Das Neue an der Regelung ist nicht das grundsätzliche Recht der EBU, einem Siegerland die Ausrichtung aus Sicherheitsgründen zu verweigern, das hat es nämlich bereits vor ein paar Jahren gegeben. Als die Ukraine den ESC im Jahr 2022 in Turin gewonnen hatte, kam die EBU zu dem Schluss, dass der Wettbewerb 2023 aus Sicherheitsgründen nicht in der Ukraine stattfinden könne. Die BBC übernahm daraufhin die Rolle des Host Broadcasters, und der Wettbewerb fand in Liverpool statt, ausdrücklich „on behalf of Ukraine“.
Was 2022 noch eine konkrete Einzelfallentscheidung war, wird nun ausdrücklich in den Regeln festgeschrieben. Die EBU nennt nicht nur einen bewaffneten Konflikt, sondern auch eine sensible geopolitische Lage und andere Situationen, die Sicherheit, Stabilität oder das sichere Austragen des Wettbewerbs beeinträchtigen könnten. Für unklare Fälle ist ausdrücklich eine unabhängige Sicherheitsbewertung vorgesehen.
Der Wettbewerb wird somit nicht zum Sicherheitsproblem
Damit stellt sich jedoch eine Frage, die über Israel hinausgeht: Wie sicher ist eigentlich der Austragungsort eines ESC, wenn die Gefahr nicht vom Austragungsland selbst ausgeht, sondern von Menschen, die den Wettbewerb politisch instrumentalisieren?
Der ESC 2024 im schwedischen Malmö war von massiven Protesten gegen die Teilnahme Israels begleitet. Am 9. Mai demonstrierten nach Polizeiangaben zwischen 10.000 und 12.000 Menschen unter dem Motto, Israel vom ESC auszuschließen. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden erheblich verschärft. Die israelische Delegation stand unter besonderem Schutz. Für israelische Fans galten besondere Sicherheitsmaßnahmen. Die Sicherheitsbehörden mussten sich mit einer Situation beschäftigen, in der die Teilnahme Israels selbst zum Sicherheitsproblem des Wettbewerbs geworden war.
2025 in Basel setzte sich die Situation fort. Die israelische Delegation musste unter erheblichen Sicherheitsvorkehrungen auftreten. Während des Wettbewerbs kam es zu Protesten und Auseinandersetzungen; bei der Eröffnung wurde die israelische Delegation bedroht. Während des Finales versuchte zudem ein Zuschauer, während des israelischen Auftritts die Absperrung zur Bühne zu überwinden.
2026 in Wien war die Sicherheitsfrage ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil der Vorbereitung. Die Wiener Polizei bezeichnete den ESC angesichts der angekündigten Proteste und möglicher Blockaden als eine der komplexesten Sicherheitslagen, mit denen die Stadt zu diesem Zeitpunkt konfrontiert war. Es wurden umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen vorbereitet.
Der Wettbewerb wird somit nicht zum Sicherheitsproblem, weil er in Israel stattfindet, sondern er wird zum Sicherheitsproblem, weil es eine Masse an Menschen gibt, die Israel hassen und ein Problem damit haben, dass Israel überhaupt teilnimmt. Ihr Problem ist die Tatsache, dass Israel existiert in diesem Wettbewerb. Dieses Problem wird mit der neuen Regelung überhaupt nicht berührt.
Das Problem wird somit lediglich geografisch verschoben
Nehmen wir an, Israel gewinnt den ESC. Die EBU kann dann nach den neuen Regeln zu dem Ergebnis kommen, dass Israel den folgenden Wettbewerb nicht selbst ausrichten darf. Der Wettbewerb findet also in einem anderen Land statt. Was aber wurde damit erreicht?
Israel bleibt der amtierende Sieger. Israel bleibt das Land, dessen Beitrag den vorherigen ESC gewonnen hat. Israel ist somit ein zentraler Teil der Geschichte des folgenden Wettbewerbs. Der Sieg Israels wird Teil der Dramaturgie des nächsten ESC sein. Das Land wird als amtierender Gewinner präsent sein, und genau das wird diejenigen, die grundsätzlich nicht akzeptieren wollen, dass Israel am ESC teilnimmt, nicht zufriedenstellen.
