Erinnern Sie sich an Horst Köhler? Das sollten Sie!

Unser neunter Bundespräsident war der Erste und Höchste, der angeblich allein einem shitstorm nachgab. Köhler war das traurige Menetekel der Sprach- und Gedankenregelung im Windschatten der veröffentlichten Meinung.

Ich habe mich an so manches gewöhnt. Selbst die Chronik des Irrsinns lese ich inzwischen mit einer Mischung aus Amusement, Ennui und Achselzucken. Neuerdings bin ich gezwungen, mich an noch ganz Anderslautendes zu gewöhnen. Die Kommentare im hiesigen Diskussionsforum sind offen und frei wie eh und je, aber ihr Ton wird schärfer, kontroverser, unversöhnlicher. Erstmals fallen in ihnen wie in Artikeln der Autoren Begriffe wie „Trolle“, also bezahlte Schreiberlinge oder gar elektronische Schreibmaschinen, die nichts als Ideologien verbreiten sollen. Und auch für so manche Meinung wird der Gegenwind schärfer, Vorwürfe des Mainstreamings gegen diesen Blog, gegen Diskutierende, und sogar latent oder gar offen Antisemitisches macht sich Luft. – Ja, Leute, was habt Ihr denn gedacht? Solche Zeiten polarisieren!

Nun schätze ich als Leser wie als Autor dieses offene Wort und das offene Visier. Das hat nostalgische Gründe. Im Nachhinein erhellend finde ich Talkshows, die lange her sind, wie jene denkwürdige mit dem Wortgefecht zwischen Willy Brandt und Helmut Kohl über Heiner Geißler. Sie waren Aufreger und reinigende Gewitter, die Positionen waren klarer und konturierter als zuvor – und man ging alsbald zur Tagesordnung über. Heute meint ein verhätscheltes Bürgertöchterchen wie Luisa Neubauer schon, der Kanzler ziehe – und verharmlose – Nazi-Vergleiche. Ich gewann nach und nach den Eindruck, dass meine, die alte Bundesrepublik, viel mehr innere Stärke und sogar Zusammenhalt über Parteigrenzen hinweg erlaubte, als die Schärfe der politischen Auseinandersetzung es vermuten ließ – und als es heute möglich ist.

Diese alte Bundesrepublik war imstande, sogar ehemalige Nazis und neue Achtundsechziger zusammenzuführen, zu integrieren und bei ausreichender Ehrlichkeit zu Demokraten werden zu lassen, 20 Jahre RAF-Terror zu überstehen, palästinensischen und rechtsradikalen Terror zu überleben und sogar das unverhoffte, von wenigen aufrechten Dissidenten eröffnete und erst danach zur breiten Bewegung gewordene Geschenk der nationalen Einheit zu meistern, mit allen Verwerfungen, die es auch durch Einigungsvertrag, Treuhand und falsche Milde gegen SED und Stasi gegeben hat. Auf dieses Land, so meinte ich, könne man durchaus schmerzlich stolz sein; dieses Land hatte nicht alles richtig gemacht, vor allem die Dissidenten der DDR mit Plätzen auf den Hinterbänken der Macht abgespeist und dafür die Mitläufer nach oben gespült, aber, sofern das der Preis für die Aussöhnung hätte sein sollen, bei ausreichender Ehrlichkeit und Weitsicht der derart Gewendeten, so war ich bereit, mich auch damit leidlich abzufinden.

1994: Alles war auf Versöhnung aus, nur ich nicht

Vielleicht war das der Fehler. Denn ungefähr zu der Zeit ging auch die Schärfe der Auseinandersetzung verloren. Es sah noch aus nach ihr, als Kohl von Schröder abgelöst wurde, und auf eher peinliche Weise auch, als Merkel Schröder ablöste. In der Quadriga Merkel-Merz-Meier-Müntefering kam mir das Folgende aber noch pragmatisch und hemdsärmelig vor, also irgendwie okay. Nun, auf das Abräumen Helmut Kohls durch sein „Mädchen“ hätte ich persönlich verzichten können; es ersetzte ja nur alte durch neue Seilschaften, mehr nicht. Immer noch zählte ich das zum Preis der Veränderung, obwohl ich auf solche ebenso fossilen wie zweifelhaften Erscheinungen wie Schäuble und Seehofer schon vor mehr als 20 Jahren hätte verzichten können; aber auch Kompromisse sind Teil der Politik, und so lernte ich sogar solche spitzen Gestalten wie Gysi ein klein wenig schätzen, als Belebung nur und Reibungsfläche zur Entzündung echten Streits; Scharfsinn, Chuzpe, Humor und glänzende Rhetorik sind dabei nicht die schlechtesten Eigenschaften, wenn auch noch keine Werte.

