Viel Geld zu besitzen und reich zu bleiben, hat nicht nur damit zu tun, in welche wirtschaftlichen Verhältnisse man hineingeboren wird. Intelligenz und Talent sind nicht zu unterschätzen.
„Wohlstand entsteht nicht durch Arbeit. Wohlstand entsteht durch Wohlstand.“ Das jedenfalls meint Ciani-Sophia Hoeder in ihrem neuen Buch „Vom Tellerwäscher zum Tellerwäscher“, das sie jüngst im Spiegel vorstellte. An gleicher Stelle durfte auch Ingrid Robeyns verkünden: „Dass sich Ultrareiche ihr Geld allein erarbeitet haben, ist ein Mythos.“
Während Erstere mit dem Sozialerbe liebäugelt, ist letztere eine Vertreterin des Limitarismus. Dies hieße zum einen, dass es eine Erbschaftssteuer von 100 Prozent gäbe. Sprich: Reiche Eltern könnten ihren Kindern nichts mehr vererben, weil der Staat die Reichtümer komplett umverteilen würde. Zum anderen dürften Reiche nur bis zu 10 Millionen Euro besitzen, weil größere Summen erstens der Gesellschaft schadeten und zweitens keinen spürbaren Zuwachs an Lebensqualität bedeuteten.
Die Thesen der Beiden sind nicht neu und werden zumeist von der Linkspartei, gelegentlich auch von SPD und Grünen vertreten. Angeblich sei die Leistungsgesellschaft am Ende, der Traum „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ mittlerweile ausgeträumt. Chancengleichheit existiere nicht. Ohne reiche Eltern kein Reichtum.
Aber stimmt das überhaupt?
Es gibt mehrere Wege, sich dieser Fragestellung anzunehmen. Beispielsweise weist das bekannte Forbes Magazine jedem Milliardär einen „self-made-score“ zu, beurteilt also, wie sehr er oder sie es aus eigener Leistung an die Spitze gebracht hat. Einzelfälle sind bei dieser Herangehensweise weniger spannend, stattdessen bilden die 400 reichsten Amerikaner eine ausreichend große Stichprobe, um daraus Schlussfolgerungen abzuleiten.
Einen Score von 10 erhält, wer im Leben extreme Härten erdulden musste. Investor George Soros beispielsweise ist Holocaustüberlebender, während TV-Moderatorin Oprah Winfrey in ihrer Kindheit sexuellen Missbrauch erfuhr. 9 bedeutet eine Herkunft aus der Arbeiterklasse, 8 aus aus der Mittelschicht, bzw. dem Bildungsbürgertum. 7 steht für reiche Eltern, eine 6 für jemanden, der aus eigener Leistung den Aufstieg in ein bestehendes milliardenschweres Unternehmen schaffte und eine 5 für ein signifikantes Erbe unterhalb der Milliardengrenze. 1–4 bedeuten, dass die Person ein Milliardenvermögen erbte und dieses mit mehr oder weniger Erfolg vermehrte.
Dabei kann natürlich auch jemand mit einem Score von 7 ein self-made-Milliardär sein. Denn dieser Score bedeutet nicht, dass die genannte Person eine signifikante Summe erbte, sondern nur, dass die Lebensumstände deutlich bequemer waren. Zum Beispiel weil die hohen Gebühren an einer Elite-Universität kein Hindernis darstellten, oder weil man die Kontakte der Eltern genutzt hat. Und auch wer seine Milliarden verdient hat, weil er von einem bereits bestehenden Konzern angestellt wurde, hat es immer noch aus eigener Leistung geschafft. Es wäre interessant, auch hier die Herkunft genauer aufzuschlüsseln, vermutlich dürften Personen dieser Kategorie ähnlich weit gestreut sein wie die Personen der Kategorien 7–10.
Ohne Talent sind die besten Startbedingungen wertlos
Die Scores der 400 reichsten Amerikaner verteilten sich im Jahr 2023 wie folgt:
1: 28
2: 21
3: 19
4: 24
5: 29
6: 11
7: 32
8: 152
9: 55
10: 29
Nur 92 Personen (23 Prozent) waren Milliardäre qua Geburt. Das ist natürlich viel, angesichts der Tatsache, dass die Chance für den einzelnen Amerikaner, zu den Ultrareichen zu gehören, bei etwa 1 zu einer Million liegt, aber wenig, wenn man annimmt, dass Reichtum nichts mit eigener Leistung zu tun hat. Immerhin 279 Milliardäre (70 Prozent) haben sich ihren Reichtum selbst aufgebaut und etwa 40 Prozent davon stammen aus der Mitte der Gesellschaft. Und immerhin 43 der 92 geborenen Milliardäre (also knapp die Hälfte) konnten ihren Wohlstand in signifikantem Maße vermehren.
