Roger Letsch / 25.05.2019 / 12:00 / 7 / Seite ausdrucken

Europawahl: Politik auf der Suche nach Schönheit

Nachdem ich es mir mit den Fans eines bekannten TV-Physikers verscherzt habe, indem ich diesem eine gewisse Blauäugigkeit in Bezug auf die Machbarkeit der Energiewende vorwarf, ist es höchste Zeit, kurz vor der Europawahl eine Physikerin zu Wort kommen zu lassen, deren gesunder Skeptizismus und nüchterne Betrachtung ihrer Zunft Hoffnung macht, dass die Selbstreferenzialität, die sich nicht nur in der Physik breit gemacht hat, irgendwann enden wird. Ich möchte Sabine Hossenfelder, die Sie hier im Video sehen können, natürlich nichts unterstellen. Sie spricht in erster Linie über die Gründe für das seit Jahrzehnten anhaltende Festhängen der Forschung in den Grundlagen der Physik, wo man verzweifelt versucht, Theorien zu vereinfachen und dadurch „schöner“ oder „perfekter“ zu machen, auf diesem Weg jedoch offenbar keinen Millimeter voran kommt.

Allein die Menge an publizierten Vorhersagen, was nach der Inbetriebnahme des LHC, des „Large Hadron Collider“ alles zu finden sein würde, steht in keinem Verhältnis zu dem, was die Experimente ergaben. Gefunden wurde das Higgs-Boson, das letzte noch fehlende Teilchen des sogenannten Standardmodells. Sonst nichts – was nicht abwertend gemeint ist, denn der Fund war zweifellos ein grandioser Erfolg. Laut Hossenfelder gehört das Standardmodell unter Physikern übrigens nicht gerade zu den als „schön“ empfundenen Theorien, weshalb viele ihrer Kollegen elegante Erweiterungen und Symmetrien postulierten. Dumm gelaufen, dass ausgerechnet die Bestätigung des Standardmodells in all seiner Hässlichkeit so gut lief.

„Meine Kollegen und ich, wir sind die intellektuellen Nachkommen von Albert Einstein. Wir denken gerne, dass wir auch nach Schönheit suchen.“
(Anthony Zee, theoretischer Physiker)

Hossenfelder deutet an, dass sich die Neigung der Wissenschaftler, nach Symmetrie, Harmonie und „mathematischer Schönheit“ zu suchen und ihre Hypothesen diesen Erwartungen anzupassen, nicht nur in der Physik findet. Die Gesellschaftswissenschaften seien ebenfalls voll davon. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, wir finden diese Unsitte auch in der angewandten Form der Soziologie, in der Politik. Hossenfelders Schlussfolgerung, die sie in einem Vortrag an der Uni Stuttgart sowie in ihrem Buch „Das hässliche Universum“ zog:

Die Verwendung von Schönheitskriterien zur Auswahl von wissenschaftlichen Hypothesen ist schlechte Methodik. Solch schlechte Methodik kann akzeptierte Norm werden, wenn viele Wissenschaftler sich gegenseitig versichern, dass sie das Richtige tun.“ 

Ersetzen Sie „Wissenschaftler” durch „Politiker”, liebe Leser, und Sie wissen, was ich meine.

Staaten haben keine Gefühle

Chaos ist nicht nur dem Physiker, sondern auch dem Politiker ein Gräuel. Den einen schreckt die Unvorhersagbarkeit, den anderen der eigene Kontrollverlust. Doch während dem Physiker nichts anderes bleibt, als weiter nach Gesetzmäßigkeiten zu suchen, kommen manche Politiker auf die Idee, das Chaos ganz abzuschaffen. Wenn die Protagonisten nur mitspielen würden! Im Unterschied zu denen in der Physik haben die Elementarteilchen (Individuen) in Politik und Soziologie doch die Eigenschaft, denken zu können. Regeländerungen müssen sich also (scheinbar) nicht an Naturgesetze halten. Das Streben nach komplexen Hierarchien, nach Kontrolle, Gleichschaltung und Ordnung soll als Betriebssystem im „Homo politicus“ verankert werden, mit dem der wohlmeinende Politiker mittels seines „Gestaltungswillens“ tolle Dinge machen kann.

Das Postulat gesellschaftlicher Harmonie hat die meisten Klingelworte hervorgebracht, mit denen uns Politik und Medien täglich die Hirne fluten. Die Kampagnen der Parteien zur Europawahl zeigen dies geradezu exemplarisch. „Wir“, „gestalten“, „uns“, „gemeinsam“, „Zukunft“, „Integration“, „retten“. Je größer jedoch die Entfernung der politisch Handelnden vom Individuum ist, umso höher muss der Abstraktionsgrad der Botschaft sein, damit sie allgemein verstanden wird. Vergleichen Sie doch mal die Komplexität des Baus einer Umgehungsstraße um ihren Heimatort mit dem Projekt „europäische Integration“, dann haben Sie eine Ahnung vom prinzipiellen Kommunikationsproblem.

