Gastautor / 10.01.2020 / 15:00 / Foto: Pixabay / 9 / Seite ausdrucken

Es nimmt kein Ende: Mythen und Fakten um das Bienensterben

Von Jon Entine.

In den letzten Monaten haben wir von Wissenschaftlern und vor allem in den Medien viel darüber gehört, dass Vögel und Bienen durch Pflanzenschutzmittel akut bedroht seien. Das meiste davon ist absolut falsch. Lassen Sie uns zuerst über die Bienen sprechen. Seit mehr als einem Jahrzehnt gibt es buchstäblich tausende von Berichten, die von den Medien verbreitet wurden und die behaupten, dass Honigbienen durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln vom Aussterben bedroht seien (hierhierhier). Der Grund? Berichte, die sich meist auf kleine Laborstudien stützen, stellen einen Hauptschuldigen heraus: eine Klasse von Insektiziden, die Neonicotinoide.

Seit Mitte der 1990er Jahre haben die Neonics, wie sie oft genannt werden, Pyrethrin und Organophosphat-Pestizide, die erwiesenermaßen Nutzinsekten töten, Wildtiere bedrohen und Gesundheitsprobleme für den Menschen darstellen, weitgehend ersetzt. Neonics stellen keine dieser Bedrohungen dar. Sie werden hauptsächlich zur Behandlung von Mais- und Sojasaatgut verwendet und werden von der Pflanze aufgenommen, um Schädlinge zu bekämpfen, die die Ernte zerstören, während die Exposition gegenüber nützlichen Arten minimiert wird.

Die Einführung der Neonics erwies sich als günstig für Landwirte und Honigbienen. Ab Mitte der 1980er Jahre begannen Landwirte auf der ganzen Welt, die europäische Honigbienen (die häufigste Nutzbiene auf der ganzen Welt außerhalb Asiens, einschließlich der Vereinigten Staaten) verwendeten, eine dramatische Invasion eines japanischen Parasiten namens Varroa destructor zu beobachten. Nach der neuesten Theorie ernähren sich die Milben von dem Fett der ausgewachsenen Bienen und der sich entwickelnden Brut, und obwohl sie nicht sofort töten, saugen sie buchstäblich das Leben aus ihnen heraus. Sie schwächen das Immunsystem der Bienen und machen sie anfälliger für Umwelteinflüsse wie extreme Kälte oder Pflanzenschutzmittel, die den gesunden Bienen nicht schaden. Varroa ist auch ein Überträger für die Erreger von mindestens fünf schweren Krankheiten, darunter RNA-Viren wie das Deformed Wing Virus (DWV).

In den 2000er Jahren hatte der tödliche Befall sich so weit verbreitet, dass nur Australien, Nordkanada sowie Teile Nordschwedens und Norwegens verschont blieben. (Asiatische Bienen, eine andere Spezies, hatten eine Immunität gegen den Blutsauger entwickelt). Auf einer interaktiven Weltkarte kann man die globale Ausbreitung der Milbe seit 1908 nachvollziehen. Innerhalb weniger Jahre nach der Einführung von Neonicotinoid-Saatgutbehandlungen wurden diese fast als Wunderinsektizid gefeiert, da sie die Gesamttoxizität des Pestizideinsatzes reduzierten und wenig oder gar keine dokumentierbaren Auswirkungen auf Nichtzielorganismen hatten. Dadurch, dass Landwirte auf der ganzen Welt schnell auf die neuen Mittel umstellten, stabilisierte sich die globale Honigbienenpopulation, obwohl der Varroa-Befall weiter anstieg.

Pflanzenschutzmittel waren es nicht

Dann kam die Krise. Ab 2006 begannen die Honigbienen in Kalifornien und den nahegelegenen Staaten in Rekordzahl zu sterben, ein unerklärliches Phänomen, das als Colony Collapse Disorder (CCD) bezeichnet wurde. Umweltaktivisten sind nicht immer für ihr Verständnis von wissenschaftlichen Nuancen bekannt, aber sie sind oft sehr geschickt darin, komplizierte Krisen auszunutzen und eine leicht verdauliche Erklärungsgeschichte zu formulieren, um eine Politik zu fördern, von der sie (manchmal fälschlicherweise) glauben, dass sie ihren ideologischen Zielen dient. Innerhalb weniger Wochen nach Berichten über die CCD-Krise begannen viele Anti-Gentech-Organisationen, GVO-Pflanzen verantwortlich zu machen, was sich natürlich als absurd unwahr erwies.

Was verursacht CCD? Es bleibt zum Teil noch ein Rätsel. Aber Forscher entdeckten historische Beispiele für CCD-ähnliche Bienensterben auf der ganzen Welt über hunderte von Jahren, lange vor der Einführung von Pestiziden. Im Jahr 2009 nahm die CCD ab und die Honigbienenpopulation wuchs wieder an (wie Abb. 1 der US-Bienenstockpopulation oben zeigt). Aber die Bienengesundheitskrise blieb in den Nachrichten, da eine seltene Serie von extrem kalten Wintern in Nordamerika und Europa die Insekten heimsuchte, auch wenn die Erholung von CCD weiter voranschritt.

