In der NDR2-Sendung „Moment mal“ am Gründonnerstag 2023 ließ Pastoralreferentin Anna Elisabeth Rolfes die Hörer wissen, Jesus habe sich mit seinen Jüngerinnen und Jüngern zu einem letzten Abendmahl getroffen. NDR1 dagegen machte sich Sorgen um Hunde und Hündinnen, die von ihren Besitzern ausgesetzt werden, und in einem Vorbericht zum letzten Superbowl, dem Endspiel der US-amerikanischen National Football League, spekulierte ein ARD-Reporter über Verletzungen bei den Spielern und Spielerinnen. Oder die Tagesschau deutet an, dass ihrer Meinung nach auch Männer Kinder kriegen können: „Der Partner oder die Partnerin der entbindenden Person soll künftig zwei Wochen nach der Geburt freigestellt werden.“ So kommentierte sie 2023 das geplante „Familienstartzeitgesetz“.
Dieser Genderwahn im ÖRR hat ein Geburtsdatum: den 5. Januar 2020. „Jetzt schnallen Sie sich an“, sagt Moderator Claus Kleber im ZDF heute journal, „aber legen Sie die Prophezeiungen der Expert – schluckauf – innen bitte auf keine Goldwaage“. Diesen Schluckauf hielt er eine Zeit lang durch. Im April 2020 – die vom ÖRR angezettelte Coronapanik war gerade ausgebrochen – meldete er im ZDF heute magazin, dass „Reporter – schluckauf – innen aus Kliniken in Bayern und NRW berichten“. Parallel betrieben auch ARD-Frau Anne Will oder Klebers ZDF-Kollegin Petra Gerster diese Art von Sprachverhunzung. Dabei blieb es aber im Wesentlichen. Inzwischen traut sich niemand mehr, derart als Schießbudenfigur aufzutreten und sieht man den Genderstern vermehrt gedruckt: „Alle Passagier*innen evakuiert“, meldet etwa ZDF heute auf seiner Netzseite anlässlich eines Flugzeugunglücks am 14. März 2025 in Denver/Colorado. Oder nehmen wir die Taliban. Ein Islamistenverein, der Frauen zutiefst verachtet, sie unter die Burka zwingt und für kleinste Vergehen gegen ihre perversen Vorschriften mit brutalen Methoden bis hin zur Steinigung bestraft. Das hält das ZDF aber nicht von politischer Korrektheit ab. In einem 2021 bei Instagram veröffentlichten Video mit einem schwer bewaffneten, Islamisten-Kämpfer mittleren Alters erklärt das ZDF: „Die Islamist*innen ziehen in immer mehr afghanische Städte ein.“
Populär ist auch der Doppelpunkt: „Wegen der steigenden Zahl von Drogensüchtig:innen am #Weddinger #Leopoldplatz soll dort ab April ein #Drogenkonsummobil stehen“, meldete der rbb 2023 auf (damals noch) Twitter. Und auch die Verlaufsform der Verben ist ein beliebtes Auslassventil des Genderwahns. Das reicht von den 30.000 Wehrdienstleistenden, die laut Hallo Niedersachsen vom 13. November dieses Jahres erst noch einberufen werden sollen, über die niedrige Wahlbeteiligung bei der letzten Landtagswahl in NRW, verursacht durch die steigende Zahl der zu Hause geblieben Wählenden, bis zur erschreckenden Zahl der getöteten Radfahrenden in Berlin. Kein Wunder dass dann auf einem Badesteg an der Ostsee zu lesen ist: „Zutritt nur für Schwimmende.“
„Wenn ich mal groß bin, will ich Maurer werden“
