Henryk M. Broder / 30.05.2009 / 15:50 / 0 / Seite ausdrucken

Eten & Genieten 7

Ein Gottesacker, der „Beit ha’Haim“ (Haus des Lebens) heisst, weckt Erwartungen, die er nicht erfüllen kann. Der alte sephardische Friedhof von Curacao liegt am Rande einer riesigen Raffinerie, um die herum Willemstad, die Haupstadt der Insel, gebaut ist. Das hölzerne Tor steht weit offen, als würde dahinter eine Party stattfinden, aber auch ein Friedhof könnte nicht toter sein. Hinter den Gräbern zischt und dampft die Raffinerie, in der Luft liegt ein ätzender Geruch. Man mag niemand wünschen, hier begraben zu liegen. http://www.youtube.com/watch?v=uszBhn6IljE

Uns ist nach wirklichem Leben zumute. Wir fahren über die Ringstraße Richtung Norden in den Ortsteil Santa Maria, nicht die beste Gegend von Willemstad, aber sehr authentisch. Kurz vor dem Flughafen biegen wir rechts ab und stehen vor einem gigantischen Billboard. Willkommen im Campo Alegre!

Auf den ersten Blick könnte es der Teil eines Uni-Campus sein, in dem die Studenten wohnen – oder das Gästehaus eines Kibbutz. Bunt angestrichene Bungalows stehen zwischen Palmen und Kakteen, den Mittelpunkt der weitläufigen und peinlich sauberen Anlage bildet ein „Clubhaus“ mit einer Cafeteria, einer Bar, Billard- und Tischfussballtischen. Nicht ganz ins Bild passt ein Geschäft für Unterwäsche, in dem extrem scharfe Bras und Panties angeboten werden. Es ist fünf Uhr nachmittags, früher Morgen im Campo Alegre. Außer uns ist kaum jemand da. Nur ein paar junge Frauen schlurfen über das Gelände, wie Dortmunder Rentner an Aschermittwoch.

Campo Alegre ist der größte Puff der Karibik. Zur Zeit, sagt die Barfrau, sind nur etwa 90 der 150 Zimmer besetzt, aber wenn die Hochsaison losgeht, ist auch das Campo ausgebucht. Es liegt sehr günstig, direkt am Flughafen Hato. Es gibt Kunden, die fliegen ein, bleiben eine Woche und reisen wieder ab. Der Eintritt kostet sechs Dollar, alle übrigen Preise werden ausgehandelt. Am Freitagabend gibt es einen Wet-T-Shirt-Contest und eine Open-Air-Disco. Leider gibt es keinen Souvenirladen, nicht einmal Postkarten. „Wish, you were here!“ wäre ein schöner Gruss, über den sich die Daheimgebliebenen sicher freuen würden.
http://www.campocuracao.com/
http://www.janera.com/janera_words.php?id=129
http://books.google.de/books?id=_tf6l9B7v2gC&pg=PA207&lpg=PA207&dq=campo+alegre+curacao&source=bl&ots=qeVsx3DGgC&sig=yL_u_O__ACwNgerahK0

PS: Was ich beinah vergessen hätte: Die nächste Jahreskonferenz der Weisen von Zion wird in Caracas stattfinden, auf Einladung von Hugo Chavez. Er scheint es wirklich nötig zu haben.

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