Oft wird darauf verwiesen, dass Jeff Bezos nicht wirklich als self-made-Milliardär einzustufen ist, da seine Eltern ihm mit 200.000$ Startkapital bei der Gründung von Amazon ausgeholfen haben. Mittlerweile besitzt er allerdings ein Vermögen von 200 Mrd. Dollar, also das Millionenfache dieses Investments. Sein Unternehmen wird sogar mit knapp 2 Billionen Dollar beziffert! Tatsächlich fällt das Verhältnis nochmal kleiner aus, weil Bezos, der vorher als Aktienbroker gearbeitet hatte, auch von anderen Investoren größere Summen auftrieb, um sein Unternehmen voranzubringen. Um welchen Betrag es sich dabei handelte, lässt sich aber nicht eruieren. Womöglich fällt die Anschubhilfe durch die Eltern weniger stark ins Gewicht und auch das Überzeugen von Investoren, die ja an den geschäftlichen Erfolg glauben müssen, ist eine eigene Leistung. Ohne Talent sind auch die besten Startbedingungen wertlos.
Die genetischen Anlagen entscheiden über Erfolg und Niederlage
Robeyns meint, dass es schon deswegen keine self-made-Milliardäre gebe, weil diese stets andere Menschen für sich arbeiten ließen. Auf einer einsamen Insel könne niemand reich werden. Das klingt fast so, als ob Milliardäre allesamt Sklavenhalter wären. Dass sie aber eben auch für Arbeitsplätze sorgen oder mit ihren Produkten, zum Beispiel Computern oder Medikamenten, den Lebensstandard erhöhen, fällt bei ihr unter den Tisch. Und allein die Zahl der Arbeitskräfte kann kaum ein Kriterium sein – dann müsste es weiten Teilen der Dritten Welt deutlich besser gehen. Dass das reine Vererben die Ursache für Reichtum ist, kann schon in sich nicht stimmen, wenn man kurz nachdenkt. Ein Milliardär kann nicht beliebige viele Milliardäre unter seinen Nachkommen haben.
Wenn man zwei Kinder pro Generation annimmt, halbiert sich der Wohlstand entsprechend im gleichen Zeitraum, und auch die anfallenden laufenden Kosten lassen die ursprüngliche Summe immer weiter schrumpfen. Es muss also eine andere Erklärung geben, warum Reiche häufiger von Reichen abstammen. Einige Studien liefern verblüffende Ergebnisse. Viele Großgrundbesitzer in den USA verloren nach der Abschaffung der Sklaverei an Reichtum. Dennoch konnten ihre Nachkommen aufholen und einige Jahrzehnte später wieder Wohlstand aufbauen. Ganz ähnlich gilt dies auch für Ungarn und China. Dort hatten die Kommunisten die besitzende Klasse enteignet. Aber dennoch gelang es deren Nachkommen, wieder reich zu werden.
Umgekehrt wurden viele Amerikaner nach dem Zufallsprinzip reich, als der US-Bundesstaat Georgia vor knapp 200 Jahren große Ackerflächen verloste, um Siedler anzuziehen. 20 Jahre nach der Lotterie verfügten die Gewinner immer noch über großen Wohlstand, ihre Kinder hingegen hatten schon deutlich weniger und spätestens die Enkelgeneration fiel wieder auf den Durchschnittswert zurück. Geld zu haben, oder nicht zu haben, sagt also erstaunlich wenig über den Besitz der Nachkommen aus. Sehr wohl entscheiden aber die genetischen Anlagen über Erfolg und Niederlage. Intelligenz ist zum einen größtenteils erblich bedingt und zum anderen ein wichtiger Einflussfaktor für das Einkommen. Dies wurde immer wieder durch Studien bestätigt. Gilt das auch für die Superreichen?