Zirkusreif ist auch die Phobie des ÖRR vor Hauptwörtern mit dem Artikel „der“. Das reicht von der Stargästin Sandra Hüller bei den Braunschweiger Filmfestspielen 2025 über die Neutralisierung durch Beidnennung bis zu dem nur noch medizinisch erklärbaren Zwang, allein schon die Endung „er“ als Indikator eines männlichen Akteurs zu sehen (und dem durch ein angehängtes „in“ zu wehren). So war beim WDR schon des Öfteren von Krankenschwesterinnen die Rede. Moderatorin Catherine Vogel etwa meldete einen Fall in Schrotens im Landkreis Friesland, wo eine Krankenschwester Impfwilligen statt Corona-Impfstoffen Kochsalzlösung gespritzt haben sollte. O-Ton Vogel: „Bei mehr als 8.000 Menschen wurde wohl Kochsalzlösung gespritzt. Und laut Polizei könnte die Krankenschwesterin wohl Impfgegnerin sein.“
Ihr tat es Moderator Stefan Fuckert in der „Lokalzeit“ nach, dem Regionalmagazin des WDR in Südwestfalen. Diese hatte über Waldbrände nahe Lüdenscheid berichtet. Dazu hatte der Sender als Expertin die Brandmeisterin einer Löschgruppe ins Studio geladen, „Ihre Ausbildung hat sie ehrenamtlich neben ihrem eigentlichen Job gemacht,“ sagte Fuckert. „Und der ist wirklich ausfüllend. IntensivkrankenschwesterIn.“ Fuckert wie Vogel wie auch Arbeitgeber WDR geben das als Versprecher aus. Aber auf diesen Versprecher muss man doch erst mal kommen …
Den zuständigen Redakteuren würde ich gerne einmal den Lieferwagen einer Baufirma vor die Haustür parken, der kürzlich durch unsere Straße gefahren ist. Auf der Heckklappe ein kleines Mädchen, dicke blonde Zöpfe, etwa erste Volksschulklasse, mit dem Spruch: „Wenn ich mal groß bin, will ich Maurer werden.“
Dieses Mädchen hat mit 6 mehr Ahnung von deutscher Sprache und Grammatik als viele ÖRR-Redakteure mit 60. Denn sie weiß, ohne es zu wissen: das Wort Maurer ist nicht markiert. Damit ist gemeint, dass es in fast allen grammatischen Kategorien gewisse allgemeine Ausprägungen gibt. Bei den Zeitformen etwa ist es das Präsens: Wenn ich sage, „Ich liebe meine Frau“, dann habe ich sie möglicherweise gestern schon geliebt und werde sie morgen auch noch lieben. Wenn ich sage, ich liebte meine Frau, dann liebe ich sie heute nicht mehr. Denn das Imperfekt ist markiert, das Präsens aber nicht. Bei den Numera ist die Einzahl nicht markiert („Der Franzose isst gerne Käse“), und bei den Genera eben das fälschlich so genannte generische „Maskulinum“. Diese Nicht-Markiertheit und damit allgemeine Verwendbarkeit saugen Kinder ein wie die Muttermilch. Ein Junge und ein Mädchen laufen um die Wette, das Mädchen gewinnt. Was ruft sie? Erster! Auch wenn ihre Mutter Kreisvorsitzende der Grünen ist. Weil eben der Erste jede Person ist, die als erste ins Ziel kommt. Die erste dagegen ist immer eine Frau.
„Eine eindeutige Präferenz pro Gendern zu erkennen“
Aber Wissenschaft ist das eine, Ideologie das andere. Und was von beiden beim ÖRR letztendlich zählt, ist eine rein rhetorische Frage. Wenn also im Morgenprogramm von WDR2 am 24. April 2024 kurz vor 9:00 Uhr von der Suche nach einer männlichen Sekretärin die Rede ist, war das ein mehr als plumper Versuch, entgegen allen Grundsätzen der deutschen Grammatik das Femininum als nicht markiert zu etablieren.
