausdruck der offenbar nicht-deutschen Reisenden oder vielmehr Reisen-Wollenden immer ungläubiger. Ratlos blickten sie auf ihr Smartphone und die wirren Angaben der App: Kann das wahr sein?
Bestraft werden nur die Reisenden
Mir ging unwillkürlich die Definition des Halbmetalls „Germanium“ durch den Kopf: „Germanium“ ist nämlich grau und spröde. Und vor allem relativ reaktionsträge. „Reaktionsträge“ trifft auch die Verfasstheit eines großen Teils der deutschen Bürger recht gut. Jedenfalls fuhr der nächste ICE dann tatsächlich ein. In der App war er als ausgebucht angezeigt – so wie auch schon der ausgefallene Zug zuvor. Was passiert nun aber, wenn zwei ausgebuchte Züge in einen einzigen zusammengelegt werden? Etwas für die Bahn offenbar völlig Unvorhersehbares: Dieser Zug ist dann überfüllt.
Und wie lautet der Lösungsvorschlag der Bahn? Sie setzt nicht etwa einen Ersatzzug ein oder hängt ein Zugteil an. Nein, Schuld sind schließlich die Fahrgäste! Und so tönte denn die Durchsage durch den Zug, dass eine sichere Abfahrt wegen Überfüllung des Zuges nicht möglich sei und die überzähligen Fahrgäste daher wieder aussteigen müssten. Ihr Ticket sei jetzt aber flexibel nutzbar (wie großzügig!) und sie könnten auch ganz einfach den nachfolgenden ICE nehmen. Nachfolgend heißt hier: zwei Stunden später. Mit ungewissem Ausgang.
Wenn sich die Überfüllung nicht ändere, so die Durchsage, werde die Abfahrt auf unbestimmte Zeit verschoben. Ganz wie in der deutschen Politk: Wenn die Regierung versagt, sind die Bürger Schuld. Etwa weil sie die falsche Partei wählen – so wie sie den falschen ICE wählen. Irgendwann rollte der Zug dann doch. Wahrscheinlich sollte die Verspätungsstatistik nicht noch weiter getrübt werden. Dabei trickst die Bahn schon gehörig, indem Züge, die ihr Ziel gar nicht erreichen, weil sie ausfallen oder vorzeitig umkehren, nicht als verspätet in die Statistik einfließen. Nach der Logik: Was nicht ankommt, kann auch nicht zu spät ankommen.
Mein Tipp an die Bahn: Streicht doch einfach alle Züge! Und lasst die Bahn-App weiterhin Züge als planmäßig auf dem Weg anzeigen, die in Wirklichkeit nie abgefahren sind. Dann liegt die Pünktlichkeit laut Statistik ganz schnell wieder bei 100 Prozent!

Kennen wir von den Problemen der Bahn erst die Spitze des Eisbergs? Aber Merz in der Neujahrsansprache: „Hören wir nicht auf die Angstmacher und Schwarzmaler“ … .. . Gut, dann sei Schweigen im Walde, aaaaber: Merken wir und das (!!!!!) und vergleichen dann mal, was die Realität die kommenden Jahre bezüglich Bahn, Infrastruktur, Energiepreise und wirtschaftlicher Entwicklung in D alles so gebracht haben wird !!! Merken wir uns das und vergleichen dann mit der auf uns zugekommenen Realität, nichts soll vergessen sein, wie die Kugel Eis !!!
Klingt reichlich erfunden von jemandem, der den DB Navigator mit mehreren unpassenden Namen tituliert. Welcher Zug genau war das denn genau? Erfahren wir nicht. Wurde die Reisekettenüberwachung aus der Buchung erzeugt oder selbst eingefuddelt? Flügelzug oder nicht? War das ein Zug in Verantwortung der DB oder einer belgischen Gesellschaft? Okay, Ostrovsky kann man eh keine Anekdote glauben, aber von den Autoren der Achse erwarte ich mehr als Polemik. Fakten, Fakten und immer an die Leser denken!
Bei der Bahn gehen die Uhren anders, das war schon Ende der 1990er so, als die Verspätung auf der im Zug mitlaufenden Uhr „rausgerechnet“ wurde (ganz einfach: Uhr lief nur, wenn Zug in Bewegung) und teilweise Differenzen zwischen Bahnhofs- und Zugzeit von 20min auftraten. Mit der Wiedervereinigung scheinen vormals sog. „deutsche Tugenden“ wie Leistungsbereitschaft, Ehrlichkeit, Pünktlichkeit usw. ruckartig ausgelöscht worden zu sein – zuallererst bei der Bahn.
Das Ganze macht noch mehr Spaß, wenn man am sehr späten Abend irgendwo festsitzt, am besten in Hintertupfingen, wo es noch nicht mal einen Kaffee- oder Snackautomaten am Bahnsteig gibt, und der nächste Zug erst irgendwann mitten in der Nacht fährt. Wir hatten trotzdem naiverweise dieses Jahr den Weihnachtsurlaub mit der Bahn geplant, und dachten, wir seien ganz schlau und hätten alles richtig gemacht: vorsichtshalber eine sehr großzügige Umstiegszeit eingeplant, Weiterfahrt vom selben Gleis, da konnte doch nichts schiefgehen, oder? Leider war die vorab eingeplante Umstiegszeit dann letztlich doch fast zu wenig: Der Zug war deutlich zu spät und wurde kurz vor der Einfahrt auf ein anderes Gleis verlegt, natürlich ganz am anderen Ende des Bahnhofs. Der einzige Aufzug war kaputt, daher mussten wir die Koffer die Treppe hinunter wuchten. Im Ergebnis haben wir dann nur sehr knapp den Anschlusszug erwischt. Auf der Rückfahrt von einem Bahnhof im europäischen Ausland dann dasselbe Spiel mit der Gleisänderung, schnell quer durch den Bahnhof gehetzt zum neuen Gleis, allerdings – Überraschung! gab es kurz vor Zugankunft eine erneute Gleisänderung, die wir nur mitbekamen, weil die Fahrgäste, die im mittleren Abschnitt warteten, plötzlich panisch davonstürmten. Auf den Anzeigetafeln im vorderen und hinteren Bereich war keine Gleisänderung angezeigt, nur in der Mitte. Immerhin fast ein Trost, dass es anderswo auch hapert. Man hat den Eindruck, die wollen gar keine Leute, die die Züge tatsächlich benutzen. Und das trotz des ganzen CO2-Einspar-Geschwafels. Nächstes Mal nehmen wir dann definitiv wieder den Flieger.
Hallo Frau Binnig, seit Merkel gibt es diese Zustände im Bahnverkehr, gespeist aus einem allgemeinen und diffusen Hass auf die (bzw. Angst vor der) Bewegungsfreiheit, wie ja auch im Individualverkehr. Die Einschränkung der Freiheit mittels Unterlassung ist gewollt. Wir haben Teufel an der Macht, die Marionetten führen.
Man sollte die neue Vorstandsvorsitzende zu diesem Sachverhalt befragen!
Wir haben fertig, mit Jack un Büx.