News-Redaktion / 22.10.2019 / 16:30 / 0 / Seite ausdrucken

EU finanziert dubiosen Islamophobie-Pranger

Das „Oberösterreichische Volksblatt“ macht in einem aktuellen Bericht auf eine Art „Islamophobie-Pranger“ aufmerksam, der von einem österreichischen Wissenschaftler und einer regierungstreuen türkischen Denkfabrik herausgegeben und größtenteils aus EU-Geldern finanziert wurde.

Nach Angaben des „Volksblatts“ wurde kürzlich der 848-seitige „European Islamophobia Report“ veröffentlicht. Verfasser seien der Politologe Farid Hafez, Privatdozent an der Uni Salzburg, und Enes Bayrakli vom türkischen SETA-Institut. Letzteres präsentiert sich zwar als unabhängige, überparteiliche Denkfabrik. Laut „Volksblatt“ steht es aber der türkischen Regierung nahe. Für diese Behauptung spricht die Tatsache, dass der „Generalkoordinator“ von SETA, Burhanettin Duran, auf Twitter die von Präsident Erdogan in Nordsyrien eingeleitete „Operation Friedensquelle“ bejubelt und für Erdogans englischsprachige Propagandazeitung „Daily Sabah“ schreibt.

In dem Report tauchten Rechtextremisten und Vertreter rassistischer Thesen auf, aber auch Personen aus dem Umfeld des sogenannten Reform-Islams wie der österreichische Theologe Mouhanad Khorchide oder die Berliner Imamin Seyran Ates. Letztere werde in dem Report sogar als „eine der zentralen Figuren im islamophoben Netzwerk“ bezeichnet. Außerdem gelistet werde die Wiener Politologin Nina Scholz. Sie werde in dem Report als „islamophob“ gebrandmarkt, da sie das Kopftuchverbot in Volksschulen verteidigt und zusammen mit dem (ebenfalls gelisteten) Islamismusexperten Heiko Heinisch das Buch „Alles für Allah – Wie der politische Islam unsere Gesellschaft verändert“ verfasst habe. Auch das „Volksblatt“ selbst hat nach eigenen Angaben einen Eintrag im Report, da ein Autor ein Kopftuchverbot für Lehrerinnen befürwortet habe.

Laut „Volksblatt“ hat Co-Autor Hafez angegeben, dass er nicht genau wisse, wie viel europäisches Steuergeld in das Projekt geflossen sei. „Der Großteil“ sei jedenfalls von der EU finanziert worden. Nach Angaben der Zeitung hat Lukas Mandl, Europaabgeordneter der Österreichischen Volkspartei (ÖVP), die EU-Kommission um nähere Informationen zur Finanzierung des European Islamophobia Report gebeten.

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