Von Rudolf Taschner.
Man findet sie im Advent zuhauf: Marktstände, die zum Einkaufen, zum Verweilen, zum Verkosten einladen. Bei einem von ihnen an der Mariahilfer Straße prangt als großes Schild nicht „Weihnachtsmarkt“ oder „Christkindlmarkt“, sondern das nun anscheinend gängig gewordene Wort „Brauchtumsmarkt“.
Brauchtumsmarkt: Das ist ein, wie man sagt, kultursensibel formulierter Begriff, der weder die Atheisten noch die an Mutter Natur oder die an einen nicht christlichen Gott Glaubenden zu verstören vermag. Dass das Brauchtum, auf das sich der Marktstand beruft, christliche Wurzeln hat, wird tunlichst verdrängt. Und dass mit dem Kappen dieser Wurzeln, mit dem Abschwören der christlichen Tradition, jeder Einzelne, der aus ihr kommt, sein Selbst und die Gesellschaft, die auf ihr ruhen sollte, ihren Halt verliert, dürfte vielen egal sein.
Dies ist bedauerlich, zumal diese Tradition schon seit mehr als zwei Jahrhunderten nichts mehr mit der schonungslosen Ideologie zu tun hat, die von 313 bis spätestens zu Napoleon den Menschen von einer Ecclesia militans aufgezwungen wurde. Damals war es heldenhaft, sich im Geist der Aufklärung der Kirche zu widersetzen. Heute sind kirchenfeindliche Appelle, wie man sie von Schattenboxern wie Gerhard Engelmayer oder Niko Alm zu hören bekommt, bestenfalls Clownerien. Die heute geübte christliche Tradition bedrängt niemanden in seiner Glaubensweise. Sie erinnert bloß noch daran, aus welchen Quellen die Kultur, die Zivilisation und die Aufklärung zu schöpfen vermochten.
Es ist bedauerlich, aber möglicherweise nicht mehr rückgängig zu machen. Würde man den Betreibern des Brauchtumsmarkts vorschlagen, sich doch wie in alten Zeiten Weihnachts- oder Christkindlmarkt zu nennen, können diese mit vollem Recht darauf verweisen, dass selbst die angesehensten und geachtetsten Vertreter der christlichen Tradition bei leisestem Wind, der ihnen entgegenweht, nichts mehr mit den Symbolen ihres Glaubens zu tun haben wollen. Hier geht es weiter.
Hat schon nicht in der DDR funktioniert. Der Umbenennungsversuch der Weihnachtsengel in "Jahresendflügelfiguren" wurde vom Volksmund gekontert. Die mangelbedingt aus weißer Milchmasse hergestellten Weihnachtsmänner wurden zu "Sozialistischen Hohlkörpern mit brauner Vergangenheit".
Das ganze erinnert mich auch an die Reichtags-Debatte, als man diesen alten Begriff von seiner neuen Bestimmung "Bundestag" abtrennen wollte. Vielleicht sollte die Erinnerung an die erste parlamentarische Demokratie in Deutschland damit ausgeblendet werden, doch er blieb bis zum heutigen Tag in aller Munde der "Reichstag". Auch wenn in Zukunft auf Weihnachtsmärkten Schlangenbändiger und Teppichhändler auftreten, der "Weihnachtsmarkt" bleibt mit seinem Namen ein Angebotsmarkt unserer christlichen Kultur, die alle, ob nun Marxistinnen oder Marxisten, Links oder Rechts, Demokratinnen oder Demokraten und derer aller Kontrahentinnen und Kontrahenten mehr geprägt hat, als wir es je für möglich halten werden (soweit wir hier geboren wurden). Übrigens der Begriff "Erdmöbel" für Sarg konnte sich im Osten Deutschlands ebenfalls nicht durchsetzen.
Ich besuche Christkidl- oder Weihnachtsmärke. Alle anders beannten zur Weihnachstzeit müssen auf meine Kohle verzichten.
Das ist die Gegenleistung dafür, dass Muslime überall in Deutschland auch sehr kultursensibel auftreten, und z.B. ihre Gebetshäuser Fatih-Moschee (türkisch Fatih Camii; dt. Eroberer-Moschee) nennen.
Die äußerlich sichtbare Kirche fängt langsam an, faul zu werden, weil "die Zeit der Heiden" zu Ende geht.
Die Entwurzelung zeigt sich nicht erst beim Gebrauch des Wortes "Brauchtumsmarkt". Sie begann schon damit, dass im Advent von Weihnachtsmärkten die Rede war.
Vielleicht sollte man aus Rücksicht auf die neuen Kultursensibilitäten dann auch gleich die Mariahilferstrasse umbenennen? Das klingt doch geradezu krass christlich und allein der Anblick des Strassenschildes könnte auf empfindsame Seelen traumatisierend wirken.