
Ich war zu jung für die 68er-Generation. Mein Vater zu jung für den Krieg, erst 15 Jahre in 1945. Sein Vater bereits 1935 verstorben, keine Geschwister. Keine unmittelbaren Zeitzeugen also, aber heisse Diskussionen, wie 1933 überhaupt möglich war, da war er erst drei Jahre alt. Ich bin, wie Broder schreibt, in einer “intakten Demokratie” groß geworden. Entsprechend großmäulig habe ich von Jugend an argumentiert. Ich muss Abbitte leisten. Was ich nach 15 Jahren Demokratie der Weimarer Republik für eine einzigartige und monströse Entgleisung gehalten habe, ist nach 71 Jahren Demokratie noch nicht eingetreten, gottlob. Ich habe in 2020 aber ein Gefühl dafür bekommen, wie das damals möglich war. Ein “Klima”, wie ich es nie zuvor gespürt habe. Drei Kinder in drei Bundesländer, Zählen von Köpfen, wieviel Haushalte, auswärtige Kennzeichen vor der Tür, abseits Parken, welcher Nachbar ist einem nicht wohlgesonnen, wo kann man sich verstecken, wenn es unerwartet klopft? Nach Jahrzehnten im Staatsdienst sind für mich die Anwälte zu Helden geworden, die Demonstrationen über Verwaltungs- und Oberwaltungsgerichte, bis hin zum Bundesverfassungsgericht gegen den Staat erzwingen. Mit einem CDU-Parteigänger an der Spitze der höchsten Instanz nun auch nicht mehr. Der SPD-Generalsekretär fordert Überwachung der Kommunikation von “Querdenkern”. Als Teilnehmer von Demonstrationen selbst zum Nazi mutiert, nachdem man 25 Jahre lang sein Kreuz bei den Grünen gemacht hat! Wer auf Demonstrationen war und die Berichterstattung darüber gesehen hat, kann in Panik geraten, nicht vor dem Virus! “Wenn man eine Lüge oft genug wiederholt, wird sie zur Wahrheit!” [Joseph Goebbels]. Heute gibt es den “Volksempfänger” auf mehreren Kanälen mit einheitlichen Parolen. Vermeintlich starke “Führer” wie Söder werden bejubelt, Bundeswehr im Inneren, Tochter von Schäuble wird Programmdirektorin im ÖRR. Wir sind auf keinem guten Weg.
Für Merkel,ihre Helfershelfer und Denunzianten gilt- wie schon immer-der Satz von Pascal: Niemals tut man so gut und vollständig das Böse,wie wenn man es mit gutem Gewissen tut.-Und wer wiederum -nicht nur in Corona-Zeiten-zu den “Guten” und zu den “Bösen” gehört, das wird den Bürgern durch die staatlich alimentierten Herolde tagtäglich eingebleut.
Wir Deutsche sind und waren schon immer voller Eifer bei der Sache. Es ist völlig egal, was wir tun. Wir suhlen uns in unserer Rolle als einzigartige Sünder, wir führen den Kampf gegen den Klimawandel an, wir erklären den Amerikanern, wie und wen man richtig wählt. Wir sind immer vorne dran. Die Richtung ist völlig egal, Hauptsache wir sind Erster, Einziger oder Bester.
Die Zumutung für den Wähler ist enorm. Doch lässt er sich nicht alles gefallen. Bei der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart haben die Versifften eine Abfuhr erhalten.
@Peter Holschke, warum sich das Volk nicht empört (zum wiederholten Mal in der deutschen Geschichte nicht) und die „Bundesstaatshalter“ nicht aus dem Amt jagt, hat Wilhelm Reich in „Die Massenpsychologie des Faschismus“ treffend beschrieben. Nur, lesen müßten es diejenigen, die es betrifft: neben den Figuren des ÜBERBAUS 85 Prozent der Bevölkerung.
“Absondern” erinnert mich an “aussondern”. Vor fast 90 Jahren wurde mit dem Aussondern begonnen - das Ende war Auschwitz. Es läuft mir kalt den Rücken hinunter.
Beim Lesen musste ich an Dixan, “das Waschmittel mit gebremstem Schaum” denken. So milde, so ohne Furor kommen Ihre Zeilen daher, angesichts dessen, wovon sie handeln. War der Text vielleicht ursprünglich für die WELT, die ihn als zu scharf, zu furios abgelehnt hat? Sie müssen doch auf Achgut kein Blatt vor den Mund nehmen. Wir sind hier unter uns.
Aus informierten Kreisen habe ich erfahren, Herr Strobl soll an einem Buch arbeiten. Arbeitstitel ” Mein Kampf ” - hoffentlich schreibt er nicht ab, Es soll das so einen Vorläufer zum Thema geben, der Autor fällt mir gerade nicht ein ;-))
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