Und so bemerkte ich auf einer Wahlveranstaltung der damaligen PDS auch, dass dieser Mann mit einigen wenigen gezielten Zwischenfragen der offen-hinterhältigen Art sehr leicht nervös zu machen war. Ich fragte ihn („Keinem Ex-DDR-Bürger darf seine Vergangenheit vorgeworfen werden… ich stehe auch für die Reinigung und die Erneuerung meiner Partei.“) schlicht, wie er diese beiden Kernaussagen denn unter einen Hut bringen wolle, und nach zwei kurzen Nachfragen geriet er in Rage.

Meine damalige linksgrün-bürgerliche Freundin versuchte von vornherein, mich zurückzuhalten; wir schrieben das Jahr 1994, und alles war auf Versöhnung aus, nur ich nicht. Warum sollte ein so glänzender Rhetoriker den Streit scheuen, und warum gab er sich solche Blößen? Die trockene Nüchternheit eines Lothar Bisky, Gott habe ihn selig, war mir deutlich lieber als Gysis widersprüchliche Salonrhetorik; so Bisky über Wagenknecht: „Sie wird Rosa Luxemburg immer ähnlicher. Demnächst wird sie noch anfangen zu hinken.“

Das Land ohne Eigenschaften

Kurz: Ich hatte immer noch Spaß an der Schärfe der Auseinandersetzung, am Humor und am anschließenden Weiterarbeiten der Akteure in der Politik, doch dann drehte sich die Sache. Sie tat es langsam, atmosphärisch – wie ein Barometer, das langsam fällt. Und dennoch wurde ich misstrauisch, immer dann, wenn die Auseinandersetzung durch den vorschnellen Kompromiss oder die diktierte Lösung ersetzt wurde, und kein Name steht dafür so deutlich und prägnant wie der Name Angela Merkel. Und deshalb bin ich mit meiner alten Lieblingspartei, der CDU/CSU, noch lange nicht fertig.

Solange sie nicht den Bruch mit Merkel so vollzogen hat wie den weniger bedeutsamen mit Helmut Kohl, misstraue ich ihr zutiefst, tiefer als der Linkspartei oder der SPD, bei denen ich halbwegs weiß, woran ich bin. Die Linkspartei ist der bucklige Erbe der SED. Die SPD hat große Kanzler hervorgebracht; und am Ende sind Kanzler immer glücklos, wie wir alle es am Ende sind; ihnen das vorzuwerfen wäre albern. Man kann sich aber auch freiwillig verstricken und dumm dastehen, und in der Disziplin waren und sind auch SPD-Kanzler nicht ohne; vor allem, wenn es um die Interessen des eigenen Landes ging. Geschenkt, Angela Merkel ist mehr des Lobes dieser Torheit wert.

Zu ehrlich fürs Amt?

Doch die Sache drehte sich an anderer Stelle, noch weiter oben, zumindest dem Titel nach, denn es begann mit einem Bundespräsidenten: Horst Köhler. Während der von mir als eine der ehrlichsten Häute der SPD hochgeschätzte Peter Struck, auch so ein Freund der deutlichen Aussprache, ungestraft behaupten konnte, unsere Sicherheit werde nicht nur, aber auch am Hindukusch verteidigt, zog Horst Köhler sich sozusagen im Flug vom höchsten Staatsamt zurück, wohl weil er deutsche Wirtschaftsinteressen ins Spiel gebracht hatte. Das jedenfalls ist die offizielle Lesart; eher eine Spekulation, denn zu den eigentlichen Verwerfungen hinter den Kulissen, die zu Köhlers Rücktritt führten, erfuhr ich nichts. Inzwischen haben wir einen Bundespräsidenten, der auch schon einen Kranz am Grab eines Terroristen niedergelegt und eine linksradikale Band gepusht hat, und es passiert nichts, außer seiner glanzlosen Wiederwahl mit ausdrücklicher Zustimmung der frischgebackenen Opposition von CDU und CSU.

