1984 ist wieder ganz oben

Von Herbert Ammon.

Die Bundes- und Weltläufe fordern zu Fragen heraus. Letzte Nachricht: Stockholm. Wie fällt die Osterbotschaft in Schwedens bunter Ex-Staatskirche aus? Sollten die in apostolischer Sukzession in Bischofsämter eingerückten Damen nicht Verständnis für irregeleitete interkulturelle Aktivisten zeigen?

Wer hat dem nach eigenen Worten höchst flexiblen Trump die Erleuchtung gegeben, - nein, die innerste Überzeugung gebracht - der mörderische Gasangriff in Syrien gehe auf das Konto von Assad, der hätte jetzt nicht nur eine rote Linie, sondern noch viel mehr Linien überschritten? Der IS? Die Al-Nusra-Front oder wie diese Truppe gerade heißt? Die alten Neocons? Erdogan? Die CIA? G.W. Bush? Hillary Clinton? Netanjahu? Weeß keener. – Immerhin hat sich Trump jetzt als moralisch sensibler, verantwortungsbewusster Führer der Freien Welt erwiesen. Da können auch seine Intimfeinde,  die global weltverbessernden liberals, nicht mehr meckern. Vielleicht jetzt, nach der FAZ, entdeckt auch Tante Zeit liebenswerte Züge an Trump? Dazu auch Göring-Eckardt. Nicht aber Trittin.

Merkel findet den Militärschlag o.k.. Von Steinmeier, der im Herbst 2016 Trump noch für einen "Hassprediger" hielt, ist – nunmehr im neuen Amt – noch nichts zu hören. Gauck hätte über die Grenzen der Friedensliebe unter veränderten Umständen gesprochen, ganz der Pastor. -  Aber hat Trump auch bedacht, wie sein im Wahlkampf als Geschäftspartner empfohlener Putin auf den Raketenschlag reagiert? Kommt´s jetzt noch zu einem "Deal" über Syrien, und überhaupt? Sollte er´s jetzt nicht besser mit China versuchen? Oder besser Nordkoreas Baby Kim eins überziehen?

Warum sich um die Dinge sorgen, die man ohnehin nicht ändern kann? Wenden wir uns lieber unsrer res publica zu: Sie wird immer demokratischer, freiheitlicher. Auch dazu gibt´s keine Alternative. Heiko Maas – einst Oskars Ziehsohn aus dem Saarland – sorgt sich um die Freiheit. Deshalb hat er – haste nicht gesehen –  ein Gesetz gegen hate speech und alles, was dazu gehört, auf den Weg gebracht: Spätestens nach 24 Stunden soll – bei zusätzlich deftiger Strafbemessung für die Schuldigen – alles von der demokratischen Inspektionsbehörde vom Netz entfernt werden, was den Maasschen und Merkelschen Maßstäben nicht entspricht.

In den Bestseller-Listen von "Spiegel" und "Amazon" – längst viel wichtiger und mächtiger – steht "1984" seit Wochen ganz oben. Das ist doch wenigstens mal ne gute Nachricht.   

Herbert Ammon ist Historiker und politischer Publizist. In den 1980er Jahren engagierte er sich in der damaligen Friedensbewegung. Er ist insbesondere mit dem Buch „Die Linke und die nationale Frage“ bekannt geworden, das er zusammen mit Peter Brandt herausgab. Ammon ist Mitgründer und Mitglied im Kuratorium der Deutschen Gesellschaft e. V.. Sein Blog „Unz(w)eitgemäße Betrachtungen“ erscheint als Kolumne in „Globkult“.

Foto: Santeri Viinamäki CC-BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

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