In Zeiten wo der schnöde Mammon sich als äußerst flüchtige Größe erweist, wächst naturgemäß der Wunsch nach bleibenden Werten. Die einen wollen ihre Euros durch den Kauf einer Immobilie retten, die anderen überlegen den Umtausch in Schweizer Franken, wieder andere legen sich einen Goldvorrat zu. Und dann gibt es noch die, die obendrein der Menschheit und dem Planeten etwas Gutes tun wollen und sich für eine so genannte „nachhaltige“ Geldanlage entscheiden.
Seit einigen Jahren haben sich zahlreiche Anlageberater darauf spezialisiert Aktien oder Wertpapiere in entsprechende Depots zu legen, die angeblich nicht nur auf die Rendite schielen, sondern auch den ökologischen und sozialen Fortschritt befördern. Dafür gibt es Kriterien, die mitunter allerdings etwas verwundern. So schließt beispielsweise die auf solche Anlagen spezialisierte Schweizer Privatbank Vontobel Anlagen aus, die etwas mit „Atomkraft, Gentechnik in der Landwirtschaft, Waffen, Tabak, Alkohol, Pornographie oder groben Verletzungen der Arbeits- und Menschenrechte“ zu tun haben. Eine bizarre Zusammenstellung. Grüne Gentechnik wird von fast allen internationalen Landwirtschaftsexperten als wichtige Option für die künftige Ernährung der Menschheit betrachtet. Und hat die Atomenergie nicht auch gewisse Verdienste, in der Bundesrepublik beispielsweise eine seit Jahrzehnten in jeder Hinsicht sichere Stromversorgung?
Das kleine Beispiel zeigt: Die „nachhaltigen“ Ratings entspringen nicht etwa einer sachlichen ökologischen oder sozialen Analyse, sondern werden von ideologischen Vorlieben bestimmt. Banker, die ja schon bei der Beurteilung konventioneller Investments gescheitert sind, schwingen sich nun auch noch zu ethischen Schiedsrichtern auf. Übrig bleibt nur noch Voodoo.
Doch fauler Zauber kann sich schnell in Luft auflösen. Das zeigen einstige Lieblinge ethischer Investoren wie der amerikanische Energiekonzern Enron. Dessen Führungsriege redete wunderbar grün daher und fälschte derweil munter die Bilanzen. Enron ging Pleite, war also eindeutig kein nachhaltiges Unternehmen. Auch der Ölkonzern BP wanderte als „Klassenbester“ unter den Ölkonzernen in viele nachhaltige Depots. Dafür reichte ein grünes Mäntelchen und die Umtaufe von „British Petroleum“ in „Beyond Petroleum“. Die zahlreichen Störfälle des Unternehmens, die nun in der Verschmutzung des Golfs von Mexiko gipfeln, wurden ausgeblendet.
Aber sollte man nicht ohnehin besser in Solar- und Windkraft-Unternehmen investieren? „Es besteht bei staatlicher Unterstützung immer die Gefahr, dass Innovationen gestützt werden, die wirtschaftlich eigentlich nicht überlebensfähig sind. Der Absturz könnte deshalb umso größer sein“, sagt der Ökonom Thorsten Henz. Der größte Subventionsgeber für Solaranlagen ist neben Deutschland übrigens Spanien. Mal sehen wie nachhaltig diese sonnigen Investments sind. Die nächste Blase die platzt, könnte eine ethische sein.
Erschienen in DIE WELT am 17.Mai 2010