Nach dem Zusammenbruch der Anti-GVO-Erzählung richteten Aktivisten ihr Feuer auf Pestizide, insbesondere auf Neonics, da sie vor allem bei Pflanzen verwendet werden, bei denen Bienen zur Bestäubung eingesetzt werden. Im Gegensatz dazu gaben die meisten Entomologen einer komplexen Kombination von Faktoren die Schuld, darunter die Verschiebung von Lebensräumen (zum Beispiel Urbanisierung), klimabedingte kältere Winter, der Transport von bestäubenden Bienen in Lastwagen und die Tatsache, dass nordamerikanische und europäische Honigbienen seit Jahren durch die Varroa-destructor-Milbe geschwächt sind. Pestizide rangierten am Ende der Liste, auf Platz „11 von 10", wie ein prominenter Entomologe sagte.

Sie stellten auch fest, dass Daten aus einem der Länder, die die meiste Menge an Insektiziden pro Hektar eingesetzt haben, nämlich Australien, die Erzählung von den bienentötenden Neonics vollständig untergraben. Australien ist ein Testfall für diese Behauptungen. Glücklicherweise hat das Land jedoch den Varroa-Befall vermieden, und seine Honigbienenpopulation ist daher trotz Insektiziden sehr robust. Die Einführung der Neonics fiel tatsächlich mit einer erhöhten landwirtschaftlichen Produktion und einer stetig wachsenden, extrem gesunden Honigbienenpopulation zusammen, deren Größe seit der Einführung der Chemikalie sogar um fast ein Drittel zugenommen hat. Wie das australische Parlament auf seiner Website dokumentiert, sind die „Honigbienenpopulationen in Australien nicht rückläufig, und Insektizide sind kein Thema von großer Bedeutung" (siehe Abb. 2 hier).

Das Aufkommen der Erzählung von den tödlichen Neonics

Trotz eines leichten Rückgangs der Zahlen für einige Jahre während der CCD-Krise haben sich die Honigbienenvölker in den USA schnell erholt und zeigen seit 2011 eine bemerkenswerte Stabilität, die sogar eine deutliche Zunahme gegenüber der Zeit vor den Neonics mit sich brachte. Aber Interessengruppen, deren Krisenerzählung von einer aggressiven Gruppe von für ihren Umweltaktivismus bekannten Wissenschaftlern verstärkt wird (Paradebeispiel ist der britische Biologieprofessor David Goulson), wollen nichts davon wissen. Sie gingen daher einer differenzierten Betrachtung der Bienengesundheits-Frage aus dem Wege und entfachten stattdessen einen Tsunami von hysteriegetriebenen Nachrichten, die dem Stand der Wissenschaft nicht gerecht wurden und zur Bewältigung einer Krise, die so komplex wie die Bienengesundheit ist, nichts beitragen.

2012 ging es in den Medien erst richtig los. Fast täglich werden wir seitdem mit apokalyptischen Berichten versorgt. Wie ich immer wieder betont habe, und wie es mittlerweile von der Washington PostSlate und fast jeder größeren Wissenschaftspublikation bestätigt wurde, droht keineswegs eine „Welt ohne Bienen", wie sie noch 2012 auf dem Titel des Time-Magazine verklündet wurde. Welch schlechter Journalismus! Die Zahl der Bienenstöcke weltweit steigt laut FAOSTAT seit 50 Jahren nahezu kontinuierlich. Es gibt heute fast 22 Millionen mehr Bienenstöcke auf der Welt als im Jahr 2000 – ein Anstieg von 31 Prozent.

Was zeigen die Studien?

In den letzten sieben Jahren gab es eine Flut von Studien über die möglichen Auswirkungen der Neonics auf Bienen. Viele kleine Zwangsernährungsstudien, die im Allgemeinen Neonics überdosiert an Bienen verfütterten, fanden verschiedene negative Auswirkungen. Keine Überraschung, sagten viele Entomologen, da die Versuche mit der realen Welt nichts zu tun hatten. Im Gegensatz dazu hat eine Vielzahl von Feldstudien mit großer Population – der „Goldstandard" der Bienenforschung – immer wieder gezeigt, dass es bei realistischer Exposition entsprechend der Verhältnisse im Freiland keine schwerwiegenden Nebenwirkungen von Neonics auf Honigbienen gibt.

Zahlreiche Nachrichtenorganisationen haben in jüngster Zeit aktivistische Behauptungen transportiert, Daten, die auf eine Zunahme der Todesfälle über den Winter hindeuten, würden zeigen, dass Honigbienen durch Chemikalien tödlich geschwächt werden. Im Durchschnitt der letzten 13 Jahre seit der CCD-Krise sind in den USA jeden Winter etwa 29 Prozent der Honigbienenvölker gestorben (hier berichtet zum Beispiel NPR, im letzten Winter sei eine „Rekordzahl von Honigbienenvölkern gestorben"; hier berichtet die New York Times von einem „besorgniserregenden [...] starken Anstieg des Todes von Honigbienen").

Ist das wieder eine durch Pflanzenschutzmittel ausgelöste Krise? Nicht, wenn man sich die Daten-Trendlinien ansieht. Wie das GLP kürzlich berichtete, belegt eine Langzeitstudie der Universität Wageningen in den Niederlanden, dass „die Zeit der alarmierend hohen Wintersterblichkeit bei Honigbienen vorbei ist" – und zwar seit 2012, also ungefähr der Zeit, als die Fehlberichterstattung begann. Seit dem kurzen Anstieg in den Jahren 2006 bis 2011, der mit brutalen Wintern und den anhaltenden Auswirkungen von CCD verbunden war, das keinen Bezug zum Pestizideinsatz hat, ist sie um die Hälfte zurückgegangen.

