Claudia Petersen (Gastautor) / 21.02.2007 / 10:47 / 0 / Seite ausdrucken

Europa wie es lebt…

In gespannter Erwartung einer wichtigen Postsendung aus Frankreich fuehlte ich mich nach laengerem Verstreichen der mir angekuendigten Lieferungsfrist zum Handeln gezwungen. Laut listing im Web steckte der Umschlag nach einer erstaunlichen Odyssée durch die EU seit zwei Tagen in der Agentur am Zielorte fest. Begruendung: unerwartete Ereignisse. Kann man es spannender machen?

Auf einen Anruf bei der internationalen Agentur am Zielort, deren Telefonnummer auf dem Website angegeben war, antwortete allerdings eine ganz andere Firma C, die mir wiederum mitteilte, dass die urspruengliche Firma A hier vor Orte die Lieferung durch eine noch wieder andere Firma B ausfuehren liesse. Ich sollte jedoch lieber erstmal die deutsche Vertretung der Firma A in Frankfurt anrufen. Aussitôt dit, aussitôt fait. Doch wieder grosse Ueberraschung: „Wir (=Firma A) arbeiten nicht mehr mit Firma A Frankreich zusammen.“ Da meine Neugier grenzenlos (!) ist, wollte ich natuerlich der Sache etwas auf den Grund gehen, aber da war die Mitarbeiterin dann doch ueberfragt.

Sie verwies mich zurueck an die Firma (B), die vor Orte die Zulieferung haette vornehmen sollen. Nach erneutem googeln fand ich auch eine Hotline jener Firma. Am anderen Ende der Leitung befand man sich natuerlich nicht „vor Ort“, sondern „ueberregional“ in Bonn, und da konnte man mir nun auch gar nicht weiterhelfen, denn: jegliche Zusammenarbeit der Firma B mit Firma A in Frankreich wurde vehement und ganz entschieden abgestritten. Allerdings haette man wage von einem Streik der Firma B in Belgien gehoert. Man verwies mich trotzdem an eine andere Telefonnummer der Firma B vor Ort. Da wurde dann nach meiner Referenznummer geforscht, die allerdings entsprach bei ihnen einer Sendung von Shanghai nach London im Oktober, und die sei angekommen!

Inzwischen war mein Schreibtisch uebersaet mit Zetteln verschiedenster Referenznummern, Frachtbriefnummern, und soviel Telefonnummern, dass ich langsam die Uebersicht verlor.
Ich begann verzweifelt wieder von vorn, naemlich, da, wo ich als erstes angerufen hatte (Firma C). Und sieh da: es geschehen doch noch Wunder: natuerlich antwortete nicht der gleiche Mitarbeiter – es waren ja auch mindestens zwei Stunden und einige Schichtwechsel vergangen – und der fasste nun den Entschluss, mich zu retten und die Sache in die Hand zu nehmen. Zehn Minuten spaeter klingelte es an der Tuer, und ein Bote der Firma B, deren Mitarbeiterin kategorisch jegliche Zusammenarbeit mit der Firma A aus Frankreich abgestritten hatte, lieferte den sehnlich erwarteten Umschlag.

Das wollte ich nun dann doch noch triumphierend rueckmelden, aber es war natuerlich laengst jemand anderes am Telefon, der von allem nichts wusste…

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