Oliver Marc Hartwich, Gastautor / 20.11.2007 / 18:20 / 0 / Seite ausdrucken

Es geht ein Brief nach Nirgendwo

Manchmal denke ich, ich lebe in einer Bananenrepublik, doch das stimmt natürlich nicht. Schließlich handelt es sich bei dem Vereinigten Königreich immer noch um eine Monarchie. Aber es geschehen gar merkwürdige Dinge auf diesen Inseln. Heute zum Beispiel.

Da tritt der Schatzkanzler vor die Abgeordneten des Unterhauses um bekannt zu geben, dass ein paar Daten auf dem Postweg verloren gegangen sind. Nichts Dramatisches natürlich - don’t panic - aber doch die persönlichen Daten von 25 Millionen Briten, die Kindergeld erhalten bzw. einmal erhalten haben. Dazu die Bankverbindungen und Anschriften der jeweiligen Eltern, ca. 7 Millionen Datensätze, teilweise auch die zugehörigen Sozialversicherungsnummern. Wer die beiden Datenträger findet, hat die perfekte Grundlage für Betrugsversuche.

Und wie konnte das alles passieren? Indem die Steuerbehörde diese Daten an den Rechnungshof geschickt hat, allerdings als “unrecorded delivery”, d. h. nicht einmal per Einschreiben. Dort sind sie aber nie eingetroffen.

Der Chef der Steuerbehörde ist inzwischen zurückgetreten, aber der Schatzkanzler ist natürlich noch im Amt. Nun kann man nur hoffen, dass sie von den Daten wenigstens noch ein Backup gemacht haben, bevor sie sie auf die Reise nach Nirgendwo geschickt haben.

Ist der Preis für regierungsamtliche Inkompetenz für 2007 eigentlich schon vergeben worden?

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