Das soll nicht heißen, dass der Bienenbestand in keiner Weise bedroht wäre. Aber wie ich seit Jahren im Genetic Literacy Project dokumentiere, hatte sich die globale Honigbienenpopulation bis Mitte der 1990er Jahre, als die Neonics zum ersten Mal eingeführt wurden, stabilisiert und ist seitdem auf allen Kontinenten der Welt (außer der Antarktis) konstant geblieben oder gestiegen, selbst als die Neonics bei den Landwirten an Popularität gewannen und zur am häufigsten verwendeten Klasse von Insektiziden wurden.

Spekulative Aussagen über die Gesundheit von Wildbienen

Im vergangenen Jahr machte sogar der Sierra Club – über Jahre einer der lautesten Verfechter der Erzählung vom Honigbienenarmageddon – einen Rückzieher und schrieb: „Honigbienen sind nicht gefährdet, auszusterben. Während Krankheiten, Parasiten und andere Bedrohungen für die Imker sicherlich echte Probleme darstellen, ist die Gesamtzahl der bewirtschafteten Bienenbestände weltweit im Laufe des letzten halben Jahrhunderts um 45 Prozent gestiegen.“

Kaum war die Tinte auf ihrem Rückzug aus der Honigbienenkrise trocken, widmeten sich der Sierra Club und andere Aktivisten den Wildbienen. Ohne Ironie betitelte der Sierra Club seinen schamlosen Überzeugungswandel 2018: „Wie der Honigbienen-Hype den Wildbienen schadet ". [Anmerkung der Novo-Redaktion (wo dieser Artikel vorher erschien): Der Sierra Club hatte die Krise der Honigbienen seit mehr als sechs Jahren unerbittlich vorangetrieben, bevor er sich endlich der Mainstream-Wissenschaft zuwandte].

Auf welcher Wissenschaft basiert ihr neuer Anspruch? Tatsächlich auf gar keiner, wie das GLP bereits berichtet hat, da es zu wenige glaubwürdige Daten gibt, um spekulative Aussagen über die Gesundheit von Wildbienen zu bewerten. Die führende Autorität auf dem Gebiet der Wildbienen in den USA, Sam Droege vom US Geological Survey, hat die Erzählung von der Wildbienenkrise infrage gestellt und darauf bestanden, dass die Wildbienenbestände im Allgemeinen gesund sind. Die landwirtschaftlichen Praktiken haben wahrscheinlich wenig mit den Problemen zu tun, mit denen sie konfrontiert sein könnten, sagte er. Der Grund dafür ist, dass die meisten Wildbienen weit entfernt vom Ackerland leben, und die wenigen Arten, die Nutzpflanzen bestäuben, prächtig gedeihen.

Die These, dass Pflanzenschutzmittel eine Gefahr für ... [hier bitte beliebiges Umweltthema einsetzen] darstellen, hat die Medien fest im Griff. In einem inzwischen weithin kritisierten Artikel, der Titelgeschichte „The Insect Apocalypse is Here" des New York Times Magazine von 2018 wurde fälschlicherweise behauptet, dass alle Insekten, einschließlich der Bienen, vor dem Aussterben stünden.

Nun auch noch die Vögel

Statt die Anti-Pestizid-Aktivisten zu entmutigen, haben diese verkorksten Narrative jedoch nur zu noch mehr Geschichten über drohende Umweltkatastrophen geführt, die man Neonics in die Schuhe schiebt – in einem offenbar endlosen Versuch, sie verbieten zu lassen. Hier kommen die „Vögel" ins Spiel. Ende September veröffentlichte das wissenschaftliche Team von Margaret Eng, Bridget Stutchbery und Christy Morrissey (Eng und Morrissey sind an der University of Saskatchewan tätig; Stutchbury an der York University) eine viel beachtete Studie, die behauptete, dass Neonics eine Bedrohung für die nordamerikanischen Vogelpopulationen darstellten.

Und so sah die Studie aus: Das kanadische Team fing in einem Vogelschutzgebiet am Nordufer des Lake Erie Dachsammern (eine amerikanische Singvogelart). Wenn Vögel von Neonics in der Wildnis betroffen wären, dann durch das gelegentliche Fressen von beschichtetem Saatgut, das vereinzelt auf dem Boden liegen bleibt, wenn Bauern säen. Nicht so in der Studie. Stattdessen wurden den Vögeln, wie den Bienen in den Bienenstudien, Pestizide über eine Schlundsonde zwangsverabreicht.

Sie sind mit dem Begriff nicht vertraut? Die Forscher steckten den Vögeln einen Schlauch in die Kehle und zwangen ihnen die Mischung in den Magen – was wahrscheinlich notwendig war, da Wildvögel in der Regel die Aufnahme von mit Neonics behandeltem Samen vermeiden. Vögel in der Kontrollgruppe erhielten keinen Wirkstoff, während an die anderen beiden Gruppen entweder eine mittlere (1,2 Milligramm/Kilogramm Körpergewicht) oder eine hohe (3,9 mg/kg) Dosis Imidacloprid, das erste und älteste kommerzialisierte Neonicotinoid, zwangsverfüttert wurde. Danach wurden die Vögel, mit Ortungsgeräten versehen, freigelassen.

