Zuerst einmal ist es ein Unding, dass auf die Intervention von Donald Trump die FIFA – namentlich deren Vorsitzender Infantino – eine rote Karte gegen den amerikanischen Stürmer Folarin Balogun „zur Bewährung ausgesetzt“ hat. Unabhängig davon, ob die rote Karte berechtigt war oder nicht (die Meinungen gehen hier auseinander), ist eine Schiedsrichterentscheidung eine Tatsachenentscheidung. Foul ist, wenn der Schiri pfeift. Doppelfoul ist, wenn auf Wunsch des Präsidenten diese Entscheidung „rückgängig“ gemacht wird.
Zum Fußball gehören nun einmal auch die Ungerechtigkeiten, seien es das nicht gegebene deutsche Tor gegen Paraguay, sei es das ungeahndete Herumholzen der Paraguayos inklusive Faustschlag gegen Mbappe im Spiel gegen Frankreich. Die FIFA beraubt sich so ihrer Glaubwürdigkeit und – schlimmer – dem Spiel und dem Wettbewerb Würde und Glaubwürdigkeit. Die Politik hat sich nicht in den Sport einzumischen. Und auf diese Weise erst recht nicht. Ansonsten machen wir es uns einfach und erklären einfach die USA zum Weltmeister und sparen uns die letzten Spiele.
Tatsächlich wäre das sogar möglich: Würden die Belgier, sollte Balogun für die Amerikaner auflaufen, einfach das Spiel verweigern, würden sie zwar disqualifiziert, aber ein deutliches und gutes Zeichen gegen diese unverschämte Art der Einflussnahme setzen. Ganz abgesehen davon, dass diese Vorgehensweise gegenüber den Spielern, die brav ihre Rotsperre absitzen, in höchstem Masse unfair ist. Mittlerweile gehen gegen diese Regelwillkür nicht nur die Belgier, sondern sogar der komplette europäische Fußballverband UEFA auf die Barrikaden.
Sollte diese Entscheidung Bestand haben, wäre die UEFA vielleicht sogar gut beraten, mit ihren angeschlossenen Verbänden den Wettbewerb zu verlassen. Sollen die USA doch Weltmeister werden – auf diese unfaire und billige Art wäre das kein wirklich ehrenhafter Titel. Aber das wird wohl, im „Age of Beliebigkeit“, ein Wunschtraum bleiben. Aber vielleicht erklärt Trump sie ja trotzdem vorab zum Sieger, das macht er auf anderem Felde ja auch schon mal.
Die unbeliebteste Mannschaft – und die wohltuenden Norweger
Daneben lohnt eine Betrachtung der meiner Ansicht nach auffälligsten Mannschaften der WM: Mit der Türkei ist die, außer bei den Türken, unbeliebteste Mannschaft (dicht gefolgt von den Prügelknaben aus Paraguay) bereits in der Vorrunde ausgeschieden. Hier wurde die Mannschaft Opfer der überbordenden und völlig überzogenen Erwartungen ihrer Fans. Die Busse der Türken wurde mit einem riesigen Kordon von Fahrzeugen in den Farben der türkischen Fahne zum Abflug in die USA begleitet und das, was von Fans im Internet zu sehen war, war maximal arrogantes und überzogenes Geplärre wie „Türkye the best“ und „wir werden sie schlachten“ und tatsächlich großmäuliges und hyperpathetisches Auftreten. So, als sei die Türkei bereits Weltmeister und die anderen Mannschaften nur einfach dummes und unfähiges Kanonenfutter für die großartigste Mannschaft der Welt und die Überlegenheit aller Türken über alle anderen.
Zu viel „Heimatliebe“ schadet natürlich. Wir erinnern uns noch gerne des klebrigen Pathos der Brasilianer 2014 vor dem Spiel gegen Deutschland: „Wir leben und sterben für Neymar und Brasilien!“ Umso hübscher, wenn man dann 7:1 vom Platz gefegt wird. Vielleicht sollte irgendjemand den Türken einmal erklären, dass Fußball eben doch nicht „Krieg mit sportlichen Mitteln“ ist…
Ganz wohltuend anders die Norweger: Wie weit eine Mannschaft – erst recht ein derartiger Fußballneuling wie die Skandinavier – kommen kann, wenn alles passt, nötigt der Welt echten Respekt ab. Da passt alles. Die Fans und die Mannschaft sind wie aus einem Guss, die Norweger haben sich eine augenzwinkernde „Wikingeridentität“ zugelegt, sogar ihre Namen in Pseudorunen auf die Shirts gedruckt und sich den einzigartigen „Ruderjubel“ zugelegt – die ganze Mannschaft aber auch die Nation dahinter sind zu dieser WM mit einer lockeren „keine Ahnung, wie weit wir kommen, aber Hauptsache, wir haben Spaß dabei“-Einstellung gereist und selbst wenn die Norweger gegen England ausscheiden sollten: Sie haben mit ihrer humorvollen Wikingeridentifikation einfach Spaß gemacht. So soll es sein.
