Martina Binnig, Gastautorin / 30.01.2024 / 10:00 / Foto: Pixabay / 96 / Seite ausdrucken

Erst das Klima, dann das Fressen

Im Sinne des Klimas plant die EU die Reduktion der Lebensmittelproduktion – vor allem tierischer Nahrung. Ursula von der Leyen hat nun einen Literaturwissenschaftler mit der Umsetzung beauftragt.

„Wer das Erdöl kontrolliert, beherrscht die Staaten; wer die Nahrung kontrolliert, beherrscht die Menschen“, soll Henry Kissinger angeblich einmal gesagt haben. Dieses oft kolportierte Zitat ist zwar nicht sicher belegt, doch selbst wenn es nur erfunden sein sollte, trifft es zu. Denn es ist eine Binsenweisheit, dass Ernährung für das Überleben von Menschen nun mal essenziell ist. Vor diesem Hintergrund stimmt es nicht gerade optimistisch, dass die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in der EU zwischen 2010 und 2020 von zwölf auf neun Millionen zurückgegangen ist, wie Janusz Wojciechowski, EU-Kommissar für Landwirtschaft, am 19. Januar auf der Grünen Woche in Berlin zugegeben hat. Die EU strebe, so Wojciechowski, einen Transformationsprozess an, der die Betriebe resilienter gegen den Klimawandel machen und gleichzeitig die Umwelt schützen werde. 

Nur wenige Tage später, nämlich am 25. Januar, eröffnete Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Brüssel dann den „Strategischen Dialog über die Zukunft der Landwirtschaft“. Dieses neue Forum soll bis zum Sommer 2024 eine „gemeinsame Vision für die Zukunft des Agrar- und Lebensmittelsektors der EU“ entwickeln und „wichtige Interessenträger aus der gesamten Lebensmittelkette“ zusammenbringen. Dazu gehören Landwirte, Genossenschaften, Agrar- und Lebensmittelunternehmen, Nichtregierungsorganisationen sowie Vertreter der Zivilgesellschaft, Finanzinstitutionen und Hochschulen. 

Nichtregierungsorganisationen (NGOs) agieren allerdings mittlerweile in der Realität alles andere als politisch unabhängig, sondern im Gegenteil in aller Regel regierungsnah. So sollen beispielsweise nach dem Entwurf des Bundeshaushalts für 2024 (Stand 16. Oktober 2023) im kommenden Jahr rund 530 in Deutschland aktive NGOs direkt oder mittelbar durch mehrheitlich im Eigentum des Bundes befindliche Unternehmen finanziell unterstützt werden. Und auch unter „Zivilgesellschaft“ werden nicht einfach die Bürger eines Landes verstanden, sondern ebenfalls in erster Linie Verbände wie NGOs, Gewerkschaften und Stiftungen. Es stellt sich also zwangsläufig die Frage, welche Interessen im „Strategischen Dialog über die Zukunft der Landwirtschaft“ tatsächlich in erster Linie vertreten werden.

„Belastbarkeitsgrenzen unseres Planeten“

Im Mittelpunkt des Dialogs soll laut EU-Pressemitteilung ausdrücklich die Unterstützung der Landwirtschaft „innerhalb der Belastbarkeitsgrenzen unseres Planeten und seiner Ökosysteme“ stehen sowie die Nutzung der „enormen Chancen, die Wissen und technologische Innovationen bieten“. Damit soll eine „florierende Zukunft für das europäische Lebensmittelsystem der EU in einer wettbewerbsorientierten Welt“ gefördert werden. Was mit „Belastbarkeitsgrenzen unseres Planeten“ gemeint ist, lässt sich etwa aus dem im November vergangenen Jahres ausgehandelten „Renaturierungsgesetz“ schlussfolgern (wir berichteten hier und hier).

Demnach sollen in der EU mindestens 20 Prozent der Landlächen „wiederhergestellt“ und beispielsweise trockengelegte Moore wieder vernässt werden. Nicht weniger bedenklich klingt die „Vom Hof auf den Tisch“-Strategie („Farm-to-fork“) der EU: Ein Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen stammen – so die Experten der EU – aus den derzeitigen Lebensmittelsystemen, die sich noch dazu negativ auf die menschliche Gesundheit auswirkten, was dazu führe, dass mehr als 50 Prozent der Erwachsenen in Europa übergewichtig seien. Dagegen soll nun mit blumig umschriebenem Verzicht angegangen werden, indem etwa der Einsatz von Düngemitteln halbiert, mindestens 25 Prozent des Anbaus bis 2030 ökologisch umgestellt und Ackerflächen teilweise stillgelegt werden sollen. Das würde jedoch zwangsläufig zu erheblich niedrigeren Erträgen führen.