Das Problem wird somit lediglich geografisch verschoben. Diejenigen, die gegen die israelische Teilnahme protestieren, werden nicht plötzlich sagen: „Gut, dann ist ja alles erledigt, weil der Wettbewerb diesmal nicht in Tel Aviv stattfindet.“ Denn darum geht es ihnen überhaupt nicht. Es geht ihnen darum, dass Israel nicht am ESC teilnehmen soll. Es stellt sich daher die Frage, ob ein Wettbewerb außerhalb Israels tatsächlich sicherer wäre.
Israel hat den ESC bereits dreimal ausgerichtet: 1979 und 1999 in Jerusalem sowie 2019 in Tel Aviv. Der Wettbewerb fand dort jeweils statt, obwohl Israel auch damals mit erheblichen sicherheitspolitischen Herausforderungen konfrontiert war. Wenn man die Austragung des Wettbewerbs durch Israel im Jahre 2019 mit anderen Austragungsorten der letzten zwanzig Jahre vergleicht, schneidet Israel, was die Durchführung des Wettbewerbs und die Sicherheit anbelangt, im Vergleich sogar recht gut ab. Ist Israel also tatsächlich der Ort, an dem ein ESC mit israelischer Beteiligung am gefährlichsten wäre? Oder könnte es nicht sogar umgekehrt sein?
Politische Mobilisierung funktioniert jedoch in beide Richtungen
Israel verfügt über jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit terroristischen Bedrohungen, mit hochgefährdeten Großveranstaltungen und mit Sicherheitslagen, die in anderen europäischen Staaten außergewöhnlich wären. Israel ist spezialisiert auf die Gefahr, die von Menschen ausgeht, die Israel zum Ziel ihrer Gewalt machen. Israel ist daher keineswegs so, dass ein ESC mit israelischer Beteiligung außerhalb Israels sicherer wäre, im Gegenteil. Die eigentliche Gefahr besteht darin, dass Menschen den ESC wegen der israelischen Teilnahme angreifen und bedrohen. Diese Gefahr wird mitgenommen, egal wohin auch immer der Wettbewerb verlegt wird.
Israel hat in den vergangenen Jahren gezeigt, dass es im ESC ausgesprochen konkurrenzfähig ist. 2024 erreichte Eden Golan mit „Hurricane“ den fünften Platz. Dabei erhielt Israel lediglich 52 Punkte von den Jurys und landete dort auf Platz zwölf. Vom Publikum bekam Israel dagegen 323 Punkte, Platz zwei im Televoting.
Im Jahr 2025 war der Unterschied noch auffälliger: Yuval Raphael erreichte mit „New Day Will Rise“ Platz zwei. Die Jurys gaben Israel lediglich 60 Punkte, Platz 15. Das Publikum vergab dagegen 297 Punkte. Das war mehr als für jeden anderen Beitrag. Hätte allein das Publikum entschieden, hätte Israel den Wettbewerb gewonnen.
Auch 2026 war Israel wieder Zweiter: 343 Punkte insgesamt, davon 123 von den Jurys und 220 vom Publikum. Man kann daraus durchaus schließen, dass manche Jurys vermutlich aus politischen Gründen gegen Israel stimmten, besonders, wenn jene Länder, die in den letzten Jahren durch die Jury besonders wenige Punkte an Israel vergeben hatten, beim letzten Wettbewerb in Wien sogar die ganze Veranstaltung boykottiert hatten, und zwar mit der erklärten Begründung, weil Israel teilnimmt, darunter Spanien, Irland, Island und die Niederlande.
Politische Mobilisierung funktioniert jedoch in beide Richtungen, und genau das ist ein ganz besonderes Problem, vor dem die EBU steht. Wenn zum Boykott Israels aufgerufen wird, führt das dazu, dass manche Zuschauer gerade deshalb für Israel stimmen. Nicht unbedingt, weil sie das Lied für das beste halten, sondern weil sie die politische Botschaft des Boykotts zurückweisen. Zuschauer stimmen halt auch aus Sympathie, nationaler Verbundenheit und manchmal auch aus purem Trotz ab. Je stärker versucht wird, Israel durch politische Mobilisierung aus dem Wettbewerb zu drängen, desto stärker fällt die Gegenmobilisierung aus.
