Thomas Rietzschel / 18.03.2020 / 16:00 / 20 / Seite ausdrucken

EU und Corona. Die Visionäre lassen die Hosen runter.

Das Virus bringt es an den Tag. Mit der EU haben wir eine Niete gezogen. Wenn man den Apparat schon einmal bräuchte, schlägt er sich in die Büsche. Wer würde jetzt noch erwarten, dass sich die Corona-Gefahr von Brüssel aus eindämmen lässt? Selbst jene, die den Aufbau der europäischen Institutionen gnadenlos befeuerten, machen ihre nationalen Grenzen jetzt wieder dicht. Die Visionäre lassen die Hosen runter. Geht es ans Eingemachte, ist Schluss mit lustig. 

Unversehens erweisen sich die hochtrabenden Pläne eines grenzenlosen Kontinents als das, was sie von Anfang an waren: Sandkastenspiele großmachtsüchtiger Politiker und weltentrückter Bürokraten. Milliarden um Milliarden wurden versenkt für den Aufbau eines scheinstaatlichen Gebildes, das nun – Ironie der Geschichte – den Beweis seines Versagens antritt, gerade noch rechtzeitig, um womöglich weiteren Schaden abzuwenden. 

Nicht auszudenken, wie es uns ergehen würde, hätten sich Ursula von der Leyens Blütenträume aus dem Jahr 2012 erfüllt. Man stelle sich nur vor, es gäbe sie bereits, „die Vereinigten Staaten von Europa“, ein grenzenloses Großreich vom Mittelmeer bis zur Nordsee und vom Atlantik bis zum Donaudelta. Die Viren genössen uneingeschränkte Reisefreiheit. Keine Schlagbaum könnte die Infizierten daran hindern, die Krankheit kontinental zu verbreiten. 

Kein Gedanke an den Notfall

Nicht einmal verlangsamen ließe sich der Prozess der Ansteckung in einer EU, deren Beamte zwar wissen, was zu tun ist, um aus krummen gerade Gurken zu machen, nicht aber, welcher Vorsorge es bedarf, um für den Ausbruch einer Epidemie gewappnet zu sein. 

An den banalen Notfall wurde bisher kein Gedanke verschwendet. Jedenfalls gibt es keine Pläne, die aus der Schublade zu ziehen wären. Was zählte, war allein die schiere Größe des Europa-Dampfers. Dafür wurde Land um Land an Bord genommen. Doch je größer die Schiffe sind, desto länger ist auch der Bremsweg im Ernstfall, auch der Wendekreis. Auf den ungeplant auftauchenden Eisberg treiben sie hoffnungslos zu, indes die kleineren Schiffe manövrierfähig genug sind, dem Verhängnis auszuweichen. Kleinere Havarien können sie überstehen, indem sie die Schotten dicht machen.

Wenn es eine politische Lehre gibt, die sich schon heute aus der Infektion Europas mit dem Corona-Virus ziehen lässt, dann ist es die der Rückbesinnung der Länder auf sich selbst. Denn nur Staaten, die noch in der Lage sind, sich abzugrenzen, können auch Gefahren begegnen, die ihren Bürgern von außen drohen. Ein Europa ohne Schlagbäume für den Notfall mag den Ansprüchen einer wohlstandsverwöhnten Reisegesellschaft entsprechen, realistische Perspektiven eröffnet es nicht, erst recht nicht in den Zeiten des globalen Virenverkehrs. Auf die Sandkastenspiele der EU ist länger kein Verlass. Der Turmbau zu Brüssel wankt. Das Virus nimmt die Bauherren als Geiseln.

