Aus der Dürener Zeitung vom 12.09.2010, S.13
Die jüdische Geschichte soll im Stadtbild sichtbar werden. Bald soll es mehr sein als der Gedenkstein an der Schützenstraße. Denkbar ist, dass zumindest ein Teil dieser Straße in „An der Synagoge“ umgetauft wird.
Nach einer ganzen Reihe vergeblicher Anläufe soll der jüdischen Geschichte Dürens nun bald ein angemessenes Denkmal gesetzt werden.
Das Thema wird in der Dürener Politik schon seit Jahrzehnten diskutiert. Heidi Meier-Graß (Bürger für Düren) ließ nicht locker, bis Bürgermeister Paul Larue die Angelegenheit zur Chefsache erklärte. „Düren ist, soweit ich weiß, die einzige deutsche Stadt, in der es einst eine jüdische Gemeinde, eine Synagoge und ein jüdische Schule gab, die dieser Geschichte nicht angemessenen im Stadtbild Rechnung trägt. Da haben wir ohne Frage Nachholbedarf“, sagte Larue.
oooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooo
Sehr geehrte Frau Meier-Graß,
seitdem ich unweit von Düren in der Eifel lebe, erlebe ich alle Jahre wieder im Trauermonat November um die Zeit des Gedenkens an die Synagogenverbrennungen, dass Düren eine Straße braucht, die an die Synagoge erinnern soll, am einfachsten eine Straße namens „An der Synagoge“.
Diesmal hat der OB die Angelegenheit zur Chefsache erklärt. Und diesmal taucht ein Erfolg am Horizont auf! Nicht nur, da nur ein Teil der Schützenstraße umgetauft wird (in Deutschland werden Synagogenstraßen nach dem Synagogenverbrennen auch noch getauft), sondern weil der OB vor einem Jahr am 9. November, am Gedenktag der Reichskristallnacht, eine einseitige Israel kritische, manche meinen sogar eine antisemitische Ausstellung eröffnet hat und nun die Gelegenheit zum politisch korrekten Ausgleich erkennt.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich Sie fragen, welcher Teil der Schützenstraße umgetauft werden wird: der Teil, wo der Gedenkstein dem Passanten nicht ganz bis zum Knie reicht, oder der Teil, wo heute das sehr gut frequentierte Parkhaus anstelle der verbrannten Synagoge steht. Die ganze Schützenstraße umzutaufen ist mit zu hohen Kosten verbunden, die das Andenken an die verbrannte Synagoge nebst jüdischer Schule und jüdischem Gemeindehaus nicht wert ist.
Eine weitere Frage drängt sich mir auf: Düren ist nicht nur die einzige deutsche Stadt, in der es einst eine jüdische Gemeinde, eine Synagoge und ein jüdische Schule gab, die dieser Geschichte nicht angemessen im Stadtbild Rechnung trägt, sondern Düren ist auch die größte Stadt Deutschlands, die bis heute erfolgreich den Bau einer Synagoge für lebende Juden um und in Düren zu verhindern weiß.
Tun Sie den toten und lebenden Juden etwas Gutes an und lassen Sie die Schützenstraße ungetauft.
Mit friedlichen Grüßen
Dr. Nathan Warszawski
Jüdischer Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit zu Aachen