Doch zurück zu Köhler. Merkel schaffte es, ihren damals glanzvollsten Konkurrenten, Christian Wulff, an sich selbst geschickt vorbei ins höchste Staatsamt zu hieven. Der geschickte Schachzug dieser Entmachtung Wulffs wurde am Rande notiert, mehr auch nicht. Zu einer politischen Auseinandersetzung über diese Form der diskussionslosen Hinterzimmereleganz kam es nicht. Und ähnlich danach im Falle seines Nachfolgers Gauck; auch hier schien der Konsens der Notlösung eine hinter den Kulissen ausgemachte Sache mit dem Geschmäckle der Inhaltslosigkeit. Und so färbte Angela Merkel, die Frau ohne Eigenschaften, nach oben durch wie eine langweilige Blaupause. 

Würdelose parlamentarische Spielchen

Zeitgleich entmannte sich nach und nach das Parlament. Alle fragwürdigen Beschlüsse der Kabinette Merkel, von der „Rettung“ Griechenlands und der EU, dem Krieg, der angeblich ausbräche, wenn die EU Schwäche zeige – und der nun auch deshalb ausgebrochen ist, aber nicht wegen ihrer Währung, wie beteuert, sondern wegen ihrer außenpolitischen und militärischen Bedeutungslosigkeit – über die Abschaffung der Wehrpflicht durch einen Parvenú bis hin zu einer rückhaltlosen Energiewende und zur unkontrollierten Einwanderung, es wurde alles kopfnickend durchgewinkt.

Dementsprechend tauchte die AfD auf, erstarkt und schwächelt seither je nach Lage, wie alle Parteien, doch Merkels Kartell der angeblichen Demokraten zog es vor, gegen jegliche Kritik die Nazikeule zu schwingen, um der inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Kritik an der Regierungslinie auszuweichen, bis hin zu würdelosen parlamentarischen Spielchen, um einen Alterspräsidenten oder einen stellvertretenden Bundestagspräsidenten der AfD zu verhindern; feine, feige Demokraten!

Im Namen der Energiewende schloss Frau Merkel alsdann sogar ganz gern Bekanntschaft mit Wladimir Putins Hund, und ihr Vorgänger Schröder rutschte die Rentnerleiter empor auf einen seiner oligarchischen, postzaristischen Aufsichtsratsposten; Merkel betonte mit ihrem Freund Obama, dem Friedensnobelpreisträger und eigentlichen Verlierer der Kriege von Syrien und Afghanistan, den Multilateralismus und zuletzt die Rettung des Klimas durch achtzig Millionen Deutsche gegenüber acht Milliarden Planetenbewohnern. 

Die Werte des freien Westens und die Wende Horst Köhlers

Gleichzeitig betonten alle Demokraten die Werte des freien Westens. Nun bin ich Westberliner, von Geburt, ich weiß also, was die Blockade und die Luftbrücke, der Mauerbau, auch, was Bautzen, Hoheneck, der Schießbefehl und die Selbstschussanlagen sind; und durch Freunde in Kleinmachnow, damals DDR, was man hinter vorgehaltener Hand sagte und ansonsten verschwieg, und auch, wie der äußere Druck den Zusammenhalt ebenso stärkt wie die Vorsicht und das Misstrauen, während im freien Westen alles auf sehr kontroverse Art erlaubt war. Es war ja so leicht, damals ein lupenreiner Demokrat zu sein.