Was ist passiert? Nur Dachsammern, die die höchste Dosis erhalten hatten, waren beeinträchtigt, und das auch nur vorübergehend. Sie hörten auf zu essen, verloren schnell an Körpergewicht und Fett, waren desorientiert und unterbrachen ihren Migrationsflug – nachdem Chemikalien durch einen Schlauch in ihren Hals und in ihren Magen gedrückt worden war. Allerdings erholten sich alle innerhalb weniger Tage nach dieser wahrscheinlich traumatisierenden Erfahrung vollständig und setzten ihre Wanderung normal fort. Daraus schlossen die Autoren, dass alle Neonics eine Bedrohung für die Vogelwelt darstellen. Sie behaupteten, dass die Insektizide die Vögel veranlassten, ihre „Futterpause" zu verlängern und ihren Zug um Tage zu verzögern, von denen sie wiederum annahmen, dass sie ausreichen könnten, um sie einer tödlichen Bedrohung in Gestalt des nahenden Winterwetters auszusetzen.

Weltuntergangsforscher manipulieren die Medien

Warum wurde diese wissenschaftlich dünne Studie zum Liebling von Aktivisten und den Medien? Hauptsächlich, weil die fragwürdigen Screenshot-Extrapolationen des Eng-Teams mit einem Bericht von Anfang Oktober unter der Überschrift „Rasender Rückgang der Vogelpopulationen" übereinstimmten, der konstatierte, dass die nordamerikanischen Vogelpopulationen stark schrumpfen würden, um 29 Prozent seit 1970. Seine Veröffentlichung wurde orchestriert, um maximale Medienhysterie zu erzeugen, so ein Bericht auf der am MIT angesiedelte Wissenschaftsmedien-Website UNDARK. Andere Journalisten haben die Aussagen in den Pressemitteilungen jedoch ohne kritische Analyse verbreitet.

Vor der Veröffentlichung der Studie meldeten die Forschungspartner die Webdomain 3billionbirds.org an, um die schlechte Botschaft weithin kundzutun. Einen passenden Hashtag gab es auch dazu: #BringBirdsBack. „Wo sind alle Vögel geblieben?", fragte die Seattle Times. Ein Artikel in Vox fragte sich, ob der Trend in einer „Vogel-Apokalypse" enden würde. (Nicht unbedingt, räumte der Artikel ein.) Und die Schlagzeile einer Titelgeschichte in der New York Times erklärte, dass „Vögel aus Nordamerika verschwinden". Die dramatische erste Zeile des Textes: „Der Himmel leert sich." Forscher, die dem Cornell-Team angehören, gelang es sogar, noch am selben Tag ein begleitendes Editorial in der Times zu platzieren. „Die Krise für Vögel", so die Schlagzeile, „ist eine Krise für uns alle."

So wichen die Fakten allmählich dem Lärm der Aktivisten-Medien, wobei das gehypte Cornell-Papier das Interesse an der Saskatchewan-Studie wieder erhöhte. Wie die Beweise jedoch zeigten, lagen sowohl das Eng-Team als auch das Cornell-Papier in vielerlei Hinsicht falsch. Erstens wählten die Forscher das falsche Neonicotinoid. Imidacloprid wird im Allgemeinen nicht bei Mais verwendet, und Sojasamen sind für Vögel relativ unattraktiv. Die Neonics Clothianidin und Thiamethoxam, die häufig bei Mais und Raps verwendet werden, sind indes zigmal weniger giftig für Vögel, so dass in der Realität keine Dachsammer genug Samen aufnehmen könnte, die mit diesen Neonics behandelt wurden, um eine tödliche oder schädliche Dosis abzubekommen.

Um den Unterschied in der Giftigkeit dieser verschiedenen Pestizide für Vögel zu veranschaulichen, fand eine Zusammenfassung anderer Forschung an größeren Vogelarten – Tauben und Rebhühnern – heraus, dass es erforderlich wäre, 120 oder mehr mit Clothianidin behandelte Maissamen oder 160 oder mehr mit Thiamethoxam behandelte Maissamen aufzunehmen, damit die Vögel die gleiche Pestizidbelastung erhalten wie in 10 bis 11 mit Imidacloprid behandelten Maissamen. Das sind Saatgutmengen, die zu konsumieren diese größeren Vögel, geschweige denn die kleinen Dachsammern, kaum in der Lage sein dürften. Hinzu kommt, dass bei Getreide wie Weizen, das mit Imidacloprid behandelt wird, der Entschalungsinstinkt der Vögel, die ja nur das Innere des Samens fressen, dafür sorgt, dass ein Verschlucken der beschichteten Schalen und damit ernsthafte Exposition vermieden werden. Außerdem wird der meiste Weizen später im Sommer gepflanzt, so dass eine etwaige Belastung den Frühlingszug des Vogels schon wegen des zeitlichen Auseinanderfallens gar nicht beeinträchtigen könnte.

Irreführenden Marketingkampagnen

Aber dies war nur eines von mehreren schwerwiegenden Problemen mit der Studie von Eng et al. Unter anderem versäumten sie, zur Kenntnis zu nehmen, dass Vögel selten auf neu bepflanzten Ackerflächen nach Nahrung suchen, weil diese kahl sind und sich dort auch keine andere Nahrungsressourcen finden, auf die sie aus sind. Deshalb haben die Forscher ihre Studienvögel auch nicht auf landwirtschaftlichen Feldern gefangen, sondern am Long Point Bird Observatory in Ontario, einem bewaldeten Gebiet, das als beliebter Futterstop von Zugvögeln bekannt ist.