Das Resultat der Gleichberechtigung
Bislang jedenfalls hat noch kein Wissenschaftler gezielt Milliardäre zum IQ-Test eingeladen. Jedoch gibt es starke Indizien. Der Psychologe Jonathan Wai schätzte anhand der Universitätsabschlüsse den IQ der amerikanischen Eliten ab und ordnete sie dem obersten einen Prozent der Intelligenzverteilung zu. Es ergab sich folgendes Bild: 45 Prozent der US-Milliardäre und 39 Prozent der Vorstandsvorsitzenden unter den 500 größten US-Firmen entstammten dem obersten Prozent. (Sowie 41 Prozent der US-Senatoren und 41 Prozent der Richter auf Bundesebene). Eine Hochbegabtenstudie nahm insgesamt 7.000 mathematisch hochbegabte Jugendliche ebenfalls aus dem obersten Prozent auf. Unter ihnen befanden sich zwei spätere Milliardäre, nämlich Sergey Brin (Google) und Mark Zuckerberg (Facebook) (self-made-scores 9 und 8).
Doch Robeyns weiß: „Viele reiche Menschen denken, dass sie schlauer oder tüchtiger sind als andere. Tatsächlich werden Sie keinen Selfmade-Milliardär finden, der nicht irgendwie von guten Startbedingungen profitiert hätte.“ Hoeder klagt, dass inzwischen nur noch etwa 1/5 aller Ehen klassenübergreifend geschlossen werden, früher war es einmal die Hälfte. Sie spricht von einer „Endogamie“. Dies befördere die „Konzentration von Reichtum und Macht“.
Doch sie übersieht, dass diese Entwicklung nichts mit Standesdünkel zu tun hat. Stattdessen ist sie das Resultat der Gleichberechtigung. Immer mehr Frauen haben in den vergangenen Jahrzehnten die Karriereleiter erklommen. Früher heiratete der Arzt die Krankenschwester und der Anwalt die Sekretärin. Heute heiratet der Arzt die Ärztin und der Anwalt die Anwältin. Dies hat auch auf genetischer Ebene Konsequenzen. Denn Kinder mit gleich zwei Akademikereltern bekommen so einen noch größeren Startvorteil. Der linke Wunsch nach mehr Gleichheit hat sich dadurch in sein Gegenteil verkehrt.
Lukas Mihr, geb. 1985, ist Historiker und Journalist.
Da hat das linke Neidhammel natürlich recht. Wenn man sich künftige reiche Erblasser, milliardenschwere Ehepaare, anschaut, dann liegt die Quote von leistungslosem Reichtum regelmäßig bei 50 Prozent. Wer genau nichts dafür geleistet hat, entnimmt man der Boulevardzeitung nach der Scheidung. Das ist bekanntlich immer die Person, die Geld bekommt und nicht zahlen muss. Aber denen wollen sie das Geld ja nicht nehmen, sondern immer dem, der an der Quelle ist.
>>Intelligenz und Talent sind nicht zu unterschätzen.<< ## Was in der Eingangsthese als Intelligenz bezeichnet wird, hat eine sehr enge Zielrichtung. Es geht darum, wie man verhindern kann, dass der Anteil Anderer am eigenen Reichtum genullt (ZERO) werden kann. Stiftungen, „Gemeinnützigkeit“, Korruption, Gesetzesverachtung, alles kann, muss aber nicht. Nur wer das Instrument meisterhaft spielen kann, wird und bleibt reich. Und es gibt Gefahren, die man nicht vermeiden kann, man muss sich dagegen versichern. Sonst geht es einem so, wie den „Steuerbetrügern“, die in Landsberg einsitzen. Nein, Reichtum, ohne Bedrohungspotential, vielleicht sogar Terrorismus ist undenkbar, weil der Feind seine Methoden ständig verbessert, und der will ja auch sein „zusammenerarbeitetes“ Vermögen mehren. Bei allem Bürokratieabbau wird das Steuervolumen NIEMALS sinken oder auch nur konstant bleiben, Außer der konstanten Nullinie, die aber nur die wirklichen Profis erreichen. Die Größte Gefahr in dem komplizierten und fragilen Sicherheitskonstrukt, das man im Laufe der Jahre aufgebaut hat, um den Anteil Anderer am eigenen Reichtum zu minimieren, sind unerwartete Einschritte oder gar Einsprünge von der Seite. Das plötzliche Auftreten eines falschen Präsidenten, mit dem niemand rechnen konnte, und der ja auch nur alles tut, damit sein Reichtum nicht unnötig gemindert wird, kann seismische Wellen in dem fragilen Konstrukt der Sicherheiten verursachen. Oder wenn ein fremder Despot einfach nicht mehr mitspielt und die Ressourcen, die er seinem eigenen Volk entwendet hat, nicht mehr zu den vereinbarten Bedingungen handeln will… Das ist wie ein Vulkanausbruch unter dem St. Andreas-Graben. Noch schlimmer, wenn er hinterhältig Absprachen mit Dritten trifft, die das eigene Sicherheitskonstrukt des Reichtums gefährdet. Das kann Millionen Reicher und Halbreicher gefährden. Sowas zwingt zum Krieg. Weil alle Vorsehung seit Jahrhunderten feststeht. Da dringt man nicht einfach ein, wie die Wildsau!