Zu den „enormen Chancen, die Wissen und technologische Innovationen bieten“, zählen vermutlich auch sämtliche im Labor hergestellte Nahrungsmittel wie künstliches Fleisch oder die sogenannte vertikale Landwirtschaft, bei der Gemüse und Obst auf wenigen Quadratmetern übereinander in mehreren Etagen angebaut wird, wobei völlig auf Sonnenlicht verzichtet werden kann. So berichtet das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft bereits: „Europas größte vertikale Farm steht derzeit in Dänemark. Dort kultiviert das Unternehmen Nordic Harvest Gemüse in 14 Etagen übereinander. Geerntet wird hier ganzjährig. Möglich ist das durch eine 24-stündige Beleuchtung mit LED-Lampen und eine Klimasteuerung, die stets für die optimale Temperatur und Luftfeuchte im Raum sorgt.“

Das ist nur konsequent: Wenn durch EU-Vorgaben die landwirtschaftlich genutzten Flächen verkleinert werden und auch die Tierhaltung aus vorgeblichen Klimaschutzgründen eingeschränkt wird, müssen andere Lösungen her. Auch das Umweltbundesamt weist darauf hin: „Die intensive Nutztierhaltung und der hohe Konsum tierischer Lebensmittel sind mit negativen Auswirkungen auf Umwelt und Klima verbunden. Änderungen in der Produktion und beim Konsum können die Umwelt und das Klima entlasten.“

Die Geschäftsaussichten sind nicht schlecht

Weder die Landwirte noch die Bürger werden allerdings gefragt, ob sie diese Transformation der Nahrungsmittelerzeugung überhaupt wünschen. Wen es hingegen eindeutig freuen dürfte, steht fest: die entsprechenden Konzerne, die in den Startlöchern stehen, um ihre Produkte auf den Markt zu bringen wie etwa das Unternehmen Infamily Foods im nordrhein-westfälischen Versmold. Die Geschäftsaussichten sind nicht schlecht. Schließlich macht die EU mit ihrem Green Deal, durch den Europa bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent werden soll, ernst. 

Dazu noch einmal das Bundesumweltamt: „Eine Steigerung der Ökoeffizienz allein wird vermutlich nicht ausreichen, um Umwelt- und Klimaziele zu erreichen, zumal dadurch das Problem der Nutzung von Ackerflächen für den Futtermittelanbau und den damit einhergehenden Umweltwirkungen nicht gelöst wird. Daher sollte die Nutztierhaltung nicht nur hinsichtlich des `Wie´ sondern auch des `Wieviel´ umgebaut werden. Hierfür sollte der maximal mögliche Tierbestand aus Umwelt- und Klimazielen abgeleitet werden und an die Tragfähigkeit der Ökosysteme angepasst werden.“

Und: „Jede Person in Deutschland emittiert durch ihren Lebensstil im Durchschnitt 10,78 Tonnen CO-Äquivalente im Jahr. Davon gehen 1,7 Tonnen CO-Äquivalente beziehungsweise 15 Prozent auf die Ernährung zurück – und damit fast gleich viel wie für die Mobilität ohne Flugreisen. Den Großteil der ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen, knapp 70 Prozent, machen die tierischen Lebensmittel aus.“

Ausdauernde Moderation

Damit nun die Dialog-Partner wie auch die EU-Bürger von der Notwendigkeit der Ernährungstransformation überzeugt werden, hat Ursula von der Leyen den emeritierten deutschen Professor Peter Strohschneider zum Vorsitzenden des „Strategischen Dialogs“ ernannt. Strohschneider, der zuvor der „Zukunftskommission Landwirtschaft“ (ZKL) der Bundesregierung vorstand, ist nämlich nicht vom Fach, sondern germanistischer Mediävist, also Mittelalterforscher.