„Was besonders auffällig und bemerkenswert ist, ist, dass in der fundamentalen Physik eine schöne oder elegante Theorie eine größere Wahrscheinlichkeit hat richtig zu sein, als eine unelegante.“
(Murray Gell-Mann, Physiker, Nobelpreis 1969)

Während man dem einzelnen Individuum noch am ehesten das Prädikat „Instinkt“ zuordnen kann, weil ihm auch so elementare Dinge wie Hunger, Durst, Furcht oder Liebe eigen sind, „fühlen“ Gesellschaften, Staaten oder Staatengemeinschaften nichts dergleichen. Mit dem Hierarchiegrad steigt die Abstraktion, und die Organisation anonymisiert sich. Individuum, Familie, Gruppe, Gemeinde, Region, Land, Staatswesen – jede Ebene kann sich physisch nur sinnvoll um die Regulierung von externen Bedürfnissen der Ebene darunter bemühen und zum Funktionieren der Ebene darüber beitragen. Despotie kann entstehen, wenn Ebenen übersprungen werden, wenn sich beispielsweise der Staat regulierend und bevormundend um die Ängste seiner Bürger kümmert und sie etwa zur Phobie erklärt oder durch Ge- und Verbote in die Speisepläne seiner Bürger einzugreifen versucht.

„Europäer“ werden als Staatsvolk herbeidefiniert

Begründet wird solches gern mit gefühliger „Sorge um das Wohlergehen“ des Einzelnen, doch, wie schon gesagt: Staaten haben keine Gefühle. Gängelungen der Art „Was-geht-das-den-Staat-an“ bemerkt man deshalb sehr schnell und empfindet sie meist als anmaßend und bevormundend. Die Idee, dass sich die Staaten Europas zu einer Gemeinschaft zusammenschließen, ist, so betrachtet, jedoch nichts Schlechtes. Aber was die EU, wenn sie ihre Aufgabe richtig versteht, leisten kann und sollte, hat eigentlich nur Auswirkungen auf die Interaktion der europäischen Staaten und der EU als Ganzes gegenüber ihren Nachbarn und der Staatengemeinschaft. Überall dort, wo die EU diese Grenze beachtet, wirkt sie geräuschlos und effizient.

Verletzt sie jedoch die Handlungssouveränität lokalerer Ebenen oder versucht sogar, sich zur staatlichen Entität aufzuschwingen und sich EU-unmittelbare Wesen, die sogenannten „Europäer“ als Staatsvolk herbei zu definieren, wird sie als fremd und übergriffig empfunden. Hier versucht die Politik, das recht erfolgreiche Konzept der Nationalität abzuschaffen, indem sie es kopiert und zur „europäischen Identität“ aufbläst. Nichts als eine wunderschöne Theorie, während die „hässliche“ Praxis sagt, dass es schon vergeblich wäre, die Mannschaften des BVB und Schalkes in den gleichen Farben antreten zu lassen – und die sind bis hinab zur Ebene „Region“ geradezu Zwillinge!

Viele der ausgehandelten Regelungen auf EU-Ebene sind zweifelsohne sinnvoll, gerade wenn es um Sachverhalte geht, die das Zusammenleben der Mitgliedstaaten betreffen. Nur ist das, was auf EU-Ebene entschieden wird, selten Politisches im engen Sinne, sondern bewegt sich auf der Ebene von Verwaltungsakten und juristischen Verträgen. Wir sollen am 26.5. jedoch nicht Verwaltungsangestellte und Juristen mit dieser Aufgabe betrauen, sondern Politiker – und die wollen gewählt werden. Die Inhaltsleere der Wahlaussagen aller Parteien, die sich bis zum Verwechseln der Parolen ähneln, zeigt das Glaubwürdigkeitsproblem des Projektes „EU-Parlament“, nicht die Überflüssigkeit der EU als Ganzes.