Zahlreiche seriöse Nachrichtenorganisationen überprüften die Behauptungen der „Vogelkrise" und fanden sie zumindest übertrieben. Mit Blick auf die irreführenden Marketingkampagnen überschrieb Slate seinen Artikel: „Es gibt keine drohende Vogel-Apokalypse." Brian McGill, ein Makroökologe an der University of Maine, der seine eigene Analyse der Vogelkrise verfasst, schrieb in Dynamic Ecology: „Auf der Ebene der Arten kann man feststellen, dass viele zugenommen haben, viele zurückgegangen sind, die meisten sich kaum verändert haben und die Daten insgesamt nicht allzu weit davon entfernt sind, im Durchschnitt auf ‚keine Veränderung’ hinauszulaufen [...]".

Er fügt hinzu: "[…] Befinden wir uns in einer Todesspirale, in der sich häufige Arten und Invasoren durchsetzen und seltene Vögel den Kürzeren ziehen? Nicht im allgemeinen oder durchschnittlichen Sinne, nein. Im Gegenteil, mehr als die Hälfte der verlorenen Vögel stammt von den zehn größten Verlierern, die alle völlig sicher sind, oft so weit verbreitet, dass sie als Belästigung angesehen werden, von denen zwei invasiv sind und die meisten zurückgehen, weil sie so zahlreich geworden sind, weil sie den vom Menschen geschaffenen/veränderten Lebensraum genutzt haben, der sich jetzt eben wieder zu ihrem Nachteil verändert.“

Widersprüche in der Studie

Eng und Morrissey hätten es besser wissen müssen. Bezeichnenderweise hatte eine frühere Studie der Forscher die Konzentration von Neonics im Blut von Zugvögeln gemessen, die an Long Point gefangen wurden, und festgestellt, dass sie weit unter denen lagen, die in dieser aktuellen Studie berichtet wurden – ein Ergebnis, das die Methodik dieser aktuellen Studie ernsthaft infrage stellt, ganz zu schweigen von der Glaubwürdigkeit der Autoren, die es versäumt haben, ihre eigenen früheren widersprüchlichen Ergebnisse zu erwähnen.

Ein weiteres Problem, das die meisten Reporter übersehen haben: Die meisten Dachsammern im Experiment waren davon nicht betroffen. Nur diejenigen, die die höchste Imidacloprid-Dosis erhielten, zeigten irgendwelche Symptome, und sie erholten sich prompt und setzten ihre Reise fort. Es gab keine Hinweise darauf, dass die vorübergehende Krankheit einen Einfluss auf die gesamte Population hatte.

Je mehr man sich also mit den Details beschäftigt, desto mehr ähnelt diese Forschung den hochgradig künstlichen und zutiefst fehlerhaften Studien, die darauf abzielen, die Neonics zu stigmatisieren, indem sie konträre Ergebnisse und Beweise aus der realen Welt ignorieren oder gezielt ausblenden. Am aufschlussreichsten ist in diesem Zusammenhang vielleicht, dass – genau wie bei den Honigbienen – die Gesamtpopulationsentwicklung dem Vogelapokalypse-Narrativ völlig widerspricht.

Scheinbar selektive Amnesie

Laut dem Breeding Bird Survey hat die Population der Dachsammern – die Art, die von Eng und Morrissey zur Unterstützung ihrer Vogelapokalypse-Erzählung ausgewählt wurden – seit der Einführung der Neonics Mitte der 1990er Jahre zugenommen. Tatsächlich spiegelt die Entwicklung der gesamten nordamerikanischen Vogelpopulationen auffällig die Trends wider, die wir bei den Honigbienenpopulationen gesehen haben: frühere steile Rückgänge, die endeten und in vielen Fällen zufällig (oder auch nicht) genau dann zu steigen begannen, als die Neonics auf den Markt kamen und ihr Einsatz in der Landwirtschaft zunahm.

Hätten Eng und Morrissey dies überprüfen wollen, hätten sie nur eine frühere Studie konsultieren müssen, bei der Morrissey Mitautor war. Dort findet man diese auffällige Grafik (siehe Abb. 3 hier) der Entwicklung der Vogelbestände in den Jahren 1993–2015. Aufgeteilt in drei Habitatgilden zeigt sich deutlich, dass sich die durchschnittlichen Luft- und Strauchbestände Mitte der 1990er Jahre stabilisiert haben, als die Neonics auf den Markt kamen, während die Vogelpopulationen im Grünland sogar wieder zu wachsen begannen. Bei 56 Prozent aller Arten vergrößerten sich die Populationen in der Zeit von 1993 bis 2015.

Morrissey scheint an selektiver Amnesie zu leiden, wenn es um die Ergebnisse ihrer eigenen Studien geht, die nicht zu dieser überarbeiteten Erzählung passen, die sie offenbar voranzubringen versucht. Obwohl das Herauspicken von passenden Daten heutzutage beunruhigend verbreitet ist, schadet es der Glaubwürdigkeit des wissenschaftlichen Unternehmens und in diesem Fall der Sache des Umwelt- und Vogelschutzes erheblich.

Keinen negativen Zusammenhang

Während die Eng-Studie viel Beachtung in den Medien fand, was die Behauptungen der Autoren, dass Neonics und landwirtschaftliche Pestizide im Allgemeinen einen Rückgang der Vögel verursachen, wieder aufleben ließ, wurden andere, sorgfältiger durchgeführte Großstudien, die tatsächlich untersucht haben, ob der Rückgang der Vogelbestände mit dem Einsatz von Pestiziden zusammenhängt, von den Medien ignoriert. Eine der größten Studien zu diesem Thema wurde im vergangenen Jahr veröffentlicht. Ein Team unter der Leitung von Jason Belden von der Oklahoma State University untersuchte die Entwicklung der Vogelbestände von 31 Arten zwischen 1995 und 2016 entlang von Zugrouten, die 13 Staaten im Zentrum der Vereinigten Staaten umfassen, von Minnesota und North Dakota an der kanadischen Grenze bis Texas im Süden und nach Osten bis Ohio.