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Leserpost

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Dr. Ralph Buitoni / 18.03.2020

@Marc van Bruxelles - da fragen Sie so keck: “Grenzen schließen verhindern Virenausbreitungen?” Da antworte ich ganz platt: Ja, das tut es. Warum? Weil Viren nicht einfach durch die Luft fliegen, sondern auf und in infizierten Menschen wandern. Darum. Das hat sich bis Bruxelles vermutlich noch nicht herumgesprochen. Genauso wenig wie, dass Grenzen schließen und Quarantäne verordnen zu DEN klassischen Maßnahmen zur Epidemienbekämpfung seit je zählen. Von der Pest über die Cholera bis zur Influenza. Hat man im geschichtslosen Bruxelles vermutlich noch nie was von gehört. Dass Polen noch vor Deutschland die Grenzen schloss mag aus Ihrer Perspektive ja durch die von Ihresgleichen angenommene natürliche höhere Virenresistenz der germanischen Herrenrasse gegenüber den slawischen Untermenschen logisch erscheinen. Der europäische Durchschnittsbürger würde dies dagegen eher als Indiz der totalen Verblödung der deutschen Politik und Gesellschaft interpretieren. Und was Ihren jünglingshaften (oder sollte man eher sagen: puerilen) Einwand betrifft, “dass die EU-Verträge gar keine supranationale Kompetenz in Gesundheitsfragen vorsehen”, so sei Ihrer Pimpfgeneration neuer Quexe versichert, dass eine EURO-Rettung durch die EU-Verträge nicht nur nicht vorgesehen, sondern sogar ausdrücklich verboten war. Hat sich anno 2008 folgende keine Sau in Bruxelles drum geschert. Aber da gings ja auch um den Geld- und Spesenbeutel der eigenen Kumpels, mit denen man zusammen jede Woche in der Petit Rue des Bouchers den Hummer und den Seeteufel reinspachtelt.

Peter Holschke / 18.03.2020

Alle Wetten sind ungültig. Virus hin Virus her, es ist Sand ins Getriebe geraten. Das System reagiert mit Zeitverzögerung, bis das Vertrauen komplett einbricht. Es werden keine Autos gebaut, keine Schiffe usw. niemand wird jetzt was anschaffen, was über das Überleben hinaus geht. Damit ist einer Wirtschaft die Grundlage entzogen. Statt jetzt zu agieren, sind die Behörden im Homeoffice und verpassen die Chancen zu einer Gegensteuerung,  Die Großlager werden noch abverkauft, dann kommt der Crash. Die Lieferländer haben ähnliche Probleme und werden nicht nachliefern. Es scheint tatsächlich so, dass die Regierung aus Schwätzern und Traumtänzern besteht, unfährig den Grad ihrer Selbsttäuschung zu erkennen. Gute Nacht.

Peter Wachter / 18.03.2020

Aktuelle Verkehrslage an der Genze von Polen nach Irrland: 60km. Voraussichtliche Wart!ezeit 2 Tage/48h, bitte umfahren sie den Stau weitläufig!

Reinhold Schmidt / 18.03.2020

@Peter Holschke: Frau Künasts Bemühungen erzielen schon erste Erfolge. Quelle Indymedia: “...geht in kontakt mit menschen, mit denen ihr in der regel eher nicht redet. offnet die türen eurer projekte. macht notküchen. organisiert flashmobs. aufstände. plünderungen. ..... geht sprayen. sabotiert, wo es weh tut. scheut nicht die zusammenarbeit mit bürgerlichen menschen….. öffentliche strukturen wie die Il sind dringend aufgefordert im öffentlichen raum demonstrationsverbote zu umgehen…” Fragen?