Der Sozialismus ist schön – in der Theorie

Die mangelhafte Verankerung der EU-Parlamentarier in den Hierarchieebenen „Gemeinde“ oder „Land“ lässt konkretere Wahlaussagen jedoch kaum zu. Wo es um das „große Ganze“ geht, ist vom „kleinen Individuum“ nichts mehr zu sehen. Da müssen platte Sprüche aushelfen. Die Barleys, Beers und Webers beraten später ja nicht nur die Belange ihres Landes, sondern die „der Europäer“, was eine sehr fluide Quersumme aus polnischem Kohlekumpel, Berliner Kebabverkäufer, französischem Ziegenzüchter und maltesischem Reeder ist. Die schöne Theorie ist, dass es eine Politik geben kann, die deren sämtliche Interessen zu einem sinnvollen Ganzen bündeln kann. Die hässliche Praxis fragt, warum es so etwas überhaupt geben sollte.

Hass macht hässlich“, polterte MdB Johannes Kahrs in Richtung des politischen Gegners, und das sogenannte „Zentrum für politische Schönheit“ sorgt mit medial gut inszenierten Aktionen für die richtige pädagogische Grundstimmung. Aber wer legt eigentlich fest, was als schön empfunden wird? Physiker mögen offenbar keine Zahlen ohne Einheiten, keine Unendlichkeit und andere „unelegante“ Dinge. Viele Politiker mögen offenbar keine gesellschaftlichen Prozesse, die gänzlich ohne ihr Zutun ablaufen. Als hässlich wird deshalb gern der Kapitalismus dargestellt, schon weil er mit so verdammt wenigen Regeln auskommt, die man noch nicht einmal kennen muss, um sie instinktiv zu erfassen und am System zu partizipieren.

Um wie vieles schöner erscheint da der theoretisch mächtig unterfütterte Sozialismus, in dessen Propaganda wir all die abstrakten Schlagworte wiederfinden, die wir auf den Plakaten zur Europawahl sehen – was natürlich ein hässlicher Zufall sein könnte. Der Kapitalismus mag nicht schön, sondern voller Fehler und Ungerechtigkeiten sein, aber im Gegensatz zum theoretisch perfekten Sozialismus funktioniert er. Selbst dann noch, wenn er mehr und mehr von politischen Gängelungen und Eingriffen überwölbt wird. Es ist leider schwer zu sagen, welche politische Umbaumaßnahme und Regulierung „die eine zu viel“ sein wird und wann das System infolgedessen zusammenbricht. Es gibt keine „tragenden Wände“, die als solche gekennzeichnet sind. Wir werden jedoch merken, dass die letzte Wand eine tragende war. Der Hammer wird in Berlin geschwungen, die Verantwortung gern nach Brüssel delegiert.

„Das Schrumpfen nichtverwalteter Lebenszonen“

Viele Politiker halten eine Gesellschaft für „schön“, wenn sie die Handlungen all ihrer Teile bis zur Ebene des Individuums nicht nur erklären, sondern herleiten und beeinflussen können. Weil dies jedoch praktisch nur begrenzt möglich ist, erklärt man sich die Weigerung einzelner Individuen entweder als Feindschaft oder als Mangel an Wissen. Feinde werden moralisch abgesondert (Populist, Nationalist, Europazerstörer, Nazi), Unwissende intensiv moralisch agitiert. So teilt sich die Welt schnell in schön und hässlich. Auf der Ebene der EU und speziell des EU-Parlaments ist es besonders leicht möglich, „schöne“ Theorien voranzutreiben, weil hier das Individuum weit weg ist und der Vergesellschaftung immer weiterer Bereiche des Lebens nicht aktiv im Weg stehen kann. Gegen die Schließung einer Schule oder den Bau einer Hochspannungsleitung kann man demonstrieren, Verantwortliche aufsuchen und Bürgerprotest organisieren. Gegen europaweit vorangetriebene gesellschaftliche Umbaumaßnahmen ist das schon erheblich schwieriger. Professor Russell Berman von der Stanford-University formuliert es in der NZZ so:

Ich meine damit [mit Vergesellschaftung] die Kollektivierung bzw. Monopolisierung der Wirtschaft, die Verrechtlichung des alltäglichen Lebens und die Politisierung des Privaten, kurzum: das Schrumpfen nichtverwalteter Lebenszonen. Erstmals seit langem macht sich eine heftige Reaktion der Bürger gegen diese verwaltete Welt bemerkbar. Was wir hier in den USA erleben, kennen Sie auch in Europa, denken Sie nur an die „gilets jaunes“ in Frankreich oder die Populisten in Italien. Gegen die Erwartungen des normierten Denkens würde ich nun eben zugespitzt sagen: Theodor Adorno, dieser Linke, ist der eigentliche Vordenker der „gilets jaunes“. Zwar war er selbst gegenüber den aktionistischen Tendenzen der Studentenbewegung höchst reserviert, doch hilft er uns diese Protestbewegung zu verstehen – als Aufschrei gegen Zentralismus, Bevormundung und ENA-Elitismus. 