Wie seltsam also, dass es sich nach Horst Köhlers schweigsamem Abgang alles so drehte. Für mich ist seine Causa, sein Fall, der eigentliche Wendepunkt; er war der Erste und Höchste, der angeblich allein einem shitstorm nachgab, siehe oben. Köhler war das traurige Menetekel der Sprach- und Gedankenregelung im Windschatten der veröffentlichten Meinung, so sehr, dass eine Kritik am Kurs der Merkeljahre seither gar nicht mehr möglich erschien, ohne ins angebliche Fahrwasser der Rechtsradikalen, gar Rechtsextremen abzudriften, so enorm, dass selbst Sahra Wagenknecht, Biskys Wiedergängerin der Rosa Luxemburg, drohte, in den hufeisigen Verdacht zu geraten, ins Gauland umziehen zu wollen.

Damals dachte ich erstmals: Ich lebe in Absurdistan. Absurdistan ist das Land, in dem die Führung jene Spaltung der Gesellschaft bejammert, die sie selbst am schärfsten betreibt, indem sie sogar die extremen Ränder zusammentreibt. Die luftige Kontroverse der alten Bundesrepublik war endgültig der Treibhausatmosphäre eines muffigen Gewächshauses gewichen, das darauf aus ist, die Blumen des Bösen zu züchten; feuchte, dicke Luft unter künstlichem Hochdruck, jedes politische Gespräch erstickend. Das ist die eigentliche Klimakatastrophe.

Freier Westen oder Tanz um goldene Kälber?

Doch die Sache spitzt sich noch weiter zu. Dieses Land, mein Land, denke ich noch zuweilen im Zustand nostalgischer Umnachtung, macht sich trotz Brexit, importiertem Terror und Antisemitismus, staatlich provozierter Energiekrise, Wirtschaftskrise, Inflation und Bundeswehrkrise zuallererst Gedanken über Gendersternchen und -toiletten, vollzieht feige den neuen Rassismus der angeblich Benachteiligten gegen den alten Rassismus der weißen Männer und rettet nebenbei im Alleingang das Klima, es macht die sachliche Kritik an Corona-„Maßnahmen“ und auf lächerliche Weise pseudowissenschaftlich begleiteten Impfkampagnen durch sich selbst bestätigende, regierungsnahe „Faktenchecker“ mundtot, es betont brav internationale Verflechtungen und Verpflichtungen, nach Belieben heute so und morgen anders.

Es straft die Oligarchen Bezos und Musk ab und hofiert den Oligarchen Gates, es sanktioniert verbal Trump und materiell Putin, den es gestern noch hofierte, und es entfacht und enttäuscht nebenbei in der Ukraine echte Hoffnungen; es übt den Kotau vor den neuen Kaisern von China – und erstarrt vor allen zusammen in durchaus berechtigter Angst. Nach wessen Pfeife wird dieses Land tanzen? Welche Lasten wird es seinen Bürgern noch aufbürden, dieses seltsame 'schland, Meinland, Meineidland, meine Heimat, und wie wird es mich überwachen und auf Linie und zum Schweigen bringen? Was kocht da hoch, auf Seiten der Mächtigen und ihrer Schreiberlinge wie auf Seiten der Regierten?

Die Regierung der woken, globalistischen Schneeflöckchen mit solch – berechtigter wie in ihrer Erstarrung selbsterfüllender – Angst vor der Zukunft ist dabei nicht weniger als ein Albtraum, eine pseudodemokratische, autoritäre Alternative zu noch Schlimmerem, mehr nicht; so denke ich nun auch zuweilen, wenn Politiker mir ohne jede Verteidigung der freiheitlichen westlichen Werte von einer „Zeitenwende" angesichts äußerer Kriege und innerer Kämpfe zur Rettung von irgendwem und irgendwas schwadronieren, an denen ich mich auch noch beteiligen soll, mit meinem Geld, mit meinem Denken, mit „Opfern“, die ich zu bringen habe. Welchen? Wofür?

Ein Land ohne Grenzen, ohne Werte und ohne Interessen

Dagegen die inneren Grundlagen, die Werte des freien Westens hochzuhalten, es wird schwieriger. Ich aber gebe mich nicht gern ab mit Ideologien, Utopien und Visionen, dem Vaudeville des politischen Illusionstheaters; da halte ich es weiter mit Helmut Schmidt, denn ich bin Arzt. Politiker verdienen weder meinen Neid noch meine Bewunderung, denn auch ich muss mich täglich in der Kunst des Möglichen üben, wie auch alle Regierten in ihren Berufen, Ämtern, Familien. Das ist nichts Besonderes.