Während der Lebensraum die Vogelpopulationen beeinflusste, korrelierten die landwirtschaftlichen Flächen mit etwa vergleichbar großen Zu- und Abnahmen bei der Anzahl der Vögel. Bei der Bewertung der relativen Tendenzen der Populationsgrößen gab es keinen insgesamt konsistenten negativen Zusammenhang zwischen sinkenden Vogelzahlen und zunehmender Ackerfläche. Wenn die derzeitigen landwirtschaftlichen Methoden eine wichtige und weit verbreitete Ursache für den Rückgang der Vogelarten wären, würden wir sie bei den meisten Arten beobachten.

Diese Ergebnisse, so die Autoren, „stimmen mit früheren Beobachtungen in den Vereinigten Staaten überein, dass insgesamt die Anbaufläche und das Grünland (Wiesen und Weiden) seit den 1990er Jahren stabil sind". Eine weitere Studie eines britischen Teams unter der Leitung von Rosie Lennon von der University of York untersuchte speziell die Exposition durch Neonics und fand keine Effekte: „Entweder gab es keinen konsistenten Effekt der diätetischen Exposition gegenüber Neonicotinoiden auf die Vogelpopulationen in England, oder es war kein übergreifender Effekt mit unserem Studiendesign feststellbar."

Wissenschaft statt Ängste

Wenn Sie sich um Vögel sorgen, ist die kurzsichtige Fixierung auf landwirtschaftliche Pestizide eine attraktive, populistische Strategie, aber sie ist simplifizierend, verschwendet Ressourcen und – noch schlimmer – Zeit. Die Hauptschuldigen des Vogelsterbens sind bekannt. Aber es wäre denkbar schwer, in der Öffentlichkeit Begeisterung dafür zu erzeugen, sie zu verbieten. Sortiert nach Relevanz, beginnend mit den größten Vogelkillern von allen, sind es: Katzen, Gebäude, Stromleitungen und Kraftfahrzeuge.

Katzen, sowohl Haustiere als auch Wildkatzen, töten jährlich schätzungsweise anderthalb bis vier Milliarden Vögel. Nach einer Schätzung des Forest Service des US-Agrarministeriums machen Katzen, Gebäude und Stromleitungen 82 Prozent der Vogelmortalität pro Jahr aus, während Fahrzeuge weitere 8 Prozent beitragen. Durch Kollisionen mit Gebäuden (insbesondere mit reflektierendem Glas) sterben in Nordamerika zwischen 100 Millionen und einer Milliarde Vögel pro Jahr.

Vor dem Hintergrund dessen, was wir über die Vögel und Bienen wissen, die angeblich vom Aussterben bedroht sind, ist die Studie von Eng ein Musterbeispiel für die unerfreulich weit verbreitete Taktik von Wissenschaftlern, die dem Aktivismus mehr verbunden zu sein scheinen als der Wissenschaft. Sie haben Neonicotinoide ins Visier genommen und machen mit bei Kampagnen, um sie in Europa und Nordamerika zu verbieten.

Als haltlose Paniken entlarvt

In Europa hat es funktioniert, die EU hat im vergangenen Jahr ein fast vollständiges Verbot der Verwendung von Neonics im Freiland beschlossen. Es könnte in Kanada funktionieren, wo die Regulierungsbehörde dieses Landes ein 3- bis 5-jähriges Auslaufenlassen vorschlägt, basierend auf wissenschaftlich nicht belegten Gründen, dass mit Neonics belastete Abflüsse von Feldern wirbellose Tiere in Seen, Teichen und Bächen schädigen.

Nachdem die Honigbienen-Apokalypse, das Aussterben der Wildbienen und der Insekten-Armageddon als haltlose Paniken entlarvt sind und sich die Sorge wegen der Bedrohung von Vögeln durch Pflanzenschutzmittel als unbegründet erwiesen hat, wollen wir hoffen, dass die US-Umweltschutzbehörde EPA vernünftig reagiert und rational bewertet und entscheidet.

Schließlich haben sich Neonicotinoid-Insektizide bei den Landwirten als äußerst beliebt erwiesen und dazu beigetragen, die Kosten für die Verbraucher um Milliarden von Dollar zu senken. Die Ablehnung dieser nützlichen Pflanzenschutzmittel, die eine Rückkehr zu veralteten Chemikalien erfordern würde, von denen bekannt ist, dass sie Bienen und andere nützliche Arten töten und nachweislich krebserregend sind, ist eine fragwürdige Strategie.

Dieser Text ist zuerst bei Novo und beim amerikanischen Genetic Literacy Project erschienen. Jon Entine ist Geschäftsführer des Genetic Literacy Project.