In der Welt vom 22. März 2024 stellen deshalb der Germanist und Musiker Fabian Payr sowie der Psychologe Stefan Beher dem ÖRR ein vernichtendes Gender-Zeugnis aus: In der aktuellen Genderdebatte unterstützten die ÖRR-Anstalten ganz massiv die Genderlobby; die Mehrheit der Bevölkerung, auch die Mehrheit der etablierten Sprachwissenschaft, die diesen Verirrungen einer ideologisch und nicht wissenschaftlich getriebenen Zwangsbeglückerclique eher skeptisch gegenüberstehen, kämen kaum zu Wort. „Bei vielen der von uns analysierten Sendungen war eine eindeutige Präferenz pro Gendern zu erkennen“ schreiben Payr und Beher:
„Es drängt sich daher der Eindruck auf, die Sender versuchten, mit diesen Beiträgen vorrangig die eigene Sprachpraxis zu legitimieren, zu der sie sich ja auch selbst explizit bekennen.“ Diese Unausgewogenheit in der Darstellung manifestiere sich auf fünf Ebenen: 1) Gender-Befürworter erhielten in vielen Sendungen einen deutlich größeren Redeanteil als Genderkritiker. 2) Die konsultierten Experten stammten schwerpunktmäßig aus dem Lager der Befürworter. 3) Würde auf Forschung Bezug genommen, so vorrangig aus den Bereichen der Psycho- oder Genderlinguistik. 4) Die Auswahl der Gesprächspartner bilde die Positionen in der kontroversen Debatte und deren Zustimmungsraten in der Bevölkerung nicht ab. 5) Oft würde die Pro-Position in aller Breite dargestellt, die Kontra-Argumente erhalten hingegen nur wenig Raum. Nicht selten würde auf diese auch ganz verzichtet und Genderkritiker als reaktionär, rückständig, schrullig oder frauenfeindlich dargestellt.“
Der Beitrag „Gendern – Wahn oder Wissenschaft?“ aus der Reihe „Leschs Kosmos“ vom 5. Oktober 2020 dokumentiert diese ÖRR-weite Voreingenommenheit auf besonders deutliche Weise. Zunächst bezeichnet Lesch im Einklang mit dem Rest der Genderlobby das generische Maskulinum terminologisch falsch als „männliche Form“ und verwischt damit den fundamentalen Unterschied von Genus (grammatisches Geschlecht) und Sexus (biologisches Geschlecht.) Dabei beruft er sich auf die Studie „Effekte des generischen Maskulinums und alternativer Sprachformen auf den gedanklichen Einbezug von Frauen“ von Stahlberg und Sczesny aus dem Jahr 2001. Studien dieser Art sind experimentelle Psychologie und verkennen, dass sich die Bedeutung von Wörtern und Sätzen vor allem aus ihrem Gebrauch in der Sprache ergibt. Diese Kontextbindung, die zur Unterscheidung eines generischen von einem spezifischen Maskulinum entscheidend ist, wird dabei in wissenschaftlich unzulässiger Weise ausgeblendet. Und Kritik an den Thesen der Genderbefürworter fällt bei Lesch vollständig unter den Tisch. „Was hier als aktueller Stand der Wissenschaft präsentiert wird, ist lediglich ein selektiver Beitrag aus dem durchaus umstrittenen Bereich der psycholinguistischen Forschung, über deren Relevanz für den Sprachgebrauch und Gleichberechtigungsfragen man außerdem noch streiten kann.“
Gendern für Kleinkinder
Oder nehmen wir die ZDF-Sendung „Krieg der Sternchen“ vom Oktober 2022 zu einem Anti-Gender-Aufruf von 30 Sprachwissenschaftlern und Philologen. Obwohl dieser Aufruf Thema und Anlass der Sendung war, wurde ihm nur eine minimale Sendezeit zugebilligt, die nur einen Bruchteil dessen ausmachte, was den Befürwortern der Gendersprache gewährt wurde. Fabian Payr, der Initiator, der sich als Germanist und Romanist in zwei Sprachen durch akademische Examina qualifiziert hat, wurde als „Musiker“ bezeichnet und ihm damit – unterschwellig eine auch noch durch Bilder betonte – mangelnde Kompetenz unterstellt. Payr wurde in idyllischer Kulisse mit Bach und Feld-Wald-Wiesen-Romantik gezeigt, sein Antipode Stefanowitsch vor einer Bücherwand. Die Bilder sprechen für sich und sollen sagen: Hier ein – zugegeben engagierter – Laie, dort ein ernst zu nehmender Wissenschaftler.
Diese Pro-Gendern-Propaganda des ÖRR macht auch vor Kindern nicht halt. In der WDR-Sendung „Wissen macht Ah!“ vom 18. Februar 2023 wird unverhohlen und skrupellos schon Kleinkindern die Gendersprache eingebläut. Eine Astronomin Esther entdeckt mit ihrem Teleskop einen sprechenden Genderstern mit lila Perücke am Himmel, der den Kindern begeistert die Vorzüge des Genderns erläutert: Neben Männern und Frauen könne er auch „nichtbinäre Personen“ (verkörpert durch eine Schauspielerin in Latzhosen) bezeichnen. So hat man nebenbei auch noch die im ÖRR so angesagte Geschlechtervielfalt in die Kinderzimmer transportiert.