Aber, Vorsicht: Money's too tight to mention. Gutes Handeln muss am Ende bezahlbar sein, auch das gehört zu den westlichen Werten; und auch da hakt es schon gewaltig. Wer seine Grenzen und seine Werte ebenso leichtfertig aufzugeben bereit ist wie seine Interessen und sein Geld, für den wird es richtig teuer, auf allen Ebenen, bis zum bitteren Ende. Horst Köhler wusste das. Ich vermute, das war der eigentliche Grund für seinen Rücktritt, der für mich alles verändert hat, zum Unguten. Denn ein Land ohne Grenzen, ohne Werte und ohne Interessen ist tot, ohne es zu wissen.

Und so stelle ich es einfach zur Diskussion und bitte Sie: Nehmen Sie diese Frage nicht zu leicht. In ihr allein liegt der Schlüssel zur Lösung der Frage, warum die Kommentare an Schärfe zunehmen (was sie müssen!), denn sie ist zugleich auch der Schlüssel zu unserer Zukunft, nämlich, ob wir noch eine vor uns haben oder nicht. Also: Haben wir noch Interessen als Deutsche und Europäer und Zugehörige zum freien Westen, oder markiert der Abgang Horst Köhlers tatsächlich den Wendepunkt hin zur Interessenlosigkeit Deutschlands? Vielmehr und schlimmer noch und schärfer: Existiert nur noch der „Faktencheck“, der mal trollige, mal maliziöse, mal offizöse shitstorm, vor dem es zu kapitulieren gilt  oder existiert auch er noch, der freie Westen? Und wenn ja, wo?

Foto: International Monetary Fund CC BY 3.0 via Wikimedia Commons

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Olaf Manns / 05.06.2022

..ich habe selbst mal vor ner Weile Eigenstudien unter all meinen Bekannten und Leuten, die ich nicht kannte gemacht um meine Wahrnehmung zu bestätigen, das der Biss eines DNA Zombis in Gestalt einer Spritze evntuell das Entscheidungszentrum angreift, also die Zirbeldrüse ausser Funktion setzt.Nun, man kann ihnen sogar sagen, daß sie Teilnehmer meiner Studie sind, nicht mal das veranlasst sie, irgendwelchen Diskussionswillen an den Tag zu legen…soviel dazu..

Lutz Herzer / 04.06.2022

“...und auf eher peinliche Weise auch, als Merkel Schröder ablöste.” Was damals dem ersten Anschein nach auf Unbefangene nur peinlich wirkte, hatte womöglich einen Hintergrund. Eine Sache nämlich gilt es dabei zu bedenken: Schröder war zum damaligen Zeitpunkt bereits gut befreundet mit Putin. Kaum jemand dürfte jemals mehr Informationen über Angela Merkel gehabt haben als die Sowjets, die ehemaligen und deren Nachfolger. Nun kann man als Außenstehender nur darüber spekulieren, welche Informationen davon an Schröder bis zum Jahr 2005 weitergegeben worden sein könnten. Er wirkte latent panisch bei dem Gedanken, dass Frau Merkel Bundeskanzlerin werden könnte. Der nachfolgende Lauf der Dinge sollte ihm diesbezüglich Recht geben. Ich frage mich bis heute immer noch: was wusste Gerhard Schröder über Angela Merkel (IM Erika), was seine Partei, die SPD (”...glauben Sie im Ernst, dass meine Partei…?”), nicht wissen konnte?