Schon im Abschlussbericht der „Zukunftskommission Landwirtschaft“, der 160 Seiten umfasst und am 29. Juni 2021 verabschiedet wurde, hat Strohschneider nicht nur bewiesen, dass er den Gender-Doppelpunkt beherrscht, sondern es werden darin auch „zwölf Leitlinien für den schnellen und umfassenden Transformationsprozess des gesamten Landwirtschafts- und Ernährungssystems in Deutschland“ vorgestellt. Wörtlich heißt es zum Beispiel: „Ohne die Verbesserung von Ernährungsstilen und einen Wandel des Verbraucherverhaltens, wozu auch die Reduzierung des Konsums von tierischen Lebensmitteln sowie von Zucker, Fett und Salz gehört, wird die Transformation des Systems von Landwirtschaft und Ernährung nach Auffassung der ZKL nicht gelingen können.“

Und weiter: „Um den Klimawandel und seine ökologischen und sozialen Folgen zu begrenzen, müssen die Treibhausgasemissionen so zurückgefahren werden, dass das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens erreicht wird. Da dieses Ziel nicht ohne eine grundlegende Transformation des gesamten Wirtschaftssystems hin zu einer emissionsreduzierten Volkswirtschaft denkbar ist, macht es die Entwicklung von Emissionsminderungs- oder Kohlenstoffbindungsstrategien für alle relevanten Sektoren erforderlich, um einerseits richtige Impulse für klimaschutzpolitische Strukturveränderungen zu setzen und andererseits Technologieinnovationen anzustoßen. Dies hat auch das Bundesverfassungsgericht in seiner Entscheidung vom 24. März 2021 mit der Forderung an den Gesetzgeber unterstrichen, entsprechend weitere Maßnahmen für Emissionsverringerungen vorzusehen und damit die Grundrechte insbesondere auch jüngerer und zukünftiger Generationen zu schützen.“

Zur Erinnerung: Das Bundesverfassungsgericht hatte entschieden, dass das Klimaschutzgesetz die Rechte junger Menschen und künftiger Generationen unzureichend schützt, weil es die Klimaschutzverpflichtungen nur bis 2030 festschreibt. Für seine Verdienste im ZKL wurde Strohschneider 2022 von Cem Özdemir, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, die Professor Niklas-Medaille für besonderes Engagement auf dem Gebiet der Ernährung, Land- und Forstwirtschaft verliehen. Unter der ausdauernden Moderation Strohschneiders sei ein Konsens gelungen, der lange Zeit unvorstellbar schien, nämlich „die unterschiedlichen Interessen der Agrar- und Umweltpolitik zu verbinden und die komplexe Neuausrichtung der Landwirtschaft entscheidend voranzubringen“. 

Wer ist dieser Mann?

Bei Strohschneider kann sich von der Leyen also voll und ganz sicher sein, dass er im Sinne des Green Deals kommunizieren und verhandeln wird. Nach der Auftaktsitzung sollen nun eine Reihe thematischer Sitzungen organisiert werden, wobei der Rat und das Europäische Parlament in den Prozess einbezogen werden sollen. Strohschneider als Vorsitzendem kommt es zu, den Dialog regelmäßig zu informieren und mit beiden Organen einen „Gedankenaustausch“ zu führen. Außerdem soll er in Zusammenarbeit mit den Dialogteilnehmern das genaue Format der Schlussfolgerungen festlegen können. Damit spielt er also eine durchaus einflussreiche Rolle in der EU-Agrarpolitik. In einem Video, das das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft anlässlich der Preisverleihung 2022 veröffentlichte, sagt Strohschneider: „Eigentlich bin ich Professor für Literaturwissenschaft und zwar mit einem Schwerpunkt auf mittelalterliche Literatur. Ich hab allerdings in den letzten 17 Jahren überwiegend nicht Literaturwissenschaft gemacht, sondern wissenschaftspolitische, wissenschafts-administrative Führungsaufgaben wahrgenommen.“

Und er ergänzt: „Tatsächlich ist es so, dass meine Unbelecktheit – agrarpolitisch wie agrarwissenschaftlich – es auch mit sich gebracht hat, dass ich von keinem der Mitglieder der Zukunftskommission Landwirtschaft der einen oder anderen Positionen oder Richtung irgendwie zugerechnet werden konnte. Insofern hatte ich eine Neutralitätsvermutung für mich und die habe ich schon auch ordentlich ausgenutzt.“ Was genau meint er wohl mit „ausgenutzt“, und warum lacht er dabei (Minute 1:12)? Ein ehemaliger Literaturwissenschafts-Professor, der eine „Neutralitätsvermutung“ für sich in Anspruch nimmt, steht also dem derzeit obersten Verhandlungsgremium für die Ernährungssicherheit in der EU vor? Eine bizarrere Story könnte man sich kaum ausdenken. Wer ist dieser Mann?