Und was ist mit den Leuten die rechtzeitig Bitcoin gekauft haben?
@Volker Kleinophorst – Nun, wenn der Schwiegervater in spe und Fabrikbesitzer diese eine Million in Bar einem Investor aus dem Kreuz geleiert hat, dann ist das doch fantastisch: Einer hat eine Idee, aber keine Kohle und der andere hat die Kohle, aber keine Idee. Beide tun sich zusammen, verzigfachen das Geld zu beider Nutzen, schaffen dabei auch noch Arbeitsplätze, zahlen Steuern und vergrößern das Volksvermögen. So funktioniert eben der Kapitalismus und genau so sollte es sein.
Von dem Vermögen der Milliardäre ist wahrscheinlich weniger als 1% tatsächlich verfügbar. Die Höhen der Vermögen sind spekulativer Natur. Es ist in verschiedenen, wenig transparenten Formen fest angelegt und wird von institutionellen Firmen verwaltet, die selber oft Aktiengesellschaften sind und deshalb bei einem starkem Zugriff auf die verwalteten Anlagen genau wie Banken sofort pleite gehen.
Wie kommt man in Deutschland im Jahr 2024 zu einer Million ? In dem man im Jahr 2008 2 Millionen hatte. Wenn man das Land mit Millionen von Bildungsfernen flutet, dann nimmt die Anzahl der Millionäre prozentual zur Bevölkerungszahl rapide ab.
Wer nix erheiratet oder erbt, bleibt ein armer Deifi bis er sterbt! Also zu meiner Zeit ging das noch folgendermaßen: Der junge ledige und intelligente Mann setzte sich eines Tages nach seiner Ausbildung hin und schrieb auf einem Zettel auf, welche charakterlichen-, standes-(finanzielle) – und altersmäßigen Eigenschaften die zukünftige Ehefrau haben sollte. (Schließlich etwas Festes mit einer langen Bindung fürs Leben, sonst lohnt der Aufwand nicht!) Wenn er klug war, spielte das Aussehen dabei nur eine untergeordnete Rolle. (Prinzessinnen eignen sich nicht als Ehepartnerin!) Für jede Eigenschaft, welche auf dem Zettel stand, schätzte er ab, wieviel % der Frauen in der Bevölkerung diese Eigenschaften aufwiesen. Diese Prozentzahlen (als Faktoren) multipliziert ergeben dann die Wahrscheinlichkeit, eine solche Frau zu finden! Das Ergebnis war dann immer gleich ernüchternd, ein Lottogewinn wäre i.d.R. wahrscheinlicher gewesen! Um keine Abstriche machen zu müssen, gründete der junge Mann gleich ein Heiratsinstitut, welches nur ein wirkliches Geschäftsziel hatte, die eigene Suche nach seiner Wunschpartnerin zu optimieren. Er annoncierte deshalb (als Firma) probeweise männliche- und weibliche Anzeigen bundesweit in überregionalen Tageszeitungen (breit aufgestellte Suche), und musste zunächst feststellen, daß weibliche Anzeigen um den Faktor 50 erfolgreicher waren als die männlichen Anzeigen! Also Strategiewechsel,- es wurde nur noch eine einzige männliche Anzeige (er selbst) in die Welt gesetzt, dafür aber möglichst viele weibliche Anzeigen mit wunderschönen Fake-Weibern, welche nur das Ziel hatten, die männliche Konkurrenz im Heiratsmarkt auszuschalten. Das funktionierte damals noch ganz gut!