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Leserpost

netiquette:

Peter Korten / 10.01.2020

Sehr einseitig und tendenziell dargestellter Sachverhalt. Dies habe ich bei „achgut“ selten so erlebt! Ich bin selbst Imker und mit der Diskussion gut vertraut. Und nein, die Honigbiene stirbt sicher nicht aus. Sie wird ja auch von einem Imker betreut. Anders allerdings die wildlebenden Bienen, bzw. Insekten; die haben keine Lobby, um die kümmert sich so gut wie niemand. Gemein haben sie jedoch, dass sie einem Mix aus Pflanzenschutzmitteln (Pestiziden, Fungiziden, Herbiziden), elektromagnetischer Strahlung, Varroa-Milbe, veränderten Klimabedingungen, industrieller Landwirtschaft, Monokultur usw. ausgesetzt sind. Die Neonics sind also nicht die alleinige Bedrohung. Die Frage ist nur: was machen wir ohne sie? Zurück zu „Lindan“ und „DDT“? Wohl kaum! Neue Mittel? Ohne auch nur eine Ahnung von evtl. Spät- bzw. Nebenwirkungen zu haben? Auch nicht gut! Wie immer liegt der Weg auch hier mal wieder in der Mitte. Den Gebrauch auf das absolute Minimum begrenzen und natürliche Anbaumethoden fördern. Im Übrigen kann ich dem Kommentar von Herrn Hagen Müller nur voll und ganz zustimmen. Wer an weiteren Informationen zum Thema interessiert ist, sollte bei Prof. Menzel, FU Berlin, nachlesen. Das eigentliche Problem ist jedoch der schon vom Altkanzler erwähnte Raubtier-Kapitalismus. Alle wollen immer mehr, mehr, mehr! Ohne Rücksicht auf Verluste! Dabei müssten doch nur Prioritäten gesetzt werden, wie entsprechende Gelder in diesem ach so reichen Land eingesetzt werden können. Sei es nun in Landwirtschaft, Infrastruktur, Bildung, Bundeswehr, etc. Dem verehrten Herrn Scheuer sind ja gerade mal so ca. 500 Millionen Euro abhanden gekommen. Die hätte man sicher anderweitig gut gebrauchen können. Ich mache mir jedoch keinerlei Illusionen, denn ganz egal wohin ich meinen Blick richte, sei es nach Berlin oder in die Landesparlamente…... Es packt mich nur noch das kalte Grauen, wenn ich sehe wie Deutschland herabgewirtschaftet wird!

Anton Weigl / 10.01.2020

Noch im Spätsommer 2018 war auf der Homepage des Landesverbandes der Bayrischen Bienenzüchter davon zu lesen, daß man 2016, 2017 und2018 jeweils Höchsterträge von Honig erreicht habe. Ich wunderte mich wie diese Meldung plötzlich im Winter verschwunden ist. Auch wunderte ich mich darüber, daß die Bayrischen Bienen Höchsterträge von Honig einfliegen können und gleichzeitig aussterben sollen. Im Jänner 2019 rollte dann das Bienenrettungs- volksbegehren über Bayern hinweg. Das Ergebnis ist bekannt.

Dieter Blume / 10.01.2020

Liebe Bienenrett*innen, die Wahrheit ist schrecklich und nur schwer zu ertragen, aber es stimmt:  Auch Bienen müssen sterben.

Sabine Schönfelder / 10.01.2020

Alle Wälder versauern und sterben. Die Flüsse auch. Atemluft ist lebensbedrohlich, -  wegen Feinstaub und CO2. Radioaktivität läßt alle Menschen in der Nähe von AKWs an Leukämie erkranken und in der Ferne (Fukushima) den schnellen „Jod-Tod“(??) sterben (dieses Narrativ ist uns der linke Agitator noch schuldig!).  Der verbleibende Rest der Menschheit, der sich offensichtlich als extrem widerstandsfähig erwies, und trotz täglich angekündigter tödlicher Wetterkapriolen (Brände hier, Überschwemmungen dort) und dem jährlichen „ständig heißesten Jahr“ ( wobei man tunlichst den Referenzpunkt verschweigt, wie zum Beispiel das heißeste Jahr der letzen beiden Jahre) überlebte, dessen Fortbestand wird durch das Aussterben der BIENE erheblich in Frage gestellt. Doch egal, lieber Leser, in 11 Jahren, so die schwedische Prophetin Greta Autista, geht die Welt ohnehin unter. Wer so inflationär mit Panik, Hysterie und Ängsten arbeitet wie der grün-rote Klima-Umverteilungs-Block , verliert auf Dauer auch beim dümmsten Mitläufer an Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft. Und wenn dann noch bekannt wird, daß Forscher, die gefakten Behauptungen des politisch- medialen Propagandaapparates widersprechen, entlassen werden, wie eine Forscherin, die den Eisbärenbestand als durchaus ausreichend bis üppig bezeichnete, dann dreht sich allmählich das Blatt. Schauen wir mal! Übrigens, die australischen Brände verursachten großenteils Brandstifter und haben mit der Klimaerwärmung herzlich wenig zu tun. Schrecklich sind sie allemal. Schrecklich ist der Mensch. Medialer Voyeurismus wird ideologisch ausgeschlachtet!!! Bä!

Robert Jankowski / 10.01.2020

Langer Artikel mit einer Mischung aus korrekten und inkorrekten Darstellungen. Klar ist, dass es häufig genug heißt “Haltet den Dieb!”, wenn es um die Durchsetzung der aberwitzigsten Forderungen geht. aber das wir einen massiven Rückgang der Insekten in den letzten 25 Jahren zu verzeichnen haben, ist ein Fakt. Dies ist anhand der Insekten auf ihrer Windschutzscheibe einfach nachzuvollziehen. Währnd man vor 25 Jahren noch regelmäßig die Frontscheibe alle 300-400 Km Wegstrecke intensiv reinigen musste, so ist das Problem der, mit toten Insekten, verschmierten Scheiben heutzutage quasi nicht mehr existent. Ein deutliches Zeichen des massiven Rückgangs der Insekten insgesamt.