Strohschneider war unter anderem Vorsitzender des Wissenschaftsrats, eines wissenschaftspolitischen Beratungsgremiums, dessen Träger die Regierungen des Bundes und der Länder sind. In dieser Funktion war er maßgeblich an der  Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen beteiligt. Diese Initiative spielte eine entscheidende Rolle bei der Vergabe von staatlichen Fördergeldern. Kritiker monieren, dass dadurch nicht zuletzt politische Linientreue belohnt werde. Außerdem ist Strohschneider Leopoldina-Mitglied und stand von 2013 bis 2019 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) als Präsident vor. 

Als DFG-Vertreter hielt er beispielsweise im Juli 2017 einen Vortrag („Rede des Jahres 2017“) zum Thema „Über Wissenschaft in Zeiten des Populismus“. Darin sagte er in Hinblick auf „Wissenschaftsfreiheit“ (Minute 1:10): „Wer meinen mochte, Wissenschaftsfeindlichkeit und populistischer Antiintellektualismus liefen eben als Rauschen öffentlicher Kommunikation nebenher mit; wer meinen mochte, Leugnung des menschengemachten Klimawandels oder Furcht vor dem Impfen werde kaum über konventikelhafte Zirkel hinaus greifen, wer das meinen mochte, der sieht sich längst eines schlechteren belehrt: Wahn und Lüge, vulgärer Zynismus, nacktes Machtkalkül und unverantwortliche Simplifizierung beweisen erneut ihre Geschichtsmächtigkeit auch gegenüber der Freiheit von Wissenschaft.“ Damit bezog er sich auf die Amtseinführung von Donald Trump als 45. Präsident der Vereinigten Staaten, gegen den er dann sogleich kräftig austeilte.

Aversion gegen die Macht der Wissenschaft

Sein Hinweis auf die „Furcht vor dem Impfen“ war als Seitenhieb auf die US-amerikanischen Kreationisten gemeint. Doch im Rückblick springt eine Koinzidenz ins Auge: Ebenfalls noch im Jahr 2017 wurde das Planspiel SPARS des Johns Hopkins Center for Health Security abgeschlossen. In diesem Übungsszenario zur Risikokommunikation bei einer Pandemie wurden unter anerem Strategien entworfen, um Menschen zur Impfung zu ermutigen. In seiner Rede führte Strohschneider noch an, dass er beim „March for Science“ mitgelaufen war, der 2017 allerdings auf den „Earth Day“ gelegt wurde, was dem wissenschaftlichen Anspruch, den Strohschneider vertritt, eher widerspricht. Immerhin gab Strohschneider zu bedenken, dass Wissenschaftler nur dann in den Streit für die pluralistische Moderne eintreten könnten, wenn sie sich nicht als Instanz des Wahrheitsbesitzes verstünden, und dass Wissen immer unter Revisionsvorbehalt stehe. Außerdem habe die Wissenschaft kein politisches Mandat. 

Ob Strohschneider es gewagt hätte, diese Sätze auch in der Hochphase der angeblichen wissenschaftlichen Einigkeit während der Corona-Zeit zu äußern? Nach den Stellungnahmen zu urteilen, die die Leopoldina 2020 und 2021 veröffentlicht hat, wohl kaum. Hier war es einzig der Wissenschaftsphilosoph Michael Esfeld, der Widerspruch wagte. In ihrer Stellungnahme vom 27. November 2021 beklagte die Leopoldina im Gegenteil die „Vielstimmigkeit der öffentlich vorgebrachten Einschätzungen von Fakten und Prognosen“. Und bereits in ihrer Stellungnahme vom 8. Dezember 2020 vertrat die Leopoldina die Ansicht: „Trotz Aussicht auf einen baldigen Beginn der Impfkampagne ist es aus wissenschaftlicher Sicht unbedingt notwendig, die weiterhin deutlich zu hohe Anzahl an Neuinfektionen durch einen harten Lockdown schnell und drastisch zu verringern.“ Gemessen an seinen Ausführungen 2017, hätte Strohschneider sich hier zu Wort melden müssen.