Marc Blenk / 18.03.2020

Lieber Herr Rietzschel, Corona 2020 ist eine Zäsur wie Merkels Grenzöffnung 2015. Corona ist ein Globalisierungsphämonen, das eben die Grenzen der Globalisierung aufzeigt. Nun gilt es daraus zu lernen. Das fängt schon mal damit an, dass man die Erzeugung von Medikamenten nicht nach China auslagern sollte. Gewachsene Strukturen einzelner Länder bringen es, auch deshalb, weil sie mit den jeweiligen Mentalitäten abgestimmt sind. Die EU könnte im Hintergrund für Koordinierung sorgen, ganz ohne Billionen Euro - Wolkenkuckucksheim einer von der Leyen, die nun zugibt, die EU hätte den Virus unterschätzt. Und bitte auch ohne einen demokratisch nullkommanull legitimierten EUGH. Der globalistischen 2015er Open Border Party dürfte nun der Kater folgen. Welcher Politiker möchte jetzt noch damit in Verbindung gebracht werden? Die trinken jetzt alle eine Bloody Mary und versuchen sich ab sofort im Helmut Schmidt - Ähnlichkeitswettbewerb. Nur wirkt das peinlich, weil ihnen dazu das Format fehlt. Vom Gesinnungsethiker zum Verantwortungsethiker wird jetzt der Standard Tulup der Politik werden. Mal sehen, wer sich in die neue Ära rüber retten kann. Wird das Geld knapp, werden die meisten die gekommen sind, um für immer zu bleiben, eben doch wieder gehen müssen. Und die Ambition der Deindustrialisierung, die vor ein paar Wochen noch für viele Träumer ein verlockendes Angebot war, zeigt jetzt ihre existenzbedrohende Fratze. Man spuckt nicht auf den Boden und man ehre all das, was uns ein Leben in Wohlstand ermöglicht. Und man ehre die Freiheit, vor allem die Freiheit. Die Dekadenz bekommt gerade ihre Grenzen aufgezeigt. Grenzen sind etwas wichtiges. Mental und real. Nicht immer und überall, aber sie sind Grundvoraussetzung unserer Zivilisation und Kultur in einem Meer von undemokratischer tyrannischer Roheit.

Edgar Timm / 18.03.2020

“An den banalen Notfall wurde bisher kein Gedanke verschwendet. Jedenfalls gibt es keine Pläne, die aus der Schublade zu ziehen wären. Was zählte, war allein die schiere Größe des Europa-Dampfers.” Genauso ist es mit dem zu erwartenden Blackout. Als ich seinerzeit schrieb:  “Scheitert die Energiewende, dann scheitert Europa”  und es damit begründete, dass unsere Nachbarn die Grenzen dicht machen, wenn hungernde und frierende Gestalten aus deutschen Landen ihre Heimat besetzen wollen, wurde ich von nicht wenigen ausgelacht. Die letzten Tage haben gezeigt, dass ich richtig lag.

Marc van Bruxelles / 18.03.2020

Na, da hat der Author aber einen Lauf gehabt. Die böse EU ... dieser Tage sind unsäglich viele Hobby-Virologen unterwegs. Grenzschliessungen stoppen also die Virenausbreitung, hm? Und warum hat Deutschland erst reagiert, als Polen bereits die Grenze geschlossen hatte? Dumm auch, dass die EU-Verträge gar keine supranationale Kompetenz in Gesundheitsfragen vorsehen. Schön dem Nationalismus gefrönt, ansonsten Thema verfehlt, setzen, sechs.

Hartmut Bartmuß / 18.03.2020

Die Lage seemännisch gut beschrieben und ausgedrückt. Weiter so und z.Zt. immer “Klar bei Anker”.

J. Pomer / 18.03.2020

Na ja, wenn das der Elmar Brok liess, dann könnte er ganz, ganz schön böse werden.

Karsten Mahncke / 18.03.2020

Ich fürchte, diese Schraube lässt sich nicht zurückdrehen. Es geht mittlerweile ja nur noch darum, die sehr gut bezahlten EU-Posten nicht zu verlieren. Da haben die Beamten in Brüssel kein Interesse an irgendeiner Eigenständigkeit der Nationalstaaten. Helfen kann nur, wenn in weiteren Ländern die Menschen Referenden erzwingen. Für Deutschland sehe ich da allerdings Schwarz.

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