Für Menschen die Israel hassen ist der Ort unerheblich
Das Problem ist somit nicht der Ort, wo der ESC stattfindet, sondern der Hass auf Israel, der dazu führt, dass die Künstler bedroht, die Auftritte gestört, Delegationen unter besonderen Schutz gestellt und Menschen wegen der Teilnahme eines Landes angegriffen werden.
Wenn ein Land wegen eines Krieges nicht sicher genug ist, um den ESC auszurichten, kann es vernünftig sein, einen anderen Austragungsort zu suchen. Das war bei der Ukraine 2023 nachvollziehbar und wurde entsprechend umgesetzt. Wenn aber die Gefahr gerade darin besteht, dass Menschen den Wettbewerb deshalb gefährden, weil Israel daran teilnimmt, dann ist die Frage nach dem Ort nebensächlich.
Die Menschen, die Israel hassen, waren auch in Malmö, Basel und Wien. Sie werden auch im bulgarischen Burgas sein, wo der Eurovision Song Contest im Mai 2027 stattfinden wird. Sollte Israel den ESC gewinnen und die EBU tatsächlich zu dem Schluss kommen, dass Israel aufgrund der neuen Sicherheitsregelung nicht selbst Gastgeber sein kann, dann sollte ein Land anbieten, den Wettbewerb auszurichten, das es Israel ermöglicht, den ESC als gastgebendes Land von dort aus auszurichten. Das Land würde den Veranstaltungsort, die Infrastruktur und die organisatorischen Voraussetzungen bereitstellen, aber der Wettbewerb bliebe der Wettbewerb Israels.
Israel könnte seine Musik, seine Kultur, seine Geschichte und seine künstlerische Identität präsentieren. Man würde damit sagen: Israel hat gewonnen. Israel richtet aus. Nur findet die Show aus Sicherheitsgründen in einem anderen Land statt.

Macht das Ding in Israel. Dem Sieger gehört der Pokal. Punkt aus. Und fragt euch mal, warum Israel beim ESC immer vorne wildert und die Deutschen permanent auf den letzten Plätzen. Da könnte mehr hinter stecken, als es zunächst nach aussieht. Die Wertungen beim ESC haben nämlich sehr viel mit internationaler Sympathie zu tun.
@Bernd Fielitz: Genau meine Meinung!
Ich habe NIE verstanden, warum ein derartiges Aufhebens um diese Show gemacht wird.
Nun – für ein paar Stunden ist die Masse mal wieder von wirklich wichtigen Themen abgelenkt; gerade für die nicht Heterosexuellen ist diese Show offensichtlich das „Event“ des Jahres.
Dass ich diese billige – jedoch aufwändig inszenierte – Schrottschau (Verzeihung!) auch noch durch meine Zwangsabgabe mitfinanzieren muss, ärgert mich natürlich!
Man könnte den ESC auch ganz abschaffen und Israel zum Dauersieger erklären. Würde Geld sparen, jeden Protestler oder Attentäter ins Leere laufen lassen und sogar noch Haltung beweisen. Frei nach Gary Lineker: „… und am Anfang haben die Israelis schon gewonnen…“.
„Der ESC ist so interessant, wie der gerade in China umgefallene Reissack…“
Stimmt. Es geht aber um’s Prinzip. Man übertrage es auf wichtige Sachen wie zum Beispiel Fußball.
Der ESC und der Kampf darum, wer teilnehmen darf, ist doch nur ein „Stellvertreterkrieg“. Den Israelgegnern geht es darum den Jüdischen Staat von der Landkarte zu tilgen, aber sie haben nicht den Mut das laut auszusprechen. Also muss die Teilnahme am ESC dafür herhalten, den Haß auf Israel durch die Blume zu artikulieren. Die Hamas Sympathiekungebungen und das dabei skandierte „Juden ins Gas“ sprechen für sich selbst. Wer dies tut hätte im dritten Reich mindestens die SA hochgehalten, wenn nicht Schlimmeres. Heute ist man dafür linksgrüner Judenhasser und Antifa Sympithiesant und macht sich für den systematischen Abbau von Grundrechten stark, solange dies gegen räääächts geht.
Zählen dazu auch „Monster-Karpfen“? (BLÖD)
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