Auch in einem Interview im Deutschlandfunk vom 6. Dezember 2020 wies Strohschneider lediglich darauf hin, dass die politischen Entscheidungen unter hohem Problem- und Zeitdruck stattfinden müssten und daher eine Revidierbarkeit mit sich brächten, was ebenso die zugrunde liegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse betreffe. Die Pandemie sei zudem eine unsichtbare Gefahr. Und er zog eine Parallele zur Klimakrise: Der Anstieg der Erdtemperatur entziehe sich ebenfalls der direkten sinnlichen Wahrnehmung. In Verschwörungsmythen, Impfgegnerschaft und Leugnung des anthropogenen Klimawandels manifestiere sich nicht zuletzt auch eine Aversion gegen die Macht der Wissenschaft.

„Erklärung zu Klima und Gesundheit“

Durch seinen felsenfesten Glauben an den menschengemachten Klimwandel ist von Strohschneider im „Strategischen Dialog über die Zukunft der Landwirtschaft“ nun gerade keine Neutralität zu erwarten. Das dürfte nicht nur von der Leyen, sondern auch WHO- Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus freuen, der am 21. Dezember 2023 in einer Video-Botschaft mit dem Titel „Unsere Lebensmittelsysteme schaden der Gesundheit der Menschen und des Planeten“ erklärte, dass die Ernährungssysteme zu über 30 Prozent der Treibhausgasemissionen beitrügen und für fast ein Drittel der weltweiten Krankheitsfälle verantwortlich seien. Eine Umstellung der Lebensmittelsysteme auf eine gesündere und stärker pflanzlich geprägte Ernährung sei daher unabdingbar. Klima- und Ernährungsmaßnahmen müssten zukünftig miteinander verknüpft werden. Und Tedros dankte den „nordischen Ländern“ dafür, dass sie Wegbereiter für viele politische Durchbrüche bei der Verknüpfung von Klima und Ernährung seien und die Führungsrolle in diesem Bereich übernommen hätten.

Schon auf der Weltklimakonferenz in Dubai (kurz: COP 28), die vom 30. November bis 13. Dezember 2023 stattfand, wurde von mehr als 120 Ländern eine „Erklärung zu Klima und Gesundheit“ unterstützt, durch die das Thema Gesundheit fortan in den Mittelpunkt von Klimaschutzmaßnahmen gestellt werden soll. Dafür sicherte die Rockefeller-Stiftung, die unter anderem eine Globale Impfinitiative (Global Vaccine Initiative) betreibt und sich für die Einführung von digitalen Gesundheitspässen einsetzt, 100 Millionen US-Dollar zum Ausbau von Klima- und Gesundheitslösungen zu. Zur Begründung für die „Erklärung zu Klima und Gesundheit“ musste abermals das 1,5-Grad-Ziel herhalten: Laut dem 2015 auf der Weltklimakonferenz verabschiedeten „Übereinkommen von Paris“ soll der menschengemachte Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius begrenzt werden, gerechnet vom Beginn der Industrialisierung bis zum Jahr 2100. Als vorindustriell wird der willkürlich gewählte Mittelwert der Jahre 1850 bis 1900 verwendet, wobei etwa die mittelalterliche Wärmeperiode von 900 bis 1200 völlig ausgeblendet wird.

Allerdings fallen die Reaktionen auf die Video-Botschaft von Tedros sicher nicht so aus, wie er sie gerne hätte. Denn die Kommentare auf dem offiziellen YouTube-Kanal der WHO sind überwiegend kritisch. Hier eine Auswahl: „Niemand kann mich zwingen, vegan zu leben, mich impfen zu lassen etc. Es ist mein Körper, und ich bin der Boss über meinen Geist und meinen Körper. Meine Seele ist frei, immer.“„Dystopische Zukunft. Niemals.“ – „Ein nicht gewähltes Gremium berühmter Nobodys. Nein danke!“„Tut mir leid, ich ziehe es vor, keine Ernährungsempfehlungen von der WHO (Wuhan Health Organization) anzunehmen!“ Der Widerstand wächst. Nicht nur gegen die WHO.

 

Martina Binnig lebt in Köln und arbeitet u.a. als Musikwissenschaftlerin (Historische Musikwissenschaft). Außerdem ist sie als freie Journalistin tätig.

