Von Musikern an der Isar wird neuerdings erwartet, dass sie einen Eid auf die gerade aktuelle Außenpolitik ablegen. Und was, wenn so mancher im Orchester geigt, bläst und paukt, der oder die dem rotgrünen politischen Reinheitsgebot nicht gerecht wird?
Zum Jahreswechsel habe ich mich einvernehmlich als Zuhörer von den Münchner Philharmonikern getrennt. Einerseits war mir das Silvesterkonzert zu beethovenlastig. Vor allem aber fehlt mir dieser stattliche Lockenkopf mit seiner Teufelsgeige, der von den Münchnern „im gegenseitigen Einvernehmen“ nach St. Petersburg verbannt worden ist. Aber wozu hat man YouTube. Ich hab‘ mir einfach das Neujahrskonzert des Mariinsky Stradivarius Ensemble reingezogen. Und da war er ja, der Vermisste als Dirigent und Solist mit seiner Stradivari.
Lorenz Nasturica Herschcowici war zwar drei Jahrzehnte bei dem Münchner Laden, längst dienstältester Konzertmeister. Aber was sind schon dreißig gemeinsame Jahre. Ex und hopp. Warum? Ich sage nur: Russland, Russland, Russland! Einerseits das Mariinsky Stradivarius Ensemble in St. Petersburg und, schlimmer noch, Waleri Gergiew, der gefeierte und gefeuerte Chefdirigent der Philharmoniker als Freund und kollegialer Nachbar.
Nun, jetzt sind sie wieder vereint, im Land Putins, dessen Krieg gegen die Ukraine sie nicht vorschriftsmäßig mit Baton und Geige gegeißelt haben. Und siehe da: Das Neujahrskonzert des Stradivarius Ensembles war eine reine Freude. Mehrere Sträusse, Kalman, Lehar, Rossini, Tschaikowsky, Offenbach. Deutlich heiterer als Beethoven. Und die Silberlocken des Meisters hätten nicht prächtiger leuchten können.
Schmale Combo der politischen Harmoniker
Sorgen mache ich mir aber um die Philharmoniker von der Isar. Warum? Weil so viele von ihnen gar nicht von der Isar sind. Das Orchester hat einen gewaltigen Migrationshintergrund. Nach meiner Zählung mindestens 50 Prozent. Darunter etliche aus politisch ziemlich unkorrekten Heimaten. Ich fürchte, die Rotgrünen von München werden nicht umhinkönnen, sich mal intensiver mit der politischen Haltung ihrer Musik-Migranten auseinanderzusetzen. Der Verdacht liegt doch nahe, dass da so mancher oder manche geigt, bläst und paukt, der oder die dem rotgrünen politischen Reinheitsgebot nicht gerecht wird. Und dann?
Nach den Präzedenzfällen Gergiew und Nasturica kann es auf diese Frage nur eine Antwort geben: Abschied im gegenseitigen Einvernehmen. Also ab in die alte Heimat. Oder dorthin, wo man von Musikern keinen Eid auf die gerade aktuelle Außenpolitik verlangt. Nun gut, da bleiben noch jede Menge Länder, in denen Musik-Freiheit herrscht, und nicht die Münchner Unfreiheit. Nein, um künftige Verfemte mache ich mir weniger Sorgen. Die Welt steht ihnen offen. Sie sind Könner ihres Fachs, was ja anderswo bei der Musik die Hauptrolle spielt.
Aber was bleibt nach den drohenden Abschieden noch übrig von der feinen Philharmonie? Droht sie nicht zu einer schmalen Combo der politischen Harmoniker zu schrumpfen? Es wäre ein Verlust, aber was kann man machen. Die politische Korrektheit verlangt offenbar ihre Opfer. Auch vom Musikfreund. Es ist nun mal nicht das Gleiche, Lorenz Nasturica Herschcowici und sein Mariinsky Stradivarius Ensemble per YouTube zu genießen, als genösse man vor Ort das Original. Aber die traurige Alternative wäre eine Reise zum kulturellen Nebenkriegsschauplatz München mit seinem Ideologieorchester.
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Aber, aber, die Neunte. Gut, ich finde sie zu Silvester auch zu schwer. Die Sechste würde gehen oder, passend zum Krieg, die Dritte. Eins aber muss man festhalten: Zufällig passte sie wie eine Eins zu Papst Benedikts Ableben, der allerdings vor allem ein Mozartanhänger war. Vielen Dank für den Hinweis auf Lorenz Nasturica Herschcowici und sein Mariinsky Stradivarius Ensemble. Werde ich mir gönnen. Was Nachwuchs betrifft, verweise ich auf die Sendung von Geerd Buurmann, reichlich Aspiranten. Zumindest die Hörner und Tuben bei Brahms und Mahler könnten durch Böller ersetzt werden. Den allgemeinen kulturellen Niedergang und den Hang zu Abgehacktem, Schluckauf und Kakophonie wüerde das beschleunigen. „Sträusse“ ist lustig. Anna Nebtr. darf nicht mehr im gelobten Land der guten Oligarchen auftreten, will sie vermutlich aus Sicherheitsgründen ohnehin nicht. Das ist der Beitrag der guten Oligarchen zur EU-Fähigkeit. Keine Anna, weiter Bakschisch. In der FAZ zwei gute Stücke für und gegen Friedensgespräche. Das eine bekam ich geschenkt, das andere (Reinhart Merkel) leider nicht. Immerhin ein Hauch von Debatte. Im Moment passt im Prinzip nur ein einziger Komponist zur Gesamtsituation in Deutschland: Korngold. Die Tote Stadt. Ersetzbar durch Statt. „Glück, das mir verblieb“, unschlagbar von Otter.
Das lenkt meine Gedanken auf ein (nur scheinbar) ganz anderes Gebiet. Vor kurzem las ich über die herausragende Rolle, die einst die Uni Göttingen zum weltweit bewunderten Zentrum der Mathematik machte. Mathematiker aus der ganzen Welt pilgerten dorthin. – Den braunen Sozialisten gelang es dann in kurzer Zeit, diesen Tempel der Wissenschaft so gründlich zu zerstören, daß er sich nie wieder davon erholte. Im Zerstören sind Sozialisten die unbestrittenen Weltmeister.