Frank Mora / 10.01.2020

Der bei uns zu beobachtende Rückgang der Singvogelpopulation könnte mit der explosionsartigen Vermehrung der invasiven Waschbären zusammenhängen, die keine Feinde haben und auf deren Nachtjagd auf schlafende Vögel und Gelege die heimischen Arten nicht eingestellt sind. Abhilfe könnte die wachsende Wolfspopulation bringen, aber dann ist es mit nächtlichen Spaziergängen vorbei….

Hagen Müller / 10.01.2020

Die Wirkstoffgruppe der Neo- Nicotinoide ist u.a. in Deutschland durch ein herausragendes Ereignis in den Focus der Medien und der Bevölkerung geraten: Das Bienensterben im Rheintal im Mai 2008. Es verendeten ca. 12000 Bienenvölker. Anerkannte Ursache war u. a. das Maissaat- Beizmittel *Poncho* (Bayer Crop science) mit dem Wirkstoff Clothianidin. Der Autor dieses Artikels *vergisst* es leider, diese Zäsur zu erwähnen. Das Saatgut war falsch gebeizt (Haftfähigkeit unzureichend) und in Verbindung mit ungeeigneter Ausbringtechnik (Drucklufttechnik) wurden Pestizidbestandteile auf von Bienen beflogene Blühkulturen abgeweht. //// Man sprach von ca. 2g Wirkstoff, der von einem ha Maisfläche abgeweht worden wäre…. Das ist dann doch eine ganz ordentliche Wirkung, die ich mal lapidar als ähnlich einem chemischen Kampfstoff bezeichne. O.K., anderer Zielorganismus…//// Es wurde hier, entgegen allen Beteuerungen des Autors, der schlagende BEWEIS für die Bienenschädlichkeit der Neo- Nicotinoid- Wirkstoffe erbracht. Und es erscheint mir zweifelhaft, dass mit anderer Beiz- und Ausbringtechnik das Problem auf NULL reduziert werden kann./// Neo- Nicotinoide werden (wurden) auch gegen den Rapsglanzkäfer eingesetzt. Es ist logisch und richtig, dass die Anwendung im Raps reguliert wurde, von Bienenschäden im Raps wurde immer wieder von Imkern berichtet./// Es gibt auch noch andere Expositionswege, über die Bienen geschädigt werden können: Im Guttationswasser von Maispflanzen sind die Wirkstoffe nachweisbar ... und solche Guttationswässer werden gern von Bienen (u.a. Insekten) aufgenommen (es gibt bei Bienen *Wasserholer*....). Es gab übrigens auch eine Studie, wo Futter für Bienen mit Neonics UNTER DER NACHWEISGRENZE versetzt wurde und eine Beeinträchtigung des Orientierungssinns der Tiere festgestellt werden konnte.  hat der Autor auch vergessen… Mag vieles alarmistisch und zeitgeist- geprägt sein: Dieser Global- Freispruch der Neonics ist nicht haltbar.

Petra Wilhelmi / 10.01.2020

Wenn man nur eine einzige Nutzbienenart überall findet, ist die zwangsläufig gefährdeter, weil die Ausbreitung von Krankheiten dadurch gefördert wird. Ich habe vor längerer Zeit zufällig im Fernsehen gesehen, dass Imker gegen andere Imker vorgehen, die andere Arten von Bienen haben, die nicht so anfällig sind, aber weniger Honig bringen. Ihre Bienen könnten sich ja vermischen. Es wurden auch Bienenstöcke dieser anderen Imker zerstört. Ich verstehe nicht, dass überall gepienst wird. Früher hat sich absolut keiner den Kopf darüber gemacht, wie schädlich Pflanzenschutzmittel sein könnten und trotzdem gab es genügend Bienen, andere Insekten und Vögel. Heute ist alles viel sauberer und ökologischer. Es geht doch heutzutage nur darum, den Bauern eins auszuwischen. Wenn man sich wirklich für Insekten und Vögel interessieren würde, käme man nicht auf die Idee, das Land zu verspargeln. Vielleicht sollten die Ökofundamentlisten auch einmal in ihre Vorstellung einbeziehen, dass z.B. Vögel nicht dumm sind. Die gehen dorthin, wo sie das meiste Futter finden. So heißt es sogar, dass Spatzen aussterben würden. Hier am Rande der Großstadt mit viel Grün, einem Überangebot von Futter brüten sie 2 x im Jahr. Im Viertel ein Stück hin gibt es Amseln im Überfluss und Meisen. Bei uns mehr Krähen und eben Spatzen. Wildhummeln haben Nester in meinem großen Blumentopf gesucht und gefunden. Hier gibt es Hasen (keine Kaninchen), Füchse, Igel und Marder. Alle finden hier übergenug an Nahrung.

Frank Mertes / 10.01.2020

Es ist hoffnungslos, gegen Massenhysterie anschreiben zu wollen. Selbst wenn “Aktivisten” für eine Studie wie beschrieben Vögel einfangen und ihnen auf quälende Weise Pflanzenschutzmittel in Dosen zwangsverabreichen, die die Tiere nie auf natürliche Weise aufnehmen könnten, nur um eine angebliche Gefährdung nachzuweisen, regt sich bei den hysterischen Umweltbewegten kein Protest. Denn es ist auch hoffnungslos, gegen Dummheit ankämpfen zu wollen. Das gilt erst Recht in einer Zeit, in der Meinungen in den Medien diktiert werden von meist weitgehend ungebildeten, aber ideologisch gefestigten “Journalisten”.

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