Selbst vor einer offenen Fälschung von Texten im Sinne der Gendergerechtigkeit schreckt man im ÖRR nicht zurück. Auf Instagram war einem Nutzer aufgefallen, dass auf der Seite @wirsindmainz (die zum Sender DASDING des SWR gehört) die Untertitel gegendert waren, obwohl der Interviewte gar nicht gegendert hatte. Der Nutzer @jeanvansta sowie der Verein Deutsche Sprache (VDS) stellten das auf Twitter online. @jeanvansta fragte zusätzlich auf Instagram, wieso gegendert werden sollte. Erst gab es ein „Hü“ seitens der Redaktion: „Alles ok, das sei so üblich.“ Dann, nachdem die SWR-Pressestelle zugegeben hatte, dass hier ein Fehler unterlaufen war, kam auf Instagram das „Hott“: „Ach blöd, menno, da haben wir nicht korrekt gehandelt.“ Auf die Programmbeschwerde des VDS antwortete der SWR: „Die Nachricht von @jeanvansta über den Instagram Kanal war die einzige, die vor Veröffentlichung des Artikels in der BILD-Zeitung zu dem Video eingegangen ist. Zu diesem Zeitpunkt war tatsächlich noch keine gemeinsame Linie abgestimmt. Vielmehr antwortete das Mainzer Team, das das Video verantwortet hat, aber noch nicht in dem Bewusstsein war, einen Fehler gemacht zu haben. Nach der internen Abstimmung haben wir @jeanvansta eine aufrichtige Entschuldigung geschickt, die ich hier nur wiederholen kann. Auch aus diesem Vorgang hat das DASDING-Team gelernt, dass auch in digitalen Zeiten eine Antwort lieber etwas später, dafür aber abgestimmt erstellt werden sollte ….“
Interessant zu erfahren, dass das Team sich nicht bewusst war, einen Fehler gemacht zu haben.

Es gibt in unserer schönen Deutschen Sprache viele Wörter, die sich erfolgreich der Genderitis (oder ist es schon eine Genderose) widersetzen.
Zum Beispiel der Gernegroß, der Dreikäsehoch, der Naseweis, die Schreckschraube, die Heulsuse. Suchen sie in ihrem Wortschatz, und sie werden noch viele dieser Widerständler finden.
Bemerkenswert, dass die Endung ‚-in‘ sprachgeschichtlich nicht für ein autonom agierendes weibliches Individuum, sondern für die-Frau-von steht. So heißt es z.B. im original ‚Klavierbüchlein der Anna Magdalena Bachin‘ (also der Frau des Johann Sebastian Bach). Die Bäckerin war die Frau des Bäckers, nicht eine Frau, die einem eigenen Back-Betrieb vorstand. Insofern wäre es hinsichtlich der angeblich gewünschten Geschlechtergerechtigkeit in der Sprache viel logischer auf das ‚-in‘ gänzlich zu verzichten. So hat man es in der DDR gemacht und das scheint mir – pardon – eigentlich viel logischer; da war man als Frau Lokführer. Oder Staatsratsvorsitzender.
Dieser Beitrag verschafft mir endlich Klarheit darüber, warum die Medien ihre Kunden in Form von Lesern, Hörern und Sehern so katastrophal schlecht informieren. Die sind alle!!! mit geradezu fanatischem Feuereifer damit beschäftigt, alles in irgendeine Genderform zu bringen. Dem muss eben alles untergeordnet werden, schließlich ist Zeit Geld! Zeit und Geld? Verdammt, wie kann man das nur gendern?
Wenn man Politik Stümpern, wenn man Kultur Analphabeten, wenn man Wirtschaft geitig Behinderten überläßt, dann weiß man, auch ohne Ansage, man ist in Deutschland. Letztlich jedoch ist es nur ein Abbild der Bevölkerung.
Öreli, zwangsfinanziert, ist in meinen Augen jedes Wort eines zuviel.
Hae aber gestern todesmutig die Medien meiner Studi-Zeit angeklickt: Frankfurter Rundschau, Stern, Zeit.
Das tat sprachlich richtig wehe. Inhaltlich, es ging ua um arme Flüchtlinge, denen immer die Arbeitserlaubnis verwehrt wird, nur weil sie ihren Pass „verloren“ haben, ohnehin.
Ruhigen Sonntag den Lesenden.Innen, aua… .
Die Tatsache, dass der ÖRR gendert, obwohl eine große Mehrheit der Bevölkerung dagegen ist, zeigt einmal mehr, dass es denen nicht um Information geht, sondern um Erziehung.Mein Favorit der letzten Zeit war übrigens „Polizeitauchende“.
@Alex Gojowy: Da haben Sie aber diesen „Genderfetischisten“ eine harte Nuss zum Knacken serviert. Es werden jetzt einige den Rest ihres Lebens damit verbringen, Ihnen das Gegenteil zu beweisen ;-).