Foto: Pixabay

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A. Iesenhain / 30.01.2024

„Damit nun die Dialog-Partner wie auch die EU-Bürger von der Notwendigkeit der Ernährungstransformation überzeugt werden, hat Ursula von der Leyen den emeritierten deutschen Professor Peter Strohschneider zum Vorsitzenden des „Strategischen Dialogs“ ernannt. Strohschneider, der zuvor der „Zukunftskommission Landwirtschaft“ (ZKL) der Bundesregierung vorstand, ist nämlich nicht vom Fach, sondern germanistischer Mediävist, also Mittelalterforscher.“  - Die EU beweist, dass Zeitreisen möglich sind, egal ob in die Zukunft zu den Morlocks oder in die Vergangenheit zur Speisekaverne von Sawney Bean (Strohschneider findet sich kulinarisch sicher auch in der frühen Neuzeit zurecht). „Vorwärts immer, rückwärts nimmer“ gilt ab sofort nicht mehr, sondern eher der Titel eines phantastischen Klassikers von Oswald Levett aus dem Jahr 1933: „Verirrt in den Zeiten“.

Dr. med. Markus Hahn / 30.01.2024

Die Linken stehen ja auf diesseitige Endbilanzierung der Existenz. Und die ist nah, sehr nah….und ganz am Ende klappt das erfahrungsgemäß mit den üblichen Mätzchen unseres Hirns aka Dissoziation, kognitive Dissonanz, Verdrängung, Projektion etc. gar nicht mehr so gut. Am Ende wird es jämmerlich für die, die sich und die anderen allzu sehr betrogen haben. Die kurze Spanne des Endes mutet manchem übrigens unendlich an. Das Hirn ist am Ende so unempathisch wie die Realität.

Judith Panther / 30.01.2024

Bis 2050 sind diese Figuren allesamt tot. Die Orte, wo man ihre Leichen verscharrt hat, wird man für immer geheimhalten müssen, um die Grabstätten vor Schändung zu bewahren.  Ob Dr. Mabuse, Dr. Frankenstein, Nosferatu, ob Schwab, Soros oder Gates, Haarmann oder Bartsch, ob Illner, Will oder Maischberger - für Gruselnostalgie wird auch nach 2050 noch gesorgt sein.  Warte, warte nur ein Weilchen ...

Dieter Grimm / 30.01.2024

Ich persönlich sehe die Situation, die von der faschistoiden EU geplant wird, folgendermaßen. Ich wohne auf dem Dorf mit einem riesigen Garten, etwas eigenen Wald, und diverse verpachtete Feldgrundstücke. Würde mir auch nur ein einziger Grünhonk verbieten Tiere für den Verzehr, eigenes Obst und Gemüse an zubauen, würde das für diesen Grünhonk zu großen Problemen führen. Aber ich bin zuversichtlich das es a) die Grünen bald nicht mehr geben wird und b) diese geisteskranke EU in ihrer heutigen Form so nicht mehr geben wird. Denn in naher Zukunft wird man zu der Erkenntnis kommen, das man total Verlödeten nicht jedem Monat 20000€ Salär für penetranten Bullshit bezahlen muss.

Sam Lowry / 30.01.2024

Bei vielen, wie eben bei meinem Vermieter gesehen: Erst das Fressen, dann das TV… (ging nicht an, habe es schnell repariert). Jetzt aber: Prosit!

Sam Lowry / 30.01.2024

Zur Ablage “Rund”: Zumindest heute bin ich froh darüber, dass ich als Frührentner so wenig zu essen habe. So kam ich mit meinen dünnen Ärmchen an einen Stecker in einem Leon-Cupra-Motor, der an der Wasserpumpe sitzt. Für 18 Euro bei Ämäson ein ODB2-Teil gekauft und den Fehler “Motorkontrollampe” gelöscht. Es lag nur an diesem blöden Stecker. Die Werkstatt hätte für 1.000 Euro eine neue Wasserpumpe eingebaut und das halbe Auto zerlegt. Nur mal als Beispiel, dass auch im Schlechten, hier die Inflation und verbrecherische EU-Politik, manchmal doch irgendwo noch etwas Gutes steckt. Wenn es doch nur immer am Ende gut würde…

Ralf Ehrhardt / 30.01.2024

Sind schon Reaktionen von Ricarda Lang bekannt ?

Talman Rahmenschneider / 30.01.2024

Ich lese regelmäßig die Hälfte Ihrer gut recherchierten Artikel, dann kapituliere ich. Einfach zu lang. Da EU-Politik öde ist, wären kürzere Artikel vielleicht besser. Immerhin ersparen Sie uns ein Bild von der schwer erträglichen Frau Betonfrisur.

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