Der „ENA-Elitismus”, dem Macron nun zaghaft und meiner Meinung nach zu spät zu Leibe rückt, zeigt in Frankreich im Kleinen das, was in der EU im großen Maßstab betrieben wird, nur dass sich auf europäischer Ebene die Protestbewegung erst zu bilden beginnt. Dort wird – so fürchte ich – nicht weniger in Bruch und Brand geraten als bei den Protesten der Gelbwesten in Paris. Der gleichgeschaltete EU-Wahlkampf von Links über Grün und SPD bis in die Union zur Bewahrung des Status quo und für die Beibehaltung und Vertiefung von Zentralismus und Bevormundung lassen der Phantasie wenig Raum, dass es nicht so weit kommen wird.

Ein empfundener Mangel an Schönheit ist kein Problem

Ein Sahnehäubchen auf die Indifferenz des ganzen Europa-Wahlkampfes setzte vor wenigen Tagen die FDP im hessischen Fischbachtal, wo man gleich eine universelle Wahlempfehlung für alle Parteien (außer natürlich für die Schwefelbuben von der AfD) abgab. Ja, wenn man wolle, könne man auch FDP wählen. Wichtig scheint das der FDP indes nicht zu sein. Für den weiteren Weg, den Brüssel nehmen wird, könnte sich das fatalerweise als richtige Einschätzung erweisen. Die minimal nötigen 51 Prozent zur Sicherung des Status quo werden schon noch zusammenkommen. Und auf Listenplatz zwei ihrer Partei wird Svenja Hahn, die Ulknudel vom Wählerverarschungsdienst der FDP, sicher gern an diesem Status mitstricken. Vielleicht wird sie ein Demokratie-Tutorial daraus machen. Nur für’s Protokoll: Schön ist das nicht!

Aber ist sie auch gut, diese Idee? Es ist in der Tat nicht leicht, gerade schönen Ideen die gebührende Portion an Skepsis entgegenzubringen. Viel zu leicht lässt man sich von ihnen umarmen, viel zu unkritisch heißt man sie willkommen, weil sie dem ästhetischen Empfinden schmeicheln. Massenhafte muslimische Einwanderung etwa ist etwas, das noch in keinem einzigen westlichen Land zu Integration geführt hat. Dennoch hält man eisern an der Idee der Integration fest, weil die Alternative einem Offenbarungseid gleichkäme. Auch die zweifellos schöne Idee einer gemeinsamen Währung lässt sich nur noch durch die Aushebelung aller Marktregeln aufrechterhalten. Niemand wagt es zu fragen, warum es in 3.000 Jahren Währungsgeschichte noch nie zu negativen Zinsen kam – bis die EZB dies für eine gute Idee hielt. Man bleibt der schönen Idee so lange verpflichtet, bis es richtig hässlich wird.

Man bringt auch den Mut nicht auf, die offensichtlich in der Praxis gescheiterte Idee, wirtschaftlich sehr unterschiedliche Regionen und Staaten mit Hilfe einer gemeinsamen Währung zu „harmonisieren“, für gescheitert zu erklären. Wie die Physiker aus dem Vortrag von Sabine Hossenfelder suchen auch Politiker nach Symmetrien und Harmonie, die sie unbedingt herstellen wollen. Der Mindestlohn ist eine weitere solche Symmetrie, die als angenehm empfunden wird – den möchte man nun auf europäischer Ebene erzwingen. Jeder Wunsch nach Umverteilung entspricht der imaginierten Störung einer Symmetrie und soll politisch reguliert, begradigt und verschönert werden. Das schlägt mittlerweile bis in die juristischen Begriffe durch – in Deutschland ist man diesbezüglich besonders weit. Man denke nur an das „Gute-Kita-Gesetz“ – da ist der ästhetische Anspruch bereits im Titel verankert und über Schönheit kann man bekanntlich nicht streiten.

Beinahe jedes politische Großprojekt, angefangen mit Baumaßnahmen wie S21 und Kopfnotengebern vom Kaliber „Demokratie leben!“ über gesellschaftliche Großprojekte wie die Energiewende, welche uns saubere, unschuldige Energie bescheren soll bis hin zur Klimahysterie, die eine statistische Durchschnittstemperatur zum Schönheitsideal des Planeten Erde erklärt – überall findet man Spuren dieser schlechten „Methodik der Schönheit“ und hört den Gleichschritt ihrer Postulanten. Überall werden im Namen dieser postulierten Schönheit munter alle Bereichsgrenzen bis zur individuellen Lebensführung der Bürger angegriffen und pulverisiert. Für das höhere Wohl, für die Schönheit einer Idee.

