Gastautor / 23.04.2016 / 05:30 / 0 / Seite ausdrucken

Erst ein gefährlicher Gegner macht das eigene Gutsein perfekt (Serie Nächstenliebe, Teil 8)

Von Marei Bestek.

Oft reicht es  nicht mehr, sich selbst und sein moralisches Handeln zu präsentieren. Man muss sich einen Gegner erschaffen, der das eigene Handeln noch einmal um Längen steigert. Die Geburtsstunde des unentwegten Kampfes gegen „Rechts“. Es genügt nicht mehr, nur sein eigenes Handeln anzupreisen, dazu muss man noch auf all diejenigen zeigen, die dem moralischen Appell nicht Folge leisten. Das alte Ehepaar von nebenan, der Islamforscher, der Geschichtswissenschaftler, der Politiker – wer nur die leisesten Einwände gegen die Gutherzigkeitsmaschinerie hat, seien sie auch noch so begründet und angebracht, der ist gleich eine Ausgeburt des Bösen und natürlich: rechts! Das ganze Land scheint auf einmal voller Nazis zu sein, gegen die ein unerbittlicher Kampf geführt werden muss. Oft scheint es, als wollten die Deutschen die wirklichen Gefahren und Probleme nicht wahrhaben wollen. Stattdessen kämpft man lieber gegen die Geister der Vergangenheit und konstruiert sich angebliche Schuldige, nur um die wirklichen nicht benennen zu müssen. Wenn der einzige Antrieb moralischen Handelns darin besteht, anderen das Wort zu verbieten, sich von ihnen abzuheben und schließlich über sie zu erheben, dann erreicht man die letzte Stufe kurz vor dem Zerfall jeglicher, wirklicher Moral.

Morgen in Teil 9: Nicht der Koran wird missbraucht, sondern die Bibel

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Marei Bestek (25) wohnt in Köln und hat Medienkommunikation & Journalismus studiert.

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