Franz Michael / 04.06.2022

Mit h.c. Kohl und seiner klerikalen Bande kam der Untergang. Zuerst alles “Just in Time” danach folgte eine unfassbare Immaterialisierung volkswirtschaftlicher Güter(Innenfinanzierung). Vieles wurde und wird immer noch fürn Appel und Ei vorzugsweise an die Motten der Politiker verkauft. Welchen Handlungsspielraum haben heutige Politiker wenn alles privatisiert und/oder über PPP, ÖPP Verträgen mit 30 jähriger Laufzeit vorhanden sind? Genau, fast Null, egal was man wählt. Das größte Projekt das auch von fast allen anderen Regierungspolitikern getragen wurde war Europa. Die gesamten staatlichen Belange Schulen, Brücken, Autobahn, Infrastruktur, Wasserwege, Schleusen, Forschung etcpp wurden rigoros ausgeblendet und vernachlässigt. Die EU war das einzige Ziel zum großdeutschen römischen Reich. Auf dem Weg zum Großreich wurden mal eben einzig die Rentenkassen der Angestellten um ca. 1 Billionen Euro sachfremd geplündert, unfassbarer Lohnverzicht, deflationäre Löhne das zurecht behauptet werden kann das die Deutschen mit die Ärmsten in Europa sind, siehe auch Eigentumsquote. Nur mit billigen Nahrungsmitteln kann das Ausmaß verdeckt werden. Leistung lohnt sich in Deutschland eben nicht mehr. Aus dem Grund fälscht Destatis inkl. Regierung jedesmal den Armuts-Reichtumsbericht. Die Aufzählung könnte ich Seitenweise fortführen. Und das Raumschiff Brüssel und hinter dem Panzergraben Berlin schwebte schon lange davon und will die Welt missionieren und beglücken.

W. Renner / 04.06.2022

Wenn ich mich an legendäre Talk Shows erinnere, dann fällt mir zu allererst „Je später der Abend“ mit Klaus Kinski an. Der lies den roten WDR Münchenhagen und andere beteiligte wie Schulkinder da stehen. So etwas fehlt, in der vollends verblödeten Medienlandschaft mehr denn je. Aber ich mag mich partout an keinen grossen SPD Kanzler erinnern. Brand war von Moskau gesteuert, seine „Entspannungspolitik“ eine Anerkennung der Unrechtsstaaten hinter dem Eisernen Vorhang und Putins Wiege, Schmidt ein begnadeter Rhetoriker, aber am Ende auch nur ein Schuldenberg-Kanzler und Schröder eine Vollkatastrophe, der er sich treu geblieben ist.

Frank Kutschke / 04.06.2022

Wir hatten heute bemerkt, dass alle Schweiz-Deutschen Paare die wir kennen, für ein Leben in der Schweiz entschieden haben. Das ist schon eine interessante Metrik, um zu schauen welches Land das beste ist (oder bergab rollt). Insofern: Vielleicht gibt es den freien Westen noch in der Schweiz. Vielleicht sogar noch in Dörfern in Bayern und Baden-Württemberg. Aber sonst sieht es mau aus. Die Herrschaft des Volkes wurde konvertiert in eine gleichberechtigte Ohnmächtig, zum Vorteil von Lobbygruppen (einschließlich Parteien. Parteien sind lupenreine Lobbygruppen: sie streben nach politischen Einfluss für ihr Klientel). Die Freiheit ist tot und ohne einen neuen Rundfunk oder ein neues Wahlrecht wird sie auch nicht wiederbelebt werden, falls wir nicht einen Selensky kriegen (ein paar ernsthafte Komiker, gibt es noch, die Kanzler könnten). Das wissen auch die Tröglinge der Parteien und setzen alles dran, genau diese Gefahren kaltzustellen.