Familienausflüge mit angeschlossenen Fussballspielen
Für unsere „Jungs“ gelten Licht und Schatten: Dankenswerterweise hat sich die Politik dieses Mal kaum bis gar nicht in die Mannschaftsaufstellung und deren öffentliches Auftreten eingemischt, was zumindest zum Überstehen der Vorrunde reichte. Vergleicht man allerdings, wie die Norweger in den USA ankamen und wie die Deutschen, dann hatte man bei der Nagelsmanntruppe durchaus den Eindruck, hier finden Familienausflüge mit angeschlossenen Fussballspielen statt. So. Da stiegen Leutchen in Schlabberkleidung aus dem Flieger, die genausogut der Kegelclub „alle Elfe“ aus Dortmund-Aplerbeck hätten sein können. Es bestand dafür aber auch kein überhöhter sportlicher oder moralischer Anspruch an die Nationalmannschaft, auch das lief unter einem wohltuenden „mal sehen, wie weit wir kommen“-Aspekt, ohne bramarbasierende Vorträge oder exhibitionistische Regenbogenhaltungsherumzeigerei. Danke dafür.
Wer Weltmeister wird, steht bei Druckdatum dieser Zeilen natürlich noch nicht fest. Ich persönlich würde tatsächlich Norwegen den Titel gönnen, auch, wenn ich nicht daran glaube. Es wäre toll, es würde mal einer, der es noch nie war. Daneben bleiben eigentlich nur noch Argentinien, Spanien, Frankreich und England, um hier den Kreis der Favoriten zu nennen. Wenn es aber Norwegen nicht wird: Die Engländer wären mal wieder dran, finde ich. Die hätten es echt mal wieder verdient. Außerdem hätten wir dann wenigstens EINEN Deutschen im Endspiel: Den englischen Trainer Thomas Tuchel.
Bei uns hier soll es jetzt „Don Kloppo“ richten. Ich bin gespannt, ob er die neue Heilsfigur des DFB werden kann. Was trotz beschränkter Mittel mit den richtigen Konzepten und der richtigen Einstellung und Identifikation möglich ist, zeigt Norwegen. Das sollten wir uns zum Vorbild nehmen – egal, welche Traumata grünrotrötere Klatschpappen beim Anblick von Deutschlandfahnen durchleben. Jetzt brauchen wir nur noch einen eigenen Haaland. Oder Klose. Und vielleicht – nur vielleicht – die „Identifikation“ als „Germanen“…
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Sehr schön. Man hätte die Norweger schon nach dem zweimaligen 4:1 gegen Italien in der Qualifikation (zuhause UND auswärts) und – wenn man alle europäischen Mannschaften in eine Tabelle sortiert hätte – auf Platz 1 der europäischen Teams sehen können.
Und wenn dann noch am Ende, also das Finale „Norwegen vs. Marokko“ lauten würde, dann könnte man dem Weltfussball tatsächlich noch was zugestehen, was in den letzten 8 Jahren zunehmend verschwand: Die Unvorhersehbarkeit, die Spannung, daß auch ein Underdog zum Zuge kommen kann.
Insofern tat mir das unglückliche Ausscheiden von Kap Verde gegen Argentinien auch etwas leid.. aber was soll’s, so ist es nun einmal.
Außenseiter haben es natürlich leichter einfach nur aufzuspielen, denn an sie stellt niemand irgendwelche Erwartungen. Siehe Dänemark bei der EM 1992, das nicht mal sportlich qualifiziert war und am Ende sogar Europameister wurde. Aber ja, wenn sie zumindest ordentlich Fuballspielen und nicht mit einem Ich-weiß-nicht-was-das-sein-soll-Gekicke, wie es „La Mannschaft“ präsentiert, dann ist der Turniergewinn selbstverständlich auch den Außenseitern zu gönnen.
„(…)was von Fans im Internet zu sehen war, war maximal arrogantes und überzogenes Geplärre wie “Türkye the best„ und “wir werden sie schlachten„ und tatsächlich großmäuliges und hyperpathetisches Auftreten.“
Das ist phänotypisches türkisches / moslemisches Alltagsverhalten, große Klappe, nichts dahinter.
Die nächste Wohltat von Trump könnte nach einer Niederlage der USA auch heißen: „Diese Wahl, ähm, dieses Spiel muss rückgängig gemacht werden.“ Haben wir in good old Germany ja gute Erfahrungen mit.
Trump hat Flugzeugträger, Anwälte und einen funktionierenden Geheimdienst. Die USA haben der FIFA vor längerer Zeit, Bestechlichkeit nach gewiesen viele seltsame Funktionäre mussten zurück tretten. Tja, jetzt lernt der Deutsche mal, was richtige Macht ist. Ich hoffe Infantino hat einen 2ten Weltmeisterpokal machen lassen, der 1. gehört eindeutig Trump. Von wegen Tatsachenentscheidung, wer ist Afrikameister?
Sehr geehrter Herr Schneider:
„Gut gebrüllt, Löwe!“
Mfg
Nico Schmidt
Mal geht die Hand Gottes zum Ball, mal geht sie zum Telefonhörer…