Henryk M. Broder / 07.06.2017 / 10:00 / 4 / Seite ausdrucken

Facebooks hässliche Kehrseite

Haben Sie sich auch schon mal gefragt, wer für Facebook die Drecksarbeit erledigt? Wer die vielen Seiten sichtet und die hässlichen Bilder samt den Inhalten löscht? Nein, es sind nicht die Experten von Correctiv, einer gemeinnützigen GmbH, es sind ungeschulte und schlecht bezahlte Arbeitssklaven auf den Philippinen. Vor einigen Tagen brachte DLF/Kultur dazu einen Bericht. Es ging um die Uraufführung des Theaterstücks "Nach Manila" von Moritz Riesewieck am 3. Juni 2017 im Theater Dortmund. Bereits vor einem Jahr gab es Berichte über Facebook und seine digitale Putzerkolonne, unter anderem hier, hier und hier, die aber im Raum verhallten. Das also ist die hässliche Seite von Facebook, dessen Gründer eines Tages beschlossen hat, die Welt zu retten. Das erklärt auch, warum immer wieder Beiträge auf FB spurlos verschwinden. 

Hier ein Beispiel, wie die Sache funktioniert. In diesem Fall hat wohl die Verbindung von "Islam" und "Terrorismus" zu der Löschung geführt. Demnächst könnte das auch der Fall bei den Begriffen "Alkohol" und "Alkoholismus" sein.

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Leserpost (4)
Thomas Klingelhöfer / 07.06.2017

Die sendungsbewußte Linke (incl. Grün) hat eine Mission. Da sie die argumentative Auseinandersetzung nicht gewinnen kann, löscht sie alle das kuschlige Weltbild störenden Äußerungen, wo sie kann. Eine Ausprägung dieser Gesinnungs-Zensur hat Gerald Hensel an liberal-konservativen Medien wie der Achse des Guten, Tichys Einblick etc. durchexerzieren wollen durch Sperren der Werbeeinnahmen. Totalitären Methoden waren Linke nie abhold, wenn es dem “guten” Zweck dient.

Sebastian Weber / 07.06.2017

Ja, habe ich. Meine Idee ist, dass die Zentrale tief unter dem Affenberg in Salem ist. Dort werden die putzigen Tiere dazu animiert, willkürlich Knöpfe zu drücken.  An dieser These möchte ich auch gerne weiter festhalten. Sie hat was beruhigendes.

Karla Kuhn / 07.06.2017

Jetzt habe ich mir die Mühe gemacht, die Texte zu lesen und bin heilfroh, daß ich weder bei Facebook noch bei Twitter meine “Freunde” habe, sondern im realen Leben. Sie löschen auch nicht meine Texte, denn meine Freunde liegen mit mir auf einer Linie.

Marcel Seiler / 07.06.2017

Mich würden Statistiken interessieren, aus welchen Ländern welche abscheulichen Inhalte kommen, und zwar nicht aus Voyeurimus. Theodore Dalrymple, der englische Essayist, hat einmal irgendwo geschrieben (ich zitiere aus meinem Gedächtnis), dass nach seiner Beobachtung die moralische Verworfenheit (moral depravity?) in den Unterschichten der reichen, westlichen Länder viel größer sei als in den armen, den Entwicklungsländern. Wenn dies richtig ist, dann leiden unsere Unterschichten nicht nur an materieller Armut (das ist die, die Linken und die Wohlfahrtsverbände im Blick haben), sondern auch – und vielleicht noch viel mehr – an moralisch-sittlicher Armut, die ihnen das Leben vergällt. Dafür interessiert sich bei uns keiner, nicht einmal die Kirchen.

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