Klaus-Dieter Weng / 04.06.2022

Das ist ein ausgezeichneter Text, Herr Matthes, sowohl inhaltlich als auch sprachlich. Mein Kompliment dafür! Ob der freie Westen überleben wird? Nein, das glaube ich nicht. Schon die Demografie spricht dagegen. Die Schweiz wird wohl etwas länger überleben, doch auch dort sind starke Tendenzen der Dekadenz zu beobachten. Gespannt bin ich auf die weitere Entwicklung der ostmitteleuropäischen Staaten. Es wird etwas Neues entstehen, und es wird vermutlich autoritär sein: “Let’s also be clear. The future is not just happening. The future will be built by us, by a powerful community as you here in the room. We have the means to improve the state of the world.” (so Klaus Schwab an die TN des WEF in Davos; Quelle : henning rosenbusch auf Twitter am 23. Mai) . “Lassen Sie es uns/Lasst es uns klar sagen. Die Zukunft passiert nicht einfach so. Die Zukunft wird von uns gebaut, von einer mächtigen Gemeinschaft wie Sie hier /ihr hier in diesem Raum. Wir haben die Mittel, den Zustand der Welt zu verbessern.”  Das ist zum Fürchten, finde ich, denn damit wird das Ende des souveränen Individuums, auf dem die westlichen Werte beruhen, eingeläutet. Genießen Sie den Sommer und die drei, vier Monate Freiheit, bevor wir wieder einsperrt werden!  Aus Portugal ist, wie Sie wissen,  die nächste tödliche Variante im Anmarsch. Da Sie Pop-Musik mögen, steuere ich ein Video bei, das Ihnen bestimmt gefallen wird. Die Zeit meiner Jugend, lang ist’s her, mein ältester Enkel wird im nächsten Monat 14. (Auf YouTube ‘Zombies - Time of the Season’ ). Nostalgie!

Ingo Schöler / 04.06.2022

Sie haben recht. Wir sind auf gutem Wege zu einem ” Shit hole country” wie Herr D. Trump es auszudrücken pflegte.

I. Hildebrand / 04.06.2022

Diese Entwicklungsspirale hatte schon Antoine de Saint-Exupery weise zusammengefasst. “Wenn Menschen gottlos werden, dann sind die Regierungen ratlos, Lügen grenzenlos, Schulden zahllos, Besprechungen ergebnislos; dann ist die Aufklärung hirnlos, sind Politiker charakterlos, Christen gebetlos, Kirchen kraftlos, Völker friedlos, Sitten zügellos, Mode schamlos, Verbrechen maßlos, Konferenzen endlos, Aussichten trostlos”

R. Hientz / 04.06.2022

“Inzwischen haben wir einen Bundespräsidenten, der auch schon einen Kranz am Grab eines Terroristen niedergelegt hat…”. Na ja Arafat war ja schließlich kein gewöhnlicher Terrorist, sondern der Vater des Terrorismus mit Friedensnobelpreis, dem heute besonders dadurch gehuldigt wird, dass den Angehörigen seiner erfolgreichen Anhänger, die es bis zum Märtyrer schafften, eine üppige Hinterbliebenenrente zufliesst. Auch aus deutschen Steuergeldern.

Gerald Schwetlik / 04.06.2022

Schon bemerkenswert, wenn man feststellt, dass es auch andere Menschen gibt, die bestimmte Ereignisse genauso dramatisch gesehen haben wie man selbst. Man denkt gerne als Mensch, wenn man nicht geneigt ist, mit der Masse zu schwimmen, dass man da alleine auf Gegenkurs geht. Aber das ist ein Irrtum Herr Schwetlik. Als Horst Köhler von Trittin abgeschossen wurde, war ich schockiert. Alles um diese Sache herum war schockierend und es war natürlich wieder einer dieser Ökosozialisten, die nicht alles in der DDR schlecht fanden, der federführend war. Die Eroberung der öffentlichen Meinung durch die Enkel der 68iger ist vor aller Augen passiert. Die CDU hat sich von Merkel kastrieren lassen und den Kram wehrlos übernommen. In der SPD gibt es schon lange nur seltsame Frauen, die oben stehen und Kevin Kühnert. Die FDP ist seit Westerwelle eierlos und unerträglich. Wer also sollte sich dem grünen Ungeist entgegen stellen?! AfD? Wohl kaum! Haben keinen Muckschein! Der freie Westen ist schon lange zum Zentrum der Auferstehung des Sozialismus geworden. Damit der Unfreiheit und dem Despotentum. Freundliche, gegenderte und feministische Despoten natürlich. Resüme: ich bin alt, die paar Jahre sitze ich auf einer backe ab. Die vielen vielen unpolitischen Menschen zwischen 14 und 30, die sich nicht dafür interessieren, dass ihnen die Freiheit mit Klima, Corona, Gegendere und Haltung abhanden kommt, müssen sich darum kümmern. Ich befürchte allerdings, dass die erst merken, dass die Freiheit weg ist, wenn der Käfig, in den sie eingesperrt wurde, leer ist (Georg Danzer Zitat).

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