Das Fazit Hossenfelders für die Physik lautet übrigens: „Bevor Physiker versuchen ein „Problem“ zu lösen, sollten sie sicherstellen, dass es ein Problem ist. Ein empfundener Mangel an Schönheit ist kein Widerspruch und daher kein echtes Problem.“

Das gilt meiner Meinung nach ebenso für die Politik.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Roger Letschs BlogUnbesorgt“.

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Donald Adolf Murmelstein / 25.05.2019

Es mag (zunächst) schwer zu glauben sein aber das nachrömische Britannien sank tatsächlich auf ein Niveau an wirtschaftlicher Komplexität, das deutlich unter dem der vorrömischen Eisenzeit lag. Erst um 700 n. C. ging es wieder aufwärts. Der britische Archäologe Bryn Ward-Perkins schrieb in seinem 2005 veröffentlichten Buch „The Fall of Rome and the End of Civilization: „Die Römer waren vor dem Untergang genauso wie wir heute sicher, dass ihre Welt für immer im Wesentlichen unverändert bleiben würde. Sie lagen falsch. Wir wären gut beraten, nicht genauso selbstgefällig zu sein“. Seitdem sind 15 Jahre vergangen und ich bin mir nicht sicher, ob er dies heute genauso über uns „wir“ behaupten würde.

Andreas Geisenheiner / 25.05.2019

“Bevor Physiker versuchen ein „Problem“ zu lösen, sollten sie sicherstellen, dass es ein Problem ist.” Einfacher gesagt, wier haben eine Lösung (Schönheit) und suchen dafür ein Problem. Wir sind jetzt E-Autohersteller (VW)  und suchen dafür das Problem ( Klimakatastrophe). Es ist die Denkweise von Verkäufern.

Dr. Gerhard Giesemann / 25.05.2019

Schön oder nicht so schön, das liegt im Auge des Betrachters. Ünschön ist, dass es so wahnsinnig viele Leute gibt auf Erden, die da mitsalbadern können oder wollen. Halb so viele, und es wäre alles irgendwie schöner, entspannter, ökologisch verträglicher usw. Porca miseria.

Fritz Brandenstein / 25.05.2019

Neben der Kritik an dieser Vorstellung von “Schönheit” beeindruckt besonders, was Hossenfelder in den letzten 10 Minuten über die Funktionsweise des Wissenschaftsbetriebs und über den herrschenden Konformitätsdruck sagt. In diesem Lichte wird deutlich, wie zustande kommt, was heutzutage als “Klimaforschung” herumgereicht wird.

Gerhard Hotz / 25.05.2019

Das mit dem Sichgegenseitigversichern, dass man das Richtige tut oder auch denkt, ist weit verbreitet und wohl in unseren Genen begründet. Das Internet fördert diese Tendenz noch. Man sucht sich die Blogs aus, die die eigenen Urteile oder Vorurteile bestätigen. Es entstehen verschworene Gruppen. Mir scheint, auch auf diesem Blog sind verschworene Gruppen unterwegs. Gegenmittel: unbedingt auch die Zeitungen lesen, die man hasst.

Marc Blenk / 25.05.2019

Lieber Herr Letsch, in Zeiten der allgemeinen politischen Unübersichtlichkeit wächst das Bedürfnis nach Harmonie. Aber weniger bei den Bürgern (da auch) als viel ausgeprägter bei den politischen Eliten. Die Reihen schließen sich, um alte ideologische Gewissheiten krampfhaft aufrechtzuerhalten und sie womöglich bis zum Totalen auszubauen. Angriff ist der beste Weg der Verteidigung. Und je mehr die Bürger sich dagegen wehren, bis ins letzte kontrolliert und politisch vorgebildet zu werden, desto stärker werden die Bürger von ihrer Herrschaft zurechtgewiesen. Allerdings fehlen die Mittel, auch technisch.  Europa ist nicht China. Und so bleibt die schärfste Klinge eine salbadernde, sich mantrisch widergekäute Moral, die selbst zutiefst amoralisch ist und immer mehr durch sich selbst zur Lüge gezwungen wird.

Karla Kuhn / 25.05.2019

“Das Fazit Hossenfelders für die Physik lautet übrigens: „Bevor Physiker versuchen ein „Problem“ zu lösen, sollten sie sicherstellen, dass es ein Problem ist. Ein empfundener Mangel an Schönheit ist kein Widerspruch und daher kein echtes Problem.“  Als Laie kann ich Frau Hossenfelder nur gratulieren